Frage von Nschoschi, 38

Schimmelbildung an der Außenwand trotz Einfachverglasung?

Ein Gutachter ist zu dem Ergebniss gekommen, dass der Mieter den Schimmel im Schlafzimmer selber verursacht hat, - eben durch falsches Lüfungs- und Heizverhalten.

Eckdaten: Haus Baujahr 1961, Einfachverglasung. Keine Modernisierungsmaßnahmen seitdem. Kellerwand 110 Digits (die unter dem Schimmelflecken im Schlafzimmer). Außenwand Schlafzimmer: Sockel 45 Digits, Temperartur 8,7 Grad. (dort wo der Schimmel war). Der Gutachter schließt aus, dass die feuchte, schimmelige Kellerwand keine Beteiligung an dem Schimmelflecken im Schlafzimmer genau darüber hat!! Die Betondecke hätte die Ausbreitung der Feuchtigkeit verhindert, die Wärmebrücke wäre nur dadurch verstärkt worden!

Innentemperatur 20 Grad, Außentemperatur 7 Grad (ca.). Einfachverglasung am Tag der Begutachtung.

Der Mieter hat 3 bis 5 mal tgl 5 bis 15 Minuten gelüftet, was im Gutachten keinerlei Erwähnung und der Gutachter dies auch nicht berücksichtigt hat.

Die Frage lautet: kann sich grundsätzlich kein Schimmel an einer Wärmebrücke bilden, wenn Einfachverglasung vorhanden ist? Und ist die Schimmelbildung in so einem Fall immer Schuld des Mieters, der dann einfach unzureichende Luftungsmaßnahmen unternahm? Gibt es iwo brauchbare Vorschläge, wie man bei Einfachverglasung richtig und korrekt ein Schlafzimmer heizt und belüftet? Danke

Antwort
von FordPrefect, 26

Vorab: Ohne neutralen Sachverständigen, den im Zweifelsfall ein Gericht beauftragen wird, sind derartige Gutachten alle letztlich Muster ohne Wert. Sie können höchstens zur Orientierung herhalten (ganz abgesehen davon, dass man schon einen vereidigten SV bräuchte und nicht irgendeinen Billigheimer).

Außenwand Schlafzimmer: Sockel 45 Digits, Temperartur 8,7 Grad.

Ist das dein Ernst? Die Schlafzimmerwand hat eine *Innen*temperatur von unter 9° C? Wenn das wahr ist, dann ist der Schimmel geradezu zwangsläufig die Folge. Hier kondensiert die Feuchtigkeit im Sockelbereich, und wenn dann kein Durchzug herrscht, bleibt die Wand dauerhaft feucht. Darf ich mal fragen, welche Innentemperatur *im* Schlafzimmer herrscht?

Ich zitiere mal:

"Wenn an der Wärmebrücke die sogenannte Taupunkttemperatur unterschritten wird, bildet sich an der Wandoberfläche Tauwasser, welches der Schimmelbildung ebenfalls förderlich ist. Eine sogenannte Wärmebrücke
liegt im Allgemeinen dann vor, wenn die kalte Wandstelle den Wert von
12,6 °Celsius unterschreitet."

Zitat Ende, Quelle:

http://www.mietrechtler-in.de/schimmel-in-der-wohnung.html

Die Frage lautet: kann sich grundsätzlich kein Schimmel an einer Wärmebrücke bilden, wenn Einfachverglasung vorhanden ist?

Doch, natürlich. Und zwar immer dann, wenn nicht ständig Zugluft an dem Wandbereich entlang herrscht, an dem die Wärmebrücke sich befindet. Es ist zwar richtig, dass das bei Einfachverglasung seltener vorkommt, einfach aufgrund der weniger starken Isolierung, aber da auch Einfachfenster aus Kunststoff ziemlich dicht abschließen, dürfte hier genau dieser o.a. Fall eintreten.

Und ist die Schimmelbildung in so einem Fall immer Schuld des Mieters,
der dann einfach unzureichende Luftungsmaßnahmen unternahm?

Das ist Dauerfuttter für Anwälte, Gerichte und Sachverständige. Es kommt immer auf den Einzelfall an, und wie ein Gericht entscheidet, ist hier nicht vorherzusehen. Sofern die Angaben bzgl. Lüftungsverhalten zutreffen, würde ich hier konstruktive Mängel vermuten, die durch Lüften gar nicht auszugleichen sind (etwa einen verputzten Stahlträger exakt im Bereich der befallenen Stelle).

Gibt es iwo brauchbare Vorschläge, wie man bei Einfachverglasung richtig und korrekt ein Schlafzimmer heizt und belüftet? 

Hier bleibt wohl nur Umziehen. Das Problem ist nicht die Einfachverglasung (die haben wir in fast allen unseren denkmalgeschützten Objekten aus guten Gründen explizit bewahrt), sondern sehr wahrscheinlich Mängel an der Bausubstanz (sprich dem Mauerwerk selbst). Baukörper aus den 60ern sind dafür leider berüchtigt. Auch Dämmen hilft da wenig; damit macht man es eher schlimmer (würde aber skurrilerweise gefördert und sogar per Auflage erzwungen werden). Da hilft nur der Abriss (was für viele Bereiche der sog. energetischen Ertüchtigung zutrifft, sich aber keiner laut zu sagen traut)

Kommentar von Nschoschi ,

Der Gutachter ist vom Gericht beauftragt worden!

Baumängel: Im Gutachten steht wirklich, dass das Haus 1961 nach neuestem Standart erichtet wurde!.....

Und ja, ich habe die Wärmebrückenmessung noch einmal just jetzt nachgelesen, 7 Grad Außentemperatur, 8,7 Grad Außenwandmessung, 45 Digits.

Der Gutachter kommt auch bei den festgestellten Mängeln tatsächlich zu dem Schluss, dass die Wärmebrücken nicht in Betracht kämen an der Schimmelbildung beteiligt gewesen zu sein, da die Einfachverglasung der kälteste Punkt des Raumes sei und somit sich nur dort das Tauwasser bilden würde........

Kommentar von deKlaus ,

dann sieht das aber nicht gut für Dich aus. Eventuell kannst Du ein Gegengutachten erstellen lassen? geht halt auch in die Kosten ...

Kommentar von FordPrefect ,

Der Gutachter ist vom Gericht beauftragt worden!

Die Sache liegt also schon bei Gericht? Schlecht.

Baumängel: Im Gutachten steht wirklich, dass das Haus 1961 nach neuestem Standart erichtet wurde!..... 

Mal abgesehen davon, dass es Standard heißt, ist die Aussage per se sachlich wohl korrekt. Der Standard von 1961 wurde wohl eingehalten. Eine Nachrüstpflicht gibt es im Bestandsbau diesbezüglich nicht.

Und ja, ich habe die Wärmebrückenmessung noch einmal just jetzt nachgelesen, 7 Grad Außentemperatur, 8,7 Grad Außenwandmessung, 45 Digits

Leider schreibst du nicht, welche Temperatur im Schlafzimmer selbst besteht. Aber bei einer Innenwandtemperatur von unter 10°C (siehe Link) wird es dort immer zur Kondensatbildung kommen.

Der Gutachter kommt auch bei den festgestellten Mängeln tatsächlich zu dem Schluss, dass die Wärmebrücken nicht in Betracht kämen an der Schimmelbildung beteiligt gewesen zu sein, da die Einfachverglasung der kälteste Punkt des Raumes sei und somit sich nur dort das Tauwasser bilden würde........ 

Der Gutachter ist entweder völlig inkompetent oder schlicht desinteressiert. Die getroffene Aussage ist physikalisch haltlos, weil die reine Fläche der einfach verglasten Fensterscheibe schlicht gar nicht genügend Kontaktpunkte bildet zur Raumluft insgesamt. Dass es dort *besonders* zur Bildung von Kondensat kommen wird, ist sicherlich richtig - nur hat das gar niemand in Frage gestellt. Jedoch strömt die feuchte Luft im Rauminneren ja nicht ausschließlich magisch angezogen zum Fenster, um dort zu kondensieren. Selbstverständlich strömt sie auf ihrem Weg auch an der Wand entlang, und setzt dort Kondensat ab, wenn der Taupunkt erreicht ist.

Die Frage, die du dir stellen musst, ist auch eine ganz andere. Selbst wenn nach einem weiteren Gutachten ggfs. in der nächsthöheren Instanz du Recht bekommst - was hast du davon? Du sitzt immer nich in einer mängelbehafteten Wohnung, die der Eigentümer nicht wird sanieren lassen. Ich würde das Ganze aufgeben, und mein Geld lieber in eine bessere Wohnung investieren.

Antwort
von schelm1, 22

Einfachverglasung dürfte wohl ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten sein.

Der Austausch von Fenstern und Außentüren und eine vernünftige Gebäudeisolierung könnten Wärmebrücken verhindern helfen und Einfluß auf den Taupunkt an Wänden und Fenstern nach sich ziehen.

Als Mieter sollte man sich um eine Wohnung bemühen, die solchen heute vollkommen normalen Ansprüchen gerecht wird.

Der Vermieter hat die Wahl zwischen Leerstand oder Verbesserung seiner Immobilie zur guten Vermietbarkeit.

Gutachten können so oder so ausfallen. Auf die Herstellung von normalen Wohnansprüchen wirken die jedenfalls nicht.

So´n echter Hardcoreschimmelreiter als Mieter schafft es übrigens besonders bei topisolierten Wohnungen durch falsches Lüftungnverhalten besonders schnell und ergiebig Schimmel zu produzieren!

Kommentar von FordPrefect ,

Einfachverglasung dürfte wohl ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten sein.

Jein. Wenn es denn wenigstens Doppelfenster wären, wäre die Einfachverglasung nun nicht so das große Problem. Vernünftig ausgeführte Holzdoppelfenster mit Einfachverglasung entsprechen dem historischen Vorbild, und bieten ein wesentlich besseres Raumklima als moderne Kunststofffenster mit Zwangslüftung bei nur sehr geringem Primärenergiemehraufwand. Sollte es sich hier allerdings um ein Einfachfenster handeln, dann ja.

Der Austausch von Fenstern und Außentüren und eine vernünftige Gebäudeisolierung könnten Wärmebrücken verhindern helfen und Einfluß auf den Taupunkt an Wänden und Fenstern nach sich ziehen

Ack. Das lohnt sich allerdings nur dort, wo die Bausubstanz eine solche Sanierung wirtschaftlich zulässt. Bei den allermeisten Bauten aus den 60ern und frühen 70ern ist das nur nicht der Fall. Sehr wahrscheinlich besteht auch das Objekt des OP aus Billigststahlbetonwänden bzw. Hohlblocksteinen zwischen Stahlbetonträgern. Das ist nicht zu sanieren; die Isolierung würde das Schimmelproblem nur verschlimmern. Da hilft nur der Abriss.

So´n echter Hardcoreschimmelreiter als Mieter schafft es übrigens besonders bei topisolierten Wohnungen durch falsches Lüftungnverhalten besonders schnell und ergiebig Schimmel zu produzieren!

Auch das gibt es, ja. Dummerweise tritt leider das Schimmelproblem erst seit der Zeit massiv auf, in der Kunststoffverbundglasfenster in Mode kamen; vorher gab es das nur in Überschwemmungsgebieten. Klassische Ziegelbauten mit Holzfenster boten immer genügend Durchlässigkeit, um das von vorneherein zu unterbinden. Die moderne Fenstertechnik mit Zwangslüftung versucht nun, die Durchlüftung wieder auf einen Wert zurückzuführen, der in etwa an klassische Holzfenster heranreicht. Man könnte natürlich auch einfach wieder zur Massivbauweise zurückkehren, die sich jahrhundertelang bewährt hat - aber das wird halt nicht "energetisch" gefördert...

Antwort
von Nschoschi, 16

Sorry,

Holzfenster, es sind keine Rahmen aus Kunststoff, sondern Holzrahmen!

Kommentar von schelm1 ,

Schimmelbildung muß nicht immer von Wärmebrücken ausgehen, so können übermäßig viele tapfer gegossenen Blumen, oder gar die Lagerung von Obst, Salat und Gemüse im Schlafraum - der ist ja schön Kühl für die Lagerung(!) -, den Schimmeltod eines Zimmers nach sich ziehen. Dazu gehört auch das Trocknen nasser Wäsche in den Wohn- oder Schlafräumen.

Es gibt die tollsten Einfälle, die manche Mieter an den Tag legen und auf die selbst ein Gutachter, der den jeweilgien Mißstand nicht unmittelbar angetroffen hat, nie kommen würde!?!

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