Frage von Bella308, 28

Schema von Beethovens 1. Sinfonie?

Hallo, ich habe eine Frage zu Beethovens 1 Sinfonie. Ich werde nämlich aus den Wikipedia Einträgen nicht wirklich schlau... :) Gibt es dafür (erstmal nur für den ersten Satz) ein festes Schema, das man mit Buchstaben festlegen kann? Ich bräuchte das nämlich zur Veranschaulichung meines Referats. Also z.B. ABACADA? Hat jemand von euch auch eine knappe Zusammenfassung als Analyse des ersten Satzes, die leicht verständlich ist? Wäre super. LG

Antwort
von Merkantil, 12

Hallo Bella,

bei Wikipedia steht das eigentlich schon sehr klar. Was dort fehlt, sind nur die Taktzahlen, ab denen der jeweilige Teil beginnt. Das müßtest Du (falls es überhaupt benötigt ist) eben herausfinden.

Es steht dort, daß es sich um eine Sonatenhauptsatzform mit langsamer Einleitung handelt. Da greift das Handwerkszeug, das Du gewohnt bist, nicht mehr. (ABACADA, was Du als Beispiel gebracht hast, wäre Rondoform, abacdc + entsprechende Wiederholungen und da capo wäre große Liedform.)
Diese Buchstaben werden bei Reihungsformen verwendet, wenn also einfach ein in sich geschlossener Teil an den anderen gereiht wird.
Da macht es Sinn, zu vergleichen: Ist der nächste Teil gleich wie ein früherer Teil, oder völlig verschieden, oder nur ein bißchen verschieden?

Schau mal nach, was mit Sonatenhauptsatzform gemeint ist, dann verstehst Du auch, warum in diesem Fall nicht mit Buchstaben, sondern mit Begriffen wie Exposition, 1. Thema, 2. Thema (=Seitensatz), Durchführung, Reprise und Coda gearbeitet wird.
Da ist es nämlich in der Regel klar, daß diese Teile kommen. Es ist dann vielmehr wichtig, welchen Charakter jedes Thema hat; ob das 1. und das 2. Thema in Exposition und Reprise in den Tonarten steht, die nach dem Normal-Bauplan zu erwarten sind; woher der Komponist das Material für die Durchführung genommen hat (Aus dem 1. Thema? Und/ oder aus dem 2. Thema? Oder neues Material?); und wie er dieses Material in der Durchführung verarbeitet hat.

Du kannst höchstens schauen, ob Du den Aufbau des 1. sowie des 2. Themas jeweils genauer untersuchen könntest (habe ich jetzt nicht gemacht); da könnest Du dann auch evtl. mit Buchstaben arbeiten und nachschauen, ob Du Symmetrien entdeckst (also Teile, die sich in ihrer Länge entsprechen, und Teile, die unverändert oder verändert innerhalb des jeweiligen Themas wiederkehren).

In der Durchführung dagegen macht es keinen Sinn, mit solchen Mitteln zu arbeiten; da ist es sinnvoller, zu schauen, wie oft welches Motiv verwendet wird, ob es irgendwie variiert eingesetzt wird, und wie der Tonartverlauf ist.

Wichtig ist, was über die (sehr kurze) langsame Einleitung geschrieben wird. Die Art, wie Beethoven hier die Zuhörer über die eigentlich gemeinte Tonart im Unklaren läßt (erst zu Beginn der Exposition, also zu Beginn des schnellen Teils des 1. Satzes ist das zugrunde liegende C-Dur klar erkennbar) war für die damaligen Zuhörer völlig neu. Das muß also unbedingt sehr ausdrücklich erwähnt werden.

Wichtig ist auch, daß Du herausfindest, was das bedeutet, was zum Charakter des 2. Themas (Seitensatz) geschrieben wird: Daß also dieses Thema nicht durchgehend von den gleichen Instrumenten gespielt wird, sondern daß sich der Klangcharakter alle paar Takte ändert (Prüf nach, ob das auch stimmt), und daß sich daraus ein aufgelockerter Charakter dieses Themas ergibt.

MfG,
Merkantil

Kommentar von Bella308 ,

Vielen, vielen Dank, du hast mir wirklich weiter geholfen!

Kommentar von Merkantil ,

Das  freut mich! Dann hat sich der Aufwand ja gelohnt.

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