Frage von Leha304, 116

Wie ist zu dem folgenden Satz von Nietzsche die Erklärung?

Hallo, ich muss in Philosophie ein Protokoll machen zum Unterricht. Wir haben über Nietzsche gesprochen. Allerdings verstehe ich eine Sache noch nicht. Der Satz "Nietzsches Entwertung aller Werte ist die Konsequenz aus der Enthüllung, dass alle Werte als Setzungen des Menschen erkannt werden. Es gibt keine Wahrheit(...)" Ich habe das halt so verstanden, dass alle Werte ja von Menschen gesetzt wurden und es deshalb keine Wahrheit gibt. Allerdings stehen weiter hinten in unserem Text noch Möglichkeiten den Nihilismus zu überwinden. Eine Möglichkeit soll sein, dass die Menschen sich selbst Werte setzen sollen und sich selbst das Ziel sein sollen. Aber dann wäre das doch dasselbe wie in diesem oberen Satz. Könnte mir das vielleicht jemand erklären? Dankeschön

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von berkersheim, 66

Vereinfacht gesagt geht es Nietzsche um den selbstbestimmten Menschen. Dass selbstbestimmte Menschen, die sich gegenseitig achten auch zu einem Werte-System kommen, ist nicht das Problem. Eine funktionierende Gesellschaft, in der Menschen Gestaltungsfreiheit für sich finden können, geht nur über "frei abgestimmte Werte".

Nietzsche wendet sich - bei ihm speziell - gegen von der Religion vorgegebene Werte, die den Menschen klein halten. Grass ausgedrückt, will er die Werte einer Sklavenmoral zertrümmern, dass die Menschen überhaupt erst zu einem selbstbestimmten Leben kommen können.

Nietzsche sieht auch den Nihilismus nicht als "Erlösung" sondern nur als eine Rebellion gegen eine unterdrückerische Moral. Es ist durchaus nicht wünschenswert, im Nihilismus, im nur Nein-Sagen stecken zu bleiben. Wer sich nur aus der Negation einer unterdrückerischen Moral versteht, ist doch im Negativen an diese Moral gefesselt. Nietzsches Option ist der Ausweg in die kreative, sich selbst gestaltende Freiheit, nicht gegen andere sondern nur gegen kleinmachende Unterdrückung.

Kommentar von Leha304 ,

Okay aber aber was genau ist dann mit dem ersten Satz gemeint?Inwiefern haben die menschen da ihre werte selbst gemacht?

Kommentar von schmidtmechau ,

Hallo Leha400,

die Formulierung von  "Nietzsches Entwertung aller Werte" bezieht sich darauf, dass Nietzsche eine religiöse, göttliche, absolute Setzung von Werten infrage stellt. Damit wird klar, dass der Mensch alle Maximen der Religion und der Moral aufheben kann, da sie nicht von einem höheren Wesen dem Menschen aufgezwungen werden, sondern der Mensch selbst diese Werte geschaffen hat und sie damit auch verändern oder aufheben kann. Das bedeutet "Gott ist tot".

Gruß Friedemann

Kommentar von Leha304 ,

Okay vielen Dank ich habe es endlich verstanden :) eigentlich voll logisch aber ich bin nicht drauf gekommen

Kommentar von berkersheim ,

@Leha304

Da muss ich jetzt nur noch wiederholen, was andere inzwischen angeführt haben. Es geht ihm darum, die unterdrückerischen christlich-moralischen Werte durchsichtig zu machen, dass sie keine Werte eines Allerhöchsten sind sondern auch nur Menschenwerk zum Zweck, das Volk klein zu halten. Nietzsche selbst ist ja in einer lutherisch-pietistischen Pastorenfamilie groß geworden und hat im qualvollen Sterben seines frommen Vaters die Zerrissenheit erfahren zwischen Glauben, Glaubensbeschwörung und dem Alleingelassensein, dem fernen Gott, der eben nicht beispringt, auch wenn er noch so sehr mit heißen Kindertränen darum gebeten wird. Nietzsches Zweifel an den Gottesbildern seiner häuslichen Umgebung beginnen schon sehr früh.

Kommentar von schmidtmechau ,

Hallo berkersheim,

hat sich Günter da eingemischt, - oder ist "grass" nur die frankfurterische Version? ;-))

Gruß Friedemann

Kommentar von berkersheim ,

Nun, da Günter ja auch Dichter war wie Friedrich ... vielleicht hat mich das auf Abwege gebracht. Ansonsten ist das eher saarbrückerisch.

Antwort
von Hamburger02, 35

Nietzsche setzt sich ja immer wieder kritisch mit Religion auseinander und darauf bezieht er sich im ersten Satz.

Die Religionen behaupten, die absolute Wahrheit zu kennen und aus dieser göttlichen Wahrheit auch absolute Werte ableiten zu können. Aus seiner Prämisse, es gäbe keine ansolute Wahrheit, die er an anderer Stelle begründet, schließt er nun messerscharf, dass es auch keine absoluten Wert gäbe. Alle Werte, auch die religiös absolut begründeten, seien aber bei genauem Hinsehen ebenfalls nur menschgemacht.

Viele Gläubige argumentieren nun darauf bezogen, Atheisten müssten also ohne jegliche Werte oder Moralvorstellungen sein, wenn sie eine absolute Wahrheit ablehnen und damit auch die angeblich göttlichen/religiösen und von der Kirche verkündeten Werte. Außerdem könnten sie keinen Sinn (= Ziel) im Leben haben, da ein Lebenssinn nur über die absoluten-göttlichen Werte möglich sei. Der Vorwurf des Nihilismus ist also eine Retourkutsche von Gläubigen auf die Ablehnung göttlicher-absoluter Werte: "Wer keinen Gott hat, hat auch keine Moral."

Dem stellt sich Nietzsche nun im zweiten Satz entgegen. Der Wegfall religiöser Moralvorstellungen bedeute nicht, den Verzicht auf alle Moralvorstellungen sondern das bedeutet, dass der Mensch sich selber Werte/Moralvorstellungen geben muss und dass der Mensch selber für sich entscheiden muss, was er aus seinem Leben macht, welchen Sinn er also seinem Leben gibt. 


Antwort
von KartoffelFred, 54

Die einfachste Art Philosophie zu verstehen ist viel Alkohol ;)

Kommentar von Leha304 ,

bringt mich leider nicht weiter :(

Kommentar von KartoffelFred ,

vielleicht der falsche alkohol :D oder doch besser Gras rauchen ;)

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