Frage von Funmichi, 37

Sind alle Auseinandersetzungen Interessenkonflikte statt gut gegen böse?

Antwort
von RevatiKKS, 13

Ich würde sagen "fast alle", denn letztendlich geht es den meisten Menschen doch primär um ihre eigenen Interessen. Und sie stufen andere solange als "gut" ein, bis diese etwas tun, was den eigenen Interessen im Wege steht, die Erfüllung de eigenen Wünsche also bedroht. Bei vielen Menschen geht das so weit, dass sie schon ernsthafte Probleme damit haben, wenn jemand eine andere Meinung vertritt, einen anderen Lebensstil, einen anderen Glauben hat. 

Antwort
von PolluxHH, 23

Ich habe ein kleines Problem mit Deiner Frage, denn hier werden zwei Dinge gegenübergestellt, die nur bedingt auf der gleichen logischen Stufe  in einem logischen Zusammenhang stehen. Selbst "Gut gegen Böse" wäre letztlich ... ein Interessenkonflikt, wäre also nur eine spezielle (dichotome) Ausprägung. Auf der anderen Seite ist die Formulierung "Interessenkonflikt" viel zu rational, denn neurotisch fundierte Auseinandersetzungen z.B. stellen keine Verfolgung eines bewußt gehaltenen Interesses dar.

Auch muß eine Auseinandersetzung zwischen A und B nicht zwingend etwas mit einem nach außen gerichteten Interesse zu tun haben. Einzelne Menschen fangen eine Auseinandersetzung nur deshalb an, um ihre Aggressionen abzulassen, also in Verfolgung von nach innen gerichteten Konflikten. Gleiches ist auch bei Kriegen feststellbar. Nichts schweißt eine Nation stärker zusammen, als ein Krieg, weshalb ein Krieg auch einfach nur ein politisches Mittel zur Stabilisierung der Nation sein kann, ohne daß ein äußerer Interessenkonflikt bestünde. Feindbilder sind leicht aufbaubar.

Die nächste Frage ist, wie man sich "Gut gegen Böse" vorzustellen habe, denn üblicherweise wird hier ein dichotomer Bezug angenommen, also Gut und Böse als Antipode mit gleicher logischer Qualität verstanden. Ein anderes System, und dieses ist eigentlich im Judentum als auch im Urchristentum angelegt, hat eine dialektische Struktur: jedes Extrem ist schlecht, nur der Ausgleich der Extreme ist "gut". Alles Essen für sich zu behalten und andere Hunger leiden lassen wäre böse, alle Nahrung anderen zu geben und selber zu verhungern wäre böse, aber hier einen Ausgleich der Interessen zu schaffen wäre gut. Also Ausgleich, also Synthese, also Dialektik.

In der Summe trifft es die Umschreibung mit Interessenkonflikten damit eigentlich ganz gut, ist aber keinesfalls hinreichend. "Gut" und "Böse" ist meist eher ein Vehikel, um die Massen hinter sich zu bringen, also Manipulation und Demagogie. Diese Argumentation zu bedienen stellt regelmäßig eine unzulässige Vereinfachung dar.


Kommentar von Funmichi ,

Kriegspropaganda ist doch damit genau die erzeugung der illusion eines "gut vs böse". Lästern ist ebenfalls ein erzeugen dieses scheinbildes. Ein ehrlicher emotionsgrlöster perspektivwechsel kann schnell dies enthüllen.

Emotionen sind spannungen die sich im konflikt abbauen. Damit findet ein ausgleich statt, die lage wird wieder stabil. Jedoch bauen sich nach und nach neue spannungen auf, daher ist das ziel ernster konflikte ein ausschalten des gegners. Emotionen sind aber nur vehikel von interessen/bedürfnissen, die der mensch so hat auch wenn er diese nicht genau subjektiv definieren kann. Bei genaueren hinsehen wird dies klar. Auch wenn die emotionsentladung in andere richtungen geht als zur befriedigung des bedürfnisses des einzelnen/der gruppe.


Kommentar von PolluxHH ,

Absolut richtig und letztlich ist jedes menschliche Handeln (inkl. Unterlassungen) als auf Interessen/Bedürfnisse beruhend zurückzuführen, so betrachtet wäre es aber banal. Deshalb wollte ich, um es aus der Banalität zu heben, zumindest differenzieren nach sachlich vordergründigen (bewußten) Interessen und nur latent verfolgten Interessen als auch ("Interessenkonflikt" in einer Auseinandersetzung impliziert i.d.R. einen zwischen beiden Parteien bewußt wahrgenommene Situation der ... Unausgewogenheit, sofern man Interessen als rational faßbar begriffe, also z.B. Rohstoffmangel bei A und Vorhandensein der Rohstoffe bei B) nach nach außen wirkenden Interessen (direkter Konfliktgrund) oder nach innen gerichteten Interessen (mittelbarer Konfliktgrund). Auch hier liegt wieder eine Definitionsfrage vor, nämlich wie man '"Interesse" begreift. Die von Dir angedachte Fassung geht mir etwas zu weit, wenn auch nachvollziehbar und vertretbar, denn dadurch verliert sie die Operationalität.

Antwort
von Kitharea, 20

Gut und Böse ist kein mathematischer Wert. Jeder der etwas tut, denkt sich selbst im Recht. Jeder der angeblich böses tut - tut das, weil er einen Grund dafür hat es zu tun. Oder er tut es für ein höheres Ziel. Wenn man es genau nimmt sind alle Auseinandersetzungen gut gegen gut. Ist auch im "normalen" Leben so, dass man sich selbst immer als den Guten sieht - den der Recht hat. Mit Wahrheit hat das noch lange nichts zu tun. Wahrheit gibt es nur wenn man zusammen Lösungen sucht. Dann müsste zwar jeder seine eigene Welt etwas biegen aber das ist der einzig mögliche Weg um aus einem Gut gegen Gut ein Du und Ich zu machen.

Antwort
von Ahzmandius, 5

Ich persönlich denke Jain:

Es gibt Personen, die in Konflikte eintreten, nur auf Grund von ideologischen Überzeugungen. Bezogen auf einzelne Menschen, könnten Konflikte tatsächlich, nur von der Überzeugung für das Gute und gegen das Böse zu kämpfen, getragen werden.

Bezogen auf den gesamten Konflikt würde ich es verneinen. Die meisten, die Konflikte inizieren, treten in aller Regel nie selbst in den Kampf ein. Ihre Motive haben in der Regel nichts mit einem Kampf Gut gegen Böse zu tun.

Antwort
von Lichtpflicht, 17

Natürlich. Es gibt kein ultimatives Gut und kein ultimatives Böses. Jeder Konfliktpartner glaubt, er wäre im Recht und daher der Gute. Trifft auf Kriege wie auf Beziehungsstreits zu... Auf jede Auseinandersetzung.

Nichtsdestotrotz bedeutet das nicht, dass beide auch immer im Recht sind. Um das zu beurteilen muss eine Außenperspektive eingenommen werden.

Antwort
von brido, 18

Interessenskonflikte die als gut gegen böse verkauft werden, ja, es gibt ausreichend Hinweise.

Antwort
von Dahika, 7

Nein, eher arm gegen reich. Geld gegen kein Geld.

Wer gut ist in einem Konflikt, entscheidet meist jede SEite für sich. Ich bin überzeugt, dass der IS z.B. sich als gut empfindet, da er für den wahren Glauben kämpft. Sogar die Nazis haben sich selbst sicherlich als die Guten gesehen.

Objektiv kann man nur fragen: sind die "guten" Absichten mit der Ethik, den Menschenrechten etc.. vereinbar?

Kommentar von Ahzmandius ,

Eine ähnliche Antwort wollte ich erst auch geben - das hätte die Frage nicht wirklich beantwortet. Es geht nicht darum, dass gut und böse subjektiv sind.

Der Kernpunkt der Frage ist, ob es Auseinandersetzungen gibt, die nur dadurch entstehen, dass eine "gute" Seite die andere "böse" Seite (oder umgekehrt) besiegen will, nur weil sie böse/gut ist.[das heißt es gibt keinerlei anderen, womöglich geheimen, Gründe für den Krieg]

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