Frage von icey5, 92

Sicherheitsfaktor bei Festigkeitsberechnung?

Hallo zusammen, für mein Studium sollen wir einen Festigkeitsnachweis für ein Rohr nach den AD2000 Merkblättern vorzeigen. Für einen Festigkeitsnachweis benötigt man ja bekanntlich den Sicherheitsfaktor S. Für die gegebenen Werkstoffe (Messing/Edelstahl; Kenngröße ist Streckgrenze Rp0,2) konnte ich allerdings keinen Wert dafür finden. In einer Tabelle (allerdings gegen Zugfestigkeit) steht zum Beispiel für den Betriebszustand kein Wert, für den Prüfzustand aber S=1,5. Welchen Wert benötige ich dann für den Betriebszustand oder wie komme ich darauf?

Vielen Dank schonmal für konstruktive Antworten!

Antwort
von nitroclaus, 64

Hi,

wie biggestmaxi richtig geschrieben hat, ist der Sicherheitsfaktor abhängig von der Anwendung.

Bei der Auslegung eines Systems muss zu allererst eine Risikobewertung durchgeführt werden, wer oder was ist in welcher Situation gefährdet. Bei den meisten Anwendungen gibt es auch Normen oder Regeln, nach denen der Sicherheitsfaktor festgelegt ist.

Diesen Faktor musst Du am Ende Deiner Kräftebetrachtung nach anderen Faktoren wie Betriebsfaktor oder Dauerbruch draufschlagen bzw. erfüllen.

Als einfaches Beispiel für den Sicherheitsfaktor abhängig von der Gefährdungsbeurteilung: Anschlagmittel.

Klassische Rundschlingen müssen auf einer Baustelle einen Sicherheitsfaktor von 3 oder 5 aufweisen (je nach Anwendung), in einem Theater muss die selbe Rundschlinge den Faktor 10 gegen dynamische Lasten ausweisen.

So werden z.B. industrielle Kettenzüge für die Anwendung im Theater (neben anderen technischen Maßnahmen je nach Anwendungsfall wie z.B. doppelte Bremsen)  auf die hälfte abgelastet, damit sie die Norm für Theater erfüllen.

Das ist jetzt alles etwas vereinfacht, denn zur Erreichung der geforderten Sicherheit sind häufig mehrere aßnahmen gefordert.

Ich hoffe, die Idee des Sicherheitsaktors ist so weit einigermaßen klar geworden.

Viel Erfolg

cvo

Antwort
von biggestmaxi, 59

Der erforderliche Sicherheitsfaktor ist in aller Regel nicht eine Frage des Werkstoffes, sondern der Anwendung, weil nicht für jede Anwendung das gleiche Risiko gilt. Der ausgewiesene Sicherheitsfaktor muss also größer sein als der für die gegebene Anwendung erforderliche.

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