Frage von potzjunkeli, 86

Seit wann gibt es Religionen?

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von Hamburger02, 26

Da muss man sorgfältig differenzieren zwischen Glauben, Spiritualität und Religion.

Der Glauben an ein Jenseits sowie an transzendente Entitäten oder Kräfte (z.B. Götter, Dämonen, Teufel) ist der Spirtualität zuzurechnen. Da kann man davon ausgehen, dass es das gibt, seit es Menschen gibt, die versucht haben, Ursachen für Naturphänomene zu finden. Dem dürfte die Entdeckung des Kausalitätsprinzips vorhergegangen sein.
Wenn man nun danach sucht, wann Menschen dieses Prinzip zum ersten Mal angewendet haben, kommt man auf die Werkzeugherstellung. Nur wenn man dieses Prinzip anwendet, kann man Werkzeuge in Serie und in Varianten herstellen. Davon trennen muss man die zufällige Entdeckung von Werkzeugen und deren Weitergabe an Nachkommen, wie man es bei einigen Rabenvögeln z.B. beobachten kann. Da kann man noch nicht davon ausgehen, dass ein allgemein erkanntes Prinzip konkret angewendet wurde. Es liegt also nahe, aber auch das ist nur Spekulation, dass sich die erste Spiritualität wowöglich schon vor etwa 3,3 Millionen Jahren bei den Vormenschen (Australopithecus) entwickelt hat.

Nun betrachten wir die Definiton von Religion. Laut Duden ist Religion:
1.(meist von einer größeren Gemeinschaft angenommener) bestimmter, durch Lehre und Satzungen festgelegter Glaube und sein Bekenntnis
2.gläubig verehrende Anerkennung einer alles Sein bestimmenden göttlichen Macht; religiöse Weltanschauung
3.Religionslehre als Schulfach, Religionsunterricht

Religion setzt also eine "Einheitsmeinung", sprich Lehrmeinung, zu spirituellen Themen voraus. So etwas kann sich aber nur in einer Gesellschaft entwickeln, die beginnt, sich auch politisch zu immer größeren Einheiten zu organisieren. Daher beinhalten praktisch auch fast alle Religionen eine politische Ideologie. Religion war positiv gesehen Idenditätsstifter, negativ gesehen ein Mittel, um die Massen zu lenken, sprich Macht auszuüben. Daher kann gesagt werden, dass religiöse und politische Entwicklung parallel laufen. Andrastor hat schon die Ägypter genannt und die gehören da auch zu den Hauptverdächtigen. Man könnte höchstens noch früher nach Mesopotamien schauen. Gerade bei den alten Kulturen ist es auch auffällig, dass religiöse Blüte und politisches Einheitsbestreben, sprich Sozialismus statt Individualismus und Pluralismus, regelmäßig Hand in Hand gingen.

Eine ähnliche Parallele kann man heute und hier beobachten. Die "klassische einheimische" Religion, das Christentum franzt an allen Ecken und Enden aus. Immer weniger bekennen sich zu einer Religion und treten aus der Kirche aus. Das geht Hand in Hand mit der Weigerung, sich durch die politische Macht in ein bestimmtes Schema pressen zu lassen. Im Moment scheint sich der Kreis zu schließen, denn mit der Abkehr von Religion gewinnt individuelle Spiritualität wieder mehr an Gewicht. Es ist modern, dass sich jeder seinen eigenen Gott bastelt. Die Bibel als Bekenntnisgrundlage verliert immer mehr an Gewicht. Mit der Weigerung, sich religiösen Regeln zu unterwerfen, erlangte auch das einfache Volk Wohlstand.

Im Iran kann man ähnliches beobachten. Das Streben der Jugend nach Freiheit und Individualität geht offensichtlich einher mit einer zunehmenden Ablehnung der Religion. Das wird aber noch etwas dauern, denn erst nach einer Generation der inneren Abkehr folgen Generationen, die auch die äußere Abkehr vollziehen. Ob sie dann Individuell-Gläubige, Spiritisten, Esoteriker oder gar Atheisten werden, wird sich zeigen.

Antwort
von Eselspur, 26

Religionen gibt es so lange es Menschen gibt.

Offensichtlich ist der Mensch von Natur aus auf etwas Höheres orientiert.

Antwort
von Andrastor, 31

Tatsächliche Religionen gibt es etwa seit 5.000 Jahren, mit dem Aufkommen der anitken polytheistischen Religionen der ägyptischen Länder.

Davor gab es sogenannte Naturreligionen, die weniger Religionen im herkömmlichen Sinn, als den Glauben an Naturerscheinungen, Tiere und Geister bezeichnen und heute noch in Naturvölkern zu finden sind.

Diese entstanden vor rund 180.000 Jahren.

Da es den Menschen (beginnend mit dem Australopitecus) aber schon seit etwa 2.000.000 (millionen) Jahren gibt, glaubt der Mensch erst seit einem winzigen Teil seiner Existenz.

Antwort
von Viktor1, 35

Hallo,
es hängt davon ab, wie Religion definiert wird.
Auf jeden Fall ist sie eine kollektive  kulturelle Erscheinung welche "Ängste" aus unbekannten (bedrohlichen) Erscheinungen begegnen will.
Dies ist im Prinzip bis heute so.
Wann "Urmenschen" gemeinsam diese "Bedrohungen" empfanden und versuchten sie irgendwie abzuwenden wissen wir nicht. Ganz sicher sind aber
Angaben unter 50000 Jahren zu kurz gegriffen.
Gruß Viktor

Antwort
von OnkelSchorsch, 34

Wir wissen es nicht. Früheste Relikte menschlicher Kultur werden in Zusammenhang zu Religion gedeutet. Auch Homo Neanderthalensis kannte offenbar Begräbnisriten und somit wohl Religion. Es scheint, als wenn Religion Teil menschlicher Denk- und Gefühlsstrukturen sein könnte.

Somit wäre Religion so alt wie die Menschheit.

Kommentar von Viktor1 ,
Auch Homo Neanderthalensis kannte offenbar 
Begräbnisriten und somit wohl Religion.

Nein, der Umgang mit Verstorbenen allein, ist bestimmt noch keine Religion auch wenn vielleicht geglaubt wurde, daß diese irgendwie noch anwesend sind. Die Vorstellung vom transzendenten Sein dieser Verstorbenen ist i.R. zwar Teil unserer bekannten Religionen aber noch keine Religion an sich.
Auch von Tieren ist Trauer  (Riten ?) um ihre "Verstorbenen" bekannt.
z.Bsp.hier:
http://www.welt.de/wissenschaft/article11901494/Wie-Tiere-um-ihre-Toten-trauern....

Kommentar von OnkelSchorsch ,

Wir wissen nciht, ob oder wie Neandertaler um Tote trauerten. Was wir wissen ist, dass sie Begräbnisriten hatten und offenbar an ein Jenseits glaubten. Und das ist Religion. Folglich ist der Schluss statthaft, dass auch der Neandertaler schon Religion hatte.

Dass Homo Sapiens Religion ausübte, wissen wir aus allerfrühesten Funden, daran gibt es gar nichts zu rütteln.

Kommentar von Viktor1 ,
und offenbar an ein Jenseits glaubten. Und das 
ist Religion.

Nein, das allein ist noch keine Religion. Der Glaube an transzendente Kräfte und der kollektive Umgang damit gehört zu Religion.Ahnenverehrung ist z.Bsp. keine Religion.

Antwort
von dandy100, 39

seit es Menschen gibt -auch die Urmenschen hatten schon einen Hang zum Spirituellen

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