Frage von benzor99, 87

Schwangerschaftsabbruch Mord?

Und zwar haben wir das Thema gerade und ich bin der Meinung dass dieses Schwangerschafftsabbruch doch Mord ist ?
Ich mein da wird ein Lebewesen getötet?

Das muss doch illegal sein ?
Oder irre ich mich
Danke für die Antworten schon mal

Antwort
von carn112004, 24

"Ich mein da wird ein Lebewesen getötet?"

Ja, da wird ein Lebewesen getötet. Je nach Methode wird es übrigens direkt (z.b. Absaugung) oder indirekt (z.b. Abtreibungspillenkombination, von denen die zuerst genommene eine Einstellung der Versorgung und zweitere letztlich den Abgang bewirkt, das Lebewesen stirbt dann letztlich durch verhungern lassen, also indirekt).


"Und zwar haben wir das Thema gerade und ich bin der Meinung dass dieses Schwangerschafftsabbruch doch Mord ist ?"

Das hängt davon ab, was unter Mord zu verstehen ist. Z.b. nicht jedes Töten ist auch gleichzeitig Mord.

Ferner ist es juristisch keinesfalls Mord, da der Mordparagraf § 211 StGB erst ab Eintritt der Geburtswehen Anwendung findet; daraus wiederrum kann man ethisch/philosophisch allerdings gar nichts folgern, da Juristen da einfach "stupide" festgestellt haben, dass es § 218 StGB mit einer Einschränkung/Verbot von Abtreibungen (also dem Töten ungeborener) gibt und §211ff. StGB mit Einschränkung der Tötung "anderer" und da dann halt irgendwo eine Grenze zu ziehen ist, damit man weiß, welcher § in einem konkreten Fall anzuwenden ist.


"Das muss doch illegal sein ?"

Ca. 97% der Abtreibungen sind auch illegal, denn sie erfolgen nach der Beratungsregelung § 218a Abs. 1 StGB

(https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__218a.html

bitte Abs.2 mit Abs.1 vergleichen, in Absatz 2 steht klar "nicht rechtswidrig", während in Absatz 1 das nicht steht)

, bei der der Abbruch gerade nicht "nicht rechtswidrig" ist und somit die Aussage des Bundesverfassungsgerichts im Urteil Schwangerschaftsabbruch II gilt:

http://www.servat.unibe.ch/dfr/bv088203.html

"4. Der Schwangerschaftsabbruch muß für die ganze
Dauer der Schwangerschaft grundsätzlich als Unrecht angesehen und
demgemäß rechtlich verboten sein (Bestätigung von BVerfGE 39, 1 [44]).
"

unter 7. führen die dann aus, dass unter bestimmten Umständen es doch nicht rechtswidrig ist, was dann der Hintergrund von § 218a Abs.2 StGB ist und unter 15., dass nach Beratungsregelung nicht "nicht rechtswidrig" sein dürfen, folglich also rechtswidrig sind, folglicht also illegal sind.


ABER:

Auch wenn der Schwangerschaftsabbruch im Allgemeinen illegal ist, ist er nach Beratungsregelung straffrei.

Hintergrund ist, dass man seitens der Politik denkt (bzw. dachte, als die geltende Regelung beschlossen wurde), dass bei einer zu harten Strafandrohung gegen Schwangere, diese ihre Entscheidung sozusagen im Geheimen für sich treffen (denn jeder dem sie sagen "ich bin schwanger, aber im Zweifel, vielleicht will ich abtreiben" ist jemand, der sie potentiell dann verpfeift), dadurch solche Schwangere für Hilfen nicht erreichbar sind und dann ihre Lage umso schwieriger ist und sie dann eher abtreiben (halt dann illegal oder in Holland).

Somit war der Denkansatz, dass wenn man die Strafe sein lässt quasi als "Gegenleistung" dafür, dass die Frauen in ein Beratungsgespräch gehen, bei denen versucht wird, ihnen zu helfen, und bei dem auch über mögliche Hilfen informiert wird, sich mehr ungeplant Schwangere gegen eine Abtreibung entscheiden.

Ob das tatsächlich so klappt, dazu gibts verschiedene Meinungen; das Bundesverfassungsgericht hat eben nur unter 11. eben festgestellt, dass solche ein "Hilfe statt Strafe" zulässig ist, wenn der Staat eben meint, dass das gut funktionieren würde.


PRAXIS:

In der Praxis interessieren diese Überlegungen aber eventuell kaum noch irgendwen, die "Konservativen" vor allem die "konservativen" Politiker sind froh, dass sie den "Lebensschützern" die "Beruhigungspille" geben können, dass Abtreibung doch rechtswidrig sei und der Staat doch bemüht sei, die "liberaleren" können die "Beruhigungspille" geben, dass Abtreiben in der Frist doch leicht möglich sei und man im Beratungsgespräch doch eh nichts sagen braucht und mit ProFamilia man doch sowieso Beratungsstellen hat, die offiziell darauf pfeifen, dass ungeborene das Recht auf Leben haben (siehe 1. bis 3. im BVerfG-Urteil), welches durch die Beratung geschützt werden soll, womit das doch alles erträglich ist; sowohl "Konservative" als auch "Liberale" haben damit quasi einen "Friedensvertrag"/"Waffenstillstand" zu dem Thema geschlossen, damit beide es in Ruhe ignorieren können.


Spielverderber sind lediglich die konsequenten "Mein Bauch gehört mir"-ler, die zu recht anmerken, dass solange Abtreibung im Allgemeinen nur straffrei aber immer noch rechtswidrig ist und solange der Staat noch behaupte, das im Bauch hätte ein Lebensrecht, dass dann "Mein Bauch gehört mir" noch gar nicht gilt, und die "Lebensschützer", die zu recht anmerken, dass bei 95000+ rechtswidrigen Tötungen von Lebewesen, die Menschenwürde nach Art. 1 Abs. 1 Grundgesetz und das Recht auf Leben nach Art. 2 Abs. 2 Grundgesetz, das Thema doch keinesfalls staatlich ignoriert werden darf.


Ich weiß, ist ziemlich komplex und an manchen Stellen widersprüchlich, aber ich denke, das beschreibt etwa die aktuelle Situation hinsichtlich Abtreibung.


Kommentar von Deamonia ,

Eine gute Antwort, die beide Seiten beleuchtet, ein kleiner Einwurf meinerseits wäre allerdings, das man KEIN Lebewesen tötet. 

Ein Lebewesen ist ein selbstständiger Organismus. 

Lebewesen sind Systeme, die ohne Ausnahme über folgende Eigenschaften und Fähigkeiten verfügen:

Eigener Stoffwechsel, Fortpflanzung, Vererbung und Mutation, Reizempfang und Reizantwort, Bewegung

Kommentar von carn112004 ,

"selbstständiger Organismus."

"Eigener Stoffwechsel, Fortpflanzung, Vererbung und Mutation, Reizempfang und Reizantwort, Bewegung"

Da steht kein Kriterium "selbstständiger Organismus". Eigener Stoffwechsel bedeutet lediglich, dass in dem System Reaktionen stattfinden:

-zur Energieversorgung (z.b. irgendwelche Nährstoffe in irgendwas umwandeln, was dann für den Betrieb von Zellen gebraucht wird)

-zum Erzeugen von "Baustoffen" (z.b. Aufbau einer neuen Zellwand)

-zum Abbau von Schadstoffen

Das passiert alles beim ungeborenen. Dass "Nahrung" und sämtliche anderen Stoffe vom ungeborenen nur über den Austausch in der Plazenta erhalten werden können, ändert hieran nichts.

Da laut Apothekerzeitschrift, die Feststellung:

http://www.apotheken-umschau.de/Infektion/Der-Unterschied-zwischen-Bakterien-und...

"Auch die Lebensweise und somit der Stoffwechsel von Bakterien ist sehr unterschiedlich ausgeprägt. Es gibt Bakterien, die für ihren Stoffwechsel Sauerstoff benötigen und solche, für die Sauerstoff Gift ist. Einige Bakterien brauchen Licht um zu existieren, andere bestimmte Chemikalien, wie zum Beispiel Schwefel.

Viren haben keinen eigenen Stoffwechsel. Daher werden sie, im Gegensatz zu Bakterien, auch nicht zu den Lebewesen gerechnet!"

Wenn Bakterien genug Stoffwechsel haben, um "eigener Stoffwechsel" zu erfüllen, dann erst recht ungeborene.

Ferner:

"Ein Lebewesen ist ein selbstständiger Organismus."

Organismus:

https://de.wikipedia.org/wiki/Organismus

"Biologie und Medizin

In der Wissenschaftssprache der Biologie dient der Ausdruck Organismus zunächst als ‘sortaler Term’ zur Bezeichnung von Lebewesen. In dieser Bedeutung ist ein Organismus ein individualisiertes Naturwesen, welches die Erscheinungen des Lebens, vor allem Stoffwechsel, Wachstum und Fortpflanzung, zeigt."

ist nur ein anderer Begriff für Lebewesen.

Sprich, der obige Satz lautet:

Ein Lebewesen ist ein selbstständiges Lebewesen.

Der Satz macht keinen Sinn. Entweder ist Selbstständigkeit kein Kriterium von Lebewesen, dann ist es falsch, oder Selbstständigkeit ist ein Kriterium von Lebewesen, dann ist es sinnlos, etwa wie "Ein Lebewesen ist ein Lebewesen mit Stoffwechsel".

Ferner ist Selbstständigkeit ist kein Kriterium von Lebewesen. Bestimmte Parasiten sind nicht selbstständig, aber trotzdem Lebewesen.

Es bleibt also dabei:

Bei einer Abtreibung wird ein Lebewesen getötet.

Antwort
von Sunaki, 26

Es ist kein Mord. Es lässt sich schwer definieren, aber der Fötus ist noch kein vollwertiger Mensch, nur eine Vorstufe. Außerdem gilt in diesem speziellen Fall das Selbstbestimmungsrecht der Schwangeren vor dem Lebensrecht des Fötus. Abtreibung legal zu lassen, ist wichtig. In Polen erblindete eine Frau durch die Geburt, obwohl diese Konsequenz absehbar war, sie das Kind nicht wollte und es nicht abtreiben DURFTE. Das ist einfach Barbarisch ihr gegenüber. Zumal der Fötus nichts spürt und noch kein Bewusstsein hatte. Und seine Mutter wird ihn auch nicht so toll finden, da sie wegen ihm nicht mehr sehen kann und ihn nie haben wollte. Puh. Kein Mord, nicht unmoralisch. 

Antwort
von Omnivore11, 27

Wenn du "Lebewesen töten" als Mord bezeichnest, dann bist du schon mehrfacher Massenmörder. Oder hast du noch nie eine Karotte gegessen?

Mord ist die Tötung eines Menschen unter der Bedingung, dass der Täter mindestens ein Mordmerkmal aus §211 StGB erfüllt hat:

  • Mordlust
  • zur Befriedigung des Geschlechtstriebs
  • Habgier
  • sonstige niedere Beweggründe (z.B. Rache oder Ehrenmord)
  • heimtückisch
  • grausam
  • gemeingefährlich
  • oder zur Ermöglichung oder Verdeckung einer Straftat

Wenn nicht mindestens ein Mordmerkmal erfüllt ist, dann ist es Totschlag.

Wenn das Opfer glaubhaft und ernst den Täter dazu bestimmt ihn zu töten, dann ist es Tötung auf Verlangen.

Das sind die drei vorsätzlichen Tötungsdelikte in Deutschland. Früher gab es sogar noch die Kindstötung (wurde milder bestraft) und Tötung eines Verwandten in geradliniger Verwandtschaft (z.B. Vater, Großvater, Sohn, usw. ; wurde härter bestraft). Diese beiden Paragraphen gibt es zum Glück nicht mehr.

So. Die Frage ist ab wann diese Taten greifen? Das "Rechtsgut Leben" beginnt juristisch nach herschender Lehre mit dem Beginn der Geburtwehen oder der Öffnung der Gebärmutter.

BTW: Die bürgerlichen Rechte hat man aber erst mit Vollendung der Geburt inne.

Schwangerschaftsabbruch ist eine Sonderstellung in diesem Abschnitt.

Schwangerschaftsabbruch ist generell strafbar. Man kann aber die Schwangerschaft straflos durch einen Arzt abbrechen lassen, wenn man noch nicht die zwölfte Schwangerschaftswoche überschritten hat.

Alles darüber ist strafbar.

So sieht es jedenfalls rechtlich aus. Mord ist es schon per Definition nicht. Objektiv gesehen ist deine Aussage als völlig falsch. Gehe ich nach moralischen Aspekten sehe meine Antwort nicht besonders anders aus.

Wenn "Lebewesen töten" gleich Mord wäre, dann wären wir schon alle im Knast.

Ich hoffe ich konnte helfen

Gruß
Omni

Expertenantwort
von CalicoSkies, Community-Experte für Gesundheit & Medizin, 25

Servus,

Nein, ein Schwangerschaftsabbruch kann kein Mord sein.

Das ist schon allein deswegen der Fall, weil ein Schwangerschaftsabbruch von §218 und §218a StGB geregelt wird (statt §211 StGB) - bis zum Beginn der Geburtswehen ist es kein Mord, die Schwangerschaft abzubrechen.

Lebewesen werden auch getötet, wenn man Tiere schlachtet, Pflanzen ausreißt, Antibioika nimmt, ... - der Knackpunkt ist die Frage, ob es sich um menschliche Lebewesen handelt oder nicht - meiner Meinung nach nicht.

In Deutschland haben wir eine [verkappte] Fristenregelung - bis zur 14. SSW ist ein Abbruch in Deutschland ohne Bestrafung möglich.

Ein Embryo in dieser Woche kann nicht denken, nicht fühlen, hat keinerlei Bewusstsein und hat auch sonst mit einem Mensch nicht viel zu tun - genauso wie ein Kirschkern bspw. auch kein Kirschbaum ist.

Die meisten Abbrüche finden deutlich früher statt, wo es sich meist nur um Zellhaufen handelt, der medikamentös abgestoßen wird.

Es hat schon seine Gründe, wieso Schwangerschaftsabbrüche nicht bestraft werden (bzw. erlaubt sind, wie schon gesagt: in Deutschland haben wir eine verkappte Regelung dazu) und in nahezu jedem modernen westlichen Land erlaubt sind.

Lg

Antwort
von ponyfliege, 38

dann wäre das schwängern entweder schwere körperverletzung oder anstiftung zum mord.

am besten ist es, dafür zu sorgen, dass es erst gar nicht zu einer ungewollten schwangerschaft kommt. und dazu gehören zwei.

Antwort
von Goodnight, 14

Ja du irrst dich, für Mord geht man viele Jahre ins Gefängnis, Schwangerschaftsabbruch ist bis zur 12 Woche legal. Also entspann dich.

Antwort
von Ssimone, 32

juristzisch ist es kein mord, moralisch-ethisch wird es von den abtreibungsgegnern als mord angeprangert.

Kommentar von DerGuteAlteBud ,

Ich bin kein Abtreibungsgegner... und natürlich ist es Mord ^^ da gibts doch nix zu diskutieren.

Kommentar von Ssimone ,

unsere juristen sehen es anders

Kommentar von Omnivore11 ,

Natürlich gibt es da zu diskutieren. Erst einmal sollten sich die Menschen im klaren sein WAS "Mord" überhaupt ist. Die meisten wissen das doch gar nicht!

Antwort
von cocky407, 39

Mord leider... Weil Abschaffung des Kindes viel hilft ich wünsche keinen das sie so eine Entscheidung machen muss ist sehr schwer.

Antwort
von LotteMotte50, 7

Das ist auf keinen Fall Illegal, stell dir mal vor du wirst Vergewaltigt und wirst von deinem Vergewaltiger Schwanger würdest du dieses Kind austragen wollen?

Antwort
von Miumi, 30

Ja es ist Mord.
Finde auch das es verboten werden sollte. Ausser es handelt sich um einen Vergewaltigungsfall oder das Kind würde schwer krank auf die Welt kommen.

Kommentar von Goodnight ,

Ach so.... für das entstandene Zellhäufchen gelten andere Kriterien.. ?!

Ist etwa gleich doof wie Kinder von Verbrechern darf man schlagen etc..

Kommentar von Deamonia ,

und DU nimmst dann all die ungewollten Kinder bei dir auf? Oder haben die dann halt pech gehabt, wenn ihre Mütter sie hassen/nicht lieben? 

Es gibt schon genug Frauen, die es bereuen Mutter geworden zu sein, da muss man nicht noch mehr zu zwingen. 

Übrigens: Egal ob legal oder illegal, eine Frau die nicht austragen will, WIRD abtreiben, egal wie.

Ist es deiner Meinung nach besser, wenn eine Mutter von 3 Kindern, die kein weiteres will, bei einer selbst durchgeführten Abtreibung verreckt? (ich sag nur Stricknadel/Kleiderbügel) 

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