Frage von Liole, 23

Schlaganfall,- erkennt ein Patient seine Defizite nach einem Schlaganfall, oder glaubt er für immer , das er alles noch kann?

Ein Freund von mir hatte Anfang Januar einen Schlaganfall, - er kann ganz schlecht sehen,- er kann nicht alleine laufen ,er kann sich an die letzten 20 Jahre nicht erinnern,

er kann sehr gut sprechen und reden, er kann sich an die Zeit vor der Wende sehr gut erinnern, er kann sehr gute Unterhaltungen führen, er ist nicht inkontinent und muß trotzdem ein machen, weil er den Drücker nicht findet,

er glaubt, er müßte nur aufstehehen und laufen,er glaubt er könnte sehen ,aber nur Umrisse er glaubt, er wäre überall, wo er sein möchte

Was soll ich da machen, ich möchte ihm ja helfen, er ist nicht mal gelähmt, wird aber nicht therapiert, wenn er doch nur zur Toilette alleine könnte.

Er ist im Altenheim untergebracht, als austherapiert mit schnell forschreitendder Demenz. Aus Personalmangel kann man sich nicht extra mit ihm beschäftigen, er fühlt sich unterfordert. Die anderen Betreuten können sich nicht mehr unterhalten und er möchte doch so gerne mit anderen Menschen reden, er muß sich doch eine neue Jetzt-Zeit aufbauen. Ich bin aus der alten Zeit und er erkennt mich schon an der Stimme und ich soll ihn da raus holen, er hat erkannt, alleine schafft er das nicht. Er hat eine Berufsbetreuerin, die verwaltet nur seine Finanzen, die Gesundheit kümmert diese Frau nicht, er ist austherapiert. Er hat noch alle Zähne und er kommt nicht einmal zum Zahnarzt, oder bekommt irgendwelche Therapien, einfach nichts, darf denn ein Mensch einfach so abgeschrieben werden, ohne alles versucht zu haben? Es gibt ein 2. Gutachten von einem Physiater, darin steht, das er voll therapiebar wäre, wird nicht akzeptiert. Wenn ich jetzt aufgebe, dann sehe ich das als unterlassene Hilfeleistung, ich kann nicht einfach weg schauen.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von elmundoesloco, 23

Wenn er eine Berufsbetreuerin hat und der Aufgabenkreis der Gesundheitssorge Wirkungskreis der Betreuung ist, dann hat die Betreuerin sich auch darum zu kümmern. Keinerlei Spielraum, sie muss, ansonsten ist sie ungeeignet und es liegt ein wichtiger Grund zur Entlassung der Betreuerin im Sinne von § 1908b BGB vor.

Bitte wende dich an das zuständige Betreuungsgericht (das Gericht, das am Wohnort des Betreuten ist; http://www.justizadressen.nrw.de/og.php) und gib das dort zu Protokoll oder reiche es schriftlich ein. Auf jeden Fall sollte ein Nachweis in der Akte sein. Du brauchst nicht zwangsläufig ein Aktenzeichen, man findet den Betreuten auch anhand Namen, Wohnort und/oder Geburtsdatum. Evtl. könntest du sogar die Betreuung ehrenamtlich übernehmen. Davor musst du keine Angst haben, die Betreuungsgerichte sind verpflichtet Betreuern zu helfen, §§ 1908i Abs. 1, 1837 BGB.

Meine Erfahrung mit Schlaganfallpatienten zeigt, dass sie eigentlich einsichtig sind und erkennen, dass es nicht mehr wie früher ist. Aber ich habe auch nur bei Leuten um die 20 hautnah miterlebt, wie sie sich nach einem Schlaganfall regeneriert haben. Bei manchen war es ein langer Prozess, bei anderen war nach ein paar Monaten alles wieder beim alten.

Eine beginnende Demenz in Kombination mit einem Schlaganfall ist natürlich nochmals härter, vor allem, da ein Schlaganfall verschiedene Areale des Gehirns "angreift". Demenzkranke im Anfangsstadium können meist nicht sagen welcher Tag heute ist, wo sie sind und welche Jahreszeit gerade ist, aber wann sie Geburtstag haben, wie die Kinder heißen und wann sie geheiratet haben bekommen sie zusammen.

Wende dich vielleicht mal an einen Betreuungsverein oder an einen Sozialdienst (z. B. Sozialdienst Katholischer Frauen). Die haben allgemein Hilfsangebote und können sicherlich etwas besser helfen als das Internet. Dort sind speziell dafür ausgebildete Leute.

Kommentar von Liole ,

diese Antwort werde ich ausdrucken, wenn ich darf und mit zum Amtsgericht nehmen demnächst .Ich habe gerade eine lange Antwort geschrieben, nun ist sie weg.

Ich bin also auf dem richtigen Weg, ich werde nicht aufgeben

Antwort
von Schokolinda, 14

ein gutachten von einem psychiater nützt nichts- der hat nicht die kompetenz, folgen eines schlaganfalls zu beurteilen.

das müßte ein neurologisches gutachten sein, am besten ergänzt um einen neuropsychologischen teil. allerdings sollte man das nicht selber beauftragen, weil gerichte sowieso ihre eigenen gutachtenaufträge vergeben.

wenn dein freund eine schnell fortschreitende demenz hat, nützt ihm aber therapie wenig- man kann versuchen, demenz etwas aufzuhalten; aber irgendwann bringt das nichts mehr.

mangelnde krankheitseinsicht ist sowieso eine schwierige sache und wenn noch die fähigkeit fehlt, sich neue erfahrungen einfach zu merken, ist es aussichtslos.

kurz gesagt: wie es sich liest, scheint es für deinen freund tatsächlich kaum oder keine therapie im sinne von verbesserung zu geben.

trotzdem hat er natürlich das recht, seine möglichkeiten prüfen zu lassen. man kann sich z.b. beim VDK beraten lassen; ich weiß allerdings nicht, ob man da für einen freund fragen darf, oder ob der betreffende bzw. ein gesetzlicher vertretet persönlich vorsprechen muss.

nach meiner meinung kann man nur versuchen, die umgebung deines freundes möglichst auf seine bedürfnisse abzustimmen.

z.b. wird in manchen kliniken der drücker/die klingel an einer bestimmten stelle am bett oder am stuhl in der nähe des patienten angebunden, so dass sie nicht verloren geht. die frage ist, ob dein freund lernen kann, wo die klingel liegt.

von dem her wird das "raus holen" schwierig: dein freund braucht rund um die uhr betreuung - so liest sich das. das ist zuhause ziemlich anstrengend.

Kommentar von Liole ,

hallo, danke für deine Antwort, das Gutachten wurde vom Richter in Auftrag gegeben, da ch einen Antrag auf ehrenamtliche Betreuung gestellt hatte.

Selbst die Pfleger, sind der Meinung das die Diagnose von der Reha voreilig war und das durch eine Reha, sein Zustand erheblich verbessert werden könnte. 

Ich gebe trotz dem nicht auf, weil ich das Gefühl habe und nicht nur ich, das hier gemunkelt wurde.Nun sind wir bei einem anderen Amtsgericht, in der Nähe seines Heimes, da werde ich mal sehen, ob er noch irgend ein REcht besitzt zu entscheiden, denn wählen durfte er ja, da ist er noch zurechnungsfähig, nur für seine Belange nicht, weil das der Betreuerin Mühe machen würde etwas für ihn zu tun.

Kommentar von Schokolinda ,

weil das der Betreuerin Mühe machen würde etwas für ihn zu tun.

so solltest du vor gericht keinesfalls argumentieren, weil das ein schlechtes licht auf dich werfen würde. zudem ist die aussage falsch: dein freund hat betreuung, weil er (zeitweise) für sich selbst nicht verantwortlich sein kann oder konnte; und das hat ein gericht so bestimmt, nicht die betreuerin.

du glaubst selbst wohl auch daran, dass er eine betreuung braucht, sonst würdest du nicht antrag auf betreuerwechsel stellen, sondern prüfen lassen, ob eine betreuung weiterhin nötig ist oder nicht.

kurz: man sollte sich genau überlegen, was man sagt - das gericht soll nicht denken, dass man die sachlage nicht richtig durchblickt.

Kommentar von Liole ,

Ich habe dem Richter einen sehr erklärenden liebevollen Brief geschrieben, hab Niemanden beleidigt, es ist mir doch klar, das er für immer Betreuung brauchen wird, er soll nur in seine Heimatstadt verlegt werden, dann kann ich für seine Gesundheit besser sorgen, er hat ja auch im Heim schon große Fortschritte gemacht, er muß auch Gedächtnisträining bekommen und seine Augen mpßte richtig untersucht werden, er kann ja sogar noch Farben fast erkennen. Vor seinem Schlaganfall hatte er schon genau wie ich schon mit den Augen zu tun, vielleicht hat er schon vorher grauen Star gehabt und dann könnte ja was getan werden.

Es gibt jetzt neu Methoden, für die Augen.

Es wäre doch ein großer Vorteil für alle Beteiligten, wenn er alleine zur Toilette könnte , Fernsehen würde ihm reichen, auch wenn er nur Hörspiel macht, er hört gern Nachrichten und Sportsendungen und auch Filme kann man gut mit wenig Sehkraft verfolgen. Ich selbst verbinde mir die Augen für mehrere Stunden und teste, wie es ist, den normalen Alltag zu bewältigen. Er telefoniert auch gern, ich würde ihm so eine Armbanduhr besorgen, die ist ans Handy angeschlossen und wenn man auf den Knopf drückt, dann sagt man den Namen und bekommt dann Verbindung.

Es fehlen ihm im Heim die Gespräche mit den anderen Heimbewohnern, deshalb ist er so einsam.

Wenn er Besuch hat, ist er der glücklichste Mensch.

Kommentar von Schokolinda ,

er muß auch Gedächtnisträining bekommen

wer sagt das? bei einer demenz, die das gedächtnis beeinträchtigt, nützt gedächtnistraining nichts und ist nur frustrierend bis quälend für den patienten.

und seine Augen mpßte richtig untersucht werden ... Es gibt jetzt neu Methoden, für die Augen

grauen star kann man operieren, aber wenn die sehprobleme hauptsächlich nach dem schlaganfall eingetreten sind, kann man da nichts machen.

Ich selbst verbinde mir die Augen für mehrere Stunden und teste, wie es ist, den normalen Alltag zu bewältigen.

du vergißt dabei nur: dein freund ist dement - er hat viel, viel weniger geistige ressourcen, um sich auf seine lage einzustellen.

Es fehlen ihm im Heim die Gespräche mit den anderen Heimbewohnern,

er hat die letzten 20 jahre vergessen, aber du gehst davon aus, dass er dir korrekte angaben über seinen alltag macht???

ins heim kommt man nicht ohne grund, d.h. dass dort sicher viele schwer beeinträchtigte menschen sind. aber es ist widersinnig, dass dein freund mit seiner fortschreitender demenz dort der einzige sein soll, der gespräche zustande bekommt.

dein freund wird wahrscheinlich einfach vergessen, mit wem er den tag über geredet hat.

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