Frage von JokerUP, 159

Schwul, furchtbare Angst vor Coming Out und den Konsequenzen, was soll ich nur machen?

Hallo zusammen,

ich bin zur Zeit in einer Situation aus der ich keinen Ausweg finde. Ich bin 20 Jahre alt und schwul, das weiß ich mittlerweile auch schon seit ungefähr 6 Jahren, aber bis heute hab ich mich einfach nicht getraut mich zu outen, weil ich so eine riesige Angst vor den Konsequenzen und (negativen) Veränderungen deswegen habe... ich habe wahnsinnige Angst davor dass sich meine Freunde von mir abwenden, ich meine Eltern und Familie enttäusche, von jedem nur noch auf meine Sexualität reduziert werde und als die kleine "Schwuch" abgestempelt werde...
Einfach dass meine kleine heile Welt wie ein Spiegel zerbricht... Die ganze Last auf meinen Schultern erdrückt mich so langsam einfach... Ich wünsche mir so sehr einen Freund, aber kann mir einfach nicht vorstellen den dann bei meinen Eltern anzuschleppen (wohne noch zu Hause, deswegen) und zu ihm zu stehen..
Hatte zwar schon so oft die Chance mich mit Jungs zu treffen die ich bei dbna kennengelernt habe, aber hab dann immer wieder einen Rückzieher gemacht, weil ich einfach Angst hatte dass wir von irgendjemandem gesehen werden und ich dann zur Rede gestellt werde oder so...
Ich zerbreche mir einfach jeden Tag den Kopf darüber was alles passieren würde..
Ich mache mir auch einfach extrem viele Gedanken darüber was andere Leute über mich denken, obwohl mir das eigentlich egal sein sollte, aber leichter gesagt als getan ...
Mir wird zwar oft gesagt dass ich echt ein netter und sympathischer Typ bin, aber ich habe nur noch das Gefühl dass ich eine Rolle spiele, alle anlüge, allen was vormache und niemand mein wahres Ich kennt und das frisst mich einfach so sehr auf dass ich einfach nicht mehr kann...
Ich rede mir zwar immer wieder ein dass es im Jahr 2016 keine große Sache mehr ist schwul zu sein, aber habe einfach dass Gefühl dass es immer noch nicht akzeptiert wird und sehr viele Leute Homophob sind :( Stehe manchmal vor dem Spiegel und frage mich ob ich es überhaupt wert bin zu leben...
Ich weiß ich bin nicht der Einzige dem es so geht, aber fühle mich trotzdem so einsam und hilflos...

Entschuldigung für den vielleicht etwas wirren Text, aber ich musste mir das alles einfach mal von der Seele schreiben..

Falls ihr es bis hierher gelesen habt danke ich euch und hoffe ihr habt einen Rat für mich..

Gruß Manuel

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Antwort
von 261201, 86

Hallo Manuel, ich bin zwar erst 14 habe das Outing aber zum Glück schon hinter mir :D. Vor dem Outing, dachte ich nur negativ darüber, was würden meine Familie und meine Freunde von mir denken? Diese Frage hat mich am meisten beschäftigt. Ich habe meine Angst dann überwunden, und einfach nebenbei gesagt das ich schwul bin. Meine Eltern und Freunde hatten zu diesem Zeitpunkt, wenn überhaupt, nur negativ über Homosexualität geredet, nach dem "Comming Out" hat sich das allerdings geändert. Die meisten haben mich zugelabert das ich das nicht vielen sagen soll, da es nicht gerade gut akzeptiert wird, und dann kam halt noch das Gerede von meiner Mutter, das ich dann aufpassen soll usw. xD.

Antwort
von Chelly42, 62

Ja, das Thema ist auch teilweise heute noch ein Problem. Ich bin selber lesbisch und spreche da aus Erfahrung. Ich kann dir nur sagen, dass du nie wissen kannst, wie ein Mensch reagiert. Jeder hat seine eigenen Erfahrungen gemacht und seine eigenen Vorurteile. Du könntest jetzt natürlich für den Rest deines Lebens verdrängen, dass du schwul bist. Dann müsstest du keinem etwas sagen, aber glücklich wird dich das nicht machen. 

Das schreibst du ja auch. Also wenn dich das so belastet, würde ich dir raten, dich zu outen. Allerdings musst du dann auch mit den Reaktionen deiner Mitmenschen leben. Das ist hart, aber wenn du es nicht tust, wirst du wahrscheinlich daran kaputt gehen, denn Leuten, die man mitunter auch gerne hat, etwas vorzuspielen, ist nicht leicht. Da ist es logisch, dass es dich belastet. 

Wenn Du dich also dazu entschieden hast, zu outen, solltest du überlegen wie du das anstellen willst. Also, ob du du es langsam oder schnell angehen willst. Du könntest zum Beispiel bei Menschen anfangen, bei denen du relativ sicher bist, dass sie positiv reagieren und denen du vertraust. 

Was noch helfen könnte, sind Leute, die selbst schwul/bi/lesbisch sind. Die könnten dir helfen, da sie eventuell schon Erfahrungen damit haben.

Und zum Thema Freund: Du musst ihn ja nicht sofort mit nach Hause bringen. Wenn du jemanden hast, an dem du Interesse hast, oder den du liebst, könntest du ihn ja erstmal an anderen Orten treffen, als zuhause. Oder du könntest ihn bloß als "Kumpel" vorstellen. Nach einer Weile wird er dir vielleicht sogar Kraft schenken und dich unterstützen. 

Antwort
von Solenostemon, 29

Das es Scherben gibt kann man bei sowas nicht ausschließen, aber man trift auch auf Menschen die es verstehen. 

Mit 20 ist es eine gute Zeit zum Outing da du dir ja schon lange sicher bist. Ich würde es erstmal einer Freundin, Schwester oder Tante erzählen weil Frauen da eher mehr Verständnis haben, manchmal wissen sie es auch schon lange vorher und warten nur noch auf eine Bestätigung ihrer Vermutungen (So war es bei meiner Schwester gewesen, sie hatte schon länger das Gefühl das ich mich für Frauen nicht so sehr interessiere wie es für Männer in meinem Alter normal ist). Bei Freunden ist es etwas schwieriger da sollte man sie mal beobachten wie sie zu dem Thema stehen und es ihnen anvertrauen wenn man weiß das sie damit kein Problem haben. Am schwersten sind die eigenen Eltern, da hilft nur Luftholen und es einfach sagen "Ich bin Schwul" und auf die Reaktion achten.

Jedenfalls ist es besser wenn man es hinter sich hat wenn man es auch ausleben will 

Antwort
von quantumcorps, 62

Das ist keine so große Sache wie du denkst.

Erstmal musst du das ja nicht gleich jedem erzählen und zweitens interessieren die Leute sich nicht so sehr dafür, wie man eigentlich befürchtet.

Deine Freunde werden bestimmt damit klar kommen. Ich weiß jetzt nicht, wie deine Eltern so drauf sind, aber wenn sie relativ normal und gut drauf sind, akzeptieren sie dich bestimmt, wie du bist.

Du bist glaub ich grade dabei das ziemlich zu überdenken.

Die interessantesten Personen sind doch die, die zu sich selbst stehen können. Wenn es dich komfortabel mit dir selbst macht, rate ich dir also den großen Schritt zu machen.. (usw.)

Ich kenne die Ängste die mit sowas verbunden sind. Und ich kann dir sagen die meisten davon sind echt unbegründet.

Das wovor du Angst hast ist weniger, dass du nicht akzeptiert wirst, weil du schwul bist und hat mehr damit zu tun, dass du Angst hast nicht akzeptiert zu werden, weil du du selbst bist.

Ich kann dir persönlich sagen, es ist Quatsch so zu denken. Die Leute die komfortabel mit sich selber sind und so sind wie sie sein wollen, sind allgemein auch die mit denen es am komfortabelsten ist zusammen zu sein.

Mach dir nicht so viele Gedanken und hab Mut das zu tun, was du denkst am Besten ist.

Kommentar von quantumcorps ,

Anm.: Natürlich gibt es immer irgendwelche Idioten.

Antwort
von keinname852, 20

Hallo, ich bin selbst schwul und hatte auch Angst vor meinem Coming-Out aber ich kann sagen: Es gibt fast keine negativen Reaktionen. Trau dich einfach am besten erst bei den Menschen den du am nähesten sthst

Antwort
von don2016, 29

hi JokerUP, ich habe gerade eine tolle Antwort gelesen...schau die dir doch mal an ... ist eine Frage von MaLew : Coming Out ( Thema schwul ) wann, warum, ja oder nein...usw., dazu die Antwort von: Jordh (v.20.102015) ich wollte sie nicht einfach hier reinkopieren...is ein Tipp für dich, liebe Grüße

Antwort
von sunnyhyde, 61

Wie du auf meinem Bild siehst seh ich auch nicht wie eine "normale" mutter aus..du musst einfach darauf scheixxen was andere über dich denken..sei nett und bescheiden und jeder mag dich leiden macht einen krank..fang an hinter deinen entscheidungen zu stehen. wer sich dann abwendet war es eh nicht wert zu deinem freundeskreis zu gehören..und wenn du machst was du willst ist das super befreiend-ich glaub an dich..und schwul zu sein ist heutzutage doch eh keine schande mehr ;)

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