Frage von psychquestioner, 75

Schwere Depression - Was kann ich alleine dagegen tun?

Guten Abend liebe Community,

Ich leide momentan an einer majoren depressiven Episode (von einem Psychiater bestätigt), zusätzlich wurde ein Verdacht auf Burn Out gestellt. Da ich an einer bipolaren Störung leide, sind Depressionen seit 3 Jahren keine Seltenheit mehr. Diese ist aber Eine der Schlimmsten, da ich die vorangehende Manie voll ausgelebt habe (Urlaub) und keine Medikamente genommen habe (Shame on me). Ich habe die Depression vor rund 5 Wochen kommen sehen und sofort mit meinem Antidepressivum begonnen, dann noch mit einem Neuroleptikum (beide vom Psychiater verschrieben). Schwache Wirkung, dann die Talfahrt. Ich bin seit 4 Tagen absolut arbeitsunfähig (Schule). Seit etwa 2 Wochen ist die Depression so schwer, dass ich gar nicht mehr lache, kaum esse, duschen, Zähne putzen etc. ist eine Qual. Ich singe, schreibe und spiele keine Gitarre mehr, mein Handy habe ich ständig aus. Ich habe mich gegen einen Klinikaufenthalt entschieden (Stehe kurz vor dem Abitur). Die Frage ist: Wie komme ich aus dieser unerträglichen Depression heraus? Es gibt ja Hilfen. Aber wenn ich z.B. 10 Minuten Sport mache, habe ich das Gefühl, dass ich sterbe. Ich bin so müde, dass ich kaum aus meinem Bett rauskomme. Was kann man als Betroffener gegen schwere Depressionen tun? Wie komme ich aus dem Tief wieder heraus? Oder zumindest: Wie kann ich die Depression abschwächen?

Ich weiß, es handelt sich um einen sehr langen Text, der aufwendig ist, zu lesen.

Ich bedanke mich jedoch bei Allen, die sich die Mühe machen und mir versuchen zu helfen. Egal, was ihr für Ideen habt. Ich brauche sie dringend.

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Antwort
von LittlePhillip, 69

Hey...

Zunächst einmal finde ich es gut dass du liebend gerne schreibst, zeichnest oder singst. Ich schreibe auch liebend gerne, weil man nicht reden muss, weil man nicht weinen muss, weil man schlicht und einfach seine Gefühle dem Schreiben widmen kann. Irgendeiner hört zu, denke ich mir dann immer und beruhige mich letztendlich bezogen auf meinen Stand den ich momentan ausleben muss. Ich verstehe auch wie schwer es ist, mit jemanden über seine lage zu sprechen.

1. Man weiß nicht wo man anfangen soll, man ist manchmal über sich selbst verwirrt, das kenne ich, wenn du das meinst. 

2. Ich persönlich möchte mich nicht "zeigen", ich schäme mich darüber zu sprechen oder überhaupt über meine depressive Lage zu sprechen.

3. man ist einfach übermüdet. Psychisch übermüdet, weil man zu viel darüber nachdenkt, bis man irgendwie im Labyrinth stecken bleibt, an einer Gasse angekommen ist oder stets unbewusst im Kreis läuft. 

Ich möchte damit die Aufmerksamkeit keineswegs auf mich ziehen, sondern die zeigen, dass es Menschen gibt, die vielleicht nicht das selbe wie du durchleben, aber auch unter Schmerz leiden. Jetzt muss dir bewusst sein dass du NIEMALS alleine bist. Niemals. Es wird immer einen geben, der deine Probleme, der dein Ich oder auch deine Macken verstehen wird, ganz gleich ob du denken wirst dass du allein bist. Das bist du wie schon gesagt nicht, das soll dir bewusst werden. 

Manchmal ist es besser, wenn man sich anschaut und sagt : "Hey, du bist schön" oder "Du bist es wert." Das sind keine überaus positiven Gedanken die man sich automatisch macht, sondern natürliche Gedanken, die man sich bereits gemacht haben sollte oder damit auch einverstanden sein müsste. Du darfst dein Selbstwertgefühl nicht vergessen, du sollst dich selber als gut genug betrachten, auch wenn sich jenes kitschig anhören mag, aber im Endeffekt gibt es kein besser oder schlechter als irgendeiner sein. 

Bezogen auf deine Depressive Lage; Dir geht es schlecht, aber du musst mit dir selbst zufrieden sein, egal welche psychischen Krankheiten du besitzt. Denn irgendwie konnte ich mich mit dir auf einer positiven Art identifizieren: ist das negativ? Nein ist es nicht; aber ich konnte es weil du, du selbst geblieben bist und die Wahrheit gesagt hast. Ich konnte mich sogar kurz als stark bezeichnen, wegen dir. Das hast du ausgelöst, ist es schlecht? Nein, ganz und gar nicht. 

Ich mache gerade das Abi und ich muss sagen: Du musst auf nichts materielles einen hohen Wert legen. Lege den Wert auf Freunde, Familie, positive Bemerkung oder einfach auf Komplimente die du bekommst. Sei glücklich mit dir, so scheint und ist das leben wenigstens bisschen verträglicher! :D 

Gegen meine Depressionen rede ich mit Freunden liebend gerne philosophischer Kack haha, weil ich das eben mag und mich irgendwie aufmuntert. Rede mit Menschen, über dinge die dich beschäftigen. 

Ich kann dein Zuhörer sein, kein Problem, du kannst mich wenn du willst gerne anschreiben :) 

Ich hoffe ich konnte dir ein bisschen helfen :) ich wünsche dir alles gute, viel glück und einen schönen Abend. 

Kommentar von psychquestioner ,

Vielen lieben Dank für deine Antwort und ich höre es gerne, wenn ich jemanden stärken und jemandem helfen kann. Ich rede mit vielen über meine Krankheit. Meine Eltern wissen Bescheid, meine Lehrer ebenso. So stark bin ich noch. Meinen Freunden verschweige ich es zum Teil, weil sie meine ständigen Depressionen nicht mehr vertragen können. Meine Familie leidet natürlich auch darunter. Ich versuche immer positiv zu bleiben und meine positiven Seiten zu sehen, sowie Pläne/Träume für die Zukunft aufzubauen. Meine Lage ist jedoch dennoch deutlich erschwert. Im Moment rede ich jedoch kaum. Es ist sehr anstrengend für mich und selbst diese Antwort zu verfassen ermüdet mich extrem. Es ist glaube ich, die schwerste Depression, die ich je hatte. 

Kommentar von LittlePhillip ,

Wie gesagt kannst du mich volllabern, ich höre sehr gerne zu. Selbst mein großer Bruder findet das nämlich auch so: Ich kann über das unnötigste sprechen, ich höre jedem und allem zu und kann es daher auch wirklich ernst nehmen, obwohl das halt naja du weißt was ich meine, eher nicht der Rede wert ist haha. Egal worüber es ist, ich würde dir gerne zuhören. Und du musst auch nicht unbedingt über deine Lage sprechen, wenn du dafür zu übermüdet oder zu schwach bist :) Über alles was du möchtest. 

Antwort
von Verliebteblume, 63

Regelmäßig zu einer psychologin gehen, sich probieren mit Freunden zu treffen (wenn das denn möglich ist 😐) sich an schöne sachen des lebens zurück erinnern und sich ziele setzten!
Vielleicht kannst du deine gedanken in ein Buch schreiben und dich dadurch befreiter fühlen. In z.B Tagebücher.
Wenn du kurz vor dem abi stehst musst du ja immerhin lernen und wenn du das nicht kannst würde ich lieber einen klinikaufenthalt machen und anschließend das abi nachholen! Deine gesundheit geht vor und lieber eineen guten abschluss machen anstatt durch einen schlechten oder hart erkämpften noch trauriger zu werden.
Ich hoffe du bekommst das alles wieder hin und kannst bald wieder lachen! Ganz viele liebe Grüße an dich und viel Glück! Du schaffst das!!💓

Kommentar von psychquestioner ,

Erstmal danke für die lieben Worte. Ich führte bis vor kurzem regelmäßig Videologs, habe nun aber aufgrund der Schwere damit aufgehört. Meine Freunde sollten diesen Zustand auf keinen Fall miterleben. Ich bin seit 1 1/2 Jahren in psychiatrischer und psychologischer Behandlung. Gegen eine Klinik entscheide ich mich 1. weil mein Psychiater mich unumstößlich auf Lithium einstellen will und 2. weil der Zustand jederzeit umschlagen kann und ich dann da 6 Wochen gefangen bin. Außerdem liegen meine Noten im Moment zwischen 1-2. Sind also nicht fatal.

Antwort
von Lachancla, 75

Du willst keinen klinikaufenthalt wegen dem abi, ist auch verständlich, aber so verschwendest du auch zeit und das auch noch unentshuldigt und am ende gehst du vielleicht doch in eine klinik und hast doppelt so viel zeit verloren :( mit depressionen Kenne ich mich leider (oder zum glück!) Gar nicht aus aberich habe gehört eine gesunde ernährung und sport (was bei dir ja wegfällt) mindern die symptome. Ich würde dir eaten egal wie langsam du am tag vorankommst, dusch dich und geh auch 3 stunden zu spät zur schule. Alles besser als gar nichts. Alles, alles Gute!

Kommentar von psychquestioner ,

Danke

Antwort
von habakuk63, 59

Ohne professionelle Hilfe und Unterstützung kommst du da nicht raus. Warum lehnte du einen Klinik Aufenthalt ab? Dein Abi kannst du mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eh vergessen, zum fest solange du nicht wieder der alte bist..,..und da sind wir am Beginn meiner Antwort.

Kommentar von psychquestioner ,

Ich habe sechs meiner Depressionen ohne professionelle Hilfe innerhalb einer Klinik gemeistert (also Psychotherapie habe ich regelmäßig). Meine Noten stimmen bisher aber und liegen im Bereich 2-1. Sie werden jetzt höchstwahrscheinlich absinken. Die Angst vor Kliniken liegt bei mir darin, dass der Normalzustand oder die Manie (sollte jetzt nicht kommen) jederzeit kommen könnte und ich da 6 Wochen festhänge. Zudem will mein Psychiater mich auf Lithium einstellen, was ich unter keinen Umständen möchte.

Antwort
von brendy909, 63

Man kann hierzu natürlich nur eine subjektive Meinung abgeben, allerdings ist es vorweg

1.) ganz wichtig bei einer Manisch-Depressiven Erkrankung die Medikamente _regelmäßig_ wie verordnet einzunehmen.

Ohne Auflistung der Wirkstoffe & Dosierungen kann man auch dazu weniger sagen.

Das beste ist, dass du umgehend einen Termin vereinbarst und dein Problem schilderst. Es gibt immer Ausweichmöglichkeiten von Medikamenten bei einer solchen Diagnose.

Alles gute!

Kommentar von psychquestioner ,

Ich bin seit 1 1/2 Jahren in Behandlung. Angefangen hat man mit Seroquel 200 mg. Lange Zeit genommen. Keine Wirkung. 30 mg Mirtazapin wurden unterstützend bei Depressionen eingesetzt. Nehme ich zur Zeit und eine geringe Dosis von 50 mg Seroquel. Mein Psychiater will mich aber unumstößlich auf Lithium einstellen, sobald ich stationär aufgenommen werde und das will ich unter keinen Umständen. 

Antwort
von Lukei, 35

Bei einer schweren Depression ist es sehr wichtig, das man regelmaessig seine Medikamente einnimmt. Diese Medikamente wirken aber nicht sofort, wie beispielsweise bei einer Kopfschmerztabltee. Sie beginnen erst ihre Wirkung zu zeigen,nach einigen Tagen oder auch Wochen.

Ein Klinikaufenthalt waere doch angebracht, auch wenn du kurz vor dem Abitur stehst. Denn mit einer Depression faellt es dir auch sehr schwer zu lernen und alles zu behalten, dich also zu konzentrieren. In einer Klinik kann dir besser und schneller geholfen werden.

Bei einer ambulanten Therapie dauert es Wochen und Monate, weil du nur einmal in der Woche oder im Monat zu dem Therapeuten gehen koenntest.

Falls deine Medikamente nicht mehr wirken sollten, muss die Dosis angepasst werden. Das musst du aber mit deinem Arzt besprechen. Bei mir beispielsweise mussten alle 2 Wochen die Dosis angepasst werden, das heisst erhoeht werden, damit die Medikamente noch eine Wirkung zeigten.

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