Frage von Tajoo, 45

Schisma zwischen sunniten und schiiten gleich mit Protestantismus und Katholizismus?

Kann man die beiden miteinander vergleichen? Danke im vorraus

Antwort
von Anthropos, 16

Nein, es geht um etwas völlig verschiedenes. Die Protestanten haben sich abgespalten, weil ihnen die Kirche nicht mehr gefallen hat. Sie haben diesen einen Weg verlassen. "Wenn man den Ast eines Baumes abbricht, stirbt er ab.", hat einst ein Zisterzienserpater gesagt. 

Bei den Muslimen ging es ja um etwas völlig anderes. Da ging es ja um das Erbe Muhammeds (wenn ich das richtig in Erinnerung habe). Dieser Streit geht auf die Anfänge des Islam zurück. Beim Christentum war das Aber anders. Es gab im Grunde nur den Katholizismus, auch wenn der Begriff noch nicht so alt ist. Ein Christ war immer ein angehöriger der Kirche. Das Erbe Petri und der Apostel galt als unumstritten. Jesus hatte - im Gegenteil zu Muhammed - einen klaren Nachfolger eingesetzt. In den letzten 500 Jahren ist es dann modern geworden (das gab es vorher auch vereinzelt), sich von der Kirche abzuspalten. Von daher würde ich die christlichen Schismen nicht als "Weggabelung" bezeichnen, sondern eher als ein "Verlassen" des einen, klar ersichtlichen Weges in den dunklen wilden Wald.

Ich habe nie verstanden, warum man diesen Weg verlassen musste. Klar, man kann am menschlichen Handeln immer etwas kritisieren. Ob der Papst die oder jenes tun sollte. Er ist aber letztlich auch nur ein Mensch, der zu Fehlern fähig ist. Dazu gibt es ja auch Kritik. "Ecclesia semper reformanda." Das tut sie auch. Sie ist im stetigen Wandel. Doch viele, denen das Handeln der Kirche nicht passt, trennen sich von ihr, statt ihr in den damaligen schwierigen Zeiten zu helfen. Gut, mit Luther haben wir einen psychisch Kranken verloren, aber auch er war ja in der Kirche willkommen. Solche Schismen haben eigentlich immer persönliche Gründe, nie aber theologische. Paulus warnt ja schon davor. Luther hat nicht auf ihn gehört (wo er doch angeblich allein auf die Schrift hört).

Kommentar von napoloni ,

Nein, es geht um etwas völlig verschiedenes. Die Protestanten haben sich abgespalten, weil ihnen die Kirche nicht mehr gefallen hat. Sie haben diesen einen Weg verlassen.

Die Protestanten haben von ihrem Glauben die lästige Bevormundung durch lebensfremde Bürokraten, welche keineswegs nach der heiligen Schrift handelten und voll und ganz weltlichen Interessen nachjagten, abgetrennt. Sie haben also unnütze Wucherungen entfernt, die mit dem Christentum nichts gemein hatten. Deshalb nennt sich das ganze auch Reformation. :)

Kommentar von Anthropos ,

Hast du dich überhaupt mit dem Thema beschäftigt? Begriffe wie "lebensfremde Bürokraten" "keineswegs nach der hl. Schrift" oder "voll und ganz weltlichen Interessen" sind mir ja nicht historisch recherchierte Begriffe, sondern eher das moderne Klischee. Man schaue doch nur in das Leben der Heiligen, der Klöster, Mönche und kleinen Ortspfarrer. Aber nicht nur die. Natürlich haben einige Bischöfe und Päpste der Kirche Ärger eingebracht. Aber die Kirche besteht eben aus sündigen Menschen. Jesus ist doch selbst Schuld, wenn er sein Heilswerk in die Hände von Menschen legt. 

Kommentar von napoloni ,

Was ist denn für dich ein Ablasshandel? Kann man das als bibelferne Bürokratie bezeichnen, ist das ein weltlicher Akt? Oder haben wir es hier mit einem streng religiösen Ritual zu tun? :)

Und bitte nicht Jesus alles in die Schuhe schieben. So alt ist der nicht geworden, dass er noch die Reformation erlebt hätte.

Kommentar von Anthropos ,

Natürlich kann man Luther auch in einigen Punkten zustimmen. Der Ablasshandel ist ein No-Go. Allerdings ist das noch lange kein Grund, um sich abzuspalten. Die Kirche hat die Fähigkeit, Sünden zu vergeben oder sie eben auch nicht zu vergeben, dann sind einem die Sünden nicht vergeben. Es gab dann leider Menschen, die das ganze Missbrauch haben und so die Sündenvergebung durch Ablasshandel eingeführt haben. Den Ablass als solchen gibt es ja auch heute.

Expertenantwort
von ArnoldBentheim, Community-Experte für Geschichte, 25

Ja, im Prinzip ist das vergleichbar, denn obwohl in vielen Glaubensinhalten einig, führten insbesondere weltliche politische Ambitionen dauerhaft zu Streit und Trennung zwischen den genannten christlichen bzw. islamischen Glaubensrichtungen.

MfG

Arnold

Kommentar von Tajoo ,

Hallo, danke für die Antwort, hätten sie konkrete Ansatzpunkte für den eher "damaligen" Konflikt der katholiken und protestanten?

Kommentar von ArnoldBentheim ,

Ich weiß zwar nicht genau, worauf du mit deiner Frage abzielst, aber soviel von meiner Seite:

Nachdem Luther auf Konfrontation zu Rom gegangen war, nutzten eine Reihe von Landesherren in Deutschland und in Europa die neue Situation dazu, sich dem Einfluss der Katholischen Kirche zu entziehen und durch die Umwandlung katholischen Kirchenbesitzes das Staatsvermögen zu mehren. Weil nach Luther der Landesherr zugleich als Oberhaupt der Kirchenorganisation seines Landes fungierte, steigerte sich auch die Macht der Landesherren, die weltliche und geistliche Gewalt in ihrer Hand vereinigten. Das war der berühmte Bund von "Thron und Altar", der besonders in Preußen als Ideologie bis 1918 gepflegt wurde.

Antwort
von josef050153, 7

Man kann sie nur bedingt miteinander vergleichen.

Während es in der Auseinandersetzung zwischen den Protestanten und Katholiken (zumindesdt am Anfang) um die richtige Lehre ging, hat diese Frage beim Schisma zwischen Sunniten und Schiiten praktisch keine Rolle gespielt. Die geringen Lehrunterschiede sind erst später entstanden.

Nach islamischer Lehre haben nämlich die direkten Nachkommen Mohammeds das Recht auf die Herrschaft über die Muslime. Das Problem ist aber, dass keiner der männlichen Nachkommen Mohammeds das Kindesalter überlebt haben. Die Ehen mit neun seiner zehn Frauen blieben überhaupt kinderlos.

Deshalb ist schon bald ein Streit darüber entbrannt, wer nun der WAHRE Nachkomme Mohammeds ist. Dies hat letztendlich zur Spaltung in Schiiten und Sunniten und auch zu weiteren Schismen geführt.

Wichtig ist aber zu sehen, dass heute NIEMAND als direkter Nachfahre Mohammeds im Mannesstamm anzusehen ist - auch nicht Agha Khan, obwohl das Gegenteil behauptet wird. Sie sind alle nur mehr oder weniger um mehrere Ecken mit ihm verwandt.

Es ging bei dieser Spaltung - wie bei vielen anderen auch - also schlicht und einfach um Macht und natürlich auch um (viel) Geld.

Antwort
von JBEZorg, 7

Äpfel mit Orangen sollte man nicht vergleichen. Es ist etwas völlig anderes.

Antwort
von muhamedba, 6

Im Islam gibt es Muslime, keine Sunniten, Shiiten, Xyiten, usw. usf.

Gruß

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