Frage von Eversor1st, 24

Silikat oder Lehmputz?

Hallo liebe Community,

unser Haus, welches ein Altbau ist und unter Denkmalschutz steht, soll demnächst saniert werden. Auf Grund der Vorgaben der Behörde, dürfen wir es von außen nicht dämmen und von innen, muss auf jeden Fall gewährleistet werden, dass kein Schimmel entsteht und es quasi atmen kann. Nach langem hin und her, wurde uns mittgeteilt, dass wir für den Innenbereich entweder Silikat oder Lehmputz nehmen dürfen. Habt ihr damit Erfahrung? Was ist langfristig zu empfehlen und welche Variante ist einfacher hinsichtlich der Verabeitung?

Antwort
von Onki73, 6

Lehmputze sind, wie auch Gipsputze, stark wasserhaltend. Es gibt auch Schimmelprobleme auf Lehmputze, das ist kein Allheilmittel.

Altbauten wurden oft mit Kalkputzen verputzt. Auf der Fassade ist der Kalkputz in der Regel das Beste, was man für einem Altbau tun kann.

Im Innenbereich sollte dem Kalkputz wegen der Erhöhung der Stoßfestigkeit und Abriebfestigkeit ein klein wenig Zement zugesetzt werden (75 Raumteile Sand, 20 RT Kalkhydrat, 5 RT Zement). Dadurch wird auch die natürliche Entfeuchtung der Wand sicher gestellt, denn die Feuchte, die innen in die Wand einwandert, muss komplett aussen abdampfen können, da die Feuchtewanderung in der Regel mit dem Wärmestrom funktioniert.

Ein reiner Kalkputz gilt als sehr diffusionsoffen und kapillaraktiv. Mit zunehmenden Zementanteil im Putz sinken diese Werte. Daher ist es ratsam, den Innenputz durch den leichten Zementzusatz auch auch schon etwas dampfbremsender zu gestalten, als den Aussenputz. Somit ist sicher gestellt, dass für maximale Trockenheit und hohem Dämmwert das Mauerwerk die von innen einwandernde Feuchte auch immer an der Fassade abgeben kann.

Um eine hohe Oberflächenfeuchte innen zu verhindern ist es wichtig die innere Oberfläche warm zu halten, denn vor kühlen Oberflächen sammelt sich durch Luftfeuchteauskühlung erhöhte Feuchten, die zu Schimmel fühen können. Dieser Aspekt wird sehr oft nicht erkannt.

Durch Beheizung mit viel Warmluft (Heizkörper unter dem Fenster) wird der Schimmelbildung Vorschub geleistet, denn die erzeugte Warmluft bekommt die Aufgabe, die innere Wandoberfläche der AUssenwand zu erwärmen. Da Warmluft nach oben steigt, erfolgt die Erwärmung der inneren Wandoberfläche der Aussenwand von oben nach unten, wobei sich die heizungserwärmte Raumluft an der Wand auskühlt und nach unten sinkt. In den unteren Wandbereichen kommt dann auch gerne mal keine ausreichende Wärme mehr an und hier ist die Schimmelgefahr am grössten.

Mit einer gleichmäßigen Heizwärmeverteilung vor der Aussenwand lässt sich die Schimmelgefahr stark reduzieren, bzw. gänzlich beseitigen.

Hier haben sich Heizleisten bewährt, die von diversen Herstellern inzwischen im Internet angeboten werden. Die Heizungsbranche hat sich allerdings noch nicht mit diesem Heizsystem beschäftigt, daher wird der Monteur der Sache vermutlich skeptisch bis ablehnend gegenüber stehen.

Heizleisten werden unten vor allen (!) Aussenwänden installiert. Man schafft sich dadurch eine Art Flächenheizung (Möblierung mit etwas Abstand zur Wand - ca. 10cm - problemlos möglich), denn die Heizleiste schafft mit einem dünnen aufsteigenden Warmluftschleier vor der Aussenwand eine warme innere Aussenwandoberfläche, an welcher die Raumluft nicht mehr auskühlt.

Die Heizleiste schafft ein Klima mit sehr viel Wärmestrahlung im Zimmer. Dadurch werden alle Oberflächen gleichmäßig erwärmt, auch der Fußboden. Kalte Füsse gehören dann der Vergangenheit an. Ein Indiz für einen hohen Wärmestrahlungsanteil ist die gleiche Temperatur an Decke und Fußboden (mit dem IR-Thermometer gemessen).

Unterschiedliche Oberflächentemperaturen sind aber ein Motor für Luftbewegungen und Luftverwirbelungen. Durch einheitliche Temperaturen wird die Raumluft beruhigt, Staub, Keime etc. setzen sich auf dem Boden ab und belasten nicht mehr die Atemluft - ein großer Vorteil für die Gesundheit.

Durch fehlende Luftauskühlung an kalter Oberfläche erfolgt keine Steigerung der relativen Luftfeuchte mehr im Wandoberflächenkontakt und Schimmel wird somit effektiv vermieden. Die Wände bleiben trocken und dämmfahig. Bestehende feuchte Wände werden getrocknet und der Dämmwert erhöht sich dadurch rapide. Deshalb sind mit Heizleisten gegenüber dem Heizkörper ohne zusätzliche Dämmungen Heizkosteneinsparungen von bis zu 30% möglich und realistisch.

Wenn man mal mit "J.S.Cammerer" seine Ergebnisse zu seinen Untersuchungen zum Zusammenhang zwischen der Wandfeuchte und dem Dämmwert einer Ziegelwand ergoogelt, dann wird einem schnell klar, warum es für geringe Heizkosten nicht nur notwendig ist, trockene und schimmelfrei Wände zu haben, sondern das es vielmehr notwendig ist, knochentrockene Wände für sehr gute Dämmwerte zu haben.

Antwort
von julian1404, 10

Die wichtigsten Dinge, die die  Innenwände braucht sind Feuchtepuffer- und Feuchteausgleichsvermögen, die Fähigkeit Schadstoffe und Gerüche aus der Luft zu reinigen, einen natürlichen Schimmelschutz zu bieten und somit uns als natürliche Klimaanlage zu dienen dazu brauch man meines erachten Lehm putz da dieser atmungsfähiger ist und auch länger heben wird.

Antwort
von lutzd, 10

Von der verarbeitung ist für einen laien der lehmputz zu empfehlen. Er schränkt aber auch ein was design glätte farben angeht. Wenn ihr von lehm nicht begeistert seit und euch darauf einlassen könnt lasst die finger davon. Schon mal über eine Alternative atmungsaktive Holzdämmung nachgedacht.

Kommentar von Eversor1st ,

Die untere Denkmalbehörde erlaubt nur Silikat oder Lehmputz. Die kommen ja sogar regelmäßig zur Baustelle. Jedes Vorhaben musste und muss von denen genehmigt werden. Holz akzeptieren die leider nicht. Das war mit denen auch schon ein Spektakel, als wir das Dach komplett erneuern ließen.

Kommentar von lutzd ,

Also ihr solltet euch mal schlaumachen in wie weit die tatsächlich bestimmen dürfen man muss sich nicht alles gefallen lassen. Grade diese Herren schießen gerne über das Ziel hinaus

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