Schüchterne, unsichere Menschen die Theater spielen?

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5 Antworten

Oh ja, es gibt eine ellenlange Liste davon und irgendwie ist es erklärbar, denn auf der Bühne schlüpfst du in die Haut eines anderen und zeichnest ein Wesen, das jemand anderer beschrieb...du kennst den Ausgang, es gibt kein Risiko...

Im realen Leben hast du das Risiko, dass etwas falsch ankommen kann, du kennst das Manuskript nicht, sondern schreibst es laufend selbst....

Gerade aber Menschen die sehr feinfühlig sind und jede Regung, oft bis meist falsch interpretieren, neigen zur Schüchternheit....weil sie stille Beobachter sind....

Wer aber kann all das genau Beobachtete besser wiedergeben, als der stille Beobachter....sei dies in Form von Mime, Pantomime ist die Maxime davon, oder vertont, andere wiederum schreiben jedem aus der Seele oder malen, tanzen dich Hin und Weg mit ihrem Ausdruck...

Ja die Kunst, welche Form man auch wählt, hat, wenn sie berührt mit Schüchternheit zu tun......alles andere ist leerer, langweiliger Kommerz ...Denn du berührst nur dann, wenn du verstanden hast, sei dies in einer Rolle die vorgegeben ist.....oder eine die du für andere schreibst...

Künstler die nicht nur gerade kurz berühren leben oft sehr zurück gezogen...denn niemand zaubert eine solche Leistung einfach aus dem Hut, sondern das bedarf der genauen Beobachtung, kombiniert mit sich selbst, dem man dann da für diesen Moment der Oeffentlichkeit preis gibt....

Und für viele war der Erfolg in sehr jungen Jahren zu viel...Angefangen , mit Marilyn Monroe, James Dean, Jimi Hendrix, Kurt Cobain, Janis Joplin bis hin zu Emy Winehouse.....

Denn irgendwann kommt der Rummel um dich und du kannst nicht mehr einfach du sein, sondern es wird etwas von dir erwartet....

Ja Schüchternheit wirkt betörend, wenn sie sich öffnet und alles in einer Rolle, einem Lied oder Bild preis gibt....nur du wirst darin sehr verletzlich und jeder will mehr davon.....Erfolge zu toppen, lässt dir nicht mehr die Zeit, einfach nur zu gucken....

Ich wurde auch mal so gehandelt und merkte, dass ich das nicht kann und zog mich vollkommen zurück, lebe jetzt so einfach als selbstversorgerin, sehr zurück gezogen....

Der Rummel hinderte mich am einfach sein zu können.....man stellte plötzlich Erwartungen an mich, was ich vorher einfach im Hintergrund beobachtend umsetzen konnte.....

Niemand kann alles.....darum ist für mich Schüchternheit verbunden mit spüren und berührender Kunst..

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Die Frage ist zwar schon älter, aber ich möchte trotzdem gerne kurz drauf antworten, weil ich in genau der gleichen Situation war wie du. Ich war extrem -wirklich extrem!- schüchtern und hab mich dann von einer Freundin überreden lassen, bei einem Theaterstück in der Schule mitzuspielen. Ich habe mich zwar total darauf gefreut, aber hatte auch Angst. Die ersten Proben waren der Horror und als die Rollen verteilt wurden, hatte ich immer das Gefühl, jeder fragt sich, warum ich überhaupt da bin und hofft, dass ich die kleinste und unwichtigste Rolle bekomme, damit ich das Stück nicht durch meine Verklemmtheit und mein schlechtes schauspielerisches Talent kaputt mache. Oh oh, ich hatte echt null Selbstbewusstsein zu dem Zeitpunkt. Als ich dann meine Rolle hatte und wir angefangen haben, richtig zu proben, wurde es langsam immer einfacher. Ich habe mich mehr getraut, aus mir rauszugehen, habe mehr mit den anderen Leuten aus der Theatergruppe geredet und mich mit ihnen angefreundet, was das mit ihnen Spielen natürlich erleichtert hat. Bei den letzten Proben habe ich dann zum ersten Mal bemerkt, wie ich mich in dem knappen Jahr, wo wir an dem Stück gearbeitet hatten, verändert hatte. Ich hatte plötzlich viel mehr Selbstbewusstsein, konnte leichter mit anderen reden und dachte weniger darüber nach, was andere von mir halten. Dann bei der Premiere war ich kurz davor sehr nervös, aber (und das hätte ich niemals geglaubt, wenn es mir jemand davor gesagt hätte) sobald ich auf die Bühne kam, war die ganze Aufregung verflogen. Ich sah das Publikum zwar direkt vor mir, aber es machte mir nichts aus. Es fühlte sich an, als ob wir einfach wieder proben, ohne Druck und ohne dass jemand einem zuschaut. Während der Aufführungen hat es immer besser geklappt, ich habe mich sogar oft getraut, ein wenig zu improvisieren und dann nach der letzten Aufführung war ich echt traurig, dass es vorbei war. Ich bin viel selbstbewusster geworden, es fällt mir leichter, auf Leute zuzugehen, vor größeren Gruppen z.B. in der Schule zu sprechen, ich spreche lauter und deutlicher und ich  bin eben lange nicht mehr so schüchtern wie davor. Also was ich damit sagen will: Probier es unbedingt aus! Ich habe solange gezögert und bin jetzt einfach nur unglaublich froh, es gemacht zu haben, weil es so viel Spaß gemacht hat und mein Leben verändert hat. Vielleicht hast du ja mittlerweile sogar schon Erfahrungen mit dem Theater spielen gesammelt, ich wünsche dir auf jeden Fall viel Glück und Spaß, wenn du es versuchst! :D

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Talent zeigt sich nicht darin, eine Rampensau zu sein - auch wenn es natürlich höchst talentierte Rampensäue gibt :).

Ich arbeite seit vielen Jahren als Regisseurin im Amateurtheaterbereich und kann dich nur ermutigen: Mach es! Du wirst ganz schnell spüren, ob sich das für dich erfüllt, was du ersehnst - oder eben nicht.

Ein Tipp noch: Schau dir ein paar Theatergruppen und ihre Proben an, bevor du dich entscheidest. Gerade im Amateurtheater finden sich viele unfähige Regisseure, die weder Ahnung vom Theaterhandwerk noch vom Umgang mit ihren Schauspielern haben.

Es wäre schade, wenn du Talent und Spielfreude wegen eines Möchtegerns wieder vergraben würdest.

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Mir kam es beim Lesen vor, als ob du mich beschreibst: "kleine, zierliche, schüchterne und unsichere Menschen, die fetzige Clubs und Alkohol meiden..." Sogar das Alter stimmt. 

 Und die einfache Antwort auf deine Frage ist: JA! Ich habe vor drei Jahren angefangen, Theater zu spielen. Ich wollte es unbedingt, habe bei Theaterbesuchen ähnliche Erfahrungen wie du gemacht (Neid, Bewunderung etc.), aber ich bin ebenfalls sehr introvertiert und schüchtern, und ich war sehr nervös. Als ich dann aber aufgefordert wurde, einfach zu machen, bin ich auf die Bühne und war völlig verwandelt.

Und so ist es bis heute: Referate, Vorträge, vor Menschenmengen reden, das kann ich nicht - man könnte mich sogar auf eine Bühne stellen, von der aus ich ein Referat halten müsste; es würde nichts ändern. Aber sobald es darum geht, sich zu wandeln, etwas auszudrücken, in eine ganz andere Persönlichkeit zu schlüpfen - erkenne ich mich selbst kaum wieder. Es ist wie ein Trip. Theater ist inzwischen meine größte Leidenschaft und mein ganzes Herzblut.

Und nun bin ich so weit, dass ich eine der Besten bin und mich um ein Schauspielstudium bewerben werde. Also, probier es ruhig aus! Ich würde sogar behaupten, dass es von Vorteil ist, nachdenklich und bedächtig zu sein, denn dadurch haben deine Gedanken mehr Tiefgang - und ebenso dein Spiel. Wenn es dir zusagt wirst du bald merken, dass dich das Spiel auch innerlich sehr wandelt. Ich bin immer noch introvertiert und schüchtern, aber ich habe einen Wert gefunden, weil ich weiß, was ich kann, wenn ich nur will, und zwischen all den Theater-Leuten, die man mit der Zeit trifft und die alle sehr unterschiedlich und teilweise exzentrisch sind habe ich auch gelernt, mich mehr anzunehmen und zu mögen. 

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Kommentar von Prinzessle
09.09.2016, 19:14

Genau Ausdruck bedarf dieser Intensität die du als Begeisterung beschreibst....nur wer genau beobachtet kann etwas skizzieren, was dannjeder versteht und du spielst dich mitten in alle Herzen, einfach nur weil du zugehört und  geschaut hast......aber dafür musst du der stille Beobachter sein...

es hat auch etwas mit Verletzlichkeit zu tun....denn nur damit, weisst du, mit dieser Verletzlichkeit und dem Mut darin, etwas zu Spiegeln, weil du weisst, du wirst alle berühren, ohne dich jemals selbst Preis zu geben....schenkst du in irgend einer Form, die für dich stimmt, deine Eindrücke...

Schüchternheit hat sehr viel mit Empathie, überlegen, Selbstschutz und Kreativität  zu tun.....

Ich vergas noch Mikel Jackson zu erwähnen...er vertonte all seine Wunden in absoluter Genialität....als absolut schüchterner Mensch...der eigentlich nie ein Leben wie du und ich hatte.....

Aber er hinterliess uns Musik die uns auf allen Ebenen berührt.......

Ich denke Kunst bedarf Schüchternheit, die irgendwo ihr Ventil fand und dann das mitteilt, was dann sehr viele wirklich bewegt...aber es sind immer eher schüchterne Menschen, die zu berühren vermögen, denn sie spüren das, was eigentlich jeden bewegt.....denn sie beobachteten es ja schliesslich lange genug.

Es geht aber im Leben immer nur um dein eigenes Wohl, so egoistisch dies klingen mag.......

Aber warum sollte ich noch produzieren, wenn ich mich nur noch wiederholen würde.....

es ist das Eigene das den schüchternen Mensch ausmacht, darum bleib dir einfach treu und schlüpfe in all die Rollen die du kennst, denen du genau diese markante Ausdrucksform geben kannst....einfach weil du es genau weisst..

Darum tue, zu was du dich berufen fühlst....und wenn du dann mal berühmt bist, melde dich bei mir.

 

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Kommentar von Hyzenthlay1994
11.09.2016, 16:47

kika01

Vielen herzlichen Dank für Deine sehr hilfreiche Antwort. Was Du als schüchterner Mensch erreicht und wie du davon berichtet hast, beeindruckt mich sehr. Und es motiviert.

Deine Nachricht hat mich richtig aufgestellt, zumal ich ebenfalls keine Vorträge und Sprechen vor vielen Menschen gar nicht mag. Lange habe ich geglaubt, dass jemand der Theater spielt, egal ob als Hobby oder Beruf, vor Menschenmengen selbstsicher und fesselnd auftreten und reden können muss, ansonsten käme eine Schauspielkarriere gar nie infrage....
Bis zu jenem Zeitpunkt, an dem Romy Schneider zu meiner Lieblingsschauspielerin geworden war und ich im Laufe der Pubertät (insbesondere durch Romys bekannteste Rolle Sissi) mehr und mehr verstehen gelernt habe, was Schauspielerei überhaupt für eine Bedeutung hat. Man schlüpft in die Rolle einer anderen Persönlichkeit, man weiss genau was zu tun ist und was passiert, ja man probt dieses "jemand anderer sein" sogar! Unter dem eigenen Namen, mit dem persönlichen Ich muss man nichts beweisen oder rechtfertigen.  

Übrigens hätte ich diese Frage nicht hier reingestellt, wenn kein Funke Hoffnung in mir köcheln würde, dass ich es trotz starker Schüchternheit eventuell doch schaffen könnte, mir das Theaterspielen zuzutrauen und es auszuprobieren. Ob es wirklich was für mich ist, werde ich sowieso erst in der Praxis feststellen. Ehrlich gesagt fürchte ich mich davor, durch meine starke Unsicherheit völlig durch den Wind zu sein, mich auf nichts konzentrieren zu können, obwohl ich eigentlich eine starke Persönlichkeit bin und so viele Emotionen kenne und in mir habe. Wenn ich es schaffe, diese vielen Gedanken und Gefühle irgendwie nach Aussen zu transportieren, endlich offen zu zeigen, ohne mich dabei als Mensch völlig auszuliefern, dann habe ich für mich selbst schon sehr viel erreicht.

Nochmals vielen lieben Dank für Deine inspirierende Antwort. Bei deinem Schauspielstudium wünsche ich Dir ganz viel Freude, Disziplin und Erfolg, was auch immer Du anstrebst...

  

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Ich m16 bin auch ein sehr schüchterner Mensch der seit 3 Jahren Theater spielt. Keine Ahnung wieso es macht mir Spaß und es lenkt mich vom Alltag ab

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