Frage von fragegernmal254, 112

Sextingwebsiten für Jugendliche Illegal Amerikanisches- und Deutsches- Recht?

Wenn ein zwischen 14 und 18 Jähriges (Jugendliches)Mädchen auf einer (Amerikanischen)Sextingseite im Internet aus freiem Willen und mit Angabe ihres Alters Nacktbilder auf einer (Amerikanischen)Website veröffentlicht, wer macht sich dann Strafbar (Betrachter, Website, Veröffentlicherin) ? Beispielsweise der Betrachter ist Deutscher und das Mädchen Amerikanerin sieht es dann wieder anders aus wie wenn das Mädchen Deutsche wäre? Denn §184C des StGB gestattet Jugendlichen Erotische Aufnahmen für den Privaten Gebrauch machen, eine Website ist höchstwarscheinlich nicht mehr Privat oder etwa doch?

Vielleicht kennt sich hier ja Jemand mit Amerikanischen- und Deutschenrechts-Wissenschaften aus

Würde mich sehr über Hilfreiche Antworten freuen

Antwort
von Mindermeinung, 49

Zum deutschen Recht siehe meine Erläuterung bei dieser Frage:

https://www.gutefrage.net/frage/nachtbilder-einer-14jaehrigen-nach-trennung-stra...

§ 184c StGB schützt ja gerade Jugendliche (also 14- bis unter 18 Jährige). Oder soll sie jedenfalls schützen, auch wenn diese Norm völlig misslungen ist. Ein Jugendlicher als Hersteller und Besitzer von eigenen Bildern macht sich nicht strafbar. Auch nicht als Besitzer, wenn er nicht selbst Hersteller war, aber Darsteller (die Aufnahme also ihn selbst zeigt).

Privilegiert in § 184c Abs. 4 sind jedoch ausschließlich (!) Handlungen gem. § Absatz 1 Nummer 3, auch in Verbindung mit Absatz 5, und Absatz 3 des Herstellers.

Das Verbreiten (Abs. 1 Nr 1) und öffentliche zugänglich machen - Webseite! - ist von dieser Privilegierung grundsätzlich nicht erfasst. Übrigens auch nicht die Fremdbesitzverschaffung (Abs. 1 Nr. 2) (siehe o.g. andere Antwort).

Anwendbar ist deutsches Recht grundsätzlich auf Taten, die im Inland begangen werden (§ 3 StGB).

Hinsichtlich des bloßen Betrachtens bzw. der (vorsätzlichen) (versuchten) Besitzverschaffung von "Material" nach § 184b und 184c StGB findet deutsches Recht völlig unproblematisch Anwendung, wenn sich der Täter dabei in Deutschland aufhält - auch wenn das Material auf ausländischen Servern liegt. Der tatbestandliche Erfolg tritt ja dann in Deutschland ein.

Hinsichtlich der Verbreitung ist deutsches Recht gem. § 6 Nr. 6 StGB anwendbar - unabhängig vom Tatort. Wenn das Bild auf dem ausländischen Server liegt, macht sich derjenige der es hochgeladen hat aber wahrscheinlich auch nach dem dortigen Strafrecht strafbar. Deutsche werden aber nicht an die USA ausgeliefert.

Für den Webseitenbetreiber besteht nach deutschem Recht (in Deutschland) jedenfalls dann keine Strafbarkeit, wenn die Webseite nicht gerade selbst diesem Zweck (also dem Hosting solcher Bilder) dient. Er hat aber immer jedenfalls dann ein strafrechtliches Problem, wenn er trotz Kenntnis der strafbaren Inhalte nicht unverzüglich etwas unternimmt - das gilt grundsätzlich auch für Beleidigungen etc. z.B. in Foren, wenn der Betreiber in D ist.

Ob das in den USA ähnlich ist, weiß ich nicht. Es ist aber jedenfalls so, dass in den USA - und auch in den meisten europäischen Ländern - die Trennung zwischen Kinder- und Jugendpornographie nicht existiert. Dort gilt alles als Kinderpornographie, was auch mit entsprechend schärferer Ahndung und höherem Strafmaß einhergeht.

Welche Nationalität das Tatopfer (also der oder die abgebildete) hat, ist übrigens egal.

Nicht ganz unwichtig, ist übrigens: man muss nach deutschem Recht Kenntnis davon haben, wie alt derjenige auf der Abbildung ist. Das ist dann wichtig, wenn man die jugendlichen Personen auf den Abbildungen nicht kennt und das Alter daher nur schätzen kann.

"Der Beobachter [muss] umgekehrt eindeutig zu dem Schluss kommen, dass jugendliche Darsteller beteiligt sind. [....] Ein ernsthaftes Strafbarkeitsrisiko im Zusammenhang mit pornographischen Darstellungen „Scheinjugendlicher“ lässt sich danach allenfalls annehmen, wenn und soweit in pornographischen Filmen auftretende Personen ganz offensichtlich noch nicht volljährig sind, etwa dann, wenn sie (fast) noch kindlich wirken und die Filme somit schon in die Nähe von Darstellungen geraten, die als (Schein-) Kinderpornographie unter den Straftatbestand des § 184b StGB fallen." (Beschluss, BVerfG, 2 BvR 2369/08 und 2 BvR 2380/08).

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