Indianwolf am 02.05.2009 um 11:11 Uhr
Guten Morgen ihr Lieben! Ich bin ein Mensch,bei dem die Sprache/Sprachweise sehr viel zum ersten Eindruck bei Leuten beiträgt.Nicht nur extremer Slang,sondern auch Nuscheln oder ständige falsche Aussprache (Krankheit und Akzent bzw. Dialekt ausgenommen!) schrecken mich ab.Ich verbessere dann automatisch,was mir im Nachhinein dann peinlich ist. Umso extremer nervt es mich also,wenn Filme schlecht synchronisiert sind,was mir in letzter Zeit immer häufiger auffällt.Da wird genuschelt,Wörter werden verschluckt oder falsch ausgesprochen und ganz schlimm finde ich es,wenn der Synchronisator einen Akzent sprechen soll-das ein paar Sätze hintereinander völlig vergisst und dann wieder richtig loslegt,obwohl man sofort erkennt,daß der Akzent aufgesetzt ist. In Mittelalterfilmen/Epen wird neuerdings nicht mehr KöniG sondern immer KöniCH gesagt -(sogar bei HdR -.-).SCHRECKLICH! Sowas kann mir den ganzen Spass am Film versauen!Da ich nur mässig englisch spreche,kann ich mir englische/amerikanische Filme auch nur in Originalsprache mit deutchen Untertiteln anschauen-und DA wird teilweise etwas völlig anders übersetzt und verfälscht dann den kompletten Sinn.In den "alten Schinken" wurde immer überdeutlich gesprochen,warum werden die Synchronisationen immer liebloser gemacht und nervt nur mich das an oder auch andere?

Liebe/r indianwolf,
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Ich stimme Dir in vielen Punkten zu, aber es ist phonetisch korrekter KöniCH zu sagen als KöniG: http://www.philhist.uni-augsburg.de/lehrstuehle/germanistik/sprachwissenschaft/a... LG

Es wird nicht nur schlecht synchronisiert auch bei deutschen Filmen wird sehr undeutlich gesprochen,besonders bei Fernsehproduktionen.Das nenne ich lieblos und schlampig,ist warscheinlich billig.
Indianwolf am 2. Mai 2009 11:39 ja,in Serien die täglich laufen ist es ganz schlimm. Vlt. kommen die sonst mit dem Dreh nicht hinterher...
Ich stimme dir zu, kann aber auch gleich noch eine Erläuterung dazu abgeben. Ich selbst bin Übersetzerin und daher ebenfalls Sprachpurist, zumal ich nicht aus der Web. 2.0-Generation stamme, sondern ein Nümmerchen älter bin. Ich selbst habe nicht an Untertitelungen gearbeitet, sehr wohl aber mit Drehbüchern. Ferner fertige ich häufiger Transkriptionen und Übersetzungen von Audiodateien an, die oft miserabelster Ausgangsqualität sind. Wenn es um Filme (Spielfilme, Kinofilme, Kurzfilme usw.) geht, so gilt eigentlich immer, dass die Jobs sehr eilig sind, dafür aber sehr bescheiden bezahlt werden. Das Problem bei der Untertitelung ist ein vielschichtiges. Ich gehe jetzt erst einmal auf die normale Synchronisierung im absoluten Idealfall ein. 1) Die Übersetzung wird von nur einer einschlägig erfahrenen qualifizierten Person angefertigt (was häufig schon nicht der Fall ist) 2) Das Drehbuch mit allen Dialogen liegt vor (Das hat Seltenheitswert) 3) Das gesamte verwendete Filmmaterial (Video + Audio einschließlich Musik-/Soundtrack) liegt vor 4) Der Zeitrahmen ist machbar 5) Es können Rückfragen bei sehr kniffeligen Stellen gestellt werden, die auch beantwortet werden (haha!)
So, es liegt also jetzt die Übersetzung in ihrer Rohform - auch Rohübersetzung genannt - vor. Selbige passt aber nicht zum Film: 1) Deutsch ist im Schnitt etwa 20-30 % länger als Englisch. Die Silbensprechgeschwindigkeit ist häufig sehr viel geringer als im britischen Englisch und - je nach dialektaler Färbung - und geringer als im amerikanischen Englisch. Das bedeutet, dass der - inhaltlich und sprachlich korrekte Text - gekürzt werden MUSS, weil er einfach zeitlich nicht passen KANN, es sei denn, man nimmt einen 'Maschinengewehrsprecher', was auch wieder unglaubwürdig wirkt. 2) Die Lippensynchronität ist überhaupt nicht gegeben. Hier machen sich dann Spezialisten ans Werk, die die bis dahin inhaltlich und stilistisch korrekte Rohübersetzung so modifizieren, dass die Sprecher bei dem eigentlichen Synchronisierungsvorgang auch die Chance haben, die Lippen synchron zum sichtbar Gesprochenen zu bewegen. Die Lippensynchronität ist bei Synchronisierungen (Dubbing) sehr wichtig, bei Untertitelungen fällt sie jedoch weg.
Obiges ist ein sehr, sehr grober Abriss der allerwichtigsten Schritte. Das sollte schon einmal einen Eindruck in die Problematik verschaffen. Die Problematik bei der Untertitelung ist etwas anders gelagert. Das Problem der Längung und Sprechgeschwindigkeiten bleibt jedoch erhalten. Hier ein kurzer Abriss: 1) Untertitel sind nicht als vollständige Wiedergabe des Inhalts zu verstehen; es handelt sich nicht um eine literarische Übersetzung, die man in aller Ruhe lesen (und auseinanderpflücken) kann, sondern um Verständnishilfen. Dieser Umstand wird sehr häufig einfach ignoriert. 2) Ich persönlich lese schnell und habe überhaupt kein Problem, ganz bequem ein mäßig bis mittelmäßig anspruchsvolles Buch von 600 Seiten (z. B. von Stieg Larsson) stressfrei an einem Tag zu lesen. Die meisten 'normalen' Leser lesen sehr viel langsamer. Viele Leute sind heute auch nicht mehr ans Lesen gewöhnt. Die Lesegeschwindigkeit wirkt sich massiv auf die Untertitelung aus. Es gibt festgelegte Verweildauern für die Untertitel, anhand der sichergestellt werden soll, dass auch langsame(re) Leser/Zuschauer mitkommen. Je länger die Untertitel eingeblendet bleiben, umso mehr Folgetext kann also nicht mehr wiedergegeben werden, denn auch die Taktung der Untertitel kann nicht militärisch zackig erfolgen. Hier gibt es also schon einmal zwei Faktoren, die für die zwangsweise Verkürzung und Änderung des Gesagten verantwortlich sind. 3) Die deutsche Sprache bringt viele Wortungetüme hervor. Untertitel werden meist zweizeilig erstellt und darüber hinaus mit einigem Abstand zu den Grenzen des Anzeigebereichs, was gewährleisten soll, dass die Untertitel auch beim Ansehen auf Wiedergabegeräten mit für einen Film ungünstigen Bildverhältnissen noch gut und vollständig sichtbar sind. So, damit geht wieder ein Teil der im Idealfall nutzbaren Länge verloren. Zweizeilige Untertitel bringen eine weitere Stolperfalle mit sich: Die in der deutschen Sprache möglichen Wortungetüme (man denke nur an die absurde 'Dampfschifffahrtskapitänswitwe') sind einfach nicht zulässig. Mit einer derartigen Wortkreation würde ja ein Großteil dieser beiden Zeilen bereits belegt und es müsste ein Trennstrich verwendet werden, was jedoch in aller Regel zur Gewährleistung der optimalen Lesbarkeit nach Möglichkeit umgangen werden soll. Das bedeutet, dass lange Worte aufgelöst werden müssen, wodurch wiederum langatmigere Konstruktionen entstehen: Witwe des Dampfschifffahrtskaptitäns. Selbige müssen nun wiederum gekürzt werden, weil das komprimierte Deutsche (samt Komposita) ohnehin schon länger ist als das Original und eine zusätzliche Längung überhaupt nicht in Frage kommt. 4) Die Endüberarbeitung findet nicht immer durch sprachkritische Fachleute statt. Wenn ich bei der Untertitelung, bei einem synchronisierten Film oder einem übersetzten Buch ins Stocken gerate, heißt das meist, dass etwas nicht logisch/idiomatisch klingt. Einige Beispiele, wobei der erste, der Klammer vorangehende Ausdruck eben der falsche ist:
weiße Lügen (white lies -> Notlügen, aus Pretty Woman, glaube ich) Wunderarbeiter (wonder-worker, someone who works wonders -> jemand, der Wunder bewirkt; veröffentlicht vom Focus online) sensitiv (sensitive -> sensibel im Sinne von 'empfindsam, feingeistig') sensibel (sensible -> vernünftig im Sinne 'vernünftige Entscheidung') Und weiter geht es mit im Deutschen definitiv falschen Anglizismen, die keinen zu stören scheinen: In 1999 -> 'Im Jahr 1999' oder einfach '1999' Sinn machen -> Das hieß bei uns schon immer 'Sinn haben', 'sinnvoll sein' oder 'Sinn ergeben', je nach Kontext In den 1960ern -> In den sechziger Jahren (so einfach; falls die Gefahr einer Verwechslung besteht, dann eben 'in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts'), aber natürlich gemäß der neuen Rechtschreibung, die ich hier ignoriert habe. Astrid's -> Für jeden falschen Apostroph ein Euro Strafe und vorbei ist die Krise!
Von einem synchronisierten oder untertitelten Film wird häufig eine einwandfreie Qualität erwartet, die aber - zumindest in sprachlicher Hinsicht - das deutsche Publikum oft gar nicht objektiv beurteilen kann, da die meisten mittlerweile Denglisch sprechen und sich vermutlich gegen die oben genannten Kritikpunkte wehren würden.
Die oben genannten Punkte sind nur ein Abriss. Hinzu kommt, dass die Untertitelung häufig in aller Eile gemacht werden muss, nicht gut bezahlt wird und die Endüberarbeitung - wie bereits erwähnt - meist nicht von Sprachlern erfolgt. Hier ist eine kritische Endkontrolle vonnöten, und zwar durch Leute, die den Film in seiner untertitelten/synchronisierten Fassung noch nicht zu Gesicht/Gehör bekommen haben, also quasi das Korrektur'sehen und -hören' vornehmen. Die nicht erkannten/falsch übersetzten idiomatischen Ausdrücke ärgern mich ebenfalls, sind aber häufig dem Zeitdruck zuzuschreiben und nicht zwangsweise der Unfähigkeit der jeweiligen Übersetzer. Recherchen sind zeitaufwändig, und diese Zeit ist häufig einfach nicht da.
Anmerkung zur Aussprache von König: Lies mal HIER http://www.meinews.net/aussprache-t25072.html nach. Die Aussprache ist regional unterschiedlich. Ich kenne Köni[g] (bin im Westerwald aufgewachsen), meine Mutter sagt allerdings Köni[ch] - sie kommt ursprünglich aus Potsdam.
Indianwolf am 2. Mai 2009 13:34 WOW,vielen Dank! Mit einer solch ausführlichen und ehrlichen Antwort hatte ich nicht gerechnet. Irgendwie sehe ich das ganze jetztaus einem ganz anderen Blickwinkel. Vielen,vielen Dank!
Gern geschehen!

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Indianwolf am 2. Mai 2009 11:24 nö!

Ich sehe das genau anderherum! Wenn man amerikanische Filme im Originalton anschaut, merkt man erstmal, wie die Schauspieler "nuscheln". Im übersetzten Film klingt das dann alles viel zu deutlich! Und das bei Untertiteln alles etwas verkürzt werden muß is normal, die kämen ja sonst kaum hinterher!
Indianwolf am 2. Mai 2009 11:25 ich meinte ja nicht die Verkürzung,sondern die Sinnverfälschung vieler Worte.
issie am 2. Mai 2009 11:29 ok, da hast du recht! Ich wundere mich nur, das du die schlechte Synchronisation bemängelst und dir die Filme dann im Original anschaust. Im Original wird meist viel undeutlicher gesprochen, deswegen schaue ich das viel lieber, weil es realer klingt, als das starre Hochdeutsch.
Indianwolf am 2. Mai 2009 11:42 Da ich nicht SO gut englisch spreche,fällt mir das vermutlich gar nicht so sehr auf :( Und irgendwie bin ich dran gewöhnt,daß grade Engländer und Amerikaner alles verkürzen und etwas nuscheln,in meiner Muttersprache nervt es mich vermutlich mehr,weil ich selber sehr auf exakte Aussprache achte.
issie am 2. Mai 2009 11:46 Genau, daran wird es liegen. Aber das finde ich auch ganz normal! Aber glaub mir, die Amerikaner nuscheln fast alle...wenn man das 1:1 synchronisieren würde, würden wir uns noch mehr ärgern ;-)
Indianwolf am 2. Mai 2009 11:48 grins ja,chatsprache^^
°.° bin grad sprachlos,ich wäre nie auf den Gedanken gekommen,es Könisch auszusprechen. Man lernt wohl nie aus,danke!