Frage von MamboManu, 75

Sehbehinderung nach Arbeitsunfall, was kann man rausholen (Geld, Rechte etc.)?

Hey liebe gutefrage- Community,

mein Kollege hatte vor ca. 2 Wochen einen Arbeitsunfall. So wie ich das verstanden habe, hat er an einer Maschine gearbeitet, die einige Jahre hinter sich- und auch den einen oder anderen schaden hat. Nachdem sie "repariert" wurde, setzte er sich wieder an die Maschine und fing an zu arbeiten. Nach einigen Stunden Arbeit hätte es plötzlich einen lauten Knall gegeben und er wurde mit voller wucht zu Boden geschleudert. Er wurde mit Prellungen am Kopf, an den Rippen, und einem Nasenbein- Bruch ins Krankenhaus gebracht. Ärzte konnten auch eine Sehbehinderung am rechten Auge feststellen.

Jetzt meine Frage: Was kann man für ihn rausholen? Sowohl rechtlich als auch finanziell? Er traut sich nicht dagegen vorzugehen weil er Angst um seinen Job hat. Dass er davor keine Angst haben muss habe ich ihm bereits gesagt.

LG euer Manu

Antwort
von Lokicorax, 33

Hoi.

Rausholen......klingt super.

1. Geld

Da wird nicht viel kommen, sofern er keine dauerhafte Sehbehinderung behält. Dann evtl. eine kleine Rente durch die Berufsgenossenschaft.

Der Chef muss hier auch keinen Schmerzensgeld zahlen:

§ 104 SGB VII Beschränkung der Haftung der Unternehmer

(1) Unternehmer sind den Versicherten, die für ihre Unternehmen tätig sind oder zu ihren Unternehmen in einer sonstigen die Versicherung begründenden Beziehung stehen, sowie deren Angehörigen und Hinterbliebenen

nach anderen gesetzlichen Vorschriften

zum Ersatz des Personenschadens, den ein Versicherungsfall verursacht hat, nur verpflichtet, wenn sie den

Versicherungsfall vorsätzlich

oder auf einem nach § 8 Abs. 2 Nr. 1 bis 4 versicherten Weg herbeigeführt haben. Ein Forderungsübergang nach § 116 des Zehnten Buches findet nicht statt.

 

2. Rechte

Da verstehe ich eh nicht, was damit gemeint sein soll. Kündigungsschutz? Mehr Urlaub? Weniger Arbeitszeit?

Ciao Loki

Antwort
von Odenwald69, 53

Über die Gesetzliche Unfallversicherung relativ wenig, hoffentlich hat er zusätzlich eine Berufsunfähigeitsversicherung abgeschlossen.

ansonsten könnte man überlegen den Arbeitgeber zu verklagen da die Maschine meiner meinung nach NICHT fachgerecht repaiert wurde und nur "kurzgeschlossen wurde"...  allerdings müsste man hier ein gutachten anfordern bzw. die Berufsgenossenschaft infomieren.  Was oder wie es ausgeht kann man natürlich nicht sagen OHNE Gewähr !

Kommentar von Lumbago666 ,

Das ist aussichtslos. Die Beweislast liegt beim Kläger. Er muss beweisen, dass der Arbeitgeber bei der Wartung absichtlich geschlampt hat und den Unfall und die Verletzung des Klägers erreichen wollte... Das dürfe schwer fallen. Falls der Unfall (grob) fahrlässig verursacht wurde, greift hier der Haftungsausschluss nach dem siebten Buch (Lokicorax hat hier den Gesetzestext schon gepostet).

Antwort
von Lumbago666, 17

Rausholen... Klingt total Geldgeil.

Gegen den Arbeitgeber etwas zu machen, hat keinen Sinn (siehe Post von Lokicorax). Hierzu müsste der Geschädigte dem Arbeitgeber beweisen, dass er den Unfall mit Absicht (Vorsatz) verursachen wollte.

Ob es wegen einer unfallbedingten Sehbehinderung eine Rente gezahlt wird, hängt von der Art ab. Hier reicht die Range von leichten Einschränkungen, bis zur absoluten Blindheit. Nur bei einer MdE über 20 gibt es eine Rente. Die BG sollte diese Möglichkeit von sich aus prüfen, soweit sie Kenntnis hat.

Antwort
von Anna1230, 27

Naja es war ein Arbeitsunfall. Um da etwas "raus" zu holen, müsste man dem Arbeitgeber schon nachweisen können das er grob fahrlässig die Vorschriften missachtet hat. Wenn er die Maschine hat reparieren lassen, ist davon auszugehen das er der Meinung war die Maschine funktioniert wieder einwandfrei. Also von der Seite wird es keinen Anspruch auf Schmerzensgeld geben. Es bleibt auch erst mal abzuwarten ob die Sehbehinderung dauerhaft ist und es müsste ein Gutachten gemacht werden ob sie mit dem Arbeitsunfall zusammen hängt. Rechtliche Ansprüche? Welcher Art?

Kommentar von Abuterfas ,

Vielleicht noch kurz hinzugefügt: Die Meinung des Unternehmers hat keine Bedeutung, Wartungs- und Prüfbücher bzw. Berichte oder TÜV sind entscheidend.

Kommentar von Anna1230 ,

Das ist schon klar, Fakt ist ja das die Maschine repariert wurde und der Arbeitgeber somit davon ausgehen darf das die Maschine wieder funktioniert wie sie soll. Also ist ihm kein Vorsatz nachzuweisen.

Kommentar von Lumbago666 ,

Vielleicht noch kurz hinzgefügt: Die Vorschriften sind für eine Haftung nach 823 ff BGB scheißegal und wegen 104 sgb vii kommt eine Haftung nur bei Vorsatz in Betracht.

Antwort
von beangato, 36

Er kann - je nachdem, wie sehr das Sehen eingeschränkt ist - einen GdB beantragen.

Ich gelte als blind auf einem Auge und habe dafür dauerhaft einen GdB von 30 bekommen. Da hat man einen Steuerfreibetrag.

Und er sollte mal einen Anwalt fragen, wie und ob überhaupt man gegen den AG vorgehen kann.

Antwort
von Abuterfas, 44

Ist der Unfall im Verbandsbuch eingetragen und eine Unfallmeldung geschrieben worden?

Wenn ja, wird sich die BG dazu melden und den Sachverhalt prüfen. Der Kollege sollte alle Unterlagen zusammen abheften und vei weiteren Krankenscheinen eine Folgebescheinigung auf den Arbeitsunfall nehmen bzw. bekommen.

Von hier können wir dazu nichts sagen.

Antwort
von kabatee, 15

Der BG muss der Unfall gemeldet werden. Schreib eine Mail an deine BG und die schicken dann einen Fragebogen und damit gehst du zum Arzt. Dann siehst du was die meinen. Rate dir dich zum Vdk zu gehen die helfen dir mit diesen Gaunern!

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