Frage von Tragosso, 57

Schaden Antidepressiva während der Schwangerschaft dem Ungeborenen?

Huhu.

Vorab: Nein, ich habe nicht vor schwanger zu werden und bin es auch nicht.

Aber angenommen ich werde ungewollt schwanger (ich nehme im Moment noch die Pille, danach dann wahrscheinlich die Kupferkette) und es trifft der unwahrscheinliche Fall ein, dass ich es behalten wollen würde. Inwiefern hat die Einnahme von Citalopram/Fluoxetin Auswirkungen/Folgen für das mögliche Kind?

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Expertenantwort
von isebise50, Community-Experte für Schwangerschaft, 22

Etwa sechs bis zwölf Prozent aller Frauen leiden während der Schwangerschaft unter depressiven Verstimmungen oder Depressionen. Frauen, die auch sonst an Depressionen leiden, sind während der Schwangerschaft noch anfälliger.

Wahrscheinlich macht sich jede Frau auch bei einer Schwangerschaft Gedanken, zwar hilfreiche, aber jetzt ggf. riskante Medikamente nicht zu nehmen.

Ob aber das möglich und sinnvoll ist, muss individuell entschieden werden. Meist ist aber eine niedrig dosierte Behandlung mit einem einzelnen, bisher bewährten Psychopharmakon sinnvoller als einfach nichts zu tun.

Denn man muss nicht nur das "Während", sondern auch das "Danach" bedenken. Wenn also eine Mutter nach der Entbindung plötzlich ohne medikamentösen Schutz erkrankt, was ohnehin eine heikle Phase darstellt, dann muss man sich einmal die möglichen Konsequenzen vorstellen, die hier für das Kind drohen.

Alles ist auf die "bösen Medikamente" fixiert. Doch was diese zu verhindern in der Lage sind, denn das Leben geht ja über Schwangerschaft und Entbindung hinaus, steht den wenigsten klar vor Augen, zumal es ja auch noch meist verheimlicht wird: Die Folgen beispielsweise von Depressionen, manischer Hochstimmung, schizophrener Psychose, Suchterkrankung u.a. nach der Geburt schädigen möglicherweise das Kind mehr als die niedrigst-mögliche Dosis der fortlaufenden Erhaltungstherapie unter der Schwangerschaft - und natürlich darüber hinaus.

Planung einer Therapie oder Planung einer Schwangerschaft unter Therapie:

Neben bewährten anderen Antidepressiva gehört Citalopram aus der Gruppe der SSRI zu den Mitteln der Wahl bei pharmakologisch therapiebedürftiger Depression in der Schwangerschaft. Eine stabil eingestellte Patientin sollte ihre Medikation unverändert fortsetzen, um keine für Mutter und Kind bedrohlichen Krisen zu provozieren.

https://www.embryotox.de/citalopram.html

Neben bewährten trizyklischen Antidepressiva gehören heute die SSRI Sertralin und Citalopram zu den Mitteln der Wahl bei pharmakologisch therapiebedürftiger Depression in der Schwangerschaft. Eine mit Fluoxetin stabil eingestellte Patientin sollte ihre Medikation nur dann fortsetzen, wenn die Einstellung schwierig war. Andernfalls sollte aufgrund des unterstellten (geringen) entwicklungstoxischen Risikos und
der schlechten Steuerbarkeit aufgrund der sehr langen Halbwertszeit eine Umstellung auf Sertralin oder Citalopram, ggf. auch andere erprobte Antidepressiva angestrebt werden.

https://www.embryotox.de/fluoxetin.html

Arbeite auf jeden Fall mit deinem Hausarzt und Psychologen/Psychiater zusammen.

Alles Gute für dich!


Antwort
von Caila, 27

Medikamente können IMMER schädlich sein.  Wenn man aber mal bissel nachforscht in Google stößt man schnell auf Folgendes.

Für die meisten SSRI – Citalopram, Fluoxetin, Paroxetin und Sertralin – liegen Daten von mehreren Tausend, für Fluvoxamin von mehreren Hundert Schwangerschaften vor. Insgesamt zeigt sich unter der Einnahme von SSRI keine erhöhte Missbildungsrate. Allerdings belegt eine neuere Studie ein erhöhtes Risiko für Frühgeburten unter der Einnahme von Antidepressiva, wobei überwiegend SSRI eingesetzt wurden.

Fakt ist solltest du Schwanger werden dann solltest du dich sofort mit deinem Arzt auseinander setzen bezüglich der weiteren Einnahme von Antidepressiva. Er kennt dich besser und kann so individuell besser einschätzen was gemacht werden sollte.

Kommentar von 0hDaeSu ,

In einer großen Registerstudie haben jetzt Forscher um Dr. Olof

Stephansson vom Karolinska-Institut in Stockholm analysiert, ob eine
SSRI-Therapie ebenfalls das Risiko von Totgeburten und postnatalen
Sterbefällen erhöht (JAMA 2013; 309: 48).

Dazu haben sie Daten aus über 1,6 Millionen Schwangerschaften aus Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland und Island ausgewertet.

Gut 30.000 der werdenden Mütter (1,8 Prozent) hatten in der
Schwangerschaft oder in den drei Monaten davor mindestens ein Rezept fürSSRI eingelöst.

Risiko im ersten Trimenon erhöht

Ergebnis: Die Rate von Totgeburten war mit 4,6 versus 3,7 pro 1000
bei den Müttern mit SSRI etwas erhöht, allerdings waren die Frauen mit
SSRI älter als solche ohne, rauchten häufiger und hatten vermehrt
Diabetes oder Hypertonie.

Wurden die Risikofaktoren berücksichtigt, ergaben sich keine
signifikanten Unterschiede zwischen Frauen mit und ohne SSRI in der
Schwangerschaft.

Kommentar von 0hDaeSu ,

Laut einer Studie von 2013 (Quelle: Ärztezeitung)

Dass aber die Einnahme von Medikamenten in der Schwangerschaft immer irgendwelche Auswirkungen zeigen können streite ich nicht ab, inwiefern fragt sich nur.

Antwort
von 0hDaeSu, 31

Es gibt ja auch noch die Schwangerschaftsdepression und gerade Frauen die vorher schonmal depressiv waren sind gefährdet.

Generell werden gerne SSRI in der Schwangerschaft verschrieben, das mag eventuell aber auch daran liegen, dass es weniger Erfahrungen mit SSRI gibt und daher auch weniger negative. Es darf auf jeden Fall kein x beliebiges AD eingenommen werden.

Medikamente werden auch immer über die Muttermilch abgegeben.

Antwort
von archibaldesel, 30

Ich bin sicher, dass dazu etwas in der Packungsbeilage steht. Da gibt es immer einen Abschnitt "während der Schwangerschaft/Stillzeit". Ich bin sicher, dass es dem Kind schadet.

Antwort
von MissRatlos1988, 23

Lies doch mal im beipackzettel dort steht das auf jeden Fall drin. Notfalls den beipackzettel googeln.

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