Frage von kamahe,

Sedierung und Fixierung bei Alzheimer?

Mein Vater ist dement, und durch amtsärztlichen Beschluß 4 Wochen geschlossene Psychiatrie. Ich habe in der Woche, die er jetzt da ist, mehrfach folgendes mitbekommen: Nachts wird er sehr stark sediert, und dadurch kann er morgens nicht gerade laufen. Er ist Mitte 80.

Und damit er dann nicht fällt, wird er stundenlang im Stuhl fixiert.

Wenn das eine Therapie sein soll, dann finde ich die absolut kontraindiziert bei Demenz. Ich sehe das einfach so, daß das gemacht wird, weil keiner Zeit hat, auf ihn einzugehen. Frage: gibt es Rechtsmittel? Ich bin seine rechtliche Betreuerin -

oder sollte ich es einfach akzeptieren. Es schmerzt mir im Herzen. Danke!

Hilfreichste Antwort von COWNJ,
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Wegen der rechtlichen Fragen würde ich mich an einen Rechtsanwalt wenden, aber an keinen, der zugleich als Betreuer arbeitet, das könnte zu Interessenskonflikten mit dem Vormundschaftsgericht führen. Du solltest versuchen, Deinen Vater so schnell wie möglich aus der Psychiatrie herauszubekommen. Die Neuroleptika, die Dein Vater dort bekommt, beschleunigen eher die Krankheit und haben auch sonst starke Nebenwirkungen. Sie dienen lediglich dazu, die Pflegekräfte zu entlasten. Du hast ganz recht mit Deinen Beobachtungen. Mit Hilfe eines tüchtigen und vernünftigen Arztes musst Du die Medikamente, die Dein Vater zur Sedierung bekommt, langsam ausschleichen lassen. Dein Vater benötigt sehr viel Zuwendung und sehr viel Geduld, Du solltest, um immer freundlich auf ihn eingehen zu können, Dir genügend Hilfe organisieren. Die seelische Komponente ist bei Demenzkranken sehr wichtig. Die Medikamente, die es gibt, wie z. B. Ebixa oder Aricept helfen, wenn überhaupt, nur bedingt. Zumindest nicht schaden könnte es, wenn Dein Vater ausreichend mit den Vitaminen B12/Folsäure und mit Vitamin D versorgt wird. Auch das Quercetin z. B. in Apfelsaft soll einen positiven Effekt haben. Genügend zu trinken ist natürlich auch wichtig.

Kommentar von kamahe,

Danke für die sehr freundliche und hilfreiche Antwort! :)))

Antwort von DemenzPm,
1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

Das diese wehtut ist sehr gut nachvollziehbar. Doch leider interessiert es keinen, weder die Politik, noch der Leitung von der Intuition noch den Behörden. Menschen mit Demenz sind mehr als dritte Wahl. Leider, ich kämpfe seit mehr als 10 Jahren für diese Personen und deren Angehörigen. Und ich mache weiter.

Kommentar von kamahe,

Danke sehr für die freundlichen Antworten.

Ich selbst werde die Pflege meines Vaters übernehmen - das habe ich in diesen Tagen beschlossen. Grüsse! :)

Kommentar von DemenzPm,

Dann wünsche ich Ihnen ganz viel Kraft und Zuversicht. Es ist nicht leicht einen Menschen mit Demenz in der Häuslichkeit zu pflegen. Ihre Entscheidung ist gut und wertvoll für ihren Vater und Sie. Damit haben Sie eine Chance ihre Beziehung zu bereichern.

Kommentar von Tabu1976,

Da muss ich Dir, kamahe, schon Respekt entgegenbringen. Du musst Dein komplettes Leben ändern, was oftmals eine sehr hohe Tragweite bedeutet. Du kannst nicht mehr aufstehen wann Du willst, schlafen, Freunde Treffen, Mittagessen, ausgehen, Freunde einladen, Urlaub, Spontane Aktivitäten, etc ... du musst Deinen Vater wahrschl. 24-7 beaufsichtigen.


Wichtig ist auch, was Du dann mit Deinem Vater "anstellst", er wird nicht ruhig dasitzen, nur weil Du ihm in die Augen siehst, oder nur deswegen weil Du da bist. Du solltest Dir dringend im Vorhinein schon etwas zusammensuchen was Du mit Deinem Vater machen willst. 24 Stunden, 7 Tage die Woche. Wichtig ist, darauf zu achten dass alles was Du mit Deinem Vater machst, nicht zu lange dauer1, und da ist schon das 1. Problem. Du wirst es kaum schaffen 2 Stunden Malefiz mit ihm zu spielen, solange reicht bei Demenzkranken die Konzentration nicht. Übrigens: Malefiz ist ein Spiel das ältere Menschen sehr sehr gerne spielen, das aber in der heutigen Zeit leider kaum mehr zu sehen gibt.

Wichtig: überlege was Du deinem Vater an Beschäftigung anbieten willst, orientiere Dich dabei immer am lebensgeschichtlichen Bezug! Dein Vater wird sich kaum über Kochen, Saugen, Spülen, abtrocknen, etc. interessieren wenn er sein Leben lang – so wie es eben früher war – im Haushalt keinen Strich gemacht hat. Wenn Dein Vater früher Mechaniker war, interessieren Ihn bestimmt Fotos von alten Geräten, oder Du kannst Deinen Vater Schrauben sortieren lassen. (Das praktische an der Demenz ist aber auch, dass Du Deinen Vater alle 3 Tage Schrauben sortieren lassen kannst, weil er sich (wahrscheinlich) nicht mehr erinnern kann dass er die gleichen Schrauben vor 3 Tagen schonmal sortieren musste ;.)


Übrigens: Viele Ideen zur Aktivierung und Beschäftigung für Deinen Vater findest Du auf http://www.aktivierungen.de.
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Dort gibt es fast 200 Ideen, die alle komplett ausgearbeitet sind, da hast Du nicht mal mehr große Vorbereitungszeit! Obwohl die Ideen alle nur 1 bis 2 Euro kosten, was man sich eigentlich auch vom Pflegegeld leisten könnte, kannst Du Dir die Ideen problemlos „nachbauen“, also nicht Kopieren sondern die Inhalte einfach selbst in Word nachstellen. Das praktische dabei ist, dass es für jede Aktivierungsidee bzw. Beschäftigungsidee für Deinen Vater eine Vorschau der Beschäftigungsidee gibt. Die ist zwar gekürzt, aber mit ein bisserl Phantasie und auch Nachdenken kann man die überdeckten Teile der Vorschau-Beschäftigungsidee selbst ziemlich einfach nachfüllen… Ich hab aber dann doch viele Sachen einfach gekauft, weil der Aufwand des „Nachbauens“ der Aktivierungen – damit ich 1 oder 2 Euro Spar – war für mich zu hoch!


In diesem Sinne möchte ich Dir, kamahe, meinen tiefsten Respekt aussprechen! Seinen Vater zu betreuen und pflegen wenn er demenzkrank ist, ist KEINE Selbstverständlichkeit! Wenn Du Hilfe benötigst, kannst Du Dich gerne bei mir melden!

Kommentar von Tabu1976,

achja, nochwas:

BITTE gibt Deinem Vater Mediamente damit er in der Nacht schlafen kann! Und wenn er sehr unruhig ist und sich nicht ablenken lässt, auch was damit er zur Ruhe kommt.

Wer selbst schon mal Unruhezustände oder nächtelange Schlaflosigkeit erlebt hat, der weiss dass das Vorenthalten von Medikamenten gegen diese Störungen ** eine **Körperverletzung ist - darstellt, die m.E. auch juristisch verfolg werden sollte.

Antwort von musso,
1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

da hast du schon Recht, es hat niemand Zeit, sich intensiv zu kümmern. Du ja auch nicht. Das ist keine Vernachlässigung, die man anzeigen könnte.

Ich habe einen Bekannten, der solche Menschen betreut. Nicht medizinisch, sondern er unterhält sich mit ihnen, bringt Musik aus ihrer Jugend mit, versucht eben einfach, dass sie sich wohlfühlen. Vielleicht findest du so einen Menschen.

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