Frage von vangie, 88

Sich von meiner Oma am offenen Sarg verabschieden?

Hallo, meine Oma ist am Montag verstorben. Sie hatte Krebs. Ich hab sie seit der Diagnose so oft besucht wie es nur ging und auch davor hatte ich ein sehr gutes Verhältnis zu ihr, weil sie meine Lieblingsoma war. Am Sonntag, bin ich aber ausnahmsweise nicht mitgefahren, weil es mir nicht gut ging.. Deswegen mache ich mir schon Vorwürfe. Nächste Woche ist die Beerdigung und man kann sie davor noch am offenen Sarg sehen, ich würde mich gerne verabschieden! Aber meine Eltern wollen das nicht, weil ich sie lebendig in Erinnerung behalten soll.. Was meint ihr? Lg

Antwort
von Eosinophila, 40

Was willst DU denn, darauf kommt es an.

Natürlich ist es schön, wenn man jemanden "lebendig" in Erinnerung behalten kann, aber sich von jemanden am offenen Sarg verabschieden zu können, ist etwas ganz Besonderes. Etwas, was es heute kaum noch gibt...Ich persönlich finde es schön, dass ihr die Möglichkeit bekommt. So könnt ihr eure Oma nochmal sehen, und auch sehen, wie friedlich sie jetzt sein wird. Der Tod hat doch ein besonderes Gesicht und es ist so schade, dass es heute so tabuisiert und weggesperrt wird.

Nur weil du dich ggf. am offenen Sarg von ihr nochmal verabschiedest, heißt es nicht, dass du sie nicht lebendig in Erinnerung behalten wirst.

Ich war schon oft auf Beerdigungen. Die offenen Särge, so selten sie auch waren, habe ich immer sehr geschätzt; einfach den Verstorbenen nochmal sehen, so friedlich, wie man ihn vielleicht vorher nicht kannte.

Aber letztendlich kommt es auf dich an, ob du es dir zutraust deiner verstorbenen Oma so nahe zu begegnen...

Kommentar von miezepussi ,

friedlich -> weil keiner was sagt

gruselig sehen diese toten Gesichter aus... nicht schön. Eingefallen, zerdrückt, hart, knochig, farblich unnatürlich

Kommentar von Eosinophila ,

Es tut mir leid, diese Meinung teile ich nicht...und ich habe weißgott schon viele Tote gesehen.

Und nein, friedlich, weil viele Verstorbene ein leises Lächeln auf den Lippen haben. Ein Lächeln, das, gottlob, keiner deuten kann.

Aber liegt vielleicht daran, dass für mich der Tod nichts Negatives ist und mich nicht schreckt.

Kommentar von miezepussi ,

Mich schreckt der Tod nicht. (Ich habe Angst vorm Sterben, nicht vorm Tod sein.)

Meine Mutter sah nicht aus wie sie normalerweise aussah. Eingefallen. Falsche Farben im Gesicht. Ein Lächeln hatte sie nicht, aber so schaute sie nie aus, nicht mal wenn sie schlief. Sie sah unecht aus - ich kann es gar nicht beschreiben - sie sah gar nicht wie sie selbst aus. Einfach wie ein fremdes Stück... nicht wie ein Lebewesen.

Kommentar von Eosinophila ,

So leid mir deine Erfahrung tut...es ist 1. deine Erfahrung und 2. eine Einzige! Deine Erfahrungen sind hier genauso nicht als Maßstab zu werten, wie die meinen.

Der Fragesteller muss selbst entscheiden, ob er sich das zutraut oder eben nicht. Egal, wie er sich entscheidet, für ihn ist das in Ordnung und richtig so. 

Allerdings sollte man eben nicht von einer Erfahrung auf alle anderen schließen, bzw. annehmen, dass es so wäre. Denn dem ist nicht so. Natürlich gibt es Verstorbene, die anders aussehen, teilweise wie eine Puppe. Ich bin so lange in der Pflege, habe wirklich viele Beerdigungen besucht, dass ich es gar nicht mehr zählen kann, bzw. war auch oft anwesend, wenn jemand starb...teilweise auch bei meinen Freunden. Für mich war es immer etwas Ergreifendes denjenigen nochmal von "Angesicht zu Angesicht" verabschieden zu können.

Aber wie gesagt, auch das sind eben meine Erfahrungen, die hier niemanden beeinflussen sollen, auch wenn der Fragesteller explizit danach fragt, was wir täten.

Und wie man sieht, sind die meisten, so wie Du, dagegen.

Kommentar von miezepussi ,

nein, es ist nicht meine einzige. Mein Vater ist nur ein halbes Jahr nach meiner Mutter verstorben. Ich habe ihn gesehen, als er tot war. Zwar nicht im Sarg, aber davor. Auch da hatte sich sein Gesicht schon verändert.

Ich denke Deine Guten Erfahrungen liegen darin begründet, dass Du mit diesen Toten nicht so startk emotional gebunden warst, dass Dich deren totes Gesicht abgeschreckt hat. Fremde Tote kann ich mir nämlich auch problemlos anschauen.

Antwort
von ingwer16, 19

Ich denke das solltest DU entscheiden , nicht deine Eltern .
Meine Oma & meinen Onkel durfte ich am offenen Sarg verabschieden . Ich konnte nochmal ihre Hände berühren , mit Ihnen " sprechen " , hab Wiesenblumen neben ihre Hände gelegt.
Im Nachhinein bin ich dankbar das ich das tun konnte! Es ist , finde ich ganz anders wenn man sich am offenen Sarg verabschieden kann .
Mach es wenn DU möchtest , die Gelegenheit dazu hast ! ✊🏻

Antwort
von huppsala, 40

Erst einmal: Herzliches Beileid.

Ich persönlich wollte das bei meiner Oma damals auch nicht. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Nur weil du nicht am offenen Sarg abschied nimmst, sagt das ja nichts über deine Trauer aus. 

Bedenke nur, dass Tote niemals so ausschauen, wie man sie in Erinnerung hatte. Und ich persönlich finde es schöner, wenn man den Menschen so in Erinnerung behält, wie sie waren. Lebensfroh, lachend, mit strahlenden Augen. Und nicht Blass, Steif und mit leblosem Gesicht.

Ich hoffe für dich, du triffst die für dich richtige Entscheidung.

Antwort
von miezepussi, 35

oje, lass das mit dem offenen Sarg. Ich habe meine Mutter vor 2 Jahren verabschiedet, am offenen Sarg. Ich wollte eigentlich nicht. Aber mein Vater wollte sie noch mal sehen. Ich ging mit, ich musste ihn stützen.

Meine Mutter sah nicht mehr wie sie selbst aus. Es war kein schöner Anblick.

Bleibe lieber bei Deinen schönen Erinnerungen an Oma. So wie sie im Sarg liegt, hast Du sie noch nie gesehen. So möchtest Du sie ganz bestimmt nicht sehen, geschweige denn in Erinnerung behalten.

Antwort
von MaxGansimaxl, 39

Ich finde das solltest du ganz alleine entscheiden! Es war seine Oma und wenn du eine sehr gute Beziehung zu ihr hattest dann solltest du hingehen und sie nocheinmal sehen bevor sie für immer vor deinen Augen verschwindet! MEIN BEILEID! LG

Antwort
von RealAwnser1, 34

Dann wirst du dir NOCH GRÖßERE machen weil du es bereuen wirst,dass du die Chance nicht genutzt hast dich zu verabschieden. Geh dahin verabschiede dich und sage was dir auf dem Herzen liegt :)

MFG

Antwort
von Alterhaudegen75, 26

Zuerst einmal mein Beileid!

Ich muß leider sagen das ich auch eher dafür tendieren würde es nicht zu tun. So hast du eine menge schöner Bilder und Erinnerungen im Kopf. Du wirst dich immer gerne daran erinnern.

Wenn du sie im Sarg siehst, bekommst du dieses Bild so schnell nicht mehr aus dem Kopf.

Verabschieden kannst du dich natürlich auch ohne sie im Sarg gesehen zu haben.

Falls du dich doch dafür entscheiden solltest hoffe ich das du es gut verpackst bekommst.

Antwort
von TreudoofeTomate, 28

Aus eigener Erfahrung kann ich dir raten, es nicht zu tun. Sie sieht nicht mehr aus wie zu Lebzeiten. Du wirst diesen Anblick nie wieder vergessen.

Ich bereue es so sehr, dass ich meinen Vater damals noch einmal angeschaut habe. Er war so unnatürlich geschminkt und sie hatten ihn so drapiert, dass sein Ohr nach vorn geknickt war. Einfach schrecklich.  :(

Antwort
von Schuhu, 21

Wenn du ihr noch ein paar Worte sagen möchtest oder sie einfach noch einmal sehen willst, solltest du deinen Eltern sagen, dass du doch nicht die Erinnerungen, die du an die Oma ja hast, durch den Anblick der Toten auslöschst. Deine Erinnerung an den lebendigen Menschen bleiben dir doch trotzdem.

Antwort
von Michipo245, 24

Sehr schwierige Frage. Das verarbeitet ja auch jeder anders. Meine Mutter bereut es ihren Vater nochmal gesehen zu haben. Alles Leben war weg und er sah "fremd" und anders aus

Antwort
von Kimys, 29

Hey. Erstmal mein Beileid. Tut mir sehr Leid für euch... Ich würde es auch nicht machen wollen und machen können. Da haben deine Eltern schon recht. Sowas kann einen echt prägen. 

Antwort
von ManuViernheim, 17

Behalte Deine Oma lebendig in Erinnerung.

Meine Oma sah ich auch in ihrem Sarg. Nachts hatte ich Alpträume. Ich sah Menschen im Zimmer. Wollte nachts nicht mehr auf der Toilette. Hatte Angst.

Ich war damals 23 Jahre alt.

Als die andere Oma starb, habe ich sie nicht im Sarg angeschaut.

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