Frage von Marvyn, 118

Schenkel = Hinterbeine des Pferdes, Zügel = Vorderbeine?

Ich habe es letztens, vereinfacht ausgedrückt, von meiner Reitlehrerin so gehört. Zuvor ist es mir nie begegnet, auch in Fachliteratur nicht. Finde es aber sehr plausibel. Was meint ihr? Mit den Schenkeln treibt man das Pferd an (aktiviert die Hinterbeine), mit den Zügeln "bedient" man die Vorderbeine.

Expertenantwort
von ponyfliege, Community-Experte für Pferde & reiten, 59

das ist aber ganz arg vereinfacht ausgedrückt.

was macht ein reiter, der mit halsring oder gar ohne alles reitet? der hätte ja gar keinen einfluss auf die vorderhand.

aber vereinfacht ausgedrückt

du gibst dem pferd impulse. gesamtimpulse. das pferd wird dir kaum "auseinanderfallen", wenn du die zügel nicht straff genug hältst.

kreuz und gewicht für die hinterhand. schenkel für die biegung, also den rumpf. knie für die schulter. bügel für die vorderbeine. zügelhilfen ergänzen das ganze, so dass es eindeutig wird. die hilfe vom zügel verläuft von vorn nach hinten, die vom kreuz von hinten nach vorn.

das bein kann sowohl das eine als auch das andere - treiben und verwahren.

Kommentar von Marvyn ,

Es betraf Kinder und Reitanfänger, als ich diese Bemerkung aufgeschnappt habe - das hätte ich vlt. noch dazu schreiben sollen. Aber danke für die Erklärungen.

Expertenantwort
von Urlewas, Community-Experte für Pferde & reiten, 43

Ja, das ist sehr vereinfacht gesagt - ind ich denke, dass es gut ist, dass Di diese Anregung aufgreifst, um dich daheim in Ruhe mit der Bedeutung dieser Aussage auseinander zu setzen. Denn sonst ginge deine Reitstunde für ausgiebige Erklärungen drauf.

Da hast du ja nun hier einiges bekommen; noch weiterführend kannst du da natürlich Fachliteratur zu Rate ziehen, wo du manchmal chematische Zeicnungen siehst, die das ganze verdeutlichen.

Besonders kommt das, was deine Reitlehrein da gesagt hat, beim " Drehsitz" zum Einsatz, den Du brauchst, um einfach auf dem Zirkel zu reiten und/ oder zu galoppieren.

Da siehst du bei solche Zeichnungen, dass die Hüfte des Reiters parallel zur Hüfte des Pferdes, und die Schulter des Reiters parallel zu derSchulter des Pferdes ist.


Kommentar von Marvyn ,

Das habe ich in einer Reitstunde für Anfänger (Kinder) aufgeschnappt. Mich selbst betraf es nicht ;-) Ich habe schon seit einigen Jahren eine Reitbeteiligung. Doch ich finde es, wie du schon schreibst, gut, um sich ausführlichere Gedanken zu machen. Sie sagt den Kindern z.B. auch zum Thema Sitz, das Fußgelenk müsse sich unter dem Hüftgelenk befinden (Linie).

Kommentar von Marvyn ,

Ich reite schon einige Male und habe schon einige Lehrmeinungen gehört, auch viele Ratgeber gelesen. Bin über diese Anweisung gestolpert, weil ich sie so simpel und einleuchtet fand und daher wollte ich wissen, was an dieser Aussage dran ist. Selbst in den einfachst geschriebenen (Kinder-/Anfänger)-Reitlehrbüchern ist sie mir noch nie begegnet. Ich durchdenke die Bemerkungen der Reitlehrerin immer kritisch ;-)

Kommentar von Urlewas ,

Mein Reitlehrer drückt es in etwa so aus " mit den Zügeln den Hals einrahmen".

Die Zügel wie Rahmen am Hals zu haben, macht es unmöglich, dass das Pferd im Hals krumm gezogen wird, man hat Kontrolle über die Schultern und daher auch insgesamt über den Raumgriff.

Letzteres ist nicht nur für Fortgeschrittene wichtig, sondern hilft grade auch Anfängern beim Angaloppieren, den Trab zusammen zu halten und den Galoppsprung raus zu lassen.

Suchst du noch ein Buch? In "Balance in der Bewegung " ist auf Seite 167 eine Zeichnung, wo die Parallelität von Schultern und Hüften zum Pferd dargestellt sind, um den Drehsitz zu erklären.

Antwort
von Punkgirl512, 68

Vom ersten groben Gedanken her: Ja. Beim zweiten Gedanken schon nicht mehr. 

Man aktiviert die Hinterhand nicht nur über die Schenkel, je nach Schenkellage kann man auch die Abstellung der Hinterhand ändern, wie z.B. im Travers. Da spielt die Hüfte und die eigene Schulter natürlich auch nochmal eine besondere Rolle. 

Die Zügelhilfen und der gesamte Sitz rahmen die Schulter ein, Stichwort Schulterkontrolle. Ja, das sind die Vorderbeine, aber die Schulterkontrolle ist viel mehr als nur die Vorderbeine ;) Ein guter Reiter auf einem gut ausgebildeten Pferd korrigiert die Schulter des Pferdes aber eher durch die eigene Schulter. 

Deine Schulter gibt also die Position der Pferdeschulter vor, die Zügelhilfen helfen dabei nur, dass das Pferd dies besser versteht. 

Ebenso kann die Hand, korrekt mit Bein und Sitz eingewirkt, aber auch Einfluss auf die Hinterhand nehmen, gerade wenn es um das Thema Versammlung geht. Das die ist korrekt gerittene Parade, die das Pferd mehr auf die Hinterhand setzt. 

Mir fallen da noch viele weitere Unterschiede ein beim weiteren Nachdenken... Die Frage ist halt, ob man sich in der Korrektur befindet, oder in der Pferdeausbildung, eine nur eine Lektion oder Übung verfeinern möchte, wie weit der Ausbildungsstand von Pferd und Reiter ist, und, und, und. Aber das sind dann die richtigen Feinheiten. 

In einer Traversale z.B. nimmt der äußere Zügel die Schulter mit, deine Hüfte und äußerer Schenkel nehmen die Kruppe mit seitwärts, der innere Schenkel erhält dir aber die Biegung. 

Man wendet ja auch über den äußeren Zügel - hier wieder Stichwort Schulterkontrolle. Wird das Pferd stabil in der Schulter im Laufe der Ausbildung, kann man auch wieder mehr Last aufnehmen oder neue Sachen erarbeiten. 

Kommentar von Urlewas ,

Für jemand, der noch dabei ist, sein erstes Paar Reithosen zu verschleißen, könnte die Bemerkung der Reitlehrerin ja erst mal ein nützlicher Vedankenanstoß sein.

Vielen Dank für Deine ausführliche Erklärung - echt kurz und gut, super!

Kommentar von Marvyn ,

Ich reite schon einige Male und habe schon einige Lehrmeinungen gehört, auch viele Ratgeber gelesen. Das hätte ich erwähnen sollen. Bin über diese Anweisung gestolpert, weil ich sie so simpel und einleuchtet fand und daher wollte ich wissen, was an dieser Aussage dran ist. Selbst in den einfachst geschriebensten (Kinder-/Anfänger)-Reitlehrbüchern ist sie mir noch nie begegnet. Ich durchdenke die Bemerkungen der Reitlehrerin immer kritisch ;-)

Kommentar von Punkgirl512 ,

Dieses kritische Denken ist auch gut so - denn das hält den Reiter im Kopf und das Pferd physikalisch gesund. Nur ein denkender Reiter ist ein guter Reiter. 

Ich hoffe trotzdem, dass meine Antwort klar verständlich für dich war - wenn du irgendwelche Fragen dazu hast, beantworte ich sie dir gerne.

Antwort
von Hoeboehinkel, 37

das ist so vereinfacht, dass es schon wieder nicht mehr stimmt - die Antwort meiner Vorschreiberin ist in meinen Augen die richtige - das heißt aber auch, daß du an dir arbeiten musst. Nur wenn dein Sitz und deine Einwirkung richtig stimmen, kann das Pferd auch richtig reagieren ...

Antwort
von Marvyn, 9

Folgendes hätte ich wohl noch bemerken sollen: Ich reite schon einige Jahre, verschiedene Pferde, Reitbeteiligung etc. und habe einige Lehrmeinungen gehört, auch viele Ratgeber gelesen. Bin über diese Anweisung gestolpert, weil ich sie so simpel und einleuchtet fand und daher wollte ich wissen, was an dieser Aussage dran ist. Selbst in den einfachst geschriebensten (Kinder-/Anfänger)-Reitlehrbüchern ist sie mir noch nie begegnet. Ich durchdenke die Bemerkungen der Reitlehrerin immer kritisch ;-)

Expertenantwort
von Dahika, Community-Experte für Pferde, 23

Mit den Zügeln kontrolliert man die Schultern.

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