Frage von Willwissen100, 20

Schweizer Immobilien. Frage zum steuerlichen Abzug von Schuldzinsen?

Gestern in unserer Runde kam die Diskussion auf, warum man in der Schweiz den Eigenmietwert hat und warum man die Schuldzinsen von den Steuern absetzen kann.

Dass dies zum Ausgleich der Steuerlichen Vorteile so ist, darauf sind wir auch so gekommen.

Es blieb die Frage, warum überhaupt die Schuldzinsen abgezogen werden können. Man könnte das ja einfach lassen und stattdessen den Eigenmietwert abschaffen. Auch wenn dadurch wieder eine kleine, steuerliche Ungerechtigkeit entstehen würde.

Ich habe einmal gehört, man hätte den Schuldzinsabzug eingeführt, damit junge, weniger vermögende Familien, bauen können. Allerdings habe ich dazu nichts recherchieren können. Auch sehe ich keinen Vorteil, wenn danach sowieso wieder ein Eigenmietwert berechnet wird. Das scheint mir eine finanzielle Nullrunde zu sein.

Kennt jemand den geschichtlichen Hintergrund des Schuldzinsabzugs in der Schweiz?

Antwort
von jottlieb, 11

Zu dem Hintergrund kann ich dir nichts sagen, aber de facto ist dieses Konstrukt sehr problematisch, aus zwei Gründen:

- Durch den Schuldzinsenabzug gibt's kaum Anreize, die Hypothek zu amortisieren. Während man in Deutschland bestrebt ist, den Hauskredit spätestens bis zum Rentenalter abzubezahlen, fehlt in der Schweiz dieser Anreiz

- Der Eigenmietwert kann einem vor allem im Ruhestand das Genick brechen, wenn plötzlich der Wert der Immobilie viel höher festgesetzt wird und man dann die Steuern dafür plötzlich nicht mehr zahlen kann. Hinzu kommt dann eben noch das Problem, dass man nachwievor für die Hypothek zahlt und bei einem Zinsanstieg die Bank der Überzeugung sein kann, dass der Hypotheknehmer die Belastung nicht mehr tragen kann.

Kommentar von guru61 ,

Das mit der abbezahlten Hypothek ist die Gehirnwäsche der Schweizer Banken. Ja, ich zahle mehr Steuern, aber auch keine Zinsen.
Mal annehmen: Du zahlst Fr 10'000 Zinsen, Die kannst du vom Einkommen abziehen. Da sparst du etwa 3'000 Fr Steuern.

Hast du das Haus abbezahlt, dann musst du zwar die 10'000 Franken als Einkommen versteuer und zahlst noch die zusätzlichen 3'000 Steuern, aber du sparst dir die 7'000.- Franken, die du der Bank in den Hintern schiebst, ohne dass sich deine Schuld verringert.

Somit: Mit dem abbezahlten Haus hast du am Schluss mehr verfügbares Geld.  Wer nicht glaubt, kann sich bei der nächsten Steuererklärung das mal ausrechnen lassen. Heute mit der Software kein Problem.

 

Kommentar von Willwissen100 ,

Ja, auch diese Aussage stimmt.

Ich würde aber gerne wissen, warum man den Weg mit dem Schuldzinsabzug gewählt hatte.

Kommentar von guru61 ,

im Schweizer Steuerrecht kannst du jede Art von Schuldzinsen abziehen. Beispiel Kanton Zürich, Seite 19:

https://www.steueramt.zh.ch/internet/finanzdirektion/ksta/de/steuererklaerung/_j...

Darunter fallen also auch die Hypozinsen.

Gruss Guru

Kommentar von Willwissen100 ,

Deine Aussagen stimmen und sind mir durchaus bewusst.

Mich nimmt der geschichtliche Hintergrund dieser Politik wunder. Warum hatte man diesen Weg eingeschlagen.

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