Frage von achim56mfr, 74

Schwester stellt Bedingungen für Gespräch. Soll ich mich darauf einlassen?

Ich habe seit 11 Jahren keinen Kontakt mehr zu meiner Schwester. Sie ist meine einzige noch lebende direkte Verwandte. Nach dem Tod unserer Eltern und zwei meiner engsten Freunde, bekam ich Depressionen, musste einige Male in eine Klinik und wurde schließlich berentet.

Meine Schwester hatte dafür kein Verständnis, schrieb mir, dass sie von dem ganzen "Psychogetue" nichts halte, meine einzige Krankheit mein Egoisimus sei und ich sie mal... könne. Sie meinte, ich hätte im Leben nichts zustande gebracht, würde nur meine Bücher lesen (ich interessiere mich für Religionen) und hätte die Ärzte belogen, um nicht mehr arbeiten zu müssen (ich habe über dreißig Jahre lang bundesweit in verschiedenen Firmen als Bankkaufmann und Buchhalter gearbeitet). Ihre beiden Kinder haben seitdem auch den Kontakt zu mir abgebrochen.

Zu ihrem 65. Geburtstag habe ich meiner Schwester jetzt eine Karte geschickt und ihr angeboten, uns wieder einmal zu treffen und die Meinungsverschiedenheiten zu beenden.

Ich erhielt einen dreiseitigen Brief von ihr, in dem sie schreibt, dass ihr die Menschen, die sie nicht mehr an ihrer Seite haben wolle, auch nicht fehlen würden, sie aber immer bereit sei, zu verzeihen, zu vergessen und neu anzufangen. Sie fand es auch schade, dass wir "nicht mehr über das gemeinsame Leben sprechen können", stellte aber für unser Treffen folgende Bedingungen: Keine Gespräche über Religion! Kein Schimpfen über das Elternhaus!

Ich solle mir diese Bedingungen gut überlegen und mich auch daran halten. Dann betonte sie noch einmal, dass sie nicht gläubig sei und diese Ungläubigkeit IHRE Religion sei (über meinen erzkatholischen Großonkel sagte sie einmal, dass sie über seine Leiche steigen würde, wenn er vor ihr auf der Straße zusammenbrechen würde).

Von ihrem früheren Ehemann weiß ich, dass meine Schwester immer noch keine gute Meinung von mir hat, oft schlecht über mich redet und sogar behauptete, dass ich vielleicht nicht der Sohn unseres gemeinsamen Vaters sei.

Da ich alleine lebe und auch nicht mehr der gesündeste bin (ich werde bald 60), dachte ich mir, es wäre einen Versuch wert, mich mit meiner Schwester zu versöhnen. Aber, obwohl ich durchaus selbstkritisch bin, sehe ich keinen Anlass, mich bei ihr für irgendetwas zu entschuldigen oder sie um Verzeihung zu bitten. Ich habe ihr nichts getan, was ihr Verhalten mir gegenüber rechtfertigen könnte. Und obwohl wir beide unter unserem Elternhaus zeitweise gelitten haben, habe ich niemals auf unsere Eltern geschimpft. Ich saß bei beiden Eltern am Krankenbett, als sie diese Welt verließen. Bei unserer Mutter war ich alleine, weil meine Schwester nicht ins Krankenhaus kommen wollte.

Ich wäre bereit gewesen, mich mit meiner Schwester zu treffen. Aber unter Bedingungen möchte ich es nicht. Außerdem vermittelt mit ihr Brief, dass sie keinen Respekt vor mir hat. Sie teilte mir ihre Telefonnummer mit. Aber ich habe Angst, sie anzurufen und wieder gekränkt zu werden. Was denkt ihr darüber?

Antwort
von beangato, 28

Ich denke, Ihr solltet Euch dringend aussprechen.

mich bei ihr für irgendetwas zu entschuldigen oder sie um Verzeihung zu bitten.

Das musst Du auch nicht. Einfach nur miteinander reden.

Das jedoch

Keine Gespräche über Religion!

solltest Du akzeptieren.

Mein Bruder hat auch 10 Jahre lang nicht mit mir gesprochen (seine Tochter ignoriert mich heute noch), weil ich angeblich eine Erbschleicherin sei. Erst, als er einen Herzifarkt erlitten hatte, kam er offenbar zur Einsicht. Jetzt reden wir wieder miteinander.

Soweit muss und sollte es bei Euch nicht kommen.

Antwort
von XxLesemausxX, 22

Hallo achim56mfr, 

meiner Meinung nach seid Ihr beide in diesem Fall nicht ganz unschuldig. Ich finde das Verhalten Deiner Schwester nicht gerade vorbildlich. Man sollte Menschen akzeptieren wie sie sind. Nicht alle sind gleich.
Aber andererseits solltest Du auch ihre Bedingung bezüglich der Religion und des Elternhauses akzeptieren.
Nicht jeder ist gläubig. Ich würde auch nicht gerne über Religion reden, da es für mich auch nicht relevant ist. Aber sie sollte akzeptieren, dass Du eben gläubig bist.

Ihr habt allerdings vieles, über das Ihr mal reden solltet. Das Leben ist kurz, das weißt Du sicher selber. Die Vergangenheit kann auch nicht mehr geändert werden, aber die Zukunft.

Ich kann ihre Bedingungen gut verstehen. Vielleicht möchte sie auch aus einem bestimmten Grund nicht über das Elternhaus reden.

Das sie nichts vom "Psychogetue" hält, ändert nichts an der Tatsache, dass es das gibt. Und Depressionen sind nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.

Aber mit gegenseitigen Vorwürfen und Ablehnungen werdet Ihr nicht weit kommen.

Trefft Euch erstmal und seht dann weiter. Es muss ja nicht über Religion oder über das Elternhaus geredet werden. Ihr habt noch ne Menge anderer Dinge, die besprochen werden müssten.

Ihr seid Geschwister und nicht mehr die jüngsten... Irgendwann habt Ihr keine Möglichkeit mehr das aus der Welt zu schaffen.


L.G.
XxLesemausxX

Antwort
von achim56mfr, 8

Ich danke Euch für Eure Antworten.

Im Augenblick sehe ich mich außerstande, meine Schwester anzurufen und mich mit ihr zu treffen. Ich werde ihr aber noch einen kurzen Brief schreiben.

Es war schon immer ein Prinzip von mir, nicht mit Menschen über meine Religion zu sprechen, wenn sie es nicht möchten. Ich wäre der Letzte, der mich diesbezüglich aufdrängen würde. Dazu ist mir mein Glaube zu wertvoll. Und weil für mich (im Gegensatz zu meiner atheistischen Schwester) religiöse Rituale wie Ostern, Weihnachten usw. ohne Bedeutung sind, sondern gelebte Religion für mich etwas ist, was das ganze Leben in jeder Hinsicht beeinflusst, kann ich auch nicht vermeiden, dass ich etwas sage, was ihr gegen den Strich geht.

Ich habe kein Problem damit, zu akzeptieren, dass meine Schwester nicht an Gott glaubt. Aber ich darf auch so viel Respekt erwarten, dass auch sie akzeptiert, dass ich eben ein religiöser Mensch bin. Und wenn sie von vornherein betont, dass ich darüber nichts sagen darf, ist das für mich ein Beweis, dass sie mich nicht so annimmt, wie ich eben bin.

Ich habe auch nie über mein Elternhaus geschimpft, höchstens mit meiner Schwester über verschiedene Vorkommnisse gesprochen, über die wir uns meistens sogar einig waren. Warum sie plötzlich betont, ich solle nicht über das Elternhaus sprechen, erschließt sich mir nicht.

Worüber kann man dann noch sprechen? Über Leberkäse und das Wetter? Politische Themen sind auch tabu, weil ich sozial und eher links denke. Meine Schwester schimpft fleißig über Flüchtlinge, den Islam und die Männer im Allgemeinen, während ich mich in der Flüchtlingshilfe engagiere, alle Religionen respektiere und halt selber ein Mann bin.

Ich würde mich gern einmal mit ihr aussprechen. Aber das kann wirklich übel enden. Ich kenne meine Schwester. Sie hat ein sehr lockeres Mundwerk und kann wirklich sehr verletzend sein. Es ist ihr auch egal, wenn sie andere verletzt. Dafür gibt es genug Beispiele, auch in der Familie. Das ist auch der Grund, weshalb ich es vorziehe, mich nicht mit ihr zu treffen.

Ich hatte gehofft, dass sie ihre Meinung über mich nach all den Jahren ein wenig geändert hat. Aber ich fürchte, das hat sie nicht.

Antwort
von michele1450, 19

entschuldigen musst du nicht aber die zwei sachen wegen religion und eltern kann man weg lassen . besser spät versöhnt als nie. 

Antwort
von Glueckskeks01, 19

Sie stellte zwei ganz einfach zu erfüllende Bedingungen. Von Entschuldigen hast du nichts geschrieben. Nicht über Religion zu sprechen und nicht über das Elternhaus zu schimpfen sollte sich doch einrichten lassen, wenn einem das Treffen wichtig ist. Wenn nicht, dann lass es. Es gibt übrigens schon noch Menschen, die auch mit fast 60 noch gesund sind!

Antwort
von Gerneso, 23

Du hast um ein Treffen gebeten - willst also was von ihr.

Sie ist dazu bereit und stellt hierfür ihre Bedingungen. Das ist ihr gutes Recht und lediglich ein Angebot an Dich.

Wenn Du dieses Angebot nicht mit allen Konsequenzen nutzen möchtest, lass es halt. Sie hat ja ihr Leben und braucht Dich nicht. Für sie ändert sich durch eine Absage von Dir nichts.

Sie wird schon ihre Gründe haben, warum sie die Bedingungen so detailliert schriftlich fixiert hat. Wenn Du diese (nachvollziehbaren) Wünsche von ihr nicht respektieren kannst, zeigt das nur, dass sie absolut recht mit ihren Forderungen hatte.

Sie muss sich auch selbst schützen.

Antwort
von Abbrandler, 23

Ich würde mich mit Ihr wahrscheinlich gar nicht treffen, so wie sich das Anhört, wäre unter Umständen ein Streit vorprogrammiert.

Depressionen sind etwas, wenn man nicht selbst die Erfahrung gemacht hat, sehr schwer nachvollziehbar ist .... Da kann man den Betreffenden auch gar keinen Vorwurf machen - sie wissen es nicht besser.

Schreibe Ihr einen freundlich, respektvollen Brief in den Du ihr mitteilst, dass Du sie nach wie vor schätzt, Dich aber unter diesen Umständen nicht mit Ihr treffen willst.  Wüsche Ihr alles Gute, viel Gesundheit und Zufriedenheit - für Ihr weiteres Leben -   und lebe Dein Leben weiter wie Du es bis jetzt auch getan hast.

Vielleicht ist die Zeit noch nicht reif für ein persönliches Treffen, aber ein sporadischer Briefkontakt könnte möglich sein.... das wiederum KÖNNTE ein Neubeginn werden...

Kommentar von achim56mfr ,

Danke Abbrandler, so werde ich es machen. Den Brief habe ich bereits geschrieben. Ob meine Schwester ihn jedoch lesen wird, ist fraglich.

Als sie mir vor 10 Jahren den oben erwähnten unverschämten Brief schrieb, in dem sie mir alles mögliche vorgeworfen hat, habe ich ihr sehr höflich geantwortet. Meine Antwort habe ich sogar mit meinem damaligen Psychotherapeuten abgestimmt, damit ich ja keinen Anlass für weitere Unstimmigkeiten gebe.

Dieser Brief kam aber von der Post mit dem Vermerk "Annahme verweigert" zurück.

So ist eben meine liebe Schwester. Kräftig austeilen und keine Verteidigung zulassen.

Kommentar von Abbrandler ,

Bleibe einfach nur höflich und wertschätzend in Deinem Brief - dann kannst Du Dir selbst auch nichts vorwerfen.

Du kannst Deine Schwester nicht ändern - ABER:  Du kannst mit der Situation, so wie sie ist. richtig umgehen !

Manchmal ist es wirklich besser, wenn ein jeder seinen eigenen Weg geht....Leben und Leben lassen :-)   Alles Gute!

Antwort
von DelilahGirl, 25

In dem was du schreibst, lese ich, dass dir der Brief schon weh tut. Ich denke nicht, dass es dir gut täte, wenn ihr euch treffen würdet. Und wenn sie schlecht über dich spricht, kann ich mir nicht vorstellen, dass sie wirklich bereit ist, dir zu verzeihen. So wie es für mich klingt würde ich es lieber lassen, denn es könnte auf beiden Seiten traurig enden.

Kommentar von achim56mfr ,

Danke DeliahGirl, nach längerem Überlegen denke ich das auch, so leid es mir tut.

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