Frage von Thomas19841984, 77

Seit wann gibt es etwas, was man "Deutschland" nennen könnte?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von MarkusPK, 13

Genau genommen erst 1990, als Deutschland wiedervereinigt wurde. Vor der Wiedervereinigung gab es noch zwei "Deutschländer", neben der Bundesrepublik auch die DDR, die beide 1949 gegründet wurden. Davor bestand Deutschland aus vier Besatzungszonen (1945 - 1949), davor war es eine Nazi-Diktatur (1933 - 1945), zu der auch die Gebiete in Ostpreußen, Schlesien und Elsaß-Lothirngen sowie auch Österreich gehörten, davor die Weimarer Republik (1919 - 1933) ohne Österreich, davor das deutsche Kaiserreich der Hohenzollern (1871 - 1918), davor ein uneiniger Flickenteppich miteinander konkurriender Fürstentümer, die zwar formal dem Deutschen Bund (ohne ein Oberhaupt!) angehörten (1815 - 1866), der sich jedoch bald wieder auflöste. Davor gehörte das Reich zum Reich Napoleons (1806 - 1815) und wiederum davor waren die Gebiete des heutigen Deutschlands über viele Jahrhunderte lang Teil des Heiligen Römischen Reiches (962 - 1806).

Du könntest auch noch vorher bei der Eroberung Karls des Großen in Sachsen (804) ansetzen und zum ersten Mal von "Deutschland" sprechen, oder nach seinem Tod ansetzen, als das Reich unter seinen Söhnen aufgeteilt wurde (814), aber dann bewegst du dich bereits in einem tiefen Sumpf von vagen Vergleichen. Schließlich gehörten nicht alle Gebiete, die heute zu Deutschland gehören, auch zum Reiche Karls, während andere Gebiete (vor allem Frankreich) heute wiederum nicht zu Deutschland gehören. So war es in all den Reichen danach übrigens auch.

Deshalb ist es historisch wohl am korrektesten, wenn du das Jahr 1990 als Geburtsjahr des heutigen Deutschlands angibst. Eine "Deutsche Nation" und ein gemeinsames Herkunfts- und Zugehörigkeitsgefühl hat sich dagegen bereits lange vorher entwickelt. Hier würde ich vor allem das Jahr 1848 anführen, als man in vielen Teilen lautstark nach einer Vereinigung schrie - wie unsere heutige Nationalhymne, die genau in diesem Jahr geschrieben wurde, deutlich zeigt. Realisiert wurde dieser Wunsch dann erst 1871 unter Bismarck, was ebenfalls ein wichtiges Fixdatum darstellt.

Kommentar von MarkusPK ,

Danke für den Stern!

Antwort
von Grautvornix16, 12

Hi,-
843 mit der Teilung des Frankenreichs.

Ein Tiefschlag für alle, die "Nation" mit "Inzucht" verwechseln und deshalb auch unterschiedliche politisch-geographische Zustände eines Gebietes nicht der eigenen Geschichte zuordnen können/wollen und deshalb immer bei Bismarck und im Spiegelsaal von Versaille landen obwohl sie doch eigentlich immer was viel "Größeres" suchen. :-))

Gruß

Antwort
von Dahika, 32

1870. Vorher gab es nur unabhängige Fürstentümer.

Kommentar von Karl37 ,

Richtig souveräne Fürstentümer gab es keine, denn seit Otto I. gab es nur Lehensherrschaften, die dem Reichshofgericht, eingerichtet 1235 von Kaiser Friedrich II., unterstanden. Dieses Reichshofgericht wurde 1415 in Reichskammergericht umbenannt und bestand bis zur Auslösung des HHR 1806.

Auch die Schweiz und die Niederlande wurden erst selbständig als sie im westfälischen Frieden 1648 aus der Hoheit des Reichskammergerichtes entlassen wurden.

Der Begriff HHRDN bildete sich erst in der Regierungszeit des Friedrich II. aus, der das Reich von Palermo, Sizilien aus regierte und sein Tod verursachte das Interregnum.

Antwort
von LordofDarkness, 8

Kommt drauf an, wie man "Deutschland" definiert.
Ein Imperium, das man in gewisser Weise als "deutsch" bezeichnen könnte, existierte seit dem frühen Mittelalter. Das Heilige Römische Reich war aber kein rein deutscher Nationalstaat, da zu seinem Herrschaftsbereich auch große Teile des restlichen Europas gehörten, wie z.B. Tschechien, die Schweiz und Norditalien. Die Herrscher dieses Staates empfanden sich selbst auch nicht als Angehörige eines deutschen Volkes, sondern als Erben der alten Römer.
Ob man diesem Staat also eine deutsche Identität zusprechen kann, ist bestenfalls zweifelhaft.

Der erste wirklich deutsche Nationalstaat war das Deutsche Kaiserreich von 1871. Es war der erste Staat, der alle zur damaligen Zeit als "deutsch" definierten Gebiete (außer Österreich) beherrschte.

Zwar wird es heute im Geschichtsunterricht und im Fernsehen gern so dargestellt, als sei die Bundesrepublik die absolute Krönung der deutschen Geschichte, der erste einheitliche Nationalstaat der Deutschen ist sie aber definitiv nicht.

Antwort
von BRO32, 40

Ist ne Ansichtssache. Für einige "beginnt" Deutschland im 5. Jahrhundert nach Christus mit der Entstehung des Fränkischen Reiches. War ja das erste Reich auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands, wobei da auch die Franzosen einen gewissen Anspruch erheben könnten. Aber spätestens mit dem Ostfrankenreich im 9. Jahrhundert (843 die Teilung des Frankenreichs) welches sich dann auf den deutschsprachigen Raum beschränkte und aus dem später das HRR Deutscher Nation hervorging. Die Antwort lautet daher wohl "seit etwa 1000 Jahren", wobei ihr ethnischen Deutschen mit der Kombination aus "Deutschland" und der Zahl "Tausend" gewisse Probleme habt.


Antwort
von Antoniaegx, 21

Nach der Spaltung von ost und west frankenreich (ab otto I)

Antwort
von wfwbinder, 4

Die Geburtsstunde von Deutschland als Begriff sehe ich die Krönung Karls des Großen zum Kaiser des Heiligen römischen Reichs deutscher Nation.

Die Geburtsstunde Deutschlands als festumrissenes Gebilde, einheitlicher Führung, nationallem Empfinden der Bürger, ist wohl der 18. 01. 1871 zu sehen.

Antwort
von Joly00, 39

Zum Teil seid es die Weimarer Republik gibt, dann ab dem 2. Weltkrieg, aber so richtig erst seit 1990 also seit dem Mauerfall

Kommentar von Joly00 ,

Muss noch etwas hinzufügen: Vor der Weimarer Republik gab es viele kleine Stadt-Staaten die mehr oder weniger halt ein Land waren, ob man das Deutschland nennen könnte ist schwierig zu sagen, aber man kann es vllt trotzdem zählen

Kommentar von Thomas19841984 ,

und was ist mit dem HRRDN und dem Bund dt. Länder etc.?

Kommentar von CountDracula ,

So ziemlich das Gleiche. Das HRRDN waren halt einzelne Kleinstaaten, die unter der Obhut desselben Kaisers standen

Kommentar von hutten52 ,

Kennst du das Bismarckreich ab 1871? Und das Deutsche Reich mit dem deutschen Kaiser seit 962?

Antwort
von phalangit, 16

Nach Gründung des HRR meiner Meinung nach

Antwort
von hutten52, 16

Deutschland Geschichte beginnt mit der Spaltung des Fränkischen Reichs in ein West- und ein Ostfrankenreich im 9, Jahrhundert. Das Ostfrankenreich deckt sich weitgehend mit dem Gebiet der BRD. Der wichtigste Herrscher trug den Namen Ludwig der Deutsche. Während im Westfrankenreich aus dem Latein das Altfranzösische entstand, sprach man im Ostfrankenreich althochdeutsche Dialekte wie Schwäbisch und Bayrisch. Eine althochdeutsche Dichtung blühte. 

Als die fränkischen Herrscherfamilie ausstarb, wählten die Stämme des ostfränkischen Reichs den Sachsenherzog Heinrich zum König. Das war der nächste Schritt zum Deutschen Reich, zum "Regnum Teutonicum".

Sein Sohn Otto der Große festigte dieses Reich  und holte die römische Kaiserkrone auf Dauer nach Deutschland. Bald entstand er Name Heiliges Römisches Reich deutscher Nation. Der Dichter Walther von der Vogelweide sprach um 1100 dann schon ganz selbstverständlich von den "Diutschen", ihren Sitten und ihrer Geschichte, im Unterschied zu den Italienern und Franzosen.

Deutschland zerfiel dann in vielen Jahrhunderten in viele Fürstentümer. Diese Zersplitterung endete dann erst 1871 mit der Reichsgründung Bismarcks. Da war Deutschland aber schon ca. 900 Jahre alt.  

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