Frage von NatalieRenner, 33

Sattelpad austauschen?

Ich habe gestern von einem Schulpferdebetrieb, in dem ich auch selbst geritten bin, ein Pferd gekauft. Habe heute beim Putzen vom Sattel auch die Schabracke ausgewechselt. Zwischen Sattel und Schabracke ist auch eine Art größeres Sattelpad. Das ist glaub ich aus Teddyfleece, bin mir aber nicht sicher, weil das schon total zusammen gedrückt und kaputt gerubbelt ist. Ich habe jetzt Angst, dass wenn ich es einfach auswechsle, es zu Druckstellen kommt. Es ist zwar schon etwas kaputt, aber es würde noch gehen. Ich will halt nur wegen dem nicht extra einen Sattler kommen lassen. Daher meine Frage: Empehlt ihr es draufzulassen, ganz weg zulassen oder einfach auszutauschen?

Expertenantwort
von Baroque, Community-Experte für Pferde, 6

Grundsätzlich würde ich mein Pferd nicht reiten, bevor der Sattler da war und den Sattel angepasst hat. Vorübergehend (wenn man beispielsweise damit rechnen kann, dass sich das Pferd so verändern wird, dass ihm bald die aktuelle Sattelanpassung passen könnte) kann man durchaus mal mit einem Pad etwas ausgleichen, aber auch da sollte der Einsatz (welches Pad wähle ich, kann und soll ich es konfigurieren, ...) nach Vorgabe des Sattlermeisters erfolgen.

Bei Schulpferden ist die Sattelanpassung meist eher gruslig, weil man aus einer Menge Sättel, die zur Verfügung stehen, eine möglichst sinnvolle Verteilung auf die vorhandenen Pferde vornimmt, aber doch nicht für jedes Pferd einen wirklich passenden Sattel hat. Sowas nehmen unkundige Reitschüler schonmal in Kauf, weil sie es auch nicht besser wissen. Aber in dem Moment, wo ich manuelle Therapie bei meinem Pferd selbst bezahlen muss, möchte, dass es möglichst alt wird und sich guter Gesundheit erfreut, ist es für einen Privatpferdebesitzer inakzeptabel.

So lange man noch nicht so gute Sattelkenntnisse hat, dass man vorher schon weiß, was der Sattler befunden und korrigieren wird, sollte man grundsätzlich mindestens einmal im Quartal den Sattler drauf schauen lassen, ob der Sattel angepasst werden muss. Das ist auch normalerweise nicht teuer, wenn man auf einer Tour liegt, zahlt man für die Kontrolle nichts und wenn eine Anpassung nötig wird, dann halt die Kosten für die Arbeit.

Leider sind viele Schulsättel so schlecht, dass man sie nur noch wegwerfen kann - eben weil hier kein Wert auf gute, intakte, angepasste Sättel gelegt wird. Den meines Pferdes habe ich an eine Frau verschenkt, die etwas brauchte, was sie ihren kleinen Kindern auf einen Arbeitsbock legen konnte, damit die "Pferd spielen" konnten. Dafür war er noch ok. Aber auch, wenn man von privat ein Pferd kauft: Wer einen tollen Sattel hat, behält ihn und verkauft ihn getrennt, denn die 2.000 Euro, die so einer noch bringen kann, bekommt er beim Pferdeverkauf mit Sattel nicht mehr. Wer ein Pferd wegen der Kosten verkauft, hat sich im Vorfeld auch keine Sattelanpassung mehr geleistet, weshalb nicht klar ist, ob dem Pferd sein Sattel überhaupt noch angepasst werden kann. Deshalb würde ich niemals ein Pferd mit Ausrüstung kaufen, es sei denn, ich möchte zwingend dieses Pferd, der Preis ist ok und der Verkäufer gibt das Pferd keinen Cent günstiger her, wenn ich es ohne Ausrüstung nehme. Dann nehme ich die Ausrüstung natürlich mit und versuche, sie selbst gebraucht zu verkaufen oder verschenke sie.

Dann ist für's direkt dran sitzen ohne jegliches Pad und eine dünne Sattelunterlage, die einfach nur das Leder des Sattels vom Talg der Haut trennt, immer unvergleichlich gut. Einzelne Anwendungen verlangen halt möglicherweise nach der Nutzung einer anderen Sattelunterlage.

Das mag eine vorübergehende, erwartbare Veränderung des Pferdes sein, wo der Sattler nicht innerhalb weniger Wochen den Sattel zweimal zerlegt, um den Baum einmal in die eine und dann wieder in die andere Richtung zu ändern - sowas hat man oft nach Pausen.

Oder ein Pferd hat ein Handicap, was ihm einseitig schwer macht, Muskulatur zu bilden: Polstert der Sattler die schwächere Seite mehr auf, kann das Pferd dort keine Muskeln bilden, weil es erhöhten Druck hat, polstert er nicht, wird der Reiter schief gesetzt und wird die Muskeln nicht hin reiten können. Entsprechend braucht es in einem solchen Fall eher ein Pad, das auf der weniger bemuskelten Seite selbst etwas aufbauscht, auf der anderen ausweicht. Oder: Viele Pferde, grade Schulpferde, erwirbt man ohne Trapezmuskel. Da gilt dasselbe. Will der Sattler vermeiden, dass der Sattel hinter die Schulter taucht, müsste er den Raum voll polstern, Aufbauen wäre nicht möglich. Auch hier kann eine Pad helfen. Aber auch für den Ausgleich durch ein Pad muss der Sattel angepasst und Flexibilität, Dicke etc. des Pad mit dem Sattler abgestimmt sein. Packe ich irgendwas drunter, laufe ich Gefahr, das Gegenteil der angestrebten Wirkung zu erreichen.

Auch längere Ritte können eine hautfreundliche Unterseite der Sattelunterlage nötig machen, z.B. wenn Pferde ein Problem damit haben, wenn der Schweiß nicht abtransportiert wird (Überhitzung der Muskulatur oder Hautreaktionen können solche Probleme sein). Hier versucht man eben, Lammfell oder solche Dekubitusmaterialien, wie man auch von sich wundliegenden menschlichen Patienten kennt, auf die Haut zu legen. Gibt es inzwischen auch von mehreren Herstellern in allen erdenklichen Varianten.

Antwort
von sukueh, 33

Bei einem neu gekauften Pferd samt Ausrüstung empfiehlt es sich IMMER, die Paßform des Sattels überprüfen zu lassen.

Keiner kann aus einer Beschreibung die Paßform des Sattels sowie Sinn und Zweck zusätzlicher Pads beurteilen.

Antwort
von katjesr5, 27

Hallo

also grundsätzlich ist ja nun so, dass ein vernünftig passender Sattel keinerlei Pads oder sonstige Sachen darunter braucht.

Da in Schulbetrieben aber selten auf so was geachtet wird und lieber mal schnell irgendwas zum Polstern drunterkommt, würde ich doch raten in der nächsten Zeit mal einen Sattler draufschauen zu lassen.

Ob du das Pad oder das was davon übrig ist nun guten Gewissens drunterlassen kannst oder besser ohne reitest, lässt sich von der Entfernung natürlich schlecht sagen. Wenn er sich locker reiten lässt und keine Druckstellen, weiße Haare oder ähnliches aufweist, würde ich es eher drunter lassen, also alles wie es war. Oder vielleicht ist auch jemand im Stall der etwas Ahnung hat und mal einen Blick draufwerfen kann. Mit dem Sattler würde ich trotzdem nicht zu lange warten, wie gesagt Schulbetriebe machen sich da selten die Mühe Sättel wirklich gut anpassen zu lassen. Vielleicht muss der/ die Arme schon länger mit unpassendem Sattel rumlaufen.

Antwort
von Snooky1000, 24

Hi. Erstmal Herzlichen Glückwunsch zum Pferdekauf. Prima :-) Meine Stute ist derweil in Rente aber durch ihren massiven Senkrücken habe ich mich sehr viel mit dem Thema befasst und etlice Seminare etc... besucht und natürlich den Sattler kommen lassen. Eigentl. sollte unter den Sattel nur noch die passende Satteldecke, alles andere ist oft "gefuddel" und Anlass zum Rutschen oder Drücken. Reitställe und ich will nicht pauschalieren aber - sie müssen oft mit dem arbeiten was sie haben, vermutlich lag dieser Sattel schon auf mehreren Pferden und ist auch schon lang in Gebrauch. ( Was bei guter Pflege kein Problem ist aber ich weiß wie es oft zugeht in vielen Reitställen, wie gesagt - nicht in Allen....) da ist Pflege Mangelware. Hallo Natalie , Wenn also der Sattel halbwegs passt, dann wurde er vermutlich mittels Pad (vermeintlich) passend gemacht. Ist aber nicht immer der richtige Weg. Wenn die Decke eh schon alt und verrrubbelt ist- kauf eine neue! Deine Überlegung ist zwar gut gedacht, aber irgendwann MUSST DU das ja eh mal erneuern denke ich. Allerdings bevor DU das tust.... Folgender Tipp: Wenn du dein Pferd putzt also vorm Reiten dann schau doch mal wie es reagiert wenn du den Rücken putzt. Steht es entspannt? Geniest es die Massage? Oder ist es unruhig, legt gar die Ohren an und zuckt unter deiner Hand und drückt vielleicht sogar den Rücken weg? PFERDE REDEN GANZ DEUTLICH! Du musst eigentlich nur den Mund halten (zwinker ;-) und zuschauen und beobachten. Sollte es also empfindlich sein im Rücken, wirst du das ratzfatz bemerken. Auch beim Sattel auflegen - beobachte seine Reaktionen. Ein Pferd dessen Sattel passt, steht ruhig und gelassen. Es gibt Leute die reden sich das schön oder sagen "das hat der schon imr so gemacht" - das ist BULLSHIT - ein Pferd zeigt durch jede Art von Unruhe an das ihm was missfällt- wenn dein Pferd ruhig steht - sagt es dir: Alles in Ordnung hier! Ansonsten noch ein weiterer Tipp, insofern dein Pferd nicht nervös wird (mangels Erfahrung) : Also: stell dich mal auf eine Kiste oder Stuhl direkt hinter dein Pferd also hi9nte rdie Kruppe- bringe dich auf erhöhte (!) Position und schau mal von oben / hinten auf dein ungesattelte Pferd runter. Ich hab den Tipp von einem Sattelseminar und war sowas von verblüfft. Mein damaliges Pferd war rechts bemuskelt wie Arnold und links völlig unterentwickelt. Viel zu oft auf der gleichen Hand geritten (Schokoseite ist ja eh alles leichter ;-) aber nun war klar, warum der Sattel SO nicht passen konnte. Als ich das bei uns im Stall machte, lachten alle erstmal los, dann haben sie es nachgemacht und fast jeder 2. war erschrocken wie unterschiedlich ein Pferd - von oben betrachtet seine "Seiten/Schulter/Rücken und Kruppen--Muskulatur" entwickelt haben kann , da man oft nicht merkt das man auf der einen (starken) Hand immer (!) mehr /länger reitet als auf der anderen.... Ich habe daraufhin 6 Monate nur Bodentraining, Bodenarbeit, Schenkelweichen vom Boden und Cavalettiarbeit gemacht sowie gelegentliches Reiten mit Biegen und Stellen, Schlangenlinien reiten (auch im Schritt gut) - und siehe da - nach 6 Monaten waren beide seiten GLEICH! Danach rutschte auch die Satteldecke nicht mehr. Naja klar, Bodenarbeit gehört immer dazu. Last but not least: Egal wie lieb manche Reitställe mit ihren Tieren umgehen - es ist ein Hartes Brot für manches Pferd, sieh es also als ein MUST-DO an, das du über kurz oder lang den Sattler mal kommen lässt zwecks Aufpolstern und Check. Sag klipp und klar das du nu eine Überprüfung wünschst. Ein serioeser Sattler hält sich dran und berät dich ehrlich. Zahnarzt und Osteopath wären dann die nächsten Schritte um sicher zu gehen das dein Pferdi gesund und munter und ohne Schmerzen in sein neues Leben bei dir startet und glaub mir,----> ein Gutes Gewissen beim Reiten - beflügelt!!!!!

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten