Frage von MetIHaIPiIK, 100

Schränken psychische Krankheiten den Charakter eines Menschen ein oder verändern sie ihn?

Ich habe momentan eine depressive Episode und habe mich in Behandlung begeben, ich lese momentan ein Buch über Co-Abhängigkeit, weil ich davon betroffen bin. Daher nun die Frage: Drängen sich psychische Krankheiten nur so weit in den Vordergrund, oder verändern sie gar den Charakter an sich?

Viele Eigenschaften, die bei einer Co-Anhängigkeit auftreten können, würden viele als Eigenschaften von mir, teils auch als positive, beschreiben. Ist das nun eine Charaktereigenschaft die zu meinem Ich gehört, oder sind das leidlgich die Auswirkungen eben dieser psychischen Erkrankung?

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Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Tragosso, 51

Das ist eine, meiner Meinung nach, sehr gute Frage, die ich mir auch schon oft gestellt habe.

Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass man immernoch man selbst ist, man also den Charakter durchaus trotz Erkrankung wahrnimmt und dieser sich dadurch nicht verändert. Nicht umsonst wirkt sich jede Erkrankung bei jedem Menschen etwas unterschiedlich aus. Man 'ist' nicht seine Krankheit.

Allerdings würde ich einen kleinen Unterschied machen zwischen einer Erkrankung die schon im Kindesalter bestand und einer die erst im Erwachsenenalter auftrat. Denn alleine schon durch die Erfahrungen die man dort gemacht hat, bildet sich der Charakter, und der ist aus meiner Sicht nicht (viel) zu ändern, ist er einmal festgelegt.

Kommentar von Tragosso ,

Kleine Ergänzung zur Hauptfrage: Meiner Meinung nach schränken die Symptome dich ein und hindern dich daran du selbst zu sein, also deinen Charakter 'auszuleben'. Ich habe zum Beispiel diverse Ängste (Panikstörung, Soziale Phobie etc.), wenn ich mal Alkohol in kleinen Mengen trinke, (Nein, nicht nachmachen, schlechtes Vorbild :P) dann merke ich wie ich ohne diese Ängste bin, denn die sind dann meistens weg. Ist natürlich eine schlechte Dauerlösung und von daher nicht umsetzbar, sollte aber auch nur ein Beispiel sein.

Kommentar von MetIHaIPiIK ,

Ich habe es mit "sinnesverändernden Substanzen" probiert, ich fühle mich da sehr unwohl, fliehe dann fast vollständig in meine Gedanken, denn die kenne ich. Ich habe wenige Momente, in denen ich aufhöre, zu denken und abzuschätzen, quasi, wenn ich vergesse, wer ich bin, oder denke zu sein. Dann bin ich ein lustiger, spontaner Typ, der nicht nachdenkt, Doch diese Momente sind recht selten und oftmals nur von kurzer Dauer.

Danke für die Antwort :)

Antwort
von Virginia47, 14

Ja. 

Eingeschränkt wird er, wenn man keine Hilfe bekommt. 

Beeinflusst wird er, wenn man sich Hilfe sucht und auch selbst aus dem Teufelskreis will. 

Ich leide unter Depressionen. Habe mich aber nicht damit abgefunden. Wollte wieder ein lebenswertes Leben und nicht im Selbstmitleid versinken. Also habe ich alles Mögliche getan, um meine Einstellung - und damit auch den Charakter - zu ändern. 

Früher war ich übersensibel und habe alles schwarz gesehen. Sensibel bin ich zwar immer noch - aber nicht mehr so schlimm. Außerdem habe ich positives Denken erlernt. 

Meine Depressionen sind deshalb nicht für immer verschwunden. Sie können jederzeit wieder kommen. Aber ich weiß dann, dass sie auch wieder vergehen. 

Kommentar von MetIHaIPiIK ,

Erstmal Danke für die tolle Antwort :)

Wie lange hast du gebraucht, positiver auf die Welt zu blicken? bzw: War der Weg, den du gehen musstest, um deine Umwelt positiver wahrnehmen zu können, sehr kräftezehrend? 

Ich versuche positiver auf alles zu blicken, doch dieses Denken fühlt sich momentan noch falsch an, das Mir-Selbst-Alles-Zuschreiben oder Auf-die-Krankheit-Schieben ist viel leichter.

Kommentar von Virginia47 ,

Ganz im Gegenteil: Das war kräfteschonend... 

Es ist anstrengend, immer alles schwarz zu sehen. Und die Schuld bei sich selbst zu suchen. 

Irgendwann hörte ich mal das Schlagwort: selbst erfüllende Prophezeiung. Und ich dachte mir, wenn die im Negativen eintreffen, könnte die doch genauso gut im Positiven wirken. Und habe es probiert: Ich hasse Zug fahren. Weil mir da immer was passierte. Entweder die Züge waren so voll, dass ich keinen Sitzplatz bekam. Oder ich verpasste die Anschlusszüge... Nun musste ich wieder mit dem Zug fahren. Wieder mit Anschlusszügen. Und ich redete mir ein, dass alles hervorragend klappt. Und so war es dann auch. Ich bin noch nie so entspannt Zug gefahren. 

Und so praktizierte ich dieses positive Prophezeien öfter - mit Erfolg. Zum Beispiel sage ich mir bei einer Infektionswelle, dass ich mich nicht anstecke. Und so stecke ich mich auch nicht an...

Deshalb können die Depressionen trotzdem jederzeit wieder kommen. Durch äußere Umstände bedingt, die außerhalb meines Einflussbereiches stehen. Aber auch da verzage ich nicht und verfalle in Selbstmitleid. Und weiß, dass sie wieder vergehen. 

Und so genieße ich jeden Tag, an dem es mir gut geht. Und lasse mich nicht davon unterkriegen, dass das schnell vorbei sein kann. 

Das wünsche ich dir auch.

Antwort
von 2951413, 56

Bei einer angeborenen Krankheit ist das dein Charakter. Man sollte sich nicht von diesen negativen Ausdrücken wie Krankheit , Störung usw verwirren lassen.
Wenn es eine erworbene Krankheit ist, wie zb Traumata, verändert es natürlich deine Persönlichkeit. Kannst du es jedoch durch eine Therapie bewältigen, war es in diesem Sinne nur ein (oder mehrere) Symptom.

Kommentar von MetIHaIPiIK ,

Angeboren? Depressionen treten nur seltenst von Geburt an auf, auch die entwickeln sich. Ich habe die genetischen Bedingungen, dass die Wahrscheinlichkeit besteht, dass ich die Krankheit erblich "erworben" habe. Das ist mit ein Grund, warum ich den Kinderwunsch, auch wenn ich Kinder mag, bewusst ablehne, und der Fakt, dass ich die Tendenz zur (Alkohol)sucht genetisch wohl auch weitergeben würde.

Kommentar von 2951413 ,

Ich habe nie behauptet, dass Depressionen angeboren sind. Ich wollte das nur zureichend erklären, damit verständlich ist, worauf ich hinauswill.

Kommentar von MetIHaIPiIK ,

Achso, dann habe ich dich lediglich missverstanden :)

Antwort
von MaryYosephiene, 40

ja, das tuen sie vor allem den Charakter

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