Frage von Demolay, 103

Seltsames Phänomen im Internet: Warum gibt es egal wo oder zu welchem Thema so gut wie immer einen, der deine Meinung kritisiert, aber selten echten Zuspruch?

...auch in Diskussionen (egal welchen Standpunkt man hat - auch wenn man die absolute Mehrheit der Meinungen vertritt): Fast immer folgt prompt eine "Gegenrede / einer der absolut widerspricht, aber kaum bzw. sehr selten gibt es offenen Zuspruch, WIESO ist das so???

Bin für jede Antwort (auch wenn es nur Mutmaßungen sind) dankbar! :-)

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Antwort
von tellME30, 42

Ich denke nicht das dies nur im Internet der Fall ist es im Internet aber offener ausgesprochen wird als "draußen". Die Anonymität schützt und Menschen kommen aus ihren Mäuselöchern um auch mal selbstbewusst auftreten zu können. Wer traut sich im realen Leben gegen eine Gruppe von mehreren Leuten zu stehen und wirklich eine andere Meinung zu vertreten? Das sind, wenn man es beobachtet, sehr wenige. 

Das mit der "Mehrheit" finde ich jedoch interessant. Ich konnte mir den Gedanken nicht verkneifen das nur weil es die Masse ist muss das noch lange nicht gut sein. Manchmal helfen Querulanten eine andere Sicht auf die Dinge zu bekommen. Ich habe gerne Kritiker denn das bewegt mich zum nachdenken. Ein Zuspruch oder ein Lob ist zwar auch ganz nett aber diesen habe ich (wenn ich es mir aussuchen kann) lieber in meinem direkten Umfeld :-) 

Egal welche Frage man stellt; egal welche Meinung man vertritt. Es wird immer mehr als eine Meinung geben und somit immer Stoff für Diskussionen. 

LG

Kommentar von Demolay ,

Um dem Klischee mal zu trotzen(wobei das ja wieder eine Art "dagegen" ist^^): Sehr gute Antwort, dank dir! :-)

Kommentar von peterklaus57 ,

Genauso

Antwort
von Ottavio, 26

Das ist doch ganz einfach. Es entspricht den Gesetzen des dialektischen Diskurses, und das ist gut so. Er verläuft im Dreischritt These, Gegenthese, Synthese.

Jede "Meinung", und möge sie noch so gut sein, enthält neben richtigen Teilaspekten auch falsche. Wäre das nicht so, dann hätte sie den Status einer Meinung weit überschritten und wäre ein wissenschaftliches Urteil. Das ist aber bei fast allen "Meinungen" nicht der Fall.

Wenn jemand nicht nur eine Frage stellt, sondern eine "Meinung" äußert, wie Du in Deiner "Warum-Frage", dann ist das so. Sie ist die These. Warum sollte ich nun in dieselbe Richtung reden ? Du hast sie doch schon ausgesprochen. Was nach der dialektischen Logik zu folgen hat, ist die Antithese. Darin geht es darum, was an Deiner an sich guten Beobachtung denn noch falsch war, also die Gegenrede.

Günstigenfalls wird ein Dritter kommen, und versuchen, sich ein Urteil darüber zu bilden, was jeweils an der These und an der Antithese falsch und was richtig ist. Das ist die Synthese. Sie ist die These im Fortgang des Diskurses.

Mehr als diesen Diskurs haben wir nicht auf dem Weg der Wahrheitsfindung. Hegel hat das beschrieben. In der Philosophie ist das immer der Weg, in der Wissenschaft zumeist auch.

Kommentar von Demolay ,

Dank dir für diese sehr gute, da intelligente Antwort!

Kritisch wird es nur dann, wenn eine neutrale Wahrheitsfindung durch blinden Rechthaberei-Wahn verdrängt wird, da entsteht nie eine Synthese, da die Egos ihre Meinungsfronten nur verhärten um als der "Sieger" bzw. derjenige der Recht hat, aus einer Diskussion hervorzugehen...

Kommentar von Ottavio ,

Danke für das Kompliment. Ich bin wahrscheinlich nicht intelligenter als Du, aber ich habe das mal studiert und hatte mehr als ein halbes Leben lang Zeit, mich damit zu beschäftigen.

Die Synthese entsteht in der Wissenschaft fast immer nur dadurch, dass es einen Dritten gibt, der sich am Diskurs beteiligt. Darum lautet das Wort "tres faciant colloquium", drei sollen das Gespräch führen.

Du weist völlig zu Recht darauf hin, dass es einen erheblichen Unterschied macht, ob ein Beitrag vorgetragen wird als Teil eines Diskurses oder mit blindem Rechthaberei-Wahn. 

Gestern hatte ich ein Gespräch mit einer Frau, die ich seit 44 Jahren kenne. Sie meinte, Ulrike Marie Meinhof (sie starb morgen vor vierzig Jahren) sei sich treu geblieben, als sie von der konkret-Autorin zur Terroristin wurde. Darüber hatte ich gerade nachgedacht, als ich Deinen Kommentar las.

Man könnte meinen, diese Radikalisierung sei nur eine quantitative Steigerung. die der Heftigkeit nämlich, mit der sie denselben Standpunkt vortrug. Aber das zweite Hauptgesetz der Dialektik ist das des Umschlages von der Quantität zur Qualität. 

Der zuerst eingenommene Standpunkt ist durch die Steigerung der Heftigkeit, mit der er vorgetragen wurde, ein qualitativ anderer geworden. Der scheinbar gleiche Standpunkt ist aus einem inhaltlich richtigen dadurch zu einem inhaltlich falschen geworden. 

Die Frau hat also Unrecht. Ulrike Marie ist sich nicht treu geblieben. Sie hat auch ihren inhaltlichen Standpunkt gewechselt.

Ich freu mich auf einen fruchtbaren weiteren Diskurs !

Herzlich

Ottavio

Expertenantwort
von Buddhishi, Community-Experte für Psychologie, 28

Hallo Demolay,

das ist leider nicht nur im Internet so, sondern fast schon Alltag. Auch ein Chef kritisiert seine Mitarbeiter/innen ja eher, als er sie lobt. Schau Dich um, es fällt den Menschen leichter zu 'meckern', als zu 'loben'.

Wenn jemand etwas gut findet, kommt es eher noch zu Neid, Eifersucht, Gier, es auch zu haben etc. So sind die meisten einfach gestrickten Menschen nunmal.

Nur, wer das nicht nötig hat, weil er eine stabile Persönlichkeit hat und in sich selber ruht, kann ehrlich anerkennen und loben.

Außerdem machen viele sich wichtig, indem sie gegen etwas reden. Plustern sich auf, als wären sie die einzigen, die Ahnung haben. Dann kommen noch die Besserwissen und die grundsätzlich Anti-alles. Schade, nicht wahr?

Und deshalb kriegst Du jetzt ein ehrliches Lob für Deine interessant Frage :-) SUPER - GEFÄLLT MIR - WEITER SO

LG

Buddhishi

Kommentar von Demolay ,

Und ein GROßES LOB an dich zurück - für diese SEHR GUTE ANTWORT , die absolut einleuchtet !!! =)

Kommentar von Buddhishi ,

Herzlichen Dank - das freut mich sehr :-)

Kommentar von winnso ,

@Buddhishi möchte dir auch nochmal ein großes Lob aussprechen! Habe nämlich schon sehr oft von dir hier sehr gute, intelligente Beiträge gelesen!👍

Kommentar von Buddhishi ,

Hallo Winnso, welch eine schöne Überraschung. Vielen Dank :-)

Antwort
von lele1900, 26

Ich glaub mal jeder denkt das er alles besser weiß und wenn du von etwas mehr weißt und es auch in deiner Meinung vertritt gibt es Menschen die das Vlt stört geht mir sogar bei meinen Freunden manchmal so wir diskutieren über etwas es ist nicht mal ein wichtiges Thema und ich bin zum Beispiel dafür aber direkt kommen Irg welche wieder Sprüche Ubwohl total unnötig ist Vlt versuchen sie einfach so zu tun als wüssten sie es besser oder wollen halt mit reden was für Sie dann heißt das sie was dagegen sagen müssen weil dafür ja schon so viel gesagt worde und sie ja dann nur zustimmen müssten also so sehe ich das oft haha

Kommentar von lele1900 ,

Und Ist sogar so wenn das was gutes für sie wäre aber trotzdem reden sie es schlecht

Kommentar von Demolay ,

Ich weiß ganz genau wovon du sprichst und was du meinst! ;-D Das kenne ich auch von meinem Bekanntenkreis so(bei manchen weniger, bei anderen extrem auffällig).

Antwort
von Minihawk, 9

Das ist auch im Leben so, Contra geben, aber niemals bestätigen, wenn man der selben Meinung ist...

Antwort
von Raketeraptor99, 23

Irgend jemand muss doch immer "dagegen" sein...

Kommentar von Demolay ,

So scheint es wirklich zu sein! ^^ 

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