Frage von nadeley, 70

Sehr dringende Kindergeldfrage?

Hallo, ich beschreibe mal eben meine Lage:

Ich bin 21 Jahre alt, meine Eltern sind geschieden und ich wohne, seit ich 18 bin alleine (kleine Wohnung), schließe noch diesen Monat endlich die Schule ab (Abitur). Ab Oktober will ich studieren. 

Ich beziehe Unterhalt von meinem Vater, sonstige Einnahmen sind derzeit nur geringe (unter 450,-) durch einen Nebenjob. Kindergeld bekomme ich seit 2014 nicht, da damals was schief lief, doch Ende des Monats ist es wieder soweit. Ebenfalls bekomme ich eine dicke Nachzahlung (seit 2014), die ich wirklich endlich brauche, um einige offene Kosten zu decken. 

Jetzt habe ich leider folgendes Problem. Da ich Unterhalt von meinem Vater beziehe, musste er das Kindergeld neu beantragen, also er ist quasi im Kontakt mit der Familienkasse. Jetzt droht er mir, da er mich im Studium nicht mehr finanzieren will, mir nicht die gesamten Rückzahlungen zu geben und er will mir den Unterhalt kürzen. 

Derzeit bekomme ich 450,-, soweit ich weiß, ist das sogar laut Düsseldorfer Tabelle zuwenig, aber ich einigte mich damals mit ihm auf den Betrag. Er ist Beamter, verdient so (circa) ab 2500 Netto, leider weiß ich es nicht so genau, vielleicht sogar schon 3500 Netto. Irgendwas um den Dreh, aber mind. 2500. 

Wie gesagt, er droht mir jetzt den Unterhalt zu kürzen und er will mir die ganzen Rückzahlungen nicht geben, die ich sehr dringend benötige. Wer steht im Recht? Könnte ich das Geld, sowie den Unterhalt gegebenfalls einklagen mit einem Anwalt? Ich wollte gerichtliche Verfahren immer vermeiden, aber er lässt mir keine Wahl mehr.

Hoffe, jemand weiß da in etwa Bescheid, bin echt verzweifelt

Expertenantwort
von isomatte, Community-Experte für Geld & Kindergeld, 8

Wenn ich jetzt mal Nettoeinkommen von 2701 € - 3100 € annehmen würde,dann stünden dir laut Düsseldorfer Tabelle vom Vater 620 € zu !

Dir stehen zwar als Azubi / Student in eigener Wohnung / WG - laut Düsseldorfer Tabelle 735 € zu zuzüglich evtl.Beiträge für die Krankenkasse und Aufwendungen wegen deinem Studium,aber er muss nicht mehr zahlen als er nach der Düsseldorfer Tabelle nach seinem Nettoeinkommen zahlen müsste.

Außerdem sind ab deinem 18 Lebensjahr beide Elternteile zum Barunterhalt verpflichtet,vorausgesetzt das sie leistungsfähig sind,dass bedeutet also nicht das dein Vater dann mehr zahlen müsste wenn deine Mutter nicht leistungsfähig wäre,sondern nur nach seinem Einkommen.

Da er dir jetzt schon 450 € an Unterhalt zahlt und du selber Einkommen hast welches er zumindest zum Teil anrechnen darf,würde ich mal nicht damit rechnen das dir viel wenn überhaupt etwas von der Nachzahlung zusteht.

Denn wenn ich jetzt mal von den 620 € die gezahlten 450 € Unterhalt abziehe bleiben hier noch ca. 170 € Differenz übrig.

Wenn du angenommen 400 € selber verdienst kannst du in der Regel ca. 50 € als pauschale Aufwendung wegen deiner Beschäftigung abziehen,hättest du tatsächlich mehr,dann müsstest du das nachweisen.

Es blieben dann also noch ca. 350 € und davon dürfte er 50 % auf seine Unterhaltszahlungen anrechnen.

Würde er dir jetzt mal angenommen die Nachzahlung des Kindergeldes geben,dass seit Januar 2016 bei min. 190 € liegt,dann hätte er von seinen zu zahlenden angenommenen 620 € nur 430 € zahlen müssen.

620 € Unterhaltsanspruch minus ca. 170 € anrechenbarer Teil deines Einkommens = ca. 450 € minus 190 € Kindergeld = ca. 260 € zu zahlender Unterhalt von deinem Vater.

Bekommen hast du 450 € Unterhalt,abzüglich der zu zahlenden 260 € blieben hier 190 € übrig und das wäre dann angenommen das monatliche Kindergeld was dann als Nachzahlung deinem Vater zustehen würde,also bringt meiner Ansicht nach eine Klage hier nichts,dass bezieht sich jetzt nur auf die Nachzahlung des Kindergeldes.

Solange du noch keine abgeschlossene Berufsausbildung / Studium hast sind dir deine Eltern auch weiterhin zum Unterhalt verpflichtet,aber eben beide und nicht nur dein Vater.

Deshalb bleibt es auch bei seinem evtl.zu zahlenden Unterhalt von 620 € pro Monat,wenn er nicht noch mehr Einkommen hätte.

Von diesen ca. 620 € kann er dann also schon mal 190 € Kindergeld abziehen wenn er es dir dann überträgt bzw. zukommen lässt.

Das verringert dann den zu zahlenden Unterhalt an dich schon mal auf nur noch 430 € und wenn dann noch mal angenommen 170 € anrechenbares eigenes Einkommen abgezogen werden könnte blieben noch ca. 260 € was dein Vater dir noch an Unterhalt zahlen müsste.

Wenn deine Mutter aber mehr als relevante 1300 € Nettoeinkommen ( Selbstbehalt )  hätte würde sie dir auch zum Unterhalt verpflichtet sein,dann würde sich der zu zahlende Unterhalt deines Vaters noch einmal verringern.

Du kannst dann ggf.Bafög - beantragen,dazu kannst du dir ja schon mal im Internet einen kostenlosen Rechner suchen.

Sollte er keinen Unterhalt mehr zahlen wollen oder deiner Ansicht nach nicht das was er zahlen müsste,dann müsstest du deinen Anspruch ggf.einklagen.

Antwort
von wilees, 30



Bitte mach zukünftig  Absätze.

Dein Vater ist Dir während Deines Studiums zum Unterhalt verpflichtet.

Du hast auch das Recht zur Unterhaltseinstufung eine Offenlegung seines Einkommens zu verlangen. Er kann nicht nur nach eigenem Gutdünken Unterhalt zahlen.  Diese Offenlegung ist zur Beantragung von BAFÖG sowieso nötig.

Auch wenn es nicht einfach ist, juristisch gegen Eltern vorzugehen, würde ich Dir hier raten einen Anwalt aufzusuchen.

Da Dir das notwendige Einkommen nicht vorliegt, hast Du die Möglichkeit einen Beratungsschein zu beantragen. 


Antrag auf Beratungshilfe

www.justiz.de/formulare/zwi\_bund/agI1.pdf ;

Damit könntest Du auch den Kindergeldanspruch klären.
Schreib auch die Familienkasse an, dass zukünftig das KG direkt an Dich ausgezahlt wird.





Kommentar von habakuk63 ,

Den Abzweigungsantrag für das Kindergeld müssen beide Elternteile unterschreiben.

Kommentar von wilees ,

Zusätzlich habe ich noch folgendes gefunden:

Unterhalt Volljährige - Anrechnung von Kindergeld

www.lexikon-familienrecht.de/unterhalt-volljaehrige-anrechnung-von-kindergeld/
Kommentar von nadeley ,

Danke für die Antwort!

Absätze habe ich gemacht, Gutefrage.net hat sie irgendwie nicht übernommen, obwohl sie jetzt plötzlich da sind... Naja, egal.

Eine Offenlegung des Einkommens wäre wirklich von Vorteil, da ich immer nur von dem was meine Mutter sagt ausgehen muss.. 

Wenn ich mir juristischen Beistand hole, muss ich den dann zahlen?

Geld für einen Anwalt habe ich nicht.

Zur Familienkasse gehe ich definitiv, um das zukünftige Geld monatlich zu erhalten. Meine Angst bezieht sich nur eben auf die Rückzahlungen, die mir die Familienkasse bewilligt hat und gibt, die aber erst mein Vater bekommt, weil er ja die Anträge ausgefüllt hat. Ich weiß auch gar nicht, ob er meine Kontonr. dort angegeben hat, ich bezweifle es...

Kommentar von wilees ,

Deshalb habe ich Dir zum Beratungsschein einen Link angegeben ( Antrag auf Beratungshilfe ).

Mit diesem Schein ( kleiner Eigenenateil ca. 10,-- E ) erfolgt die Beratung und evtl. Weiteres für Dich kostenfrei.

Wende Dich an einen Anwalt für Familienrecht.

Antwort
von habakuk63, 38

Lebt das volljährige Kind nicht mehr bei einem Elternteil, beläuft sich der monatliche Unterhalt seit dem 1. Januar 2016 auf 735 Euro. Studiengebühren und die Kosten von Kranken- und Pflegeversicherung können als Mehrbedarf geltend gemacht werden.

Mehr hierzu bei: http://www.finanztip.de/unterhalt-volljaehrige-kinder/

Kommentar von nadeley ,

Danke für die Antwort. Dass er mir mehr zahlen müsste, weiß ich (und er mit Sicherheit auch) - Muss sowas denn eingeklagt werden? 

Und hast du eine Ahnung, was ich machen kann, wenn er mir die Rückzahlungen vom Kindergeld nicht gibt? Das sind über 4000€... Davon wollte ich was meiner Mutter geben, Kosten decken und Dinge tun, wie neue Kleidung kaufen, was ich seit 3 Jahren nicht mehr tat. 

Kann ich das notfalls auch einklagen oder hab ich einfach Pech, wenn er sagt, er gibt es mir nicht, bzw nur einen Teil?

Kommentar von habakuk63 ,

Du hast Anspruch auf Barunterhalt von 735€ monatlich, von deinen Eltern. Wenn deine Eltern nicht freiwillig zahlen kannst du sie verklagen. Deine Eltern müssen, abhängig von ihrem Nettoeinkommen, ihren Anteil am Unterhalt übernehmen.

Wenn du das Kindergeld erhältst, muss dieser Betrag von deinem Unterhaltsanspruch abgezogen werden, mehr als 735€ monatlich stehen dir nicht zu.

Wenn deine Eltern nicht freiwillig zahlen bleibt dir nichts anderes über, als gegen deine Eltern zu klagen. Rückwirkend vom Tag deines Auszugs, nach Erreichen der Volljährigkeit.

Ist nicht einfach, aber erfolgversprechend. Wir haben das mit unserer Pflegetochter durchgezogen, da wollte die leibliche Mutter nicht.

Kommentar von nadeley ,

Danke nochmal für die Antwort.

Ja, leicht ist es echt nicht, ich wollte auch nie ein Schmarotzer sein und gerichtliches vermeiden, aber irgendwann sind die Grenzen lange überschritten.

Ich gehe zum Amt und lasse mich weiter dort beraten, hoffe es wird dann, auch mit meinen Rückzahlungen..

Antwort
von MelHan, 17

Warum möchte er dich denn nicht unterstützen?  
Warum unterstützt deine Mutter dich nicht auch?
Wieviel Prozent arbeitest du?
Könntest du mehr arbeiten?
Könntest du durch WG statt eigene Wohnung billiger leben?
Warum bist du denn mit 18 schon zu hause ausgezogen?
Warum machst du drin Abi erst jetzt?

Für mich zählen hier viele andere Fakten auch noch um meine Meinung bilden zu können.
Natürlich sind Eltern verpflichtet ihre Kinder zu unterstützen, aber eine 21 jährige Person sollte mehr Verantwortung für Ihr/sein eigenes Leben übernehmen.
Natürlich könntest du gerichtlich gegen deinen Vater vorgehen, aber ob das ein guter Weg für den Familien Frieden ist, wage ich zu bedenken.

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