Frage von neuss2010, 108

Schuster: Ungefragte Reparatur und dann Geld verlangen, ist das normal?

Sachverhalt ist folgender: Ich hatte vor 2 Wochen ein Paar Stiefeletten zum Schuster gebracht (waren günstige Schuhe, nur 40 oder 50 EUR), weil die Absätze etwas durch waren. 

Normalerweise bei solchen "Billig Schuhen" würde ich gar nicht die Absätze neu machen, aber da ich die Schuhe mochte, hab ich eine Ausnahme gemacht. 12,80 Euro waren die Kosten, ich hab Vorkasse gemacht und Zettel bekommen zum Abholen.

Als ich dann 3 Tage später da war, meinte der Schuster, er hätte noch einen Fehler in den Absätzen gefunden, und wollte mir einen Gefallen tun und hat es repariert und er hätte gern dafür nochmal 8,90 Euro (angeblich Normalpreis für eine solche Reparatur 10,90 Euro).

Ich war total baff, denn seit wann können solche Dienstleister ungefragt und ohne Vereinbarung Reparaturen durchführen (deren Fehler ich als Laie nicht erkennen kann und ich hatte vorher beim Laufen auch nichts bemerkt, dass die Absätze angeblich gelockert waren und neue Schrauben reinmussten). 

Ich weigerte mich natürlich zu bezahlen und sagte, ich wüsste es nicht, dass so was üblich sei. 

Das wäre ja auch so, als ob ich Handwerker in die Wohnung lasse, damit die meine Fenster auswechseln und der Handwerker sagt mir am nächsten Tag, er hätte gesehen, die Tür wäre fehlerhaft und er hätte für 1000 Euro die Tür auch mal freundlicherweise für mich mit ausgewechselt, ich solle doch so freundlich sein und das mit bezahlen, neben den 1200 Euro für die Fenster.

Ich weiß, das sind unterschiedliche Summen, aber es geht um den Sachverhalt einfach. 

Es geht mir auch nicht wirklich um das Geld. Ich hätte wahrscheinlich, wenn er mich vorher gefragt hätte, als ich angekommen wäre und mir über den Fehler erzählt hätte, zugestimmt. Einfach weil ich den Schuh mag und es nicht überprüfen kann.

Aber im Nachhinein, total ungefragt machen und dann Geld verlangen, dass hat mich umgehauen. Auch als er dahingehend gesagt hat, so eine Vorgehensweise wäre bei "Schuster üblich".

Ich hab nicht gezahlt, er hat sich verteidigt, aber meinte, "ok" wenn ich nicht zahle, kann er auch nichts machen und hat meine Stiefel rausgegeben.

Ich will nicht wissen, ob ich gesetzlich oder rechtlich im Recht bin, denn dass bin ich, sonst hätte er bestimmt. Selbst wegen einer Bagatellsumme von 8,90 Euro die Polizei gerufen. Aber hat er recht damit, dass er behauptet, so eine Vorgehensweise ist bei Schustern üblich? 

Ich geh höchstens 1 oder 2 Mal im Jahr zu Schuster, und so was ist mir noch nie zu Ohren gekommen, dass bei solchen Servicedienstleistungen das Usus ist?

Was ist eure / Ihre Erfahrung mit sowas?

Antwort
von Interesierter, 65

Rein rechtstechnisch war dein Vorgehen korrekt, dennoch bin ich der Meinung, du hast falsch gehandelt.

Was hätte der Schuhmacher denn tun sollen? Hatte er deine Nummer, um dich anzurufen?

Hätte er die Schuhe erst mal halbfertig liegen lassen sollen, bis du sie abholen willst? Du wärst sicher nicht begeistert gewesen, wenn du dann erfahren hättest, du müsstest mehr bezahlen und in einer Woche nochmals kommen.

Wenn die alte Sohle erst mal ab ist, kann die Reparatur nicht mehr rückgängig gemacht werden.

Kommentar von neuss2010 ,

Nein, nicht halbfertig machen, sondern, ich finde, er hätte nichts machen sollen (also auch nicht die Absätze) sondern  einfach abwarten müssen, bis ich da bin, und dann fragen sollen.

es geht nicht um die Sohle, sondern um die Absätze. und ich wohne nebenan, in direkter Nachbarschaft, und laufe da jeden Tag , nach der arbeit vorbei, oder gehe da rein, weil in dem Center auch noch ein Supermarkt und andere Sachen sind. Das ist aber nicht der Punkt, mich störts, dass er behauptet hätte, das ist Usus.

wenn es für dich bzw dein Empfinden ok ist, dass jemand an vereinbarten Dienstleistungen (unabhängig vom Wert der Dienstleistung) ungefragt Änderungen selbstständig durchführt, und dir dann die Rechnung präsentiert, dann kann ich das nur so zur Kenntnis nehmen.

Kommentar von Interesierter ,

Der Fehler im Absatz war doch wohl erst während der Reparatur sichtbar geworden.

Ist die Reparatur erst mal angefangen, gibt es kein zurück mehr.

Und was hättest du angewiesen, wenn dir der Schuhmacher die halbfertigen Schuhe gezeigt und nach weiteren Anweisungen gefragt hätte?

Kommentar von OnkelSchorsch ,

Ich sehe das ebenso wie @Interesierter. Was hätte der Schuster machen sollen? Die angefangene Arbeit liegenlassen und dir dann einen halbfertigen Schuh geben? Wäre dir auch nicht recht gewesen und du hättest ebenfalls gemeckert. So hat er, korrekt wie er offenbar arbeitet, die Arbeit anständig ferig gemacht - und dir letztlich die Schuhe sogar ohne Zusatzkosten überlassen.

Klasse Schuster, den würde ich mir merken und anstatt über ihn  zu meckern, lieber Werbung machen!

Kommentar von neuss2010 ,

nein, ich hätte nicht gemeckert. Wenn er nichts gemacht hätte, oder auch nur eben halb, und mich dann gefragt hätte, hätte ich (wie ich oben beschrieb) mich zwar gewundert, weil ich beim Nutzen des Schuhs nichts gemerkt hatte, aber dem zugestimmt.

So aber empfinde ich es als unverschämt, und dann auch zu sagen, aber das wird bei uns Schustern immer gemacht, und nein, ich werde nie wieder bei dem was mache, und ich werde erst recht nicht bei ihm Werbung machen, sondern stattdessen sogar vor ihm warnen in diesem Aspekt. ich werde in bewertungsportalen die Wahrheit schreiben, die Arbeit, die er machen sollte, die Absätze auswechseln, ist gut, alles andere , was ich nicht erkennen kann und beurteilen kann, werde ich anderen potentiellen Kunden sagen, sie müssen darauf gefasst sein, dass sie mehr bargeld mit sich tragen müssen, falls dann nicht vereinbarte Zusatzarbeiten gemacht wurden.

Kommentar von Interesierter ,

Mach was du willst. 

Absätze für 12,80 € und dann noch meckern. Der Schuhmacher hat für 11,00 € netto deine Schuhe repariert und du willst ihn noch dafür anschwärzen?

Sorry, aber mit dir würde ich nichts zu tun haben wollen. Menschen, die den Wert ehrlicher Arbeit nicht zu schätzen wissen, sind nicht mein Ding!

Kommentar von neuss2010 ,

meine Frage war aber nicht, ob ich machen kann, was ich will und ich habe auch nicht um deine Erlaubnis gefragt :)

wenn du mein Kommentar richtig, und ich meine damit ordentlich gelesen hättest, und nicht nur das gelesen hättest, was du lesen willst, dann hättest du gesehen, dass ich geschrieben habe, dass ich "ich werde in bewertungsportalen die Wahrheit schreiben, die Arbeit, die er machen sollte, die Absätze auswechseln, ist gut, ..." und danach noch sagen werde, was ich nicht gut fand.

wenn dir alle Dinge lieber schwarz-weiss sind, also zwischen Anerkennung guter Arbeit, und Differenzierung nicht guter Vorgehensweise , nichts an Grautönen liegt, also Lob UND Kritik gleich "Anschwärzung" bedeutet, dann zitiere ich dich gerne "Sorry, aber mit dir würde ich nichts zu tun haben wollen. " .

the feeling is mutual :)

Kommentar von Interesierter ,

Der erste Satz meines ersten Kommentars lautete: "Rein rechtstechnisch war dein Vorgehen korrekt, dennoch bin ich der Meinung, du hast falsch gehandelt."

Damit habe ich doch mehr als deutlich zum Ausdruck gebracht, dass ich gerade nicht auf eine schwarz/weiss Betrachtung sondern auf eine objektive Abwägung der Interessen achte. 

Du ziehst dich einzig auf den rechtstechnischen Umstand zurück, der Schuhmacher hätte dich vorher fragen müssen. Das ist das einzige Argument, welches du vorbringen kannst.

Und selbst dieses ist eigentlich nur vorgeschoben, da du selbst schreibst, wenn der Schuhmacher dich vorher gefragt hätte, hättest du der Reparatur und den Mehrkosten zugestimmt. Indem er nicht gefragt hat, hat er einen Fehler gemacht, der dir das Recht zur Zahlungsverweigerung gibt. Dieses Recht nimmst du wahr, obwohl du der Reparatur zugestimmt hättest.

Zur Wahrheit gehört dann auch, dass der Schuhmacher die zusätzliche Reparatur ohne Zusatzkosten für dich durchgeführt und den ursprünglichen Abholtermin eingehalten hat. Letztlich hat der Schuhmacher mehr gemacht, als ursprünglich vereinbart, bekommt aber nur den ursprünglich vereinbarten Betrag und du haust ihn auch noch in die Pfanne. Sorry, aber das ist nach meiner Ansicht nicht in Ordnung.

Mir ging es eigentlich um eine ganz einfache Sache. Bei den zusätzlichen Reparaturkosten ging es um 8,90 € brutto. Das sind rund 7,50 € netto. Das sind 10 Minuten Arbeitszeit und Material für 1,50 €. Glaubst du ernsthaft, ein Handwerker unterbricht die Arbeit wegen 10 Minuten Mehrarbeit, wartet bis der Kunde, der eigentlich seine fertigen Schuhe erwartet, um diesen dann mit Mehrkosten und der Mitteilung, er müsse dann morgen nochmals kommen, zu überraschen? So denkt doch kein normaler Mensch! Jeder normale Handwerker macht die Arbeit fertig und sagt dem Kunden dann, die Schuhe sind fertig, aber es war noch was zusätzlich zu machen. Es handelt sich doch hier nur um Kleinbeträge. So viel Vertrauen sollte zwischen Handwerker und Kunde dann doch vorhanden sein.

Wenn dir dafür die Antenne fehlt, dann sind wir eben nicht auf einer Wellenlänge. 

Antwort
von Lexa1, 46

Das wäre mir neu, wenn das üblich wäre. In keinem Handwerk oder Dienstleistung.

Antwort
von Remlak, 41

Der Schuster hat einen eindeutigen Reparaturauftrag von Dir erhalten. Alles darüber hinaus gehende hätte Deiner Zustimmung bedurft.

Üblich ist diese Verfahrensweise weder beim Schuster, Schneider, Sattler und wer weiß wo noch.

Aber wenn die Geschäfte nicht so gut laufen kann man auf diese Art und Weise auch Geld verdienen oder es wenigstens versuchen.

Wenn die Masche von der überwiegenden Zahl der Kunden akzeptiert wird, macht ihn der eine oder andere Kunde, der diesen kleinen " Betrug " durchschaut, auch nicht ärmer.

Kommentar von neuss2010 ,

ich kann ehrlich nicht beurteilen, ob es betrug ist oder nicht, oder seine übliche Masche, da ich diesen zum ersten Mal hatte.

ich weiss nur, mich ärgert es maßlos, dass was getan wurde, ohne dass irgendwas vereinbart war. oder Rücksprache gehalten wurde. Ich bin Vertrieb tätig, das wäre ja so, als ob ich dem Kunden auf die Sachen, die er bestellt hat, noch für dieselbe Summe Produkte draufpacke, und ihm sage, ich fand, Ihnen fehlte das aber auch  noch, da wollte ich Ihnen einen Gefallen tun . Bitte bezahlen sie aber auch doppelte :D

Antwort
von Joschi2591, 46

Nein, das ist unüblich. Der Schuster hat unrecht.

Antwort
von pwohpwoh, 24

Im Recht bist du, aber beweisen kannst du es nicht. Also gib ihm das Geld und such dir einen anderen Schuster.

Kommentar von neuss2010 ,

du meinst also, ich soll jetzt im Nachhinein, hingehen, und ihm das Geld geben? und warum muss ich das beweisen? er hat mir doch meinen Schuh rausgegeben, obwohl ich ihn nicht bezahlt habe und sage, dass ich es nicht tun werde (hab ich oben auch geschrieben).

und ja, ich werde definitiv in Zukunft einen anderen Schuster nutzen.

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