Ich war gestern zum letzten Abschiednehmen eines engen Freundes in einer Halle, wo sein Leichnam aufgebahrt war. Ich hätte so gerne als Erinnerung und auch für diejenigen, die gestern nicht dabei sein konnten ein Foto gemacht, aber mein Mann sagte mir, dass ich das auf keinen Fall machen könne. Wie seht Ihr das?

Merkwürdig... diejenigen, die hier dagegen sind, sagen häufig "man soll den Toten so in Erinnerung behalten, wie er im Leben war". Dann dürfte man den Toten nicht aufbahren! Er wird aber nun einmal - entweder auf eigenen Wunsch oder auf Wunsch der Angehörigen - als Leichnam "gezeigt" und damit erscheint mir generell auch ein Foto als "im Sinne des Verstorbenen bzw. seiner Angehörigen"! Empfehlenswert wäre natürlich, eine solche Aufnahme bzw. den Zeitpunkt dazu mit den nächsten Angehörigen abzustimmen, damit die Pietät gewahrt bleibt. Ich gebe auch zu bedenken, daß einige Menschen im Tode friedvoller aussehen, als sie je im Leben waren. Auch das mag für manchen eine mitnehmenswerte Erinnerung sein.

Auch ein Toter hat Respekt verdient. Ihn so zu fotografieren, empfinde ich als respektlos. Wenn mir als "Erinnerung" nichts anderes einfällt, das ist schon traurig. Und dann ab damit ins Fotoalbum und als Unterschrift "Otto und ich - unser letztes Beisammensein". Wäre es mein Verwandter und das würde jemand versuchen, ich wäre traurig über so eine Geschmacklosigkeit und würde es auch verhindern.
Ich finde, es schickt sich nicht. Menschen sind total verändert, wenn sie tot sind und ein solches Foto hat deshalb keinen Erinnerungswert an den Verstorbenen. Ich möchte so nicht fotografiert werden und ich glaube die meisten anderen Menschen auch nicht.
heinzundevi am 8. November 2007 15:45 So sehe ich das auch, der Verstorbenen hätte das sicher auch nicht gewollt, sondern möchte in Erinnerung bleiben, wie er sein Leben mit uns gelebt hat.
RolfHoegemann am 8. November 2007 22:03 Dann sollte man Betrunkene auch nicht photographieren - die sind da noch mehr verändert... :-)
Ich würde das Foto für mich machen wenn es für mich wichtig ist.
Ich kann mich sehr gut in deine Lage reinversetzen, wenn man Bedenkt, dass das das letzte Mal ist für den Rest deines Lebens, wo du Ihn siehst. Aber im Normalfall werden andere bestimmt nicht so reagieren. Du solltest - wenn, das Foto auf jeden Fall nur für dich selber behalten. Das sind halt gewisse "gesellschaftliche Regeln".

Man sollte sich in jedem Fall mit den Angehörigen absprechen, deren Zustimmung einholen. Geben diese "grünes Licht" spricht für mein Empfinden nichts dagegen.
Du solltest das Foto aber wirklich nur für Dich behalten und es ansonsten ausschließlich und auf deren besonderen Wunsch engsten Freunden und Verwandten des Verstorbenen ansehen lassen oder einen Abzug übergeben.
Allen die das Fotografieren von aufgebahrten Toten grundsätzlich ablehnen sei gesagt, daß in vergangenen Jahrhunderten dieses letzte Foto den gleichen Erinnerungs- und Stellenwert hatte wie z.b. Hochzeits-/Kommunionsfotos oder einfach Familienfotos.
Kabark am 8. November 2007 16:17 Naja, so weit ich informiert bin, leben wir nicht mehr in den vergangenen Jahrhunderten.
Ophelia am 8. November 2007 16:39 stimmt und das ist mir natürlich bewusst ;) Die Aussage war nur als Hinweis gedacht, daß das Ablichten Verstorbener auf dem Totenlager eine gewisse Tradition hat, der Gedanke der Fragestellerin somit nicht grundsätzlich verwerflich oder bar jeglicher Edikette ist.
Ich finde das weder respekt- noch pietätslos noch sonst irgendetwas. In Zentraleuropa haben wir total den Umgang mit toten Menschen verloren. Am liebsten wollen wir gar nicht wissen, was da in der Kiste liegt. Wer würde heute noch seine Verstorbenen 3 Tage im Bett liegen lassen (wenn das ginge), damit alle vorbeikommen und sich verabschieden können?
Wie kann man sich von jemand verabschieden ders gar nich mitbekommt? Gefühls-Duselei
Ich finde, dass es für die Lebenden natürlich wichtig ist, sich von einem geliebten Menschen zu verabschieden. Dazu gehört nach meiner Ansicht aber nicht, ein Foto von seinem Leichnam zu besitzen.
Ich würde es auch nicht machen denn ich wollte ihn Lebend so wie es war in Erinnerung behalten und nicht als toten auf einem Bild .

Sicher total Geschmackssache. Und meiner wäre es nicht. Aber ob alle so empört reagieren müssen?. Als der letzte Papst starb, wurde sein aufgebahrter Leichnam fotografiert und gefilmt und die Abbildungen in Zeitschriften und Fernsehen verbreitet, ohne dass jemand laut die Frage nach Pietät und Geschmack aufgeworfen hätte. Ist er dadurch entehrt?
HerrLich am 8. November 2007 17:13 Man muss unterscheiden zwischen Privatpersonen und Personen des öffentlichen Lebens.
schurke am 8. November 2007 17:26 warum?
vollyhn am 8. November 2007 17:52 Ich gebe Dir Recht, soweit es um die Veröffentlichung von Bildern geht. Hier sind Personen der Zeitgeschichte anders zu behandeln als Privatpersonen. Aber soweit es überhaupt um die Anfertigung der Bilder geht, habe ich Zweifel. Ich persönlich halte wirklich nichts davon, Verstorbene zu fotografieren, ich staune nur über die heftigen Reaktionen der Community, die sich vermutlich bei den Fernsehberichten über die Trauerfeierlichkeiten des Papstes keine bösen Gedanken gemacht hat.

Es hört sich erst einmal makarber an. Aber es gibt dazu viele unterschiedliche Meinungen, wie Du ja hier ließt. Ich persönlich würde kein Foto eines verstorbenen lieben Angehörigen haben wollen. Ich habe sie lieber so in Erinnerung, wie ich sie das letzte Mal lebend sah.

Früher hat man Totenmasken angefertigt. Das kann man auch makaber finden. Es ist halt alles Geschmackssache.
Ich habe noch Fotos von Verwandten die im Bodenseeeraum so vor 20 Jahren geknipst wurden.
Dort war es eine Zeit üblich. 1 Keiner will sie mehr sehen. 2 Niemand außer Verwandten könntest du sie zeigen.
3 Finde Abartig -Wenn ich mehr Verfügungsgewalt habe - werd ich alle zerreissen

Finde ich geschmacklos, wie auch das telefonieren in der Kirche mit dem Handy. Sieht man in Italien sehr oft!
Mein Opa hat Fotos von meiner verstorbenen Oma gemacht als er dann gestorben ist und mir beim ausräumen der Wohnung die Bilder in die Hände fiehlen lief es mir eiskalt den Rücken runter. Man sah dass sie tot war ein total veränderter Mensch mit Totenflecken ect. ein schrecklicher Anblick werde ich so schnell nicht vergessen!!

Wenn man mir vor einigen Jahren diese Frage gestellt hätte, hätte ich entrüstet "nein" gesagt. Nachdem jedoch ein Freund seine über alles geliebte Großmutter im offenen Sarg fotografiert hat und er mir diese Fotos wirklich voller Begeisterung zeigte (Begeisterung, dass er sie nun immer wieder anschauen kann), zeige ich mich etwas toleranter in meiner Meinung. Allerdings habe ich für diese Toleranz schon einige Zeit gebraucht. Mein Ding wär es nicht, aber wenn jemand meint, auf diese Weise Abschied nehmen zu müssen, bitte!

Wir haben vom Bestatter eine sehr pietätvolle Fotomappe von der Beerdigung(Grabstelle mit Kränzen) und Aufbahrung meines Vaters bekommen, die aber unter Ausschluß der Öffentlichkeit gemacht wurden. Für uns persönlich (Familienkreis) ist es eine gute Erinnerung, aber ich glaube bis auf die Übergabe hat es sich bisher (vor 6 Jahren) keiner wieder angeschaut.Bei der eigentlichen Totenfeier sollte keiner Fotos machen schon der Gefühle der Angehörigen wegen.

Wenn es Dir ein grosses gefühlsmässiges Anliegen ist, dann kannst Du von einem toten Freund/Verwandten ruhig ein Photo machen - verboten ist das nicht.
In der westlichen Welt hat man leider irgendwie den 'normalen' natürlichen Bezug zum Tod und zu den Toten verloren. Wenn z.B. ein Mensch ein absolutes totales Ekel war zu Lebzeiten, wagt trotzdem keiner, bei der Beerdigung kritisch von ihm zu reden - nur weil er tot ist. Zu Lebzeiten hat man sich nicht um diesen Menschen gekümmert - im Tod ist die leere, unnütze Körperhülle auf einmal heilig.... irgendwie bigott.
Du siehst, viele verschiedene Ansichten. Vielleicht hat die eine oder andere Dir ja einen neuen Impuls gegeben. Ansonsten: handle nach Deinem Gefühl. Ich sehe vor allem den Aspekt, dass im Leichnam das Belebte, die Seele 'fehlt' und deshalb keine Grundlage für eine Erinnerung ist.

Nein, man befindet sich auf einer Beerdigung und nicht in einem Fotoatelier.

Nein, auch ich hätte es nicht für nett empfunden. Auch ich war vor kurzem beinahe in einer solchen Lage. Meine Schwester wollte sogar, daß ich Fotos von meinem Mann am Krankenbett machen soll, als er im Koma lag. Ich hatte für sie nur verständnislose Blicke übrig.

Ich halte das auch für pietätlos. kürzlich ist ein Bekannter von mir verstorben. Das Bestattungsinstitut übergab der Witwe einige Fotos. Sie konnte dann entscheiden, wem sie sie zeigen oder geben möchte. sie selbst wollte sie nichtmal aufbewahren. Ich finde ein Erinnerungsfoto von der Grabstelle ist schon ok; wer schaut sich schon Fotos von Verstorbenen an?
Tote:nun,ich nehme an,er sah noch passabel genug aus,daß man ein Foto hätte machen können.Das muß an der allgemeinen Meinung in der Gesellschaft liegen,daß es viele Menschen pietätlos halten,aber ein wenig ist schon dranne:man sollte den lieben Verstorbenen so lebend in Erinnerung behalten..(deshalb wollte wohl die eine Witwe sicherlich auch nicht diese Fotos aufbewahren,nehme ich an.)

Bei Tod und Beerdigung gibt es offensichtlich vielfach die Frage, was sich hier und da "schickt". Gibt es Regeln, die für jeden Fall gleich sind?? Nein!
Die einzig gültigen Regeln werden vom eigenen Gefühl vorgegeben. Das fängt nicht erst bei Tod und Beerdigung an, sondern schon beim Kranksein und Sterben.
Viele verdrängen den Tod; aus Angst vor dem eigenen Sterben, und aus Angst vor der Trauer. Aber diese Trauer, die braucht ihren Raum. Und sie gibt vor, was zu tun und zu lassen ist.
Wenn Krethi und Plethi Fotos vom Leichnam schießen, hat das m.E. wenig mit Trauerbewältigung zu tun, sondern vielmehr mit der hier viel beschworenen Pietät- und Geschmacklosigkeit. Wenn aber der engste Verwandte (oder engste gute Freund) ein Foto macht für einen anderen Trauernden, der aus irgendeinem Grund "nicht mehr rechtzeitig" zum Verstorbenen kommen konnte, halte ich das für eine ernstzunehmende Frage.
Was ich für pietät- und geschmacklos halte bzw. hielt ganz konkret: über den Bildschirm zu verbreiten, wie Menschen sterben (Ramstein, Elbflut etc.). Was ich auch für wenig gelungen halte, Menschen in Trauersituation für ein Interview vor die Kamera zu zerren. Da wird die Trauerbewältigungsphase des ausführlichen Erzählens für ein Medienspektakel missbraucht.
In der Tat !