Frage von hasenknuffel, 37

Selbstständig und doch krankgeschrieben?

Hallo, ich bin länger schon krank geschrieben. (In der Schweiz) Arbeite auch nicht Hauptberuflich. Nun möchte ich einen Online-Shop eröffnen, da ich so eine Möglichkeit habe, ein wenig Geld zu verdienen und ich denke, dass ich dieser Arbeit nachgehen könnte. Nun macht mir aber die Sozialhilfe Druck sobald ich nicht mehr krank geschrieben bin, soll ich an vielen Programmen teilnehmen, was mich dann wieder überfordern würde. (Mein gesundheitlicher Zustand sollte sich aber auch bessern in den nächsten 6 Monaten. werde im Moment auf Schilddrüsenhormone eingestellt unter anderem. Dann könnte ich vielleicht wirklich ohne Probleme an den ganzen Programmen teilnehmen.) Mein Arzt sagte zu mir, dass er mich nicht krank schreiben kann, wenn ich mich als Einzelunternehmen anmelde. Ich schließe keine Krankentaggeldversicherung ab.. Da ich dieses Projekt erst als Anfang plane für noch weitere Projekte, sobald es mir wieder besser geht. Meine Idee war nun, dass mein Arzt mich einfach noch ein wenig krank schreibt und ich dem Online-Shop nachgehen kann in Ruhe. Da ich nur wenige Artikel anfangs führen werde, wo ich auch selbst schon einige Abnehmer habe, werde ich auch nicht zu 100% beschäftigt sein. Dies wäre mein Ziel und einfach von der Sozialhilfe weg kommen wäre schon eine große Hilfe. Kann mein Arzt mich nun wirklich nicht weiter krank schreiben wenn ich mich Selbstständig mache? (Einfach für die Ämter)

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Antwort
von GerdausBerlin, 10

In CH wird es nicht anders sein als in D.: Ein Arzt "schreibt dich krank" ist ein umgangssprachlicher und deshalb sehr undifferenzierter Ausdruck für eine Vielzahl möglicher ärztlicher Gutachten:

A) AU heißt das häufigste Gutachten, also arbeitsunfähig.

B) "Wege-Unfähigkeits-Bescheinigung" heißt das Dokument eines anderen häufigen Gutachtens, das meist besagt: "Der Patient kann keine außerhäusigen Termine wahrnehmen ohne Krankentransport." Oder zumindest nicht ohne Taxi.

C) "Bettlägerigkeits-Bescheinigung" heißt der Attest, der besagt, dass du dein Bett besser nicht verlassen solltest.

Bei A) muss der Arzt dich fragen: "Was müssen Sie morgen arbeiten?" Wenn du sagst "Kranführen", kann dich der Arzt leicht AU schreiben, auch wenn du nur den Finger verstaucht hast. Dito bei Chirurgen, eher nicht bei Lehrern.

Oft fragen die Ärzte aber gar nicht, und schreiben ein "Gefälligkeits-Gutachten". Im Zweifel kann die Gegenseite (Arbeitgeber, Sozialbehörde, Krankenkasse usw.) dieses Gutachten anzweifeln und ein Gegengutachten anfordern (in D. meist vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen).

Bei B) und bei C) ist jedenfalls klar (falls kein Gegengutachten anders ausfällt), dass du zwar kein Programm außer Haus wahrnehmen kannst (ohne Krankentransporter, den ja keiner bezahlen wird ;-), aber jederzeit zu Hause am PC einen Verkauf tätigen kannst - sogar vom Bett aus! (Wie das Zeugs dann zur Post kommt, ist die nächste Frage ...)

Du kannst aber keinen Arzt zwingen, dir ein Gutachten auszustellen - schon gar nicht eines, das gar nicht stimmt. Du kannst aber jederzeit einen anderen Arzt aufsuchen, der deine Lage eventuell anders begutachtet (oder dem es egal ist, wie deine Lage ist).

Nun kostet Gutachten A) in D. nichts für den Patienten, aber die meisten anderen Gutachten, meist auch B) und C). Aber mit B) oder C) wärest du jedenfalls (vielleicht sogar schon für eine Gebühr von wenigen Franken) befreit von allen Programmen - und könntest locker zu Hause (sogar vom Krankenbett aus) Sachen per Internet anbieten und verkaufen!

Gruß aus Berlin, Gerd

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