Frage von jonny1deluxe, 40

Schmälert ein bei GEBRAUCHTWAGENKAUF "mitgekauftes" (und vertraglich erwähntes) PRÜFZERTIFIKAT (bspw. von einem Dipl. Ing.) Gewährleistungsansprüche?

Ich habe mir vor ein paar Tagen ein Gebrauchtwagen angeschaut. Grundsätzlich kaufe ich Gebrauchtwagen wenn es irgendwie möglich ist von gewerbetreibenden Händlern, da ich die Gewährleistungsansprüche gerne mit nehme an welche ein gewerbetreibender Händler bedingungslos gebunden ist (zumindest die ersten 3 Monate und sofern er nicht "im Auftrag" Verkauft)?

Dann zog dieser Verkäufer mit mal ein Zettel aus der Mappe, welcher bestätigte, dass das Fahrzeug frei von jeglichen Mängeln ist (Unterschrift und Stempel eines Berliner Dipl.ing.). Ich müsste den Empfang dieses Zertifikats quittieren. Das wäre für ihn Grundvoraussetzung für einen Vertragsabschluss ansonsten würde er von seinem Angebot zurück treten.

Nun habe ich neulich witziger weise gerade erst im Gespräche mit einem befreundeten Autohändler folgende Aussage bekommen:

"VORSICHT, wenn Dir ein Händler anbietet (/aufschwatzt), den Wagen vor Kaufvertrags-Unterzeichnung bei dem TÜV o.ä. gründlich durchzuschauen, um sicher zu gehen, dass Du ein* super Auto* kaufst. Dann will sich der Verkäufer eigentlich nur selbst einen Gefallen tun. In dem Moment wo du den Empfang eines solch vermeintlich lupenreinen Dokuments quittierst, bescheinigst du im Grunde ein mängelfreies Fahrzeug in Empfang genommen zu haben.In Folge wirst du massive Probleme bekommen, wenn du Gewährleistungsansprüche durchsetzen willst. Der Verkäufer wird sich i.d.R. immer auf die Mängelfreiheit zum Zeitpunkt des Kauftages berufen, weil selbige ja sogar von
D I R (aus Unwissenheit und in bestem Glauben) anerkannt wurde!"

An dieser Stelle eigentlich nur kurz gefragt: Stimmt das? Hebelt man mit einem Prüfzertifikat das Gewährleistungsrecht aus? Und warum soll man überhaupt ein Fahrzeug prüfen lassen, wenn die Rechtsprechung ohne hin Mängelbeseitigung in Nachgang vorsieht?

Antwort
von jetztgehtslos, 21

Der gewerbetreibende Händler war sicher kein Vertragshändler.

Ein Gewährleistungsausschluss ist nicht zulässig und nicht gültig wenn es dennoch im Vertrag steht.

Mit dieser Urkunde will / kann er dir nur zeigen, dass das Fahrzeug unabhängig  technisch überprüft wurde. Mehr aber auch nicht.

Allerdings ist er auch nicht "bedingungslos gebunden". Es gibt durchaus Mängel die nicht unter die Gewährleistung fallen. z.B. altersbedingte Abnutzung und Verschleiß.

Die ersten 6 Monate (nicht 3) hast du aber gute Karten.

Kommentar von jonny1deluxe ,

Im Grunde klingt das ja plausibel

ABER zwei Fragen dazu:

1. Warum BESTEHT er auf die Erwähnungn im Kaufvertrag

2. Was ist wenn der Zertifikat-Ersteller vor Kauf Mängefreiheit (bspw. bei "Getriebe" und "Aufhängung") bescheinigt und 2monate Später weisen selbige Teile Fehler auf. 

.....das Gewährleistungsrecht sieht zwar die Beweislast (auf Mängelfreiheit) für die ersten 6 Monate beim Verkäufer vor.

Das ist aber schon rein von der Logik mit einem solchen Zertifikat abgegolten. Dann muss ich mich als Käufer mit zwei Personen (Verkäufer+Prüfer) rum ärgern, die sich gegenseitig den Schwarzen Peter zu schieben.

Meine Meinung:

Zertifkat = Beweislast bei Käufer (ab Tag1)

Kommentar von jetztgehtslos ,

Er besteht darauf, weil er glaubt damit besonders schlau zu sein. Sollte ein Gewährleistungsfall eintreten wird er es dir unter die Nase reiben und sagen, Auto war bei Übergabe ok.

Das kann er aber auch ohne Zertifikat zu dir sagen und du müsstes dein Recht vielleicht einklagen bzw. über die Kfz-Innung gehen.

Viele Kunden lassen sich dann dadurch verunsichern und wollen keinen Ärger und zahlen lieber aus eigener Tasche zu, auch wenn sie es nicht brauchen.

Einziger Ansprechpartner für dich ist der Verkäufer.

Was will er beim Getriebe denn beurteilen ? Geht - geht nicht - geht vielleicht ? Die Aufhängung kann sichtlich ok sein aber dennoch nach 2 Monaten auf ein Defekt auftreten. Altersbedingten Verschleiß musst du hinnehmen.

Ein seriöses Autohaus (Vertragshändler) macht auch solche Zertifikate über TÜV, Dekra und Co um dem Kunden einen guten und neutralen Fahrzeugzustand (Verkaufspsychologie) darzulegen. Mehr aber auch nicht.

Wie schon geschrieben, selbst wenn er im Vertrag die Sachmangelhaftung schriftlich ausschließt ist sie dennoch gültig.

Antwort
von jbinfo, 1

Das was @jetztgehtslos geschrieben hat, ist schon ganz richtig. Manche Händler suchen immer wieder andere Tricks die Gewährleistung umgehen zu wollen.

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