Frage von MarkusGenervt, 64

Seit wann ist Inflation plötzlich etwas Gutes?

Ach ja, die Nachrichten wieder …

Jetzt hieß es (eigentlich vor etwa 2 Wochen, ich hänge aber etwas hinterher), dass die EZB weiterhin die Zinsen bei 0% hält, weil die Inflation im Euro-Raum mit 0,4% zu niedrig sei und dies sei dann ganz schlecht für die Wirtschaft.

o..O

Was'n jetzt los?

Kann mir mal jemand erklären, wer diesen Irrsinn in die Welt gesetzt hat und warum und seit wann? Wo ist denn da die Logik?

Ich falle gerade aus allen Wolken!

Antwort
von FrageSchlumpf, 11

Also dass Inflation etwas "gutes" ist, ist eigentlich schon lange.

Die EZB hat ihr Inflationsziel von "below but close to two percent" schon ne ganze Weile, ich meine so 2005/2006 herum.

Es ist nicht ganz von der Hand zu weisen, dass die damaligen Misserfolge, die Inflation nahe Null zu bringen, dabei mit eine Rolle gespielt haben. Jetzt will man aber von dem Ziel nicht abrücken.

Eines der Hauptargumente ist, dass die Inflation "systematisch" überzeichnet wäre, also bei einer offiziell gemessenen Inflation von 1 % die Preise eigentlich fallen würden. Die Unterfütterung dieser These ist sehr dünn. In einer Pressekonferenz verwies die EZB mal auf eine ( i. W. eine !!! ) Studie dazu aus den USA. Etwas dürftig.

Ein anderer Punkt ist, dass man glaubt, fallende Preise würden jede Nachfrage im Keim ersticken. Ich halte das auch durch die Praxis wiederlegt. Man schaue doch nur auf z.B. das I-Phone. Obwohl jeder weiß, dass das neueste Modell über die Zeit billiger wird ( rapide nachdem das neuere Modell kommt ) stehen die Leute am ersten Erscheinungstag Schlange um das Teil zum Höchstpreis zu kaufen......

Kommentar von MarkusGenervt ,

AHA! Daher weht der Wind wieder! Eine US-Studie also. Die USA, die auch für die letzte Weltwirtschaftskrise – nö, eigentlich für ALLE Weltwirtschaftskrisen – verantwortlich sind.

Na ja, so ist das dann also.

Antwort
von soissesPDF, 4

Bei einem Zinsatz von 0% und einer Inflation von 1% sind die Schuldner im Vorteil.

Daran änderte sich auch nichts, wenn die Banken 1% Zinsen auf Kredite verlangen, aber die Inflation 2% betragen würde.
Der Sinn einer Inflation liegt in der Geldentwertung, nicht in der Gier der Banken.

Ein anderer Effekt ergibt sich, wenn die Löhne keinen Infaltionsausgleich erhalten, dann werden die Leute ärmer.

In der aktuellen Situation erhalten die Sparer weniger Zinsen auf Sparguthaben. Bei einer höheren Inflation würden die, so die Theorie, das Geld ausgeben, statt es entwerten zu lassen.

Das nach wie vor bestehende Problem ist die Finanz- und Schuldenkrise.
Da diese nicht gelöst sind, braucht es eine Entwertung der Schulden (falls man nicht den ganzen Schritt, den Schuldenschnitt, gehen will).
Und hier sind die Banken das größte Problem, die ihre faulen Kredite genau nicht entwerten, der alten Gier folgend.

Kommentar von MarkusGenervt ,

Danke. Das macht Sinn – so rein von der intrinsischen Logik her, nicht aber von der richtigen Logik.

Das ist so kaputt, dass mir die Worte fehlen.

Egal, was ich mir gerade wünsche, ob 40 Jahre zurück in der Zeit zu einer echten sozialen Marktwirtschaft oder ein neuer Planet mit echten Menschen und echtem Leben, es bleibt alles sinnloses Wunschdenken.

Was jetzt noch bleibt, ist die innere Emigration.

Ich bin zu alt für diesen Schei55. ⅓ Jahrhundert Degeneration und Regression hinter mir und noch mindestens ⅔ vor mir. Das Leben hier macht keinen Spaß und ich habe nicht vor 200 Jahre alt zu werden, in der Hoffnung, dass es evtl. mal wieder besser werden könnte.

Aber vielleicht zieht mich auch einfach nur dieses Mist-Wetter gerade total runter x-)

Kommentar von soissesPDF ,

Im wesentlichen sind wir alle nur Passagiere der Geschichte.
Die s.g. Eliten und Leistungsträger haben es nachhaltig vergeigt.
Das es für die Finanz- und Schuldenkrise keine Lösungen hat, ändert sich für die Zukunft so schnell nichts.

Antwort
von mairse, 16

In gewissen Maße ist eine Inflation wünschenswert. Sie kurbelt die Wirtschaft an und bringt Menschen dazu ihr Geld auch auszugeben und nicht alles zu sparen.

Eine Deflation in der das Geld mehr Wert wird kann genau so kontraproduktiv sein wie eine hohe Inflation.

Kommentar von MarkusGenervt ,

Ich habe das oben mal bei der vergleichbaren Antwort von troppixi kommentiert.

Antwort
von Lyan15, 34

Inflation bedeutet, dass das Geld weniger Wert ist. Dies ist wirklich schlecht für die Wirtschaft... Wenn plötzlich der Euro an Wert verliert, können wir uns nichts mehr für unser Geld leisten bzw. es wird alles teurer. 

Das ist und war schon immer schlecht. 

Kommentar von MarkusGenervt ,

Sorry, war ein Fehler.

Jap, eben darum, weil Inflation immer etwas Schlechtes war und plötzlich heißt es sie ist zu niedrig!

Kommentar von Lyan15 ,

okay. Fehler macht jeder mal... nur hab ich jetzt dann keine Antwort auf die Frage xD tut mir leid...

Kommentar von MarkusGenervt ,

LOL – :'-D

Trotzdem Danke!

Kommentar von archibaldesel ,

Leider komplett falsch. Wenn der EUR an Wert verliert, ist das der Außenwert. Das hat nichts mit der Inflation zu tun. Inflation führt sogar zu einem steigenden EUR.

Inflation gibt es nur, wenn die Wirtschaft wächst. Nur bei steigender Nachfrage steigen Preise. Das ist genau das, was jedes Unternehmen wünscht. 

Eine Katastrophe für die Wirtschaft ist das Gegenteil von Inflation, die Deflation. Frag mal die Japaner. Die stecken seit 25 Jahren in einer Niedrigzins-/Defationsspirale fest.

Kommentar von Lyan15 ,

Danke für die Aufklärung, @archibaldesel !!

Kommentar von Johann242 ,

Deflation - der Vorgang, dass das Preisniveau sinkt, üblicherweise in einer Depressionsphase der Konjunktur zu beobachten.

Inflation - Ansteigen Erhöhung des Güterpreisniveaus, wober das Geld weniger wert wird --> auch doof.

Beides zusammen gibt es so nicht. Dafür allerdings ist die Inflation auch nicht gut. Die Weltwirtschaftskrise 1924 hat das in der WR gezeigt. Es ging nicht mehr vor und nicht mehr zurück, selbst die Weimarer Koalition unter RK Dr. Marx zerbricht daran und Dr. Luther wird neuer RK.

Lyan hat schon recht, wenn er davon spricht, dass die Inflatrion schlecht ist.

Man spricht nur davon, dass sie besser ist als Deflation, weil die Deflation schlichtweg die Depressionsphase einer Konjunktur begleitet.

Antwort
von Gilgaesch, 21

Also für Deutschland ist die inflatzion in einem gewissen Maß gut, da wir unser Geld damit verdienen, sachen an andere zu verkaufen. Wenn unsere Währung niedrig ist, sind unsere Sachn für andere billiger.

für andere Staaten allerdings ist das sehr schlecht, da Firmen ja auch Sachen von anderen Staaten kaufen müssen, dass wird immer teurer, desto weniger unser Geld wert ist, so ist es für die Wirtschaft in der EU generell nicht so gut.

Antwort
von archibaldesel, 11

Voraussetzung für eine maßvolle Inflation ist Wirtschaftswachstum. Preise steigen üblicherweise, wenn der Konsum steigt. Der Konsum steigt, wenn die Menschen entsprechend verdienen. Die Gehälter steigen, wenn Unternehmen verdienen und einstellen usw.

Kommentar von MarkusGenervt ,

Ergo wären die ständigen Proklamationen der letzten Jahre, dass unsere Wirtschaft stetig wächst, bloß eben leeres Gerede ohne Wahrheitsgehalt, da die Inflation bei 0,4% liegt und somit wäre dies dann ein Indikator, dass es eben KEIN Wirtschaftswachstum gibt.

Also irgend wer erzählt doch hier Blödsinn!
– Also ich meine jetzt nicht Dich :) –

Das alles hatte mal funktioniert, als wir noch eine Soziale Marktwirtschaft hatten. Jetzt leben wir in einer Virtuellen Marktwirtschaft – so würde ich das mal inzwischen nennen.

Kommentar von archibaldesel ,

Nein, du machst dabei einen Denkfehler. Die Geldpolitik der EZB ist auf den Euroraum ausgerichtet. Während wir hier reales Wirtschaftswachstum haben, leidet Südeuropa seit Jahren unter einer Rezession. Die EZB versucht dies mit der Erhöhung der Geldmenge abzustellen. Die Nullzinspoltik soll dort die Konjunktur ankurbeln, während sie bei uns kaum von Nutzen ist. Das ist der Spagat der EZB. 

Wir haben zurzeit zwei völlig unterschiedliche Wirtschaftsräume in der EU, aber nur eine Zentralbank.

Geldwertstabilität wird von der EZB übrigens mit einer Inflationsrate von 2% definiert. Das war bei der Bundesbank auch nicht anders. Da sind wir noch lange nicht.

Antwort
von troppixi, 29

Die Artikel werden von Leuten geschrieben die keine Ahnung haben. Die haben schließlich Journalismus und nicht BWL studiert.

Die EZB soll sich an einer Inflationsrate von etwa 2% orientieren. Demnach sollte sie noch steigen. Die Alarmsirenen gehen vorallem an wenn eine Deflation droht. Also wenn die Inflationsrate unter 0% fallen würde.

Kommentar von MarkusGenervt ,

Wieso gehen dann die Alarmsirenen an?

Ich meine eine Deflation bedeutet doch eine Aufwertung des Geldes und eine Steigerung der Kaufkraft, was ja dann wiederum die Umsatz steigert, usw.

Kommentar von troppixi ,

In einem Wirtschaftsaufschwung verdienen Unternehmen mehr Geld. Dadurch investieren sie mehr und zahlen höhere Löhne. Dadurch steigt die Nachfrage und Dadurch die Preise -> Inflation.

Bei einer Deflation kannst du das alles umdrehen. Also kann man auf eine Rezession schließen, was sehr schlecht ist.

Kommentar von MarkusGenervt ,

Richtig, wenn das Geld aufgewertet wird, steigt die Kaufkraft aber nur dann, wenn die Preise umgekehrt proportional zur Steigerung der Kaufkraft sinken. Ansonsten wäre es keine Kapitalaufwertung sondern einfach nur eine Reduktion der Geldmittel und damit eine Verteuerung der Preise, unter Abnahme der Kaufkraft. Dies würde natürlich in die Rezession führen.

Es bleibt einfach Schwachsinn.

Kapitalismus ist echt ein Schmerz im Hintern – so wie bei Durchfall.
Ich habe mich früher schon mit den Lehrern deswegen ständig in der Wolle gehabt.

Das alles kommt mir sehr einer Religion gleich und weniger einer Wissenschaft.

Heute "Hü!", morgen "Hott!", je nachdem, wie es gerade passt und wer die Hand am Ruder hat.

Ich wünschte, es gäbe einen anderen Planeten, wo ich mein Ruhe vor diesem ganzen Schwachsinn hätte.

Kommentar von troppixi ,

Eigentlich ist Kapitalismus etwas unausweichliches und völlig natürliches. Gibt es in der Tierwelt, natürlich in weit wenig ausgeprägter Form, genauso.

Hü und Hott gibt es auch nicht. Ebenso ist es eine Wissenschaft. Warum? Weil alles mehr oder weniger alles klar ist. Jeden Vorgang kann man erklären. Ebenso kann man jeden Vorgang bekräftigen und auch abschwächen. 

Ich würde gerne noch mehr schreiben, aber ich bin hundemüde und kämpfe gerade damit nicht vor dem PC einzuschlafen.

Kommentar von MarkusGenervt ,

Dito x-)

Aber der Kapitalismus in der Tierwelt ist eben doch etwas völlig Anderes: geradlinig und mit Substanz. Eben das, was bei unserem virtuellen Geld schon lange nicht mehr gegeben ist.

Es wird ein "Wert" aus Spekulationen und Wetten geschöpft, die absolut keinen reellen Gegenwert besitzen. Die Bankenkrise in der letzten Dekade war absolut vorhersehbar, genau so wie die Griechenlandkrise.

Dein Vergleich mit dem Kapitalismus im Tierreich ist schon eine gute Idee, aber ist eben kein Vergleich mit unserem Kapitalismus. Der wirkt am Ende nur kapitalvernichtend.

Kommentar von troppixi ,

Ich habe ja auch geschrieben, dass es in einer weit weniger ausgeprägten Form auftritt. Worauf ich hinaus wollte ist, dass jedes Lebewesen das Verlangen hat sich selbst besserzustellen. Hieraus und durch die technologische Entwicklung, bzw. der menschlichen Fähigkeit Wissen weiterzugeben resultiert zwangsläufig der Kapitalismus. Ohne ihn gäbe es heute wahrscheinlich weit weniger Dinge. Keine PCs, keine Handys, kein garnichts. Alles hat mal mit einer Idee begonnen bei der sich jemand dachte "Oh guck mal, das ist gut. Damit kann ich Geld verdienen" oder meinetwegen auch gegen ein paar Äpfel tauschen (vor langer Zeit).

Tatsächlich hat es einen Gegenwert. Ich denke du meinst mit der Aussage den Aktienmarkt? Wenn man sich eine Aktie kauft, kauft man sich einen Teil des Unternehmens. Mit anderen Worten, man ist einer von vielen Inhabern. Dabei spekuliert man natürlich, dass sich dieses Unternehmen gut entwickeln wird, bzw. der Wert des Unternehmens steigt (Unternehmenswert = Anzahl der Aktien x Aktienkurs) und man seine Aktie später mit Profit weiterverkaufen kann. Allerdings spekuliert man auch bei der Gründung eines Unternehmens darauf, dass dieses an Wert gewinnen wird: "Das ist eine gute Idee. Ich GLAUBE damit kann man Geld verdienen/ein Unternehmen aufbauen (Spekulation). Dennoch schafft ein Banker mit so einer Arbeit nicht wirklich was. ABER er gibt dem Unternehmen, in das er investiert, die Gelegenheit etwas zu schaffen. Schließlich ist der größte Vorteil einer AG, dass diese extrem große Geldmengen in relativ kurzer Zeit beschaffen können indem sie Aktien (Teile des Unternehmens) verkaufen.

Zu der Bankenkrise habe ich eine eigene Meinung, die deiner wahrscheinlich widersprechen wird. Aber da möchte ich jetzt nicht weiter drauf eingehen, weil es dann wirklich in Richtung einer Religion gehen würde.

Antwort
von omnibusfreakn, 23

Hohe Inflation ist nur gut für die Staatsschulden. Die sind dann nämlich weniger wert.

Das Geld auf dem Sparbuch wird konsequenter weise auch weniger wert.

Was also für einen überschuldeten Staat gut ist, ist für den Privatmann ( Kleinsparer ) schlecht!

Kommentar von MarkusGenervt ,

Sorry, war ein Fehler bei der Fragestellung.

Kommentar von MarkusGenervt ,

Nun, das hieße aber im Endeffekt, dass die Wirtschaft eine Wertschöpfung erfährt und die Konsumenten einen Werteverlust.

Wie soll das dann für die Wirtschaft gut sein? Am Ende hat die Wirtschaft auch noch die restlichen 10% des Gesamt-Kapitals und dann? Wer soll oder wer kann dann überhaupt noch etwas kaufen?

Was ist dann das Ende vom Lied?

Erst kommt das Fressen und dann die Moral.

So geht dieses Lied zu Ende!

Kommentar von omnibusfreakn ,

Bitte nicht die WIRTSCHAFT ( privat ) mit dem STAAT verwechseln.

Antwort
von triggered, 18

Inflation ist was gutes, steht doch da. 0,4% sind zu wenig.

Kommentar von MarkusGenervt ,

Sorry, hab mich vertippt und die Korrektur ist noch nicht durch.

Ich meine "Seit wann ist Inflation plötzlich etwas Gutes?"

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community