Frage von chaosisntapit, 56

Science-Fiction Roman Erzählperspektive?

Ich möchte nach jahrelangen vergeblichen Versuchen, die von ständiger Verzweiflung und spontaner Lustlosigkeit meinerseits geprägt waren, endlich die Arbeit an meinem ersten Buch beginnen. Nach langer Überlegung habe ich mich für das Science-Fiction-Genre entschieden, weil ich das Gefühl habe, es bietet mir den größten Möglichkeitsbereich, meine Fantasien auszuleben. Grundsätzlich schreibe ich immer in der ersten Person, also in der Ich-Perspektive, weil es für mich natürlicher ist, aber irgendwie sitze ich auch der (bestätigten) Vermutung auf, dass Science-Fiction Romane gewöhnlich in der dritten Person, einem personellen Sie-Erzähler gehalten werden. Deshalb bin ich gerade leicht unschlüssig, in welcher Erzählperspektive ich das Buch halten soll. Einfach meinen alten Gewohnheiten folgen und mich für die widernatürliche Ich-Form entscheiden, oder mich den unentrinnbaren Gesetzen der SF-Welt beugen und die - mir nicht allzu leicht fallende - Sie-Form wählen?

Antwort
von Bethmannchen, 20

DIe Ich-Perspektive ist schwierig, weil du nur beschreiben könntest, was dein Protagonist wirkich erlebt, sieht, hört, er muss an jedem Schauplatz dabei (gewesen) sein. Auch aus der Sicht eines einzigen Erzählers geschildert, wird das schnell langweilig. Es gäbe nur eine Meinung, eine Ansciht, eine einzige Erinnerung an eine Episode.

Es empfehlt sich, eine wenig fixierte Perspektive zu haben, so kann man Situationen allgemein beschreiben oder aus der Sicht fast jeder beliebigen Person. Genau wie in einem Film kann man die Perspektive einfach so und ohne Ankündigung wechseln.

https://de.wikipedia.org/wiki/Erz%C3%A4hlperspektive

Zu Erzählperspektive sieh dir da mal die Tabelle an auf Wikipedia. Es gibt viele Möglichkeiten, die auch abwecseln können.

Nicht gerade toll geschrieben, und ein bisscvhen zu rasant, aber hier mal ein Beispiel, was ich meine:

Er focht immer weiter und sein Arm wurde ihm schwer. Dennoch parierte er jeden Hieb, und Stich, Hieb, parieren und Stich. Endlich fand er eine Blöße, zielte und rammte B sein Schwert tief in die Brust. Neben ihm hatte C einen weiteren Gegner niedergestreckt.

D war erledigt, einer weniger! Noch schützte B's sterbender Körper ihn vor dem nächsten Angreifer, aber schon sank er vor A zu Boden. Jetzt musste etwas geschehen, und C sprang vor um A die nötige Deckung vor dem nächsten Angreifer (E) zu geben. Aus dem Augenwinkel sah er, wie sich A immer noch abmühte, sein Schwert aus B's  Brust zu ziehen.

E schwang seine riesige Streitaxt. In seinen langen Armen eine furchtbare und raumgreifende Waffe, hier in der engen Schenke aber fast nutzlos, und so griff er nach dem Schwert an seinem Gürtel. "Euch werde ich..."

Ich bin mitten in der Szene (2 Sekunden?) aus A's Kopf gesprungen, beschreibe als Beobachter, wechsel in den Kopf von C (sein Mitstreiter), um dann die Szene aus E's (Gegner) Kopf zu betrachten und den dann handeln und sprechen und so die Handlung vorantreiben zu lasssen.

Kommentar von chaosisntapit ,

Okay, vielen Dank! Meinst du, dieser auktoriale Erzähler eignet sich auf für SciFi?

Kommentar von Bethmannchen ,

Gerade für SF ist die auktoriale Erzählpersoektive von Vorteil. So kann man die selbe Situation, den selben Hergang von verschiedenen Seiten mit verschiedenen Anscihten beschreiben, verdichtet die Handlung durch Gleichzeitigkeit von Aktionen usw.

Nur für ein Beispiel: Bei der Ich-Perspektive sieht sich der Terraner einen Alien an, und macht sich seine Gedanken dazu. "Der ist ganz schön anders", aber  der Leser erfährt da nur eine "Schmalspur-Beobachtung", eine einzhige Perspektive.

Der Protagonist müsste allwissend sein, um seine Beobachtungen richtig einzuordnen, die richtigen Schlüssee zu ziehen. Lässt man auch noch jemand anders "hinsehen", bekommt man schon zwei Ansichten, Meinungen. Zwei oder mehr können den Alien viel besser beschreiben, diskutiren vielleicht über ihre Annahmen, .

Lässt du den Alien dann noch  ausgiebig die Terraner betrachten, und der hat dann ganz andere Emotionen als so ein Terraner, denkt vielleicht wie ein Raubtier oder wie ein Widerkäuer, was ist mit Beißhemmung, Kindchenschema ... Was für ein Potenzial!

Antwort
von tarik203, 42

Ich würde aus der dritten Person schreiben, denn Sciencefiction Romane sind sehr vielschichtig und so kannst du mehr hineinpacken.

Kommentar von chaosisntapit ,

Vielen Dank für deine Antwort, das hilft mir wirklich sehr.

Antwort
von Jackunzel, 37

Natürlich sind Science Fiction Romane meistens aus der dritten Person geschrieben, da der Fokus mehr auf der Welt an sich liegt, als auf den Personen an sich. Aber jede Regel hat ihre Ausnahmen und wenn du deinen Roman aus der Ich-Perspektive schreibst, stichst du sofort aus der Masse der Science Fiction Bücher heraus, wenn es jetzt noch gut geschrieben ist, kann doch nichts mehr schiefgehen! Also meiner Meinung nach, solltest du so schreiben, wie du dich am wohlsten fühlst!! :)

Kommentar von chaosisntapit ,

Danke! Das ergibt tatsächlich großen Sinn :)

Kommentar von Jackunzel ,

Gerne :) ich kenn das auch, wenn man versucht etwas zu schreiben, weil man denkt das muss so sein, aber dann kann es nichts werden. Die goldene Regel lautet, schreib das, was du gerne lesen würdest und ich würde wahnsinnig gerne einen Science Fiction Roman aus der Ich Perspektive lesen!

Antwort
von HerrDegen, 16

Die Ich-Perspektive ist nichts schlimmes, man könnte sogar überlegen, mehrere Ich-Erzähler zu verwenden.

Kommentar von chaosisntapit ,

Mehrere Sichten? Das wäre tatsächlich eine gute Idee! Vielen Dank.

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