SCHIMMELPROBLEM in der neuen Wohnung?

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6 Antworten

Klassisches Problem einer Erdgeschoßwohnung im Altbau.

Bevor man (als Vermieter) anfängt irgendwas zu machen, bzw. mit teuren Maßnahmen fragwürdige Ergebnisse erzielt, sollte man sich über die Ursache Gedanken machen.

Oft wird behauptet, die Feuchte zieht aus dem Keller hoch. Das ist auch oftmals genau so falsch. Im Keller gibt es sicherlich auch gerne mal Salpeterausblühungen, diese sind im EG aber nur sehr selten anzutreffen.

Salpeterausblühungen entstehen durch mitgeführte wasserlösliche Bodensalze, die in der Verdunstungszone auf der Putzoberfläche, bzw. im Putz auskristallisieren und Putz und Stein schädigen können.

Wenn es im Keller solche Ausblühungen geben sollte, im EG aber nicht, dann ist es definitiv keine Bodenfeuchte, sondern Kondensatfeuchte aus der Raumluft im EG.

Vor Jahrzehnten hat man die Kachelöfen aus den Altbauten rausgeworfen, mit denen diese Häuser bauphysikalisch gut funktionierten. Es wurden Zentralheizungen mit Heizkörpern installiert. Alle Heizkörpern mit Ausnahme des einfachen Plattenheizkörpers Typ 10, bringen mehr Warmluft in den Raum als Wärmestrahlung.

Ein hoher Anteil an Wärmestrahlung ist aber für eine gleichmäßige Wärmeverteilung im Raum nötig. Ungleichmäßig verteilte Wärme hat zur Folge, dass sich an kühleren Stellen hohe Luftfeuchten sammeln. Das ist üblicherweise auf dem Fußboden so und besonders in den EG-Wohnungen.

Die vom Heizkörper erwärmte Luft steigt zur Zimmerdecke und kühlt dort in der Regel an der Außenwand ab. Kühlere Luft sinkt wandoberflächennah nach unten, wobei die rel. Luftfeuchte ansteigt, da die Wasserdampfaufnahmefähigkeit der sich abkühlenden Luft geringer wird.

Je tiefer die Luft an der Außenwandoberfläche sinkt, um so kühler und feuchter wird sie. Kurz über der Scheuerleiste ist kaum noch Wärme vorhanden, um die Wandoberfläche zu erwärmen. Die Luftfeuchte ist nun oberflächennah sehr hoch. Hier ist nun die Gefahr der Schimmelbildung durch die hohe Feuchte am Größten.

Die Befeuchtung der Wand sorgt aber auch für einen erheblichen Dämmwertverlust, der so weit gehen kann, dass die Heizkörper die Heizleistung nicht mehr erbringen können, um den Raum zu erwärmen.

J.S. Cammerer hat diesen Zusammenhang von Dämmwert und Wandfeuchte vor Jahrzehnten untersucht und seine Ergebnisse kann man schnell mit der Bildersuche und seinem Namen im Internet googeln.

Es wird ersichtlich, dass es nicht nur notwendig ist, die Wände so trocken zu halten, dass sie schimmelfrei bleiben, nein, vielmehr ist es  notwendig für beste Dämmwerte die Wände knochentrocken zu bekommen.

Da die Wandtrocknung nur über die an der Wandoberfläche anliegende Luftschicht funktioniert, sollte diese an der Wand anliegende Luft möglichst trocken sein, um über ein großes Feuchtegefälle (feuchte Wandoberfläche zur daran anliegenden trockenen Luftschicht) eine schnellen Feuchteübergang zu bewirken.

Das mag mit der Heizkörperheizung im unmittelbaren Bereich des Heizkörpers und der oberen Wandbereiche funktionieren. Kommt die sich abkühlende Luft aber an der Außenwand neben der Heizung nach unten gefallen, funktioniert diese Wandtrocknung an diesen Stellen nicht mehr.

Die Heizanlage sollte daher von innen an der kompletten Außenwand ihre Wärme abgeben, so dass sich die Wärme optimal vor der Außenwand verteilt und es zu keinen kalten Wandberiechen kommt. Der Kachelofen tat dies früher mit seiner Wärmestrahlung.

Auch war die Raumluftfeuchte früher deutlich geringer als heute, durch weniger luftdichte Fenster. Hier erfolgte ein Luftaustausch durch die Fensterfuge, bzw. auch durch das Lüften beim Ofen heizen, was die Raumluftfeuchte gering hielt. Auch durch geringe Raumluftfeuchten blieben die Wände trocken und dämmfähig. So waren die Wohnungen mit wenig Brennstoff angenehm warm zu bekommen.

Ich würde dem Vermieter/Eigentümer die Installation von hydraulischen Heizleisten (diverse Anbieter gibt es im Internet) unten an allen Außenwänden empfehlen. Die Umrüstung eines Heizkörpers zur Heizleiste kostet ca. 500,-EUR und ist damit deutlich billiger als fragwürdige Dämmmaßnahmen und Kellerabdichtungen.

Die Heizleiste legt einen von unten aufsteigenden Warmluftschleier vor die innere Wandoberfläche der Außenwand. Dadurch wird die Wandoberfläche erwärmt und kann optimal abtrocknen.

Durch die Oberflächentrocknung erfolgt nachfolgend die gesamte Wandtrocknung und die Wiederherstellung des Dämmwertes der Wand. Auf der trockenen Wand hat der Schimmel keine Chance mehr.

Da die Außenwände nun warm sind, bekommt der Bewohner kein Kältegefühl mehr, wenn er neben der Wand steht, da die Wand Wärmestrahlung aussendet. Durch die Wärmestrahlung wird auch der Fußboden gut erwärmt, was gerade bei EG Wohnungen wichtig ist.

Mein Haus hat Heizleisten bekommen und ich möchte die Dinger nicht mehr missen. Eine angenehmere Wärme habe ich noch nie erlebt. Mein Haus ist ein ungedämmter Altbau und alleine durch die Heizleisten ohne weitere Maßnahmen sehr stark ausgetrocknet.

Im Winter schwankt die Luftfeuchte um die 30%rF was auch für sehr trockene Wände spricht, denn die Höhe der Raumluftfeuchte ist auch ein Indiz für die Wandfeuchte.

Im jetzigen Zustand der Wohnung ist unbedingt auf eine gleichmäßige durchgängige Beheizung ohne Nachtabsenkung etc. zu achten, da nur dadurch die thermisch sehr trägen Wände gut mit Wärme versorgt werden.

Wird beispielsweise das Schlafzimmer etwas kühler gehalten, so ist die Zimmertür ständig geschlossen zu halten, da sich ansonsten die warmfeuchte Luft des wärmeren Raumer ihrer Feuchtefracht an den Wänden des kühleren Raumes entledigt. Kein Mitheizen von Räumen über wärmere Zimmer.

Die Wohnung ist mehrfach täglich stoß zu lüften, jeweils nicht länger als 3-5min. Je feuchter die Wohnung, um so öfter sollte stoßgelüftet werden, nicht um so länger! 

Ein einmaliger Luftaustausch mit 3-5min lüften reicht aus, dann muss die Luft wieder die Chance bekommen, Feuchtigkeit aufnehmen zu können. Daher sind 10min lüften schon zu lang.

Jede Minute länger Lüften unterbricht die Erwärmung der inneren Wandoberflächen, was jedoch wichtig ist, um die Feuchte an die Luft abgeben zu können.

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Nur mal so zur Information: Meine Außenwände sind unten 16 Grad und oben 18 - 19 Grad warm. Bei einer Zimmertemperatur von 20 Grad, Außentemperatur 2 Grad minus, ungedämmter Altbau. Die Thermostate stehen gerade mal auf der 2 (von 5 Stufen).

Hatte gerade 53 Prozent Luftfeuchtigkeit, die habe ich innerhalb von 5 Minuten auf 40 Prozent runtergebracht. Lüfte (wenn ich zu Hause bin) jede Stunde für ca. 5 Minuten. Stoßlüften über alle Fenster, also voller Durchzug.  Steigt natürlich jetzt langsam wieder an. Ein Hygrometer solltest du dir zulegen.

In deiner Wohnung wirst du nicht glücklich werden, ich tippe mal aufsteigende Nässe. Dadurch sind die (Außen)Wände nass und leiten die Kälte besser nach innen.

Die Luftfeuchtigkeit sollte nicht groß über 50 Prozent betragen. Vielleicht kannst du das an Hand der aufgestellten Messgeräte kontrollieren.

Deine Heizung sollte mindestens 20 Grad, besser 22 Grad erreichen. Schafft sie das nicht?

Persönlich empfehle ich dir, schnellstmöglich auszuziehen.

Bei Empfehlungen bezüglich Mietminderung bei Schimmel halte ich mich lieber zurück.

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Kommentar von napoloni
29.11.2016, 16:00

Du:

Lüfte (wenn ich zu Hause bin) jede Stunde für ca. 5 Minuten. Stoßlüften über alle Fenster, also voller Durchzug. 

Fragestellerin:

Ich lüfte jeden Tag mindestens 10 min

Merkst du den Unterschied? Wie kannst du dich jetzt auf so Sachen wie aufsteigende Feuchtigkeit festlegen? Gib ihr doch erst einmal die Empfehlung ab, das Heizen und Lüften ein bißchen mehr an dich anzugleichen, bevor die Fragestellerin nun pausenlos umziehen muss.^^

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Du lüftest zu selten. Ich verstehe hier die Antworten nicht, die dich mit irgendwelchen Informationen zukaspern. Einmal ist zu wenig. Punkt.

Mit jedem Lüften kannst du maximal die Feuchtigkeit loswerden, die in diesem Moment in der Zimmerluft enthalten ist. Daher muss das mehrmals am Tag geschehen.

Ab sofort:

  • Mehrmals täglich Lüften
  • Fenster dabei ganz auf, am besten mit Durchzug
  • aber jeweils nur für wenige Minuten (momentan reichen 5 Minuten dicke), dann Fenster wieder komplett zu!
  • Besonders nach dem Aufstehen und vor dem Schlafengehen ist Lüften ein Muss

Schränke sollten möglichst nicht vor Außenwänden stehen und ansonsten mindestens deutlich von den Wänden abgerückt werden. Das gilt auch für das Bett. (Die Außenwand muss von der beheizten Luft erreicht werden können).

Halte dich an diesen Rat, dann hast du in Kürze und in Zukunft keine Probleme mehr. Und das mehrmalige Auswechseln der Luft wird deine Luft auch für dich gesunder machen.

Jetzt am Anfang kannst du bei Anwesenheit ruhig alle zwei Stunden kurz lüften, weil ja noch Feuchtigkeit in der Wand sitzt.

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Lass dir bloß nicht das Märchen vom Lüften erzählen. Das ist zu 95% der Fälle eine Ausrede der Vermieter um von eklatanten Baumängeln abzulenken. Und in deinem Fall ganz eindeutig. Hier liegt ganz klar eine mangelhafte Dämmung, und /oder eine massive Durchfeuchtung  der Außenwände zu Grunde. Liegt die Wandoberflächentemperatur in einem geheizten Raum bei 12 Grad C oder darunter, ist Schimmel nahezu unvermeidlich. Das liegt daran, das dann der Taupunkt, also dort wo sich Kondenswasser bildet, genau auf der Wandoberfläche liegt. Wenn dann die Tapete(oder bei Altbauten auch gerne mal mehrere) mit Feuchtigkeit gesättigt sind, hat Schimmel einen optimalen Nährboden. Und da warme Luft deutlich mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann, wird sie beim aufheizen der Räume durch die vorhandene Feuchte auf den Wänden sehr schnell gesättigt. Da die Wandoberfläche nahezu nichts mehr aufnehmen kann, wird dies Feuchtigkeit an alles abgegeben das kühler ist als die Umgebungstemperatur, oder eine hohe Sorbtionsfähigkeit (Kapillare Wasseraufnahme) besitzt. Wie z.B. Die Bettwäsche, Kleider im Schrank, oder Gegenstände aus Holz. Das ganze sind hochkomplexe, bauphysikalisch,Zusammenhänge die ich hier nicht auf die Schnelle erläutern kann. Fazit ist jedoch, das es sich um mangelhafte Dämmung und eventuell Durchfeuchtung der Wände handelt. Dies ist nur durch eine sehr aufwendige und kostspielige Sanierung zu beheben. Da kannst du 24Stunden Lüften,es wird sich nichts ändern. Es gibt bei Schimmelbefall die Möglichkeit der Mietkürzung. Wieviel müsstest du beim Mieterschutzbund oder einem Anwalt erfragen. Aber ich rate dir am besten so schnell wie möglich auszuziehen, bevor dein ganzer Hausstand vor deinen Augen vermodert.Denn auch weniger Miete wird am Zustand nichts ändern.

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Kommentar von napoloni
29.11.2016, 12:16

Du lüftest auch nur einmal täglich?

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Ab zum Mieterbund, dort beraten lassen, die Miete kürzen und inzwischen ne neue Bleibe suchen. So muss niemand wohnen, das IST gesundheitssschädlich!

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Kommentar von napoloni
29.11.2016, 15:51

Neue Wohnung + altes Verhalten = altes Problem erneut

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Lüfte einmal 3-4x täglich für 10 Minuten. Jetzt wenn es kalt ist, ist das Lüften sehr effektiv und heize danach auf Raumtemperatur auf, dann sollte das Problem weg sein, oder zumindest sich gebessert haben.

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