Schuldgefühle weil ich lebe wie ich lebe?

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7 Antworten

Zunächst: Für Dein Alter bist Du tatsächlich schon sehr reif. Davor ziehe ich meinen Hut. Wenn man sieht, was andere 12 Jährige hier für einen Mist posten...

Zu Deiner eigentlichen Frage: Es ist sehr, sehr lobenswert, dass Du denkst wie Du denkst, aber Du alleine kannst die Welt nicht retten. Ja, es gibt Menschen, die wohnen mit 5 Personen in einer Wohnung. Und es gibt auch Menschen, die gerne Eltern hätten oder Haustiere. Aber nur, weil es viel Leid und viele Tragödien auf der Welt gibt und Menschen, die nicht haben was Du hast, heißt es nicht, dass Du Dein Leben nicht genießen sollst. Du kannst Dich nicht mit allen Problemen der Welt befassen und Du solltest Dein Leben nicht einschränken, nur weil es manchen Menschen schlechter geht. Es wird immer Leid auf der Welt geben. Es liegt leider nicht in der Natur des Menschen, fair zu sein.

Du kannst also an dem Leid der anderen nichts ändern. Wenn Du Dich jetzt einschränkst, hilfst Du ihnen auch nicht. Was Du aber tun kannst, ist das, was Du hast, wertschätzen. Schätze das Haus, den Garten, Deine Eltern, Deine Tiere und begegne anderen Menschen (vor allem, wenn sie eines oder mehrere Dinge davon missen) offenherzig und wohlwollend. Die Art und Weise, wie Du Dinge zu sehen scheinst, ist eine tolle Lebenseinstellung. Behalte sie bei und lasse andere Menschen daran teilhaben, falls es nicht zu belastend für Dich ist.

Wenn Du das Gefühl hast, dass Du anderen Menschen trotzdem gern helfen würdest, kannst Du Dich bei Dir in der Gegend ja mal umhören. Manchmal gibt es Charity-Veranstaltungen, bei denen Du mithelfen kannst. Wenn Du Erwachsen bist und Dein eigenes Geld verdienst, kannst Du Geld Spenden, um Menschen, denen es schlecht geht, zu helfen.

Vergiss aber bitte Dein eigenes Leben nicht. Du lebst nicht für andere. Du lebst für Dich. In Deinen Gedanken muss auch ein wenig Platz für das sein, was Du möchtest oder brauchst.

Vielen Dank für Deine Frage.
Es gibt also scheinbar doch noch gute Menschen auf der Welt.

Alles Gute
Noeru

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Kommentar von IsaSparkle
07.08.2016, 20:44

Du bist nicht der erste, der sagt, ich wäre reif oder erwachsen oder so. Hm.  Ich höre das so oft wie Harry Poter dass er aussieht wie sein Vater aber die Augen seiner Mutter hat.

Aber, viel wichtiger: Danke! Irgendwie sehe ich das jetzt schon irgendwie etwas anders... :)

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"Bitte nehmt mich ernst."

Wie könnte man das nicht, insbesondere bei dem, was du schreibst? 

Deine Gedankengänge erscheinen mir sehr nachvollziehbar und vielleicht sogar nützlich. Nehme diese Gedanken zum Anlass, um den kleinen Banalitäten des Alltags mit etwas mehr Gelassenheit zu begegnen - zum Beispiels den Geräuschen des Staubsaugers oder auch dem blockiertem Bad. Du bringst eine enorme Wertschätzung für die Dinge mit, die du hast und genau mit dieser Wertschätzung, auch der "Dankbarkeit" dafür, ermöglichst du es dir, vielleicht etwas entspannter mit Situationen umgehen zu können. Es ist doch eigentlich schön, etwas mehr Gelassenheit in sein Leben zu tragen.

Für deine Lebensumstände musst du dich nicht schämen. Du wurdest als Kind in diese Situation geboren und wurdest unter diesen Umständen groß - das sollte kein Grund für Scham sein. Ebenso müssen sich auch die Kinder, die aus stellenweise ärmlichen Verhältnissen kommen, nicht dafür schämen, gewisse "Prestige-Gegenstände" nicht zu besitzen. Die Lebensumstände machen niemanden zu einem Mensch zweiter Klasse, der einzige Unterschied besteht darin, dass die einen, so mein Verständnis, in die Pflicht kommen sind zu helfen, während die anderen in der Pflicht stehen diese anzunehmen und auch selbst etwas zu tun.

Scham muss auf keiner Seite vorherrschen. 

Mit dem letzten Teil des Absatzes spreche ich auch vielleicht einen Weg an, der dir ein neues Gefühl gibt. Du bist "erst Zwölf", ich hoffe du verstehst mich nicht falsch, wenn ich an der Stelle von erst sprechen aber deine Möglichkeiten im Bezug auf sozialen Engagement sind noch sehr begrenzt. Ehrenämter kannst du noch nicht bekleiden und auch im finanziellem Sinne, dürften deine Mittel begrenzt sein. Bis dahin steht es dir jedoch offen eines zu tun - auch deine Mitmenschen wach zu rütteln.

Du bist Teil einer heranwachsenden Generation. Eine Generation, die auch Armut in ihren Kreisen erleben wird. Eine Generation, in der Obdachlosigkeit immer noch ein entscheidendes Thema sein wird. Du kannst, zum Beispiels mit Vorträgen oder Projekten, im Absprache mit deinen Lehrern, deine Mitschüler darauf aufmerksam machen und sie dafür sensibilisieren. Ihnen erklären, dass ein Obdachloser zum Beispiels nicht immer ein "stinkender und fauler Versager" ist und das diese Dinge, die deine Mitschüler besitzen, keine Selbstverständlichkeit sind- nichts, was jeder hat und manche auch nie haben werden.

Du kannst helfen, denen zu helfen, die diese Hilfe brauchen und tust etwas Gutes für dich und auch dein Umfeld. 

Weiterhin ist es auch okay, sich über Dinge aufzuregen. Es liegt in der Natur des Menschen, auch einfach mal wütend zu werden - ebenfalls kein Grund zur Scham. "Menschen sind Gewohnheitstiere" sagt man so schön und das trifft es auch sehr gut, denn wir sind an unsere Lebensumstände und an unsere Standards gewöhnt. Wenn sich diese verringern, eben das wir zum Beispiel nicht das Bad nutzen können, dann macht uns das wütend. Das ist kein Grund zur Scham und du kannst dir sicher sein, dass es jedem so geht, der lang genug einen gewissen Standard lebt.

Kurz in eine Ansprache an sich selbst zusammengefasst: "Hey, so wie ich lebe, ist das nicht selbstverständlich und ich schätze es, dass ich so leben kann - erlaube mir aber auch mich schlecht zu fühlen, wütend oder traurig zu sein. Das darf ich wie jeder andere auch."

Es gibt wirklich keinen Grund zur Scham und das du solche Gedanken anstellst, rechen ich dir, das kannst du dir auch, hoch an. Das ist fruchtbarer Boden für Ideen und für Engagement - für Veränderungen, große, wie auch kleine.

Ich wünsche dir alles Gute und hoffe sehr, dass die Scham mit der Zeit weichen wird. Diese Bürde musst du dir nicht auferlegen.

Liebe Grüße.

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Kommentar von IsaSparkle
07.08.2016, 21:29

Das nit dem Ernstnehmen kam daher, dass es einige Menschen gibt, die sich sicher über sowas lustig machen würden. So im Sinne von 'Haha, mit 12 kann man doch keine Probleme haben' 'Das ist jetzt aber ganz schön dumm was du da machst und denkst' oder so.

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Das kann ich sehr gut nachvollziehen, aber das ist kein Grund ein schlechtes Gewissen zu haben. Egal was man hat und wie viel, irgendwas ist immer ein Problem und man hat auch ein recht das zu äußern. Es wäre natürlich nicht besonders sensibel, wenn man das mit zb. deiner Mutter vor jemandem äußern würdest, der keine hat, aber an sich ist das voll okay. ich meine wo kämen wir denn sonst hin? Wenn jemand in einer Drecksbaracke wohnt, soll er dann zufrieden sein damit, weil es Leute gibt, die kein Haus haben oder wenn von jemandem die Katze stirbt, darf die Person nicht traurig sein, nur weil bei der Nachbarin schon zwei gestorben sind? So funktioniert das ganze nicht. Du bist kein schlechter Mensch deswegen, es zeichnet dich eher aus, dass du dir darum Gedanken machst. Respekt

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jeder ist seines glückes schmied und soll nicht neidisch sein darauf, wie andere menschen ihr glück suchen

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Liebe Isa,

das, was du da schreibst, hat mancher von uns in der einen oder anderen Art auch erlebt und genau so empfunden, aber durchaus nicht alles so reflektiert.
Du bist 12 Jahre alt und für dein Alter doch ziemlich reif. Das ist ein Kompliment!

Nicht jeder mit 12 Jahren macht sich solche Gedanken und ist fähig, so viel Einsicht aufzubringen, dass es einem doch eigentlich wirklich gut geht im Vergleich zu anderen ...
Du bist in allem, was dich bewegt,  ein ganz normales Mädchen in der Pubertät, das viel Einfühlungsvermögen besitzt und sich Gedanken um seine Familie macht. Das kann leider nicht jeder von sich sagen und lässt auch künftig auf eine positive Entwicklung schließen.

Wenn dir etwas auf die Nerven geht und du das auch zeigst, ist das normal und und gehört zum Erwachsenwerden dazu. Bemerkenswert ist auf jeden Fall, dass du mit dir selber ins Gericht gehst und dein Verhalten hinterfragst. Das tun in deinem Alter nicht viele...

Wenn es zwischen deinen Eltern mal "kracht" oder deine Mutter mit dem Staubsauger den "Boden verprügelt", musst du immer daran denken, dass dass auch sie sich mit Problemen plagen, die nicht immer ausgesprochen werden.
Und wenn deine Schwester das Bad blockiert, ist das zwar nervig, aber keine Weltuntergang und normal dort, wo Menschen miteinander auskommen müssen.

Wenn dich ein "doofer" Lehrer nervt, denke daran, dass er auch ein Mensch ist und kein Wesen, das alles richtig zu machen hat. Aber ich denke, das weißt du selbst.

Kurz und gut: Du machst alles richtig, abgesehen von den kleinen Fehlern :), die wir alle machen müssen, um zu erkennen, wie es auch besser geht.

Bleib einfach so wie du bist, nachdenklich, einsichtig, empathisch und klug!

LG H.

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Ich finde deine Einstellung wahnsinnig toll und reif für deine 12 Jahre!
Allerdings wird es immer Menschen geben, denen es schlechter geht als dir. Da dürftest du dich über gar nichts mehr aufregen und das ist unmöglich.
Behalte dir aber deine Art bei, zu sehen, was du alles hast und dankbar dafür zu sein!

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Pubertät, das wächst sich aus.

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Kommentar von IsaSparkle
07.08.2016, 20:47

Das mag ja sein, aber was nützen mir diese 'Ist-nur-Pubertät-Gedanken'? Ich bin zwölf, der Mist läuft vielleicht noch acht Jahre. Ich bin ein Mensch, der eher den Moment lebt. Ich möchte wirklich nicht einfach alle Probleme mit 'ist-eh-in-ein-paar-Jahren-weg' abschieben.

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