Frage von Violine98, 35

Schaffenskrise beim Geigen - Wie dagegen angehen?

Hallo ihr Lieben!

Ich habe ein riesengroßes Problem und weiß leider auch nicht mehr dagegen anzugehen.

Momentan stecke ich mitten im Abi und übe parallel für die Aufnahmeprüfungen an den Musikhochschulen, wobei die Ansprüche ja mittlerweile sehr hoch sind.

Leider habe ich das Gefühl beim Geigen auf der Stelle zu treten. Nichts ist wirklich schlecht, nichts stellt mich aber wirklich zufrieden. Da ich auch weiß, dass ich es "mal" besser kann/konnte, frustriert es mich natürlich.

Mein Lehrer findet das aber gut, was mich stört und konzentriert sich im Unterricht auf andere Sachen. Auch dass ich von anderen gesagt bekomme dass meine Intonation nicht "scharf" genug ist, kommt bei ihm nicht richtig an, obwohl ich es ihm diverse Male schon gesagt habe.

Da ich weiß, wo die Probleme beim Spielen sind übe ich natürlich dementsprechend. Aber ich habe das Gefühl keine Fortschritte zu machen. Je mehr ich übe, desto schlechter wird das Gefühl beim Spielen. Ich empfinde es so, als könnte ich nicht mehr in die Musik eintauchen, so viel ich auch probiere. Meine Finger fühlen sich nicht mehr geschmeidig an, das Vibrato funktioniert überhaupt nicht so flexibel wie es soll. Intonation wird gefühlt immer schlechter.

Ich übe nicht länger als eine halbe Stunde und pausiere eine kurze Zeit. Aber trotzdem fühlt es sich alles sehr ineffektiv an. Alle möglichen Übetechniken habe ich ausprobiert und so langsam drängt die Zeit, denn mein Programm für die Prüfungen ist nicht lange so reif wie ich es gerne hätte und es auch sein müsste.

An die vielen Geigenstudenten/Spieler/Lehrer; Wer kennt's und was hat geholfen?? Ich werde mir neuen Input holen bei einem Professor, bei dem ich schon einige Male war, aber trotzdem!

Jede Hilfe wird dankbar angenommen...

Viele Grüße!

Violine

Antwort
von skypaula, 23

Hallo Violine, neuer Imput von einem Professor ist bereits eine sehr sehr gute Lösungsstrategie. Ich habe damals vor der Aufnahmeprüfung (allerdings für Klavier) schlichtweg gekniffen - obwohl mein Programm gut saß, kenne also diesen Stress. Singe innerlich mit, wenn Du die Seiten Deiner Geige vibrieren lässt und mache Dir noch einmal dieses unendlich schöne Geschenk der Musik bewusst sowie Deine Begabung, anderen (und natürlich auch Dir selbst) dieses Geschenk überbringen zu dürfen. Geh vielleicht mal in ein Tonstudio, dann wird Dir die Qualität Deines Spiels vielleicht noch besser bewusst. Und ansonsten Disziplin beim Üben, Motivation und die Selbstkritik und das Feedback des Lehrers als "Vorwärts-pusher" begreifen. Viel Erfolg bei Deiner Prüfung wünsche ich Dir !    

Kommentar von Violine98 ,

Erst einmal vielen Dank für die aufmunternden Worte. 

Leider hilft das nicht, mitzusingen. Denn dabei konzentriere ich mich automatisch darauf, mir vorzustellen wie es klingen soll und wenn es nicht so funktioniert wie ich es mir vorgestellt habe, bin ich am Ende noch frustrierter. Je näher ich zuhöre, desto mehr Fehler fallen mir auf und desto schlimmer wird es. 

Ich nehme jedes Mal beim Üben auf, allerdings werde ich da weder positiv noch negativ überrascht. Was gut war, weiß ich meistens und ebenso auch was schlecht war. Im Zweifelsfall fallen mir noch Fehler auf. Ich empfinde es nicht mehr als Geschenk, anderen etwas vorzuspielen weil ich selber die Fehler höre. Selbst wenn es ganz nett musiziert sein mag. 

Disziplin etc. ist klar, aber das macht es leider nicht besser. Motivation zum Üben kommt mal oder auch nicht... Mit dem Feedback ist es ja gerade so eine Sache. Zu hören dass etwas gut ist, mich aber nicht zufrieden stellt, kommt mir eher so vor als dass er es nicht "hört" oder die Ansprüche der Prüfung falsch einschätzt. Das ist ja genau problematisch.. 

Vielen Dank! Ich habe mich bei sehr vielen Hochschulen für die AP angemeldet, auch bei etwas kleineren und "Berufsfachschulen" oder wie die heißen. Insofern werde ich schon irgendwo etwas bekommen, aber ob es da ist wo ich hin möchte.. man wird sehen. 

Wie bist du denn damals damit umgegangen? 

Kommentar von skypaula ,

Ich hatte bereits mehrere Jahre bei einer Dozentin von einer (namhaften) Hochschule für Musik Unterricht genommen. Den Briefumschlag mit den Bewerbungsunterlagen habe ich nie abgeschickt (er lag noch ein Jahr später auf dem Klavier). Das tat eine ganze Zeit weh.  Ich finde "Fehler" sind grundsätzlich zu verzeihen - es sei denn sie lassen Nachlässigkeit beim Vorbereiten in technischer Hinsicht erkennen. Grundsätzlich wichtig ist der musikalische Gesang Deiner Geige (womit Du dich ja auch zeigen kannst). Hör Dir die Tonbandaufnahmen nicht sofort an und hör sie Dir doch auch mehrmals unter verschiedenen Aspekten an (einmal hinsichtlich der klanglichen Ausdruckskraft, einmal unter dem Aspekt der dynamischen Spielweise, und nicht stets unter dem einzigen Gesichtspunkt, nach Fehlern zu suchen...). Vertrau dem Feedback der professionellen Menschen, die mit Dir zusammen arbeiten. Um die Anforderungen der Prüfung abzuklären, empfiehlt sich vielleicht ein Probehören bei Aufnahmeprüfungen. Und grundsätzlich ist es gut, sich selbstkritisch anzufeuern "höher, weiter, größer" zu werden (machen viele Berufsmusiker lt. Interviews), aber doch nur solange es im "gesunden Maß" ist?! Und vielleicht machst Du Dir ein Geschenk (sofern finanziell möglich) und schaust Dich nach einer zweiten Geige um, mit der Du eine weitere Beziehung aufbauen kannst und auf der Du vielleicht neue Farbklänge aus dem Spiel heraus entwickeln kannst. Alles Gute

Kommentar von Violine98 ,

Achso :/ Wie schade!

Grundsätzlich. Aber es sind schließlich generelle Dinge, die in allen Stücken zu hören sind. Es handelt sich also nicht um "Verspieler", die in der Aufregung mal passieren, sondern um kontinuierliche Schwächen die mir bewusst sind, aber ich nicht beheben kann alleine bzw. auch mit meinem Lehrer.

Musikalisch ist es immer noch in Ordnung, aber nicht so überzeugend da ich mit dem Kopf zu viel bei der Technik bin.

Ich werde einmal probieren, etwas aufzunehmen und nur auf einen Aspekt zu achten den ich zuvor geübt habe. Problematisch ist dennoch, dass ich ja alle Fehler mitbekomme und mich ärgere warum das immer noch nicht besser ist.

Außerdem sagen ja professionelle Menschen dass meine Intonation nicht so gut ist wie sie sein sollte, während mein Lehrer sagt dass sie gut sei. Ich vertraue hier aber eher denjenigen, die aktuell mit einer Professur angestellt sind denn sie haben zu tun mit den Studierenden.

Eine zweite Geige ist nicht möglich, jede Geige die ich mir leisten könnte wäre ein unfassbarer Rückschritt der klanglichen Vielfalt meiner.

Danke ;)

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