Frage von schwitters12, 297

Schwangerschaftsabbruch bei Feststellung einer Behinderung - Gesetzlichkeiten in DE?

In Deutschland sagen die Gesetzlickeiten aus, dass eine Frau bis zur zwölften Schwangerschaftswoche die Schwangerschaft abbrechen kann. Als nicht rechtswidrig gilt dies jedoch, wenn als Grund des Schwangerschaftsabbruches seelische oder körperliche Beschwerden durch Austragen des Kindes bei der Mutter Folge sein könnten. Unter diesen Absatz der Nichtrechtswidrigkeit fällt oft der Grund, einer Behinderung des Ungeborenen. Dieser Grund wird anerkannt und man darf die Schwangerschaft bei Feststellung einer Behinderung ohne Frist abbrechen.

Findet ihr diese Gesetzlichkeiten legitim?

Expertenantwort
von isebise50, Community-Experte für Schwangerschaft & schwanger, 83
Jeder sollte das für sich entscheiden.

Bereits im Jahr 1995 wurde die so genannte embryopathische Indikation abgeschafft.

Nur weil ein Ungeborenes eine Behinderung hat, darf also keine Spätabtreibung vorgenommen werden.

Aber laut § 218a Absatz 2 (medizinische Indikation) ist der mit Einwilligung der Schwangeren von einem Arzt vorgenommene Schwangerschaftsabbruch dann nicht rechtswidrig, wenn der Abbruch der Schwangerschaft unter Berücksichtigung der gegenwärtigen und zukünftigen Lebensverhältnisse der Schwangeren nach ärztlicher Erkenntnis angezeigt ist, um eine Gefahr für das Leben oder die Gefahr einer schwerwiegenden Beeinträchtigung des körperlichen oder seelischen Gesundheitszustandes der Schwangeren abzuwenden, und die Gefahr nicht auf eine andere für sie zumutbare Weise abgewendet werden kann.

Zwei Ärzte müssen zu dieser Überzeugung kommen: derjenige, der die Indikation stellt, und ein anderer, der den Abbruch macht. Beide müssen dafür die gegenwärtigen und die zukünftigen Lebensumstände der Schwangeren in Betracht ziehen und der Frau vor dem Abbruch eine Beratung über Lebensperspektiven mit dem Kind anbieten.

Nach deutschem Recht besteht die Möglichkeit, eine Schwangerschaft aus medizinischer Indikation in jedem Stadium zu beenden, es gibt keine Einschränkung bezüglich der SSW. In einem fortgeschrittenen Schwangerschaftsstadium, in dem der Fötus außerhalb der Gebärmutter lebensfähig wäre, wird der Fetozid vor einem Schwangerschaftsabbruch durchgeführt, um eine Lebendgeburt zu verhindern. Der Eingriff muss vor Einsetzen der Eröffnungswehen erfolgen, da mit Beginn des Geburtsvorgangs das Ungeborene juristisch als Person gilt und der zu diesem Zeitpunkt vorgenommene Schwangerschaftsabbruch ein Tötungsdelikt darstellt, der strafrechtlich verfolgt wird.

Die Mehrzahl der mit medizinischer Indikation vorgenommen Abbrüche werden letztlich aufgrund einer diagnostizierten Embryopathie durchgeführt. Bei Schwangerschaftsabbrüchen nach Pränataldiagnostik liegen bei 88 Prozent der Spätabtreibungen schwerwiegende klinische Befunde vor, darunter schwere Chromosomenanomalien, fehlende Nieren oder fetale Tumoren. Mindestens 50 Prozent der Kinder hätten keine Chance, das erste Jahr oder auch nur ihre Geburt zu überleben.

Ich kann nur jedem wünschen, niemals eine solch qualvolle Entscheidung treffen zu müssen. Wenn es dann aber doch so sein sollte, befürworte ich, dass man in seinem Heimatland legale Möglichkeiten findet und nicht ins Ausland reisen muss.

Alles Gute für dich und viel Erfolg bei deiner MSA Prüfung!






Antwort
von MaraMiez, 142
Jeder sollte das für sich entscheiden.

Ich persönlich hätte damals nicht abgetrieben, wenn bei meiner Tochter die Tests auf Trisomie 13 oder 18 positiv ausgefallen wären, obwohl dies in nahezu jedem Fall bedeutet hätte, dass das Kind nicht lange überlebt hätte, wenn es überhaupt lebend zur Welt gekommen wäre und das Leben, das es dann gehabt hätte, auch nicht sonderlich wünschenswert gewesen wäre (also da hegte ich tatsächlich den Gedanken "Kind, wenn du krank bist, dann komm bitte lebend zur Welt, damit ich dir sagen kann, dass ich dich liebe und dir einen Kuss geben kann, aber dann geh und quäl dich nicht.")

Ich kann aber absolut verstehen, wenn eine Frau sich für eine Abtreibung entscheidet, sollte diese für sie oder das Kind einen erheblichen gesundheitlichen Schaden bedeuten. Gerade wenn es eine medizinische Indikation gibt, ist das keine Entscheidung, die eine Frau mal eben so fällt, sondern durchaus etwas, über das man lange nachdenkt, was für alle Betroffenen (in erster Linie Mutter und Kind aber auch den Rest der Familie) das Beste ist.

Es ist niemandem damit geholfen, wenn eine Frau nach der Geburt des Kindes sich selbst oder das Kind tötet, weil sie nicht klar kommt oder wenn ein Kind geboren wird, das sein Leben lang Pflege benötigen wird. In welchem Maße das nötig sein würde, kann man nämlich vorher nicht wissen und man muss immer davon ausgehen, dass das Kind alleine gar nichts tun können wird.

Expertenantwort
von CalicoSkies, Community-Experte für Gesundheit & Medizin, 30
Jeder sollte das für sich entscheiden.

Ich würde sogar noch weiter gehen.

Ich finde, dass man in Deutschland endlich eine feste Fristenregelung einführen sollte, die einen richtigen juristischen Halt hat (nicht so wie die verkrüppelte Fristenregelung, die wir im Moment haben)

Ich finde auch, dass diese Fristenregelung für alle Frauen gelten muss, egal was der Grund zum Schwangerschaftsabbruch ist - diesen Zustand haben wir jetzt hier de facto schon, dann wird es Zeit, ihn auch de jure zu erreichen.

Auch würde ich die Frist höher ansetzen als das im Moment geschieht - hier kann man sich bspw. an den Niederlanden orientieren, bei denen eine Frist bis zur 22. SSW gilt - diese Frist würde ich auch in Deutschland begrüßen.

Ein Embryo bzw. ein Fötus empfindet vor der Vollendung der 22. SSW keine Schmerzen, Gefühle oder sonstiges - und an dieser Eigenschaft würde ich den Maßstab setzen.

Eine gute Stellungnahme der Partei Die Linke dazu:

Schluss mit der Bevormundung von Frauen!

Frauen entscheiden in jedem Fall selbst, ob sie eine Schwangerschaft austragen oder nicht. Aufgabe des Staates ist es, ihnen dafür bestmögliche Rahmenbedingungen zu schaffen.

Aber so lange der Paragraf 218 existiert, wird es immer Gruppen geben, die ihn verschärfen wollen. Deshalb muss dieser Paragraf endlich ersatzlos gestrichen werden!

http://www.die-linke.de/fileadmin/download/wahlen/pdf/argument\_der\_woche/09051...

Dieser Stellungnahme kann ich mich eindeutig anschließen.

Antwort
von meretlein2, 86
Hauptsache, der Mutter geht es gut.

Es ist ja nicht so, dass in D der Abbruch erlaubt ist einzig aus dem Grund einer Missbildung des Fötus. Es geht immer um die psychische und körperliche Gesundheit der Frau. Wenn sie mit der Behinderung des Kindes nicht fertig wird, ist das der Grund für den Abbruch. Hauptsache: der Mutter geht es gut eben.

Ausserdem gibt es im deutschen Gesetz keine Frist von 22 Wochen.

Antwort
von extrapilot350, 163
Ja, auf jeden Fall.

nicht nur bei Behinderungen auch bei Frauen die drogenabhängig sind und das Kind nicht groß ziehen können, oder die psychische Belastung zu hoch ist, gilt das.

Antwort
von Kathyli88, 155
Ja, auf jeden Fall.

Ja, wenn die frau dadurch schweren schaden davonträgt hilft das niemandem, und wenn das ungeborene eine richtig starke behinderung hat, hilft es auch dem kind und den eltern nicht, wenn man zum austragen gezwungen wird.

Antwort
von Waldfrosch5, 19
Jeder sollte das für sich entscheiden.

Eine Abtreibung ist alleinig Sache der Frau, die alleine über ihren Körper entscheiden kann .

Antwort
von dadita, 101
Ja, auf jeden Fall.

Es ist alleine die Entscheidung der Frau ob sie ein Kind austragen will oder nicht. Es ist ihr Körper. 

Kommentar von schwitters12 ,

Findest du es jedoch legitim, dass man bei Feststellung einer Behinderung die schwangerschaft zehn wochen länger abbrechen kann? Das Grundgesetz sagt immerhin die Gleichstellung aller Menschen vor Gesetz aus.

Kommentar von dadita ,

Ja finde ich. Ein behindertes Kind auf die Welt zu bringen ist eine noch größere psychische Belastung als eine Schwangerschaft ohnehin schon ist. Kein Mensch hat das Recht eine Frau dazu zu zwingen dies durchzumachen. 

Ich verstehe deine Bedenken im Bezug auf das Grundgesetz. Dennoch, es ist eben nicht immer sofort feststellbar, ob ein Kind behindert ist, oder nicht, zudem braucht die Frau einfach Zeit um diese enorm bedeutsame Entscheidung zu treffen. 

Kommentar von annemarie37 ,

Der Fötus wird eben nicht auf die gleiche Stufe mit einem (geborenen) Menschen gestellt. Daher geht die Gesundheit und das Wohlbefinden der Frau/zukünftigen Mutter vor.

Antwort
von KleineInAction, 116
Jeder sollte das für sich entscheiden.

Ich persönlich könnte kein behindertes Baby auf die Welt bringen wenn ich genau wüsste,  dass er/sie sich nur quälen würde und kein halbwegs normales glückliches Leben führen könnte  

Dies ist meine persönliche Ansicht und jeder muss dies selber für sich entscheiden was man in diese Situation für das Beste hält. 

Antwort
von carn112004, 23
Nein. Abtreibung ist Mord.

Anmerkung: Abtreibung ist nicht Mord, aber trotzdem nein.

Die aktuelle Rechtslage ist eine verquere Heuchelei. Insbesondere da die Abtreibung offiziell gar nicht wegen der Behinderung erfolgt, sondern wegen der Gefahr für das Wohlergehen der Mutter. Ferner kann eine solche Abtreibung auch noch in der 40. SSW unmittelbar vor Einsetzen der Geburtswehen ausgeführt werden.

Nur wie könnte sich aus der Behinderung des ungeborenen eine Gefahr für das Wohlergehen der Mutter ergeben, wenn möglicherweise sowieso gleich die Wehen anfangen und es eh rauskommt?

Nur dadurch, dass die nachgeburtliche Existenz des lebenden Kindes eine Gefahr für die Mutter ist. Aber wenn ein Kind eine Gefahr für seine Mutter ist, dann löst man das nicht, indem man dem Kind eine tödliche Spritze ins schlagende Herz sticht (so wird Abtreibung nach der 24. SSW durchgeführt), sondern indem man Mutter und Kind trennt, der Mutter eine psychologische Behandlung verpasst und dem Kind eine Pflegefamilie und dann abwartet, ob sich die Gefahr legt.

Das einzig richtige wäre es, die medizinische Indikation auf vor die 24. SSW zu beschränken; wenn es danach Gesundheitsrisiken gibt, ist Geburtseinleitung oder Kaiserschnitt das richtige, um dir Gesundheit der Mutter zu schützen ohne dem Kind zu schaden.

Eingeschränkt auf vor 24. SSW wäre eine eugenische Indikation möglicherweise legitim, soweit beschränkt auf schwerwiegende Fälle, denn es ist wohl keiner Schwangeren zumutbar, noch 16. Wochen Schwangerschaft weiterzumachen, wenn sowieso klar ist, dass das Kind nur nach Luft röcheln wird und dann nach ein paar Tagen am Beamtmungsgerät aufgrund des nur halb vorhandenen Hirns und der offenen Schädeldecke an irgendeiner Infektion stirbt.

Antwort
von Andretta, 134
Jeder sollte das für sich entscheiden.

Ich finde es legitim und jeder sollte das für sich entscheiden. 

Antwort
von Tragosso, 124
Jeder sollte das für sich entscheiden.

Aber ich persönlich finde es legetim.

Kommentar von Tragosso ,

Upps...*legitim

Antwort
von DundF, 85
Jedes Ungeborene sollte gleich behandelt werden.

Leider darf bei einer Behinderung bis zur Geburt abgetrieben werden. Ich finde es schade, dass es das Gesetz zuläßt, dass schwächere oder kranke Kinder nicht das Licht der Welt erblicken dürfen.

Kommentar von KattaLoewe ,

Es geht doch auch in den Schutz der Frau bzw Mutter.

Kommentar von KattaLoewe ,

Um den *

Kommentar von annemarie37 ,

nicht das Licht der Welt erblicken dürfen

Bei schwerst behinderten müsste es wohl eher heissen müssen... ganz abgesehen von der riesigen Belastung für die Eltern.

http://www.berliner-zeitung.de/familie/-nicht-lebensfaehig--was-ein-spaeter-schw...

Antwort
von annemarie37, 69
Ja, auf jeden Fall.

Es ist absolut wichtig, dass auch nach der 14. SSW (nach 12 Wochen ab Empfängnis) ein Schwangerschaftsabbruch legal möglich ist, wenn es um die psycho-soziale Gesundheit der Frau - und ihrer Familie! - geht. Nicht jede Frau/Familie ist gleich belastbar, daher müssen über Abbruch oder Austragen in jedem Fall die Betroffenen selbst entscheiden.

Das Gesetz regelt im Detail, unter welchen Bedingungen ein später Abbruch möglich ist - Beratung, Information über Unterstützungsmöglichkeiten usw. Das ist gut so.

Kommentar von SophieH96 ,

Ich finde Abtreibung unter keinerlei Gründen in Ordnung. Wenn es nicht möglich ist, dass Kind zu behalten, gibt es auch die Möglichkeit es als Pflegekind herzugeben oder es zur Adoption freizugeben. Viele Paare, die keine Kinder bekommen können, würden sich sehr darüber freuen.

Babys haben schon sehr früh ein Schmerzempfinden. Am Ultraschall während einer Abtreibung kann man sogar sehen, dass das Kind sich wegbewegt und der Herzschlag ist vor Angst stark erhöht. Die häufigste Methode ist das Absaugen und Ausschaben. Das Kind wird dabei mit einem Sauger zerrissen, der Kopf wird mit einer Zange zerdrückt, weil er zu groß ist. Überreste des Körpers werden ausgeschabt.

Abtreibungen sind immer schlimm, auch wenn durch Medikamente abgetrieben wird. Das menschliche Leben beginnt nämlich schon mit der Befruchtung, weil bei der Befruchtung schon alles in der DNA angelegt ist (welche Haarfarbe, Augenfarbe, Größe es einmal haben wird).

Die WHO schätzt die Zahl der Abtreibungen pro Jahr weltweit auf 42 Millionen. Damit ist es die Todesursache der meisten Menschen. Jedes 3-4 Kind wird, bevor es überhaupt geboren ist, getötet. Das ist einer der größten Verbrechen.

Kommentar von annemarie37 ,

Was du findest, ist deine persönliche Meinung. Das ist o.k. Ich sehe das allerdings anders.

Hier hingegen hast du falsches Zeugs aus dem Internet abgeschrieben:

... schon sehr früh ein Schmerzempfinden. Am Ultraschall ... kann man sogar sehen, dass das Kind sich wegbewegt und der Herzschlag ist vor Angst stark erhöht. Die häufigste Methode ist das Absaugen .... wird mit einem Sauger zerrissen, der Kopf wird mit einer Zange zerdrückt, weil er zu groß ist.

Im Stadium wo über 95% der Abbrüche gemacht werden, gibt es weder irgend ein Schmerz-, noch natürlich ein Angstempfinden. Und es braucht keine Zange, zerdrückt wird gar nichts. 

Wenn du dich sachlich informieren willst, Google nach "Embryonale Entwicklung : Biologische Fakten" und "'Der stumme Schrei' - ein propagandistisches Machwerk".

Ein "Verbrechen" finde ich, dass jährlich gegen 50'000 Frauen an den Folgen illegaler Abtreibungen sterben müssen, weil sie keinen Zugang zum legalen, fachgerecht durchgeführten Abbruch haben.

Antwort
von joshy2000spenc, 34
Jeder sollte das für sich entscheiden.

Ich denke, jeder sollte das für sich entscheiden.

Antwort
von altgenug60, 77

Über das Lebensrecht von behinderten Kindern per Internet-Abstimmung zu entscheiden, ist ein ausgesprochen gruseliges Unterfangen.

Kommentar von schwitters12 ,

Liebe/r altgenug60,

Wir bereiten uns grade auf unsere MSA Prüfung vor. Da wir uns mit dieser Thematik befassen und ein Meinungsbild von anderen Menschen erhalten wollen. Natürlich wollen wir nicht über das Lebensrecht von Behinderten Kindern entscheiden. Diese Umfrage ist von unserer Seite auch komplett Objektiv.

Kommentar von altgenug60 ,

Dann seht euch mal diesen Film an:

http://www.daserste.de/unterhaltung/film/filmmittwoch-im-ersten/sendung/nur-eine...

BTW: Ich habe einen Sohn mit dem Down-Syndrom. Der "Klassiker" für die von dir genannte Fragestellung. Und ich bin dem Schicksal unendlich dankbar, dass er so gerade noch durch die mittlerweile etablierte Rasterfahndung nach behinderten Ungeborenen durchgerutscht ist. Ich hätte sonst  womöglich tatsächlich
die entsetzlichste Fehlentscheidung meines Lebens getroffen.

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