Frage von Smile1230, 136

Schlaftabletten und Antidepressiva + allgemeine Ratschläge?

Guten Abend/Morgen meine lieben.

Da ich an Depressionen leide, nehme ich unterstützende Tabletten die es mir oft etwas mit meinen Stimmungen leichter machen. Ich habe keine Suizidalen Gedanken, ich glaube das dass Leben schön sein kann, habe nur den Glauben an die Welt verloren - um es kurz zu fassen. Ich schlafe seit c.a. 3 Monaten kaum noch, ich drehe mich die ganze Nacht hin und her, Träume viele Erfahrungen meiner Vergangenheit durch und komme absolut nicht zur Ruhe. Mir wurden weitere Tabletten verschrieben aber außer ein paar blöde Ticks die sie ausgelöst haben, brachten sie nicht viel - also wurden sie wieder abgesetzt. Ich bin im Moment in einer Ambulanten Therapie 2x die Woche, bloß ich habe einen Berg von Arbeit vor mir. Ich versuche immer so gut es geht optimistisch zu bleiben und es geht bergauf, bloß ich mache mir Sorgen Rückschritte zu machen. Das Schlafen macht mich wahnsinnig, dazu habe ich im Moment sehr oft Magenprobleme und ich muss mich öfter übergeben. Mir wurde gesagt, Schlaftabletten seien auch keine Lösung, ist mir auch durchaus bewusst, aber nur ein Zwischenschritt bis es auch ohne geht, weil ich mittlerweile leicht reizbar bin, den ganzen Tag kaputt, mein Kreislauf sackt immer wieder zusammen. Ich habe mir also Schlaftabletten gekauft, aber auf der Verpackung stand man sollte sie in Verbindung mit Antidepressiva nicht einnehmen. Sind dass allgemeine Warnhinweiße die eben drauf stehen müssen, und ist es verträglich wenn ich mal alle paar Tage wenn es gar nicht mehr geht eine einnehme?

Der Grund warum ich auch einen sehr langen Text schreibe, ist auch weil ich mich auch über den ein oder anderen Rat freuen würde. Ich bin 19 Jahre alt, habe viel Mist durch... Im Endeffekt erzählen mir Therapeuten und Psychologen immer nur über Tabletten und Psychiatrien... Therapie hier Medikamente da. Ich habe keine Ausbildung begonnen, weil dieses ewige Hin und Her im Wege steht. Manchmal wünsche ich mir einfach ganz normal zu Arbeiten, ganz normal raus gehen zu können ohne mich für mich selbst zu schämen, und mich nicht mehr mit diesem Müll zu beschäftigen sondern einfach einen cut zu machen. Ich merke nur wie leicht angreifbar ich (teilweiße) bin und wie schnell mich wieder meine Vergangenheit einholt, dann schießt mich dann doch wieder zurück in ein Tief. Ich habe das Gefühl als gäbe es ein ICH und die Depression, die mein böses ICH ist. Ich denke oft positiv, und immer unterdrückt meine andere Seite dieses Gefühl. Ich möchte mich selbst nicht immer Ich will keine schlimmen Gedanken haben, aber sie kommen dennoch wieder. Ich möchte mich selbst nicht immer quälen.. Ich will meine Mitmenschen gut behandeln, aber ich komme mir vor als zwingt mich etwas immer traurig zu sein. Es ist wie die Angst vor der Angst könnte ich sagen, die Angst davor mich fallen zu lassen und wieder Lebensfroh zu werden.. daran wieder zu scheitern.. Ich hab das Gefühl ich kämpfe jeden Tag mit mir selbst.

Ich wäre für jeden Rat dankbar.

Expertenantwort
von samm1917, Community-Experte für Depression, 60

Das du dich auf ein Leben ohne diese Einschränkungen freust ist selbstverständlich. Dies ging mir auch so. Grundsätzlich reden Ärzte immer von Medikamenten, Psycholgen sind für eine Psychotherapie besser geeignet. Nur Psychotherapien dauern länger bis sie wirken und es gibt auch verschiedenste Formen davon: http://www.deprohelp.com/formen-der-psychotherapie-2/ nicht jede Form ist für jede Person das Richtige. Oft müssen auch Probestunden bei diversen Psychotherapeuten absolviert werden, bis man den richtigen Psychotherapeuten gefunden hat. Das Verhältniss zwischen Therapeut und Patient ist elementar.

Bezüglich Medikamente gebe ich dir erstmal eine Übersicht, etwas medizinisch und weniger sozial, ich weiss. Doch ev. bringt es dich weiter. Für Schlafstörungen werden diverse Medikamente gebraucht. Nicht abhängig machen tri- und tetrazyklische Antidepressiva sowie Neuroleptika. Benzodiazepine und Z-Drugs können nach längerer Einnahme (geschätzt gemäss Fachinformationen etwa 2 Monate bei täglicher Einnahme) abhängig machen.

Trizyklische Antidepressiva welche für Schlafstörungen gebraucht werden: Amitriptylin, Doxepin, Trimipramin und Imipramin. Seltener Opipramol (vor allem bei gleichzeitiger Angststörung)

Tetrazyklische Antidepressiva: Mirtazapin

Neuroleptika: Allen voran Quetiapin, aber auch Olanzapin und Levomepromazin (letzteres knallt einem völlig weg).

Zur kurzfristgen Behandlung braucht man sogenannte Schlafmittel wie z.B. Lorazepam, Mitrazolam, Zolpidem, Zopiclon etc. Diese sind sehr effektiv, dürfen aufgrund der Suchtgefahr aber nicht langfristig eingenommen werden.

Hier kannst du dir einen Überblick über die verschiedenen Medikamente verschaffen: http://www.deprohelp.com/medikamente2/

Grundsätzlich ist der Arzt, welcher dir diese Medikamente verschreibt verantwortlich, dass sie nicht interagieren. Antidepressiva und Neuroleptika können normalerweise mit Schlaftabletten kombiniert werden. Bei MAO-Hemmern ist vorsicht geboten.

Meiner persönlichen Erfahrung nach bringen Schlaftabletten was, einfach nur kurzfristig (also um einfach wieder einmal normal schlafen zu können).

Deine Nebenwirkungen wie Übelkeit, Magenprobleme etc. können von den Medikamenten stammen.

Grundsätzlich würde ich dir raten, deinen Arzt zu fragen.

Ich hoffe, ich konnte dir ein bisschen weiterhelfen. Alles gute...

Expertenantwort
von Chillersun03, Community-Experte für Gesundheit, 62

Ich habe mir also Schlaftabletten gekauft, aber auf der Verpackung stand man sollte sie in Verbindung mit Antidepressiva nicht einnehmen.

Das ist ein Allgemeiner Hinweis, der aber für Patienten nur schwer interpretierbar ist. Rezeptfreie Schlaftabletten sind mit allen Antidepressiva kombinierbar. (Nur innerhalb der ersten Einnahmetage von Antidepressiva  solltest du dem Hinweis ggf. Folge leisten, oder zumindest etwas vorsichtiger sein)

Der Hinweis ist gegeben, da Anttihistaminika wie Diphenhydramin und Doxylamin sowohl auf das Histaminsystem als auch leicht auf das Serotoninsystem wirken - zwei Bereiche die von Antidepressiva angesprochen werden und dadurch grundsätzlich verstärkt werden können. Die Verstärkung ist in therapeutischer Dosierung jedoch mehr als minimal, wenn man nicht gerade überdosiert. Nur innerhalb der ersten Einnahmetage von Antidepressiva kann es ggf. Zu einer spürbaren Verstärkung kommen.

Vorsicht gilt jedoch bei MAO-Hemmern wie Moclobemid und Tranylcypromin, welche auch Arzneimittel gegen Depressionen sind.

Antwort
von DerTroll, 49

Ich werde mich natürlich hüten, den Anweisungen deines Arztes zu widersprechen. Also wenn man dir gesagt hat, daß du die Schlaftabletten zusammen mit den Anitdepressiva nehmen sollst, dann gilt das auch erst einmal. Nur wenn du das selbständig machst, dann rate ich dir dringend davon ab. Langfristig wirst du das eh nicht durchziehen sollen. Generell würde ich dir raten, versuch ohne Schlaftabletten auszukommen. Die bewirken nämlich gendau das, was du jetzt fühlst. Die können zwar helfen, daß du einschläfst, aber die Drängen das Gehirn dann quasi in die Tiefschlafphase. Und wenn du nur die durchmachst, ist das keine Erholung. Du mußt den natürlichen Wechsel zwischen Tiefschlaf und REM-Schlaf durchmachen. Wenn du jetzt aus dem Schlafrhythmus raus bist, wird es nicht von heute auf morgen wieder normal. Aber  versuch es vielleicht mal, auf die Schlaftabletten zu verzichten und leg dich einfach jeden Tag zur selben Uhrzeit ins Bett und mach das Licht aus usw.  und bleib halt einfach liegen, bis du wieder aufstehen mußt. Dann hat dein Körper einen Chance, sich daran zu gewöhnen. Zusätzlich natürlich die Therapiestunden weiterhin besuchen, damit du vielleicht auch das los wirst, was dich so belastet, damit du ruhiger Schlafen kannst.

Antwort
von inka188, 30

Die Dinge, die du beschreibst sind typisch für eine Depression. Und ich kann das so gut verstehen, wie sehr dich das alles nervt, auch der Kreislauf aus Therapie und Tabletten und das Gefühl, da trotzdem nicht wieder raus zu kommen. Der Wunsch, dass doch alles einfach mal wieder normal sein soll und die Verzweiflung, weil es nicht passiert. Aber ich finde, du bist auf einem guten Weg, du hast eine gute Einstellung dazu. Es ist harte und langwierige Arbeit, aus einer Depression wieder raus zu kommen. Versuche, die Dinge umzusetzen, die du in der Therapie lernst, raus gehen, sich bewegen, Sport machen, aktiv sein, sich mit Freunden treffen. Ich weiß, dass das schwer sein kann und dass dir sicherlich oft so gar nicht danach zu mute sein wird, aber mach es trotzdem, es hilft. Und eine Tagesstruktur ist wichtig. Wenn du es irgendwie schaffst, dann arbeite ein paar Stunden in der Woche, notfalls auf dem zweiten Arbeitsmarkt. Und stehe auch an den Tagen morgens auf, an denen du nicht arbeiten musst, plane deine Woche und baue regelmäßige Aktivitäten ein. 

Was die Schlaftabletten angeht, kann ich dir nur aus bitterer Erfahrung davon abraten. Erstmal helfen sie gut und du wirst sehr froh sein, sie zu haben. Aber auf Dauer gewöhnt sich der Körper daran und du musst immer weiter hoch dosieren, um den gleichen Effekt zu haben. Oder das Medikament wechseln und hoffen und bangen, dass du noch etwas findest, was hilft. Und sie verändern das Schlafmuster. Ich habe jahrelang welche genommen, am Ende sehr hoch dosiert und das absetzen hat mich in eine der schwersten Krisen gestürzt, die ich bisher hatte. Jetzt ist mein Schlaf völlig durcheinander und ich komme noch viel schlechter klar, als vor den Tabletten. Und ganz nebenbei machen eigentlich alle Medikamente zum schlafen (Antidepressiva und Neuroleptika) dick. Ich habe in den letzten 5 Jahren 23 Kilo zu genommen und das trotz dem ich mit aller Kraft versucht habe, mich zu disziplinieren was das Essen angeht. Andere nehmen noch viel mehr und viel schneller zu. Es gibt nur wenige, die es schaffen, schlank zu bleiben. Überlege dir das wirklich gut, ich wünsche mir für mich sehr, ich hätte nie damit angefangen. 

Kommentar von inka188 ,

Was ich oben zu den Tabletten gesagt habe, bezieht sich auf schlafanatoßende Antidepressiva und Neuroleptika. Mit den frei verkäuflichen Antihistaminika kenne ich mich nicht wirklich aus, kann also nicht viel dazu sagen. Außer, dass ich nichts nehmen würde, ohne das mit dem Arzt zu besprechen. Psychopharmaka sind nicht ohne und ich würde keine Wechselwirkungen riskieren. 

Antwort
von Mystika1245, 41

>Manchmal wünsche ich mir einfach ganz normal zu Arbeiten, ganz normal raus gehen zu können ohne mich für mich selbst zu schämen, und mich nicht mehr mit diesem Müll zu beschäftigen sondern einfach einen cut zu machen<

Der Gedanke ist ja nicht schlecht. Was hindert dich eigentlich daran, neu anzufangen. Die Vergangenheit hinter sich lassen und einfach sagen, heute ist der erste Tag in meinem neuen Leben?

:)

Kommentar von Smile1230 ,

Naja immer wenn es gerade etwas besser wurde, hatte mich ein harter Schicksalsschlag getroffen. Seit dem das immer wieder vorkam, ist meine Angst riesig dass es immer wenn es mal kurz gut läuft, wieder jemand stirbt, mich im Stich lässt oder sonstiges. In den Einrichtungen in denen ich mich die letzten Jahre befand war es immer dass selbe. Ich brauch Therapie, ich brauche Regeln und Aufsicht, und das quält mich so sehr. Ich denke was ich brauche, wären Freunde und Familie, einfach Nähe Interesse und Liebe also dass was jeder andere braucht, und keine Tabletten und Psychologen. Es ist einfach total schwer zu erklären, mein Kopf macht mich manchmal wahnsinnig. Ich wurde früher sehr stark gemobbt, oft verprügelt, also ist meine Angst vor anderen Menschen enorm, selbst wenn sie mich nur anschauen ( könnte auch nur ein Busfahrer sein, aber dennoch trifft es mich und ich mahle mir direkt aus dass es doch kein Wunder ist bei so einer Person wie mir) und durch das ewige hin und her ziehen hielten Freundschaften nicht sehr lange, viele waren auch falsch.. leider. Meine Familie ist so ein Fall für sich, jeder denkt nur an sich und ich muss mich unterdrücken lassen wenn ich nicht sofort springe werde ich einfach nur fertig gemacht. Den einzigen in der Familie den ich habe ist mein Vater, der ein wahnsinnig großes Herz hat, aber auch leider mit sich selbst sehr überfordert ist, aber er gibt dennoch sein bestes für mich. 

Ich führe jetzt seit einem Jahr eine Beziehung, er zeigt mir immer wieder wie schön dass Leben sein kann, beschützt mich vor allem und akzeptiert jede einzelne Narbe an meinem Körper. Dass gibt mir oft Mut und mein Lachen zurück, doch dann kommt wieder die Angst.

Dazu macht es mich fertig dass ich keine Freunde habe, und auch nicht weiß wie ich welche finde. Ich kann nicht sagen Hey wir gehen mal einen Kaffee trinken oder sowas. Die letzten 8 Geburtstage war ich eigentlich nur in meinem Zimmer gesessen.

Es ist eben schwierig :/

Antwort
von Robinuelson, 38

Bekommst du Sertralin oder diverse andere selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer? Ich leide selbst unter ähnlichen Symptomen, vielleicht etwas ausgereifter... Ichweiß es nicht, ich kenne dich nicht. Aber was ich weiß ist, dass Mirtazapin Wunder wirken kann... Ist ein schlafanregendes Antidepressivum, kannst ja mal fragen ob das für dich in Frage kommen würde. Pipamperon ist auch gut oder sonst einfach Lorazepam(Tavor). Von Diazepam würde ich dir abraten. Viele Grüße und alles Gute!

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community