kodiaksa am 16.11.2008 um 11:49 Uhr
Ich empfinde Schule heute als viel aufwendiger und anspruchsvoller als früher. Bilde ich mir das ein oder ist das wirklich so? Ich erinnere mich nicht, so viel Hausaufgaben aufgehabt zu haben, so kurze Zeit dafür zur Verfügung und so häufig Tests und Klassenarbeiten geschrieben zu haben. Ich bin in den 80igern zur Schule gegangen und hab Schule viel entspannter in Erinnerung. Ist es heute viel mehr oder kommt mir das nur so vor?
Sehe ich auch so! Stress ist deutlich höher, weil nur noch Wissen gebüffelt wird, der tiefere Sinn des Lebens aber völlig aussen vor bleibt

heute sind die Anforderungen aber auch viel höher

du bist schon zu lange aus der schule. ich habe in den 70`ern auch massig zum lernen gehabt

Empfinde ich auch so.
Ich ging auch in den 80ern - und heute gehen meine Zwerge in die Grundschule (2te und 4te Klasse). Sie haben Computerunterricht, Englisch, Türkisch wollen die Lehrer nun auch gerade durchschlagen und von den Hausaufgaben will ich mal garnicht reden würgs

Vielleicht war in den 80ern der Kopf auch nicht so angefüllt mit medialem Mist wie heute.
Insofern fiel einfach das Lernen leichter, weil wir uns nicht merken mussten, wie der siebte in der vierten Staffel von "Deutschland sucht den Superstar" hieß, warum er schon im Knast war und warum ihn seine Mutter trotzdem liebt.
Also, ich gehe 2 mal die Woche zur Schule und 3mal Praktikum um fürs Fachabi zugelassen zu werden. In den letzten 5 Wochen haben wie jeden Montag eine Arbeit geschrieben. Viel Zeit ist da nicht
WilliWinzig am 16. November 2008 11:55 Wenn man 10 Fächer hat in dem man Klassenarbeiten schreibt, und in jedem dieser Fächer pro Jahr 6 Arbeiten geschrieben werden, macht das 60 Arbeiten im Jahr. Abzgl. der Ferien kommt man da auf ca. 1,5 Arbeiten in der Woche
kodiaksa am 16. November 2008 12:02 In der Woche vor den Herbstferien haben meine Kinder(Gymnasium) an jedem Tag eine Klassenarbeit geschrieben, also 5 in der Woche + einige Tests. Das Kinder aus Schulstress nicht schlafen können und Angst haben gab es zu meiner Zeit nicht.

Ich bin auch in den 80gern in die Schule gegangen und habe auch abgeschlossen, deshalb kann ich gar nicht genau sagen wie es heute ist.
Ich finde es nicht mehr! Aber man kann sich ja auch täuschen. In unserer Klasse haben wir auch viele Aufgaben schon während des Unterrichts oder in den Pausen oder Freistunden gemacht und hatten dann nachmittags nicht mehr soviel zu tun.
ja das ist wirklich so.. das hat eine berufsberaterin auch zu mir gesagt..

Alles Dank Pisa...aber gelernt (gelehrt) wird trotzdem nicht mehr!?
tinimini am 16. November 2008 12:00 Doch das finde ich schon. Was die heute im 2ten Schuljahr durch hatten,hatten wie früher erst im 3ten Schuljahr.

Hausaufgaben sind von Lehrer zu Lehrer unterschiedlich.Aber heute gibt man sich mit den Kindern selber nicht mehr so viel mühe. Das ist jedenfalls meine Erfahrung.

Die Schul ist nicht anspruchsvoller als früher, umgekehrt, heute sind die Klassen kleiner und die Unterricht persönlicher, Hausarbeiten leichter, die Schüler haben mehr Freizeit. Es gibt heute natürlich mehr was man lernen sollte aber das alles wird nicht in den Schulen gelehrt sondern man spezialisiert erst später. Kann sein dass die Konkurrenz für Möglichkeiten von Weiterbildungsmöglichkeiten härter was die Schule anstrengend macht.
kodiaksa am 16. November 2008 12:07 Die Klassen meiner Kinder haben jeweils 30 Schüler. Wege sind zum Teil deutlich länger- die Schüler kommen aus vielen Teilen der Stadt( Berlin) und haben erhebliche Fahrtwege. Hausaufgaben sind häufig schon zum nächsten Tag auf, wir hatten dafür früher länger Zeit.
kimmo am 16. November 2008 12:34 Sprichst du über Grundschule , Hauptschule oder Gymnasium ?
kodiaksa am 16. November 2008 12:37 Gymnasium und vorher Grundschule. Obwohl wir in Berlin ja schon 6 Jahre Grundschule haben und erst ab der 7.Klasse wechseln, was ich einfacher für die Schüler finde.
kimmo am 16. November 2008 13:13 Es wäre interessant die Diskussion über den Schulen fortzusetzen aber wir sprechen von verschiedenen Systemen, denn ich wohne in Finnland wo das Schulsystem in meiner Zeit vor 50 Jahren etwa dasselbe war als heute in Deutschland. Heute geht es hier ganz anders aber leichter als in meiner Zeit. Es gibt mehrere Gymnasien und weniger Grundschulen. Bei uns ist die Fachhochschule nicht sehr alt. Damals hatten wir Fachschulen. Grüsse, kimmo.
Wie bitte ??? Heute sind die Klassen kleiner ??? Die von mir unterrichteten Klassen haben fast alle eine Größe, die an die Schmerzgrenze von 35 (!!!) heranreicht ! In meiner Abiklasse (damals gab's noch keine Kurse) waren wir 11 (elf !!).
Die Kinder haben mehr Freizeit ??? Wie bitte ??? Speziell die so genannten G 8 - Kinder kommen um in einem Wust kaum noch zu schaffender Schul- UND Hausaufgabenzeit !!
(Könnte es sein, kimmo, dass du schon einige Jährchen pensioniert bist und nicht mehr den unmittelbaren Kontakt zum HEUTIGEN Schulalltag hast ?)
Aha, jetzt schalte ich: Du wohnst in Finnland ! Hyvää päivä !
pauklaus
Ganz schwierig zu beantwortende Frage !
Ich ging in den ROARING SIXTIES, von Rock'n'Roll bis Flower Power, zur Schule.
Ich glaube, dass die Schule heute keineswegs anspruchsvoller, aber komplexer und komplizierter geworden ist. Gerade seit den 80ern arten so genannte Reformen immer mehr in blinden Aktionismus aus, sodass die Lehrkräfte oft TATSÄCHLICH nicht wissen, welche Reform im Moment gültig ist (Versetzungs-Ordnung, Lernstandserhebung, Kopfnoten, sich ständig überschlagende unsinnige (!) Richtlinien u.v.a.m. !).
Ich bin überzeugt, als Schüler der 60er Jahre deutlich mehr gelernt haben zu müssen - vielleicht auch deshalb, weil es damals nicht diese unsinnige Fachidiot-Spezialisierungs-Möglichkeiten gab.
Damals ging dennoch alles ruhiger, weil geordneter und damit stressfreier zu. Seit den 80ern ist es doch in vielen Fächern so, dass das, was heute als heilige Kuh gilt, morgen als lächerlich und verworfen gilt.
Ich denke nur an ein Mini-Beispiel meiner Referendarzeit: Das absolute Novum war die "generative Transformations-Grammatik", das Nonplusultra des künftigen Deutschunterrichts. Keine drei Jahre später wurde diese "Reform" als absoluter Schwachsinn belächelt.
Nein ! Anspruchsvoller ist Unterricht sicherlich nicht, aber bestimmt hektischer, weil die Lehrkräfte auf Grund der genannten Reformen immer verunsicherter sind...
Wenn ich in der Aufsicht einer Französisch-Abi-Klausur sitze, kommt bei mir der deja vu-Effekt: 'Ach, das hattest du doch damals schon in Klasse 10 behandelt !'
Ich könnte zu diesem Thema Seiten oder ganze Bücher schreiben...
paulklaus
Mein Wahlspruch heißt: "Auch Schule schützt vor Dummheit nicht!" Ich werde demnächst ein Buch vom Stapel lassen, das für eine lernfreundlichere und damit menschenfreundlerische Schule (der Zukunft) plädiert. Es heißt: "Neue Schule macht Kinder fit fürs Leben." (von G.E.R. Lauer) Lasst euch das Buch zu Weihnachten schenken - wenn ihr gefragt werdet, was ihr euch wünscht. Man kann bei andern immer Eindruck schinden, wenn man sich ein Buch wünscht. Schule ist doch heute zu einer reinen Wissensfabrik verkommen, nur noch auf den Faktor "Bildung" fokussiert und die Erziehung, die heutzutage immer weniger im Elternhaus stattfindet, bleibt außen vor! Soziale Kompetenz, Soziabilität, Humanität, Toleranz und Solidarität, Fairness und Rücksicht auf andere Menschen, Respekt vor allen Formen von Leben, solche Werte werden doch heute in der Schule immer weniger vermittelt, stellenweise sogar mit Füßen getreten (siehe Mobbing!). Und trotzdem kommt bei dieser Flut von Wissen, das auf die armen Kinder einströmt, immer weniger heraus (siehe z.B. PISA- u. a. Studien)! Ich gebe demjenigen recht, der neulich ganz drastisch formuliert hat: "Ich hab den Eindruck, dass die Menschheit immer dümmer anstatt schlauer wird! Und Schule und vor allem Elternhäuser immer mehr egozentrische, verwöhnte Tyrannen hervorbringt!"
DH,Prinzessin, deine Aussage ist genau das Dilemma unseres heutigen katastrophalen Schulsystems (in dem ich mittendrin hocke !).
paulklaus