Frage von MRDR1, 32

Selbständigkeit: Welche Fixkosten habe ich?

Hallo Leute,

ich möchte gern etwas zum Thema Selbständigkeit fragen, da ich dort noch nicht ganz durchgestiegen bin.

Ich möchte mich selbstständig machen - allerdings nur als kleiner Nebenverdienst, mehr als etwa 400€ möchte ich nicht monatlich verdienen, da ich dann aus der Familien-Krankenversicherung fliege.

Meine Frage lautet nun: Wie hoch ist die Chance, dass ich dabei minus mache? Es kann ja immer mal sein, dass ich sehr, sehr wenig im Monat verdiene - wie berechnen sich da die Steuern? Was sind Fixkosten die ich jeden Monat habe und an den Staat zahlen muss (das Kaufen von Arbeitsmaterial und so nicht eingerechnet, es geht nur um Steuern).

Oder setze ich bei der Anmeldung meiner selbständigen Tätigkeit einen Betrag fest den ich circa verdiene und zahle monatlich Steuern die von diesem Festbetrag abhängig sind?

Das würde ja heißen, dass ich bei der Steuererklärung am Ende des Jahres Geld wiederbekomme, wenn ich schlecht verdient habe, und Geld nachzahlen muss, wenn ich mehr verdiene.

Ich würde mich freuen, wenn mir jemand sagen könnte, ob der Gedankengang so richtig war.

Vielen, vielen Dank schonmal im Voraus!

Antwort
von kevin1905, 7

Wie hoch ist die Chance, dass ich dabei minus mache?

Die Frage kann dir keine beantworten, da du keine Zahlen nennst. x - y = z. Bestimme z!

Es kann ja immer mal sein, dass ich sehr, sehr wenig im Monat verdiene - wie berechnen sich da die Steuern?

Welche?

  • Gewerbesteuer fällt flach, bei dem geringen Verdienst.
  • Umsatzsteuer ist bis 17.500,- € voraussichtlichem Jahresumsatz eine Frage ob man zur Regelbesteuerung optiert oder die Kleinunternehmerregelung anwendet. Hängt u.a. damit zusammen mit wem man abrechnet (§ 19 Abs. 1 und 2 UStG).
  • Einkommensteuern hängen u.a. vom Gewinn ab (§§ 15, 32a, 37 EStG).

Du schreibst Familienversicherung, also hast du sonst kein Einkommen. Bist entweder Kind von jemandem oder mit jemandem verheiratet (§ 10 Abs. 1 oder 2 SGB V). Im letzteren Fall würde dein Gewinn der Summe der Einkünfte hinzuaddiert und schiebt euch (gemeinsame Veranlagung!) in der Steuerprogression nach oben.

Oder setze ich bei der Anmeldung meiner selbständigen Tätigkeit einen
Betrag fest den ich circa verdiene und zahle monatlich Steuern die von
diesem Festbetrag abhängig sind?

Du gibst den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung ab, den man dir zeitnah nach der Gewerbeanmeldung zuschickt. Bei den Summen die dir vorschweben an Gewinn wird aber keine Vorauszahlung fällig.

Bitte lass das ganze sein, wenn du nicht vorhast einen Steuerberater zu bemühen.

Kommentar von MRDR1 ,

Hallo Kevin, danke dir erst einmal für deine Antwort!

Wenn ich keine Gewerbesteuer und keine Umsatzsteuer zahlen muss, und mein Einkommen unter dem Freibetrag liegen wird (was er ja bei ca. 400€ tut), ist das dann wirklich so kompliziert, dass ich einen Steuerberater bemühen muss?

Wenn ich nicht anfange, kann ich auch nicht dran verdienen, da muss ich dann wohl durch! :)

Kommentar von kevin1905 ,

Von wem leitet sich der Anspruch auf Familienversicherung ab? Eltern oder Ehegatte?

Antwort
von SteuerschweinDE, 23

Hallo MRDR1,

natürlich kann ich in diesem Forum keine verbindlichen Antworten liefern, allerdings möchte ich "versuchen" Ihnen auf Grundlage Ihrer Frage eine kurze Übersicht zu liefern.

Beim Gedanken an eine Selbständigkeit beschäftigen wir uns i. d. R. erst einmal mit drei unterschiedlichen Steuerarten: Einkommensteuer, Umsatzsteuer und Gewerbesteuer (hier kommt es auf die Art Ihrer Tätigkeit an).

Das Finanzamt wird Ihnen einen "Fragebogen zur steuerlichen Erfassung" senden, hier werden Sie gebeten Ihre -voraussichtlichen- Einnahmen für das lfd. Jahr und das nächste Jahr zu nennen. Gehen wir von 400 €uro Umsatz / Monat aus, sind wir also bei 4.800 €uro Umsatz pro Jahr.

Bis zu einem Gewinn von 24.500 €uro / Jahr sind sie von der Gewerbesteuer nicht berührt (eine diesbzgl. Steuererklärung müssten Sie u. U. jedoch trotzdem abgeben). 

Die Umsatzsteuer "interessieren" Sie mit den gewünschten Umsätzen auch nicht zwangsläufig, hier könnte eine so genannte Kleinunternehmerregelung nach §19 UStG in Frage kommen. Kurz gefasst: Sie weisen keine Umsatzsteuer auf Ihren Rechnungen aus, dürfen sich dafür aber auch keine Umsatzsteuer aus anderen Rechnungen zurückholen.

Was die Einkommensteuer angeht wird das Finanzamt u. U. Vorauszahlungen festlegen: Sie zahlen am 10.3., 10.6., 10.9. und 10.12. einen festgesetzten Betrag an das Finanzamt, fertigen dann Ihre Steuererklärung und das Finanzamt "rechnet ab"... haben Sie zuviel gezahlt, bekommen Sie Geld wieder, haben Sie zu wenig gezahlt, müssen Sie nachzahlen.

Wie hoch die steuerliche Belastung in Ihrem besonderen Fall ausfällt kann ich (und jeder andere) Ihnen aber auf Grundlage der gelieferten Daten nicht sagen. Sie sprechen von "Familienversicherung", ich gehe also davon aus, dass Sie verheiratet sind? Dann zählen u. U. auch die Einnahmen des Ehepartners zur Bemessungsgrundlage der Einkommensteuer. Evt. beziehen Sie noch andere Einnahmen, die Ihr zu versteuerndes Einkommen erhöhen könnten usw. usf. 

Ich hoffe Ihnen mit dieser kurzen Zusammenfassung einen kleinen Überblick verschafft zu haben :-)

Kommentar von MRDR1 ,

Ich danke Ihnen für die ausführliche Antwort, die hat mir auf jeden Fall schon weitergeholfen!

Ich bin noch zusammen mit meinen Eltern und meinem Bruder familienversichert, verheiratet bin ich noch nicht. Ich wusste nicht, dass meine Steuern auch von den anderen Mitgliedern dieser Versicherung abhänging sind!

Diese Vorauszahlungen für die Einkommenssteuer hängen also davon ab, welchen erwarteten "Gewinn" ich also im Formular angebe, ja?

Kommentar von SteuerschweinDE ,

Die Vorauszahlungen für die Einkommensteuern hängen nicht mit den Mitgliedern der Familienversicherung zusammen, ich hatte -fälschlicherweise :-/- angenommen, dass Sie verheiratet wären was dann einen Einfluss auf die Steuer gehabt hätte. 

Richtig! Das Finanzamt "rechnet" wie hoch die Steuerbelastung im Jahr wohl sein wird, teilt das ganze durch 4 und legt so die Vorauszahlungen je Quartal fest.

Erzielen Sie neben diesen erwarteten 400 €uro weitere Einnahmen?

Kommentar von MRDR1 ,

Alles klaro, dankeschön! :)

Nein, bisher nicht, aber ich habe überlegt, ob es sich lohnt, einen weiteren Nebenjob zu suchen, der dann nicht selbstständig wäre. Dann wäre das mit der Krankenkasse ja noch eine ganz andere Sache, ab 4xx€ muss ich mich ja selbst versichern lassen. Das würde ich dann schauen. Macht das denn ansonsten noch einen Unterschied?

Kommentar von SteuerschweinDE ,

Derzeit liegt der Grundfreibetrag bei 8.652 €uro. Erreichen Sie diesen Betrag nicht, fallen auch keine Steuern an. (U. U. kann das Finanzamt von höheren Umsätzen ausgehen und Vorauszahlungen festlegen, diese bekämen Sie dann aber im vollen Umfang erstattet)... 

[Einzelne "steuerfreie" Einnahmen könnten sich auch hier steuerlich auswirken, aber dies wäre im Einzelfall zu prüfen.]

Sozialrecht und der Bereich der gesetzlichen Krankenkassen ist nicht wirklich mein Gebiet, steuerlich würde ein zusätzlicher 450 €uro Job allerdings keine Auswirkung haben. Dieser wird pauschal versteuert und erhöht die Bemessungsgrundlage der Einkommensteuer nicht.

Wenn ich Ihnen helfen konnte, würde ich mich über ein "Danke" oder sonstige "Punkte-erhöhende-Klicks" sehr freuen ;-)

Kommentar von MRDR1 ,

Dann bin ich ja mit den 400€ Monat unter dem Freibetrag, muss aber trotzdem die Erklärung ausfüllen, damit alles mit rechten Dingen zugeht, ja?

Kommentar von SteuerschweinDE ,

Korrekt :-) 

Und so ein Steuerbescheid in dem als Ergebnis eine 0 auftaucht kann man sich auch hübsch dekorativ an die Wand heften ;-)

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