Schließen sich Naturwissenschaften und Glauben / Agnostizismus aus?

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14 Antworten

Hallo milamo,

Glaube oder Agnostizismus und Naturwissenschaften schließen sich nicht aus.

Die Naturwissenschaften erforschen und beschreiben die natürlich Welt. Wenn wir an eine Welt jenseits des Natürlichen glauben, ist sie den Mitteln der natürlichen Welt (noch) nicht zugänglich.

Wir dürfen in der Tat offen sein für das, was wir nicht erkennen - was seit tausenden von Jahren erzählt wird und nie direkt nachweis bar war. Wir dürfen all das glauben - oder auch nicht glauben.

Viele Naturwissenschafter glauben an Gott, weil sie hinter dem, was sie erforschen und beschreiben können, etwas sehen, was all dessen Ursprung ist.

Viele liebe Grüße
CelestialPilot

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Kommentar von milamo
23.02.2016, 22:11

Eine tolle Antwort, vielen Dank!

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Wo keine Aussicht besteht, eine Vermutung beweisen zu können, steht Wissenschaft auf verlorenem Posten: Mit solchen Vermutungen also wird sie sich nicht befassen.

Es wäre dennoch sinnlos, zu behaupten, dass es niemals Sinn machen kann, das eine oder andere nicht Beweisbare für richtig zu halten (sowie danach zu handeln).

Interessant ist, dass selbst mathematische Logik immer nur die Richtigkeit von Implikationen beweisen kann, von Aussagen also, welche die Form haben "wenn Aussage A richtig ist, dann ist auch Aussage B richtig" (siehe http://greiterweb.de/spw/Wissenschaft-Mathematik.htm ).

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Kommentar von grtgrt
24.02.2016, 10:20

Nebenbei noch: Mathematische Logik ist die einzige wirklich unbestechliche Logik. Der Preis, den sie dafür zu bezahlen hat, ist eingeschränkte Anwendbarkeit.

Konsequenz daraus: Alles praktische Leben wird immer eine Mischung aus Wissenschaft und Glaube sein.

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Man kann natürlich alles für möglich halten (wobei ich mit dem Wörtchen "alles" doch etwas behutsamer umgehen würde). Aber dann kommt man schnell in den Bereich der Spekulation. Und je konkreter man diese Spekulationen verfolgt, um so mehr läuft man Gefahr, sein Ergebnis oder die daraus zu gewinnende Erkenntnis zu verfälschen.

Natürlich gibt es Dinge, die unserer Wahrnehmung entgehen. Aber so gut wie allen wissenschaftlichen Durchbrüchen ging eine Beobachtung voraus. Und sei es "nur" eine mathematische.

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Kommentar von milamo
24.02.2016, 20:12

Darf man daraus schließen, dass alle nicht eindeutig beweisbaren Theorien aus Sicht der Wissenschaft wertlos sind?

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Ich glaube nicht, dass sich Naturwissenschaften und Glaube zwangsläufig ausschließen. Ich selbst bin christlichen Glaubens und interessiere mich auch sehr für Physik und ich sehe auch beispielsweise keinen wirklichen Widerspruch zwischen der Schöpfungsgeschichte und der Evolutionstheorie. Ebenso sehe ich das so, wie es jeder Wissenschaftler eigentlich sehen sollte, dass Wahrheit von Erkenntnis unabhängig ist und Erkenntnis sich hoffentlich immer mehr auf die existenzielle Wahrheit bezieht, was aber nicht immer der Fall gewesen ist, wie sich später oft herausstellte.

Es gibt in der Tat vieles, was wir nur noch nicht entdeckt, erkannt oder verstanden haben. Zum Beispiel haben Astronomen scheinbar ein supermassives Schwarzes Loch im Zentrum der Milchstraße entdeckt, indem sie nach Energiearten gesucht haben, die signifikant für die Akkretionsscheibe Schwarzer Löcher sind. Dennoch wird in Bezug auf Schwarze Löcher (noch) nicht verstanden, wie es wohl im Inneren eines Schwarzen Loches schlussendlich ist. Wie sollte es auch möglich sein? Denn immerhin kann nichts das Schwarze Loch verlassen.

Naturwissenschaften sind sehr wahrscheinlich komplett durch Zahlen und Fakten abgedeckt, aber diese stellen nur das dar, was der entsprechenden Erkenntnis entspricht. Die existenzielle Wahrheit ist aber von der Erkenntnis unabhängig. Anderenfalls hätte es das Universum nicht geben können, bevor jemand die komplette Wahrheit innerhalb des Universums kannte. Nach meinem Verständnis ist Gott als Wesen nicht existenziell von diesem uns bekannten Universum abhängig, das Universum aber sehr wohl von Gott.

Viele Menschen lehnen das ab, was sie nicht verstehen. Dies gilt auch, aber nicht unbedingt für alle Wissenschaftler. Manche suchen in dem, was sie (noch) nicht verstehen, nach neuer Erkenntnis.

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Viele Menschen sind der Meinung, dass sich Glaube und Religion nicht gegenseitig immer ausschließen.
Du kannst dich ja mal mit der Meinung der katholischen Kirche beschäftigen, was sie zur Möglichkeit sagt, dass es die Evolution gibt.
Es gibt die Meinung, dass für den Urknall ein Eingreifen von Gott nötig ist. Der Mensch, der heute als Begründer der Möglichkeit gilt, dass es den Urknall gab war übrigens Priester.

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Hallo milamo,

grundsätzlich sind Glaube und Wissenschaft miteinander zu vereinbaren, sofern sich jede der beiden Richtungen ihrer Grenzen bewusst ist und nicht auf das "Hoheitsgebiet" des anderen übergreift. Das bedeutet auch, dass niemand, der für die eine oder andere Seite argumentiert, dogmatisch werden darf.

Unglaubwürdig werden Vertreter des Glaubens , wenn sie eindeutige wissenschaftliche Erkenntnisse, die unwiderlegbar bewiesen sind, einfach ignorieren und sogar glauben, "wissenschaftliche Beweise" für ihren irrigen Standpunkt gefunden zu haben. Das beraubt sie nur jeder Glaubwürdigkeit und spielt eher denen in die Hände, die gegen die Existenz Gottes argumentieren. Leider haben das einige fundamentalistische Gruppen, wie z.B. die Kreationisten, getan, und haben dadurch der Glaubwürdigkeit der Bibel einen schlechten Dienst erwiesen.

Wissenschaftler bewegen sich grundsätzlich auf einem anderen Terrain als ein Verfechter des Glaubens. Ein Wissenschaftler hält sich bei seinen Forschungen an empirisch belegbare Tatsachen. Da jedoch die Existenz Gottes in diesem Sinn nicht belegbar ist, ziehen viele Wissenschaftler daraus den Schluss, dass es keinen Gott gibt. Hierbei sollte jedoch der Wissenschaftler wieder an seine Grenzen denken. Wenn er glaubt, dass nur das existieren kann, was wissenschaftlich belegbar ist, überschreitet er eindeutig seine Grenzen. Wissenschaft kann nicht die gesamte Welt erklären, sondern immer nur einen Teil daraus. Die Frage nach Gott liegt eindeutig jenseits dessen, was ein Wissenschaftler erforschen kann. Aus diesem Grund kann auch niemals der Glaube an einen Gott widerlegt werden.

Andererseits kann gerade das naturwissenschaftliche Forschen dazu führen, dass auch ein Wissenschaftler an Gott glaubt. Zum Beispiel zeigt das immer weitere Vordringen in den molekularen Aufbau der Strukturen des Lebens, dass überragende Intelligenz mit im Spiel ist. Dabei geht es nicht darum, in einem Schöpfer eine Erklärung für das Unerklärbare zu suchen. Es geht einfach darum, anzuerkennen, dass der Zufall keine zufriedenstellende Antwort auf die Frage ist, wie das Leben in all seinen vielfältigen Formen entstehen konnte. Auch können die Gesetzmäßigkeiten in der Natur allein nicht erklären, wie die komplexen Strukturen von lebenden Organismen mitsamt ihren komplizierten Bauplänen entstanden sein könnten.

Daher gab und gibt es viele Wissenschaftler, die ihre Überzeugung zum Ausdruck gebracht haben, dass es einen Gott gibt. Sie sehen also in der Wissenschaft einerseits und dem Glauben an Gott andererseits keinen Widerspruch.

LG Philipp

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Eigentlich ja, es schließt sich aus. Aber die Menschen haben ihre kognitiven Dissonanzen perfektioniert.

Mit logischer Argumentation kann man auch Gott widerlegen. Ist ganz einfach:

Gott ist in allen Religionen allmächtig. Also fragt man nach der Allmacht.

Könnte ein allmächtiges Wesen ein anderes Wesen erschaffen, dass wiederum so mächtig ist, dass es vom ersten Wesen nicht mehr vernichtet werden kann?

Ja: Das erste Wesen ist nicht allmächtig, es kann das andere Wesen nicht zerstören:

Nein: Das erste Wesen ist nicht allmächtig, denn es kann kein anderes, unsterbliches Wesen erschaffen.

Damit ist Gott und das Konzept der Allmacht widerlegt.

Es kann also keinen Gott geben, ohne das dessen Abwesenheit widerlegt werden muss, was eben nicht geht. Und zu verlangen die Abwesenheit von etwas zu belegen, ist immer eine unseriöse Argumentation, die sich damit aus Mangel an Argumenten selbst disqualifiziert.

Die Menschen haben halt Angst vor dem Tod. Das ist das ganze Geheimnis.

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Kommentar von milamo
24.02.2016, 20:19

Diese Argumentation halte ich für unwissenschaftlich.

Wenn es so einfach wäre wie du schreibst, gäbe es die Frage gar nicht.

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Vielen Dank für eure zahlreichen und zum größten Teil sehr erleuchtenden Antworten, damit habe ich wirklich nicht gerechnet!

Allerdings merke ich, dass die meisten von euch den Glauben auf Gott herunter brechen wollen. Das war gar nicht meine Absicht, es geht vielmehr um den Glauben an die Dinge, die außerhalb unseres Sichtfeldes existieren (oder auch nicht), oder, wenn man so will, auch um den Glauben daran, dass wir im Grunde nichts wirklich wissen (können), also die Verbundenheit mit der Philosophie, eben das, was wir nicht fassen können.

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Nein, Wissenschaft und religiöser Glaube, um es mal so zu bezeichnen, schließen sich nicht zwangsläufig aus, denn sonst gäbe es unter anerkannten Wissenschaftlern keine gläubigen Menschen. Die gibt es aber noch sehr viel. Ein Arzt, der den Menschen genau kennt, wie er entsteht, wie er sich entwickelt und was nach seinem Tod mit seinem Körper passiert, glaubt als überzeugter Christ trotzdem an den Schöpfer aller Dinge.

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Die Naturwissenschaften befassen sich mit der materiellen vierdimensionalen Welt (drei Raumrichtungen und die Zeit), in der wir leben.

Der Glaube befasst sich mit seelischem Befinden, mit Gefühlen und mit Sinnfragen (warum gibt es die Welt, warum gibt es mich, warum gibt es Leid und Tod, ...), die "jenseits" davon liegen.

Deshalb haben beide parallel zueinander jeweils ihren "Zuständigkeitsbereich".

Und deshalb gibt es auch viele Naturwissenschaftler, die sich mit Glaube und Religion befassen.

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Kommentar von FloTheBrain
24.02.2016, 08:30

12 Dimensionen. Damit rechnen und bauen die Physiker zur Zeit ihre Modelle.

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Schaue mal in You Tube unter : Prof. Dr. Werner Gitt . Da kannst du viele Vorträge sehen und hören von einem der Naturwissenschaft und Glaube wunderbar vereinen kann . 

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Die Studiengemeinschaft Wort und Wissen ist beispielsweise ein wissenschaftlicher gemeinnütziger Verein, in der Wissenschaftler sich austauschen und mitarbeiten. Thematische Schwerpunkte der Arbeit bilden Grundlagenforschung und Bildungsarbeit im Spannungsfeld "Naturwissenschaft und christlicher Glaube": http://www.wort-und-wissen.de

Auch ansonsten dürfte es einige christliche Wissenschaftler geben (Prof. Dr. Wener Gitt, Prof. Dr. Walter Veit usw.). Warum auch nicht?

Sehr interessant sind auch die folgenden Zitate berühmter Naturwissenschaftler:

"Die Naturwissenschaften braucht der Mensch zum Erkennen, den Glauben zum Handeln. Religion und Naturwissenschaft schließen sich nicht aus, wie heutzutage manche glauben und fürchten, sondern sie ergänzen und bedingen einander. Für den gläubigen Menschen steht Gott am Anfang, für den Wissenschaftler am Ende aller Überlegungen." Max Planck (1858-1947), deutscher Physiker, Begründer der Quantentheorie

"Die moderne Physik führt uns notwendig zu Gott hin, nicht von ihm fort. - Keiner der Erfinder des Atheismus war Naturwissenschaftler. Alle waren sie sehr mittelmäßige Philosophen." Sir Arthur Stanley Eddington (1882-1946), englischer Astronom und Physiker

"Der erste Trunk aus dem Becher der Naturwissenschaft macht atheistisch, aber auf dem Grund des Bechers wartet Gott." Werner Heisenberg (1901-1976), deutscher Physiker

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Kommentar von 666Phoenix
24.02.2016, 11:12

Pardon, sehr schwachsinnige Zitate, die durch andere Zitate der gleichen Wissenschaftler ad absurdum geführt werden können und auch schon wurden!

Wenn z. B. Heisenberg irgendwann den "Grund des Bechers" gesehen hätte, hätte er aufhören können zu forschen. Denn dann wäre er angekommen - wo auch immer! 

Er hat aber Zeit seines Lebens nie aufgehört zu forschen. Sein zitierter Spruch heißt also eigentlich: Gott gibt es nicht, eben weil es keinen Grund (also faktisch einen Abschluss) irgendeines Bechers (Synonym für jedes beliebiges Forschungsgebiet) gibt.

Und dann sollten wir die hohe Wahrscheinlichkeit ins Kalkül ziehen, dass sich o. g. Wissenschaftler ebenfalls geirrt bzw. irgendwann klugerweise auch revidiert hätten, nämlich im Zuge ihres eigenen Wissenszuwachses!

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Nein sie haben nur nichts miteinander zu tun. 

Die Naturwissenschaft befasst sich nicht mit der Frage nach Gott oder dem Sinn des Lebens. Im Endeffekt beobachtet sie nur die Natur und zieht daraus ihre Schlüsse. Sie erklärt die Natur und das Universum in dem wir Leben auf Basis der Naturgesetze.

Da Gott als Schöpfer logischerweise unabhängig (in welcher Form auch immer) existieren können müsste, ist er für die Naturwissenschaft auch nicht fassbar. Da es auch keinen einzigen naturwissenschaftlichen Hinweis auf sein wirken gibt, fällt das Thema in die Philosophie.

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Es gibt diverse Konflikt-Thesen, also Theorien über einen Konflikt zwischen Wissenschaft und Religion. Ich denke nicht, dass es einen notwendigen Konflikt gibt. Dafür müssten alle möglichen Religionen mit jedem möglichen Beispiel für Wissenschaft unverträglich sein. Und ich kenne kein gutes Argument dafür.

Allerdings gibt es natürlich immer wieder lokale Konflikte. Also Konflikte zwischen einzelnen wissenschaftlichen Theorien und einer bestimmten Religion. Kurzzeitkreationismus ist sicher das Paradebeispiel dafür.

der Glaube, dass Dinge existieren, die außerhalb unserer Wahrnehmung
stattfinden oder dass es Dinge gibt, die wir (noch) nicht entdeckt haben
oder möglicherweise nie entdecken werden.

Das ist nicht notwendigerweise Religion. Und dazu würde zum Beispiel der Glaube an supersymetrische Teilche oder Strings auch gehören. Beide werden von Hypothesen postuliert, aber sie wurden bisher nicht entdeckt. Angenommen jemand würde daran glauben, wieso sollte das mit Wissenschaft unverträglich sein? Im Gegenteil kommt es mir vor, dass ein moderater Glaube daran Leute sogar anspornt, in diese Richtung zu forschen.

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