Frage von zahlenguide, 35

"Satire darf alles!" - macht das überhaupt Sinn?

Das war Anfang des Jahres einer der beliebtesten Sätze in Comedysendungen und Talkshows. Aber nun mal im ernst, macht das überhaupt irgend einen Sinn? So gesehen könnten doch auch Neonazis oder andere extreme Gruppen sich immer darauf berufen, dass das ja alles Satire sei, was sie ideologisch so von sich geben.

Sollten Comedians wirklich unsere Grenzen der Moral und Ethik sowie der Aufklärung bestimmen? So gesehen dürfte man Comedians nie berechtigt kritisieren, wenn ein Witz zu weit geht.

z.B. in einer aktuellen Sendung werden Männer andeutungsweise mit Pädophilen und Neonazis gleich gesetzt, weil sie es bei Frauen mehrheitlich unten rum kahl haben möchten. Natürlich als Satire gemeint, aber meiner Meinung nach geht das viel zu weit.

Antwort
von DinoMath, 16

Deinen Einwand finde ich gerechtfertigt und überzeugend.

Nur weils Satire ist heisst es nciht, dass es nicht auch beleidigend oder sonstwie falsch sein kann. z.B. wie in deinem Fall geschmackslos und eben nicht der Wahrheit entsprechend. Als Witz geht das schon eher.

Aber die Sache ist die, dass Satire an sich keine Aussagen macht, sondern nur zum nachdenken anregt. Das alleine ist ja nciht verboten, selbst wenn die Gedanken in eine Richtung gehen, die am Ende zu etwas verbotenen führen würden, wenn man sie ernst nehmen könnte.
Insofern dürften Neonazis wohl auch Satire machen in denen sie in Frage stellen ob Ausländer auch Menschen sind, solange sie nicht implizit eine bestimmte Meinung dazu aufdrängen, sondern dem Leser frei lässt die Satire zu beurteilen.
Da dann zu trennen was man darf und was nicht ist einfach unmöglich, genauso wie man nicht so einfach immer trennen kann was Satire ist und was nicht.

Fazit:
Gedanken sind Frei und das ist auch gut so =)
Beschränkungen machen nur dann Sinn, wenn sie großen Einfluss auf andere Menschen haben, denn dann gibts auch sofort eine gewisse Verantwortung.

Kommentar von zahlenguide ,

Sehe ich nicht so, denn schon die Frage - Sind Ausländer auch Menschen, verstößt bei einem Menschen, der erwachsen ist, für mich eindeutig gegen die Menschenrechte - denn da wird eine Frage, die letztlich gesellschaftlich und vor allem auf aller höchsten Ebene rechtlich geklärt ist, in Frage gestellt.

Oder fändest du Fragen wie: Sollten Kinder nicht doch geschlagen werden? Sollte Menschenhandel nicht staatlich finanziert werden? Sollte Deutschland nicht mehr amerikanische Foltergefängnisse für Systemkritiker bauen? als hilfreich oder lustig an? - Nur, weil ich etwas in Frageform stelle, heißt das doch nicht, dass es okay ist. Bedenke nur, welche Frage Adolf Hitler den Deutschen damals gestellt hat und wie die Frage beantwortet wurde... und was für Folgen das hatte.

Kommentar von DinoMath ,

Fragen dieser Art implizieren ja schon die Tendenz ja zu sagen, selbst wenn man sie auch einfach mit nein beantworten könnte und gut ist (sieht man ja bei gf häufiger)

theoretisch ist es aber bei einer Satire MÖGLICH etwas zu thematisieren OHNE den Menschen in eine bestimmte Richtung zu beeinflussen und dann ist das auch okay.
Ob der einen oder anderen Satire dies allerdings gelingt ist dann wieder eine andere Frage.

Muss zu meiner Schande gestehen, dass ich jetzt erst geschaut habe wie Satire genau definiert ist und wusste nicht, dass es per Definition keine Satire ist, wenn sie nicht irgendetwas kritisiert.

Demnach wäre die Antwort dann sinnvollerweise eher "Ja, solange sie nicht Menschenrechte kritisiert"

bei aktuell geltenden Gesetzen die auch anders geregelt sein könnten würde ich schon sagen darf man die durchaus kritisieren, wenn man will.

Übrigens wäre dein obiges Beispiel eher keine Satire, sondern eher ne Parodie oder keine Ahnung.
Etwas ist ja auch nicht immer nur eine Sache.

Antwort
von Lmorg, 13

"Sollten Comedians wirklich unsere Grenzen der Moral und Ethik sowie der Aufklärung bestimmen?"

Wie kommst du darauf, dass sie das tun oder tun könnten? WO diese Grenzen liegen, entscheidet jeder Mensch für sich selbst. Oder sollte es zumindest.

Kommentar von zahlenguide ,

wenn Satiriker im Talkshow unwidersprochen sagen - Satire darf alles - finde ich das nicht differenziert und damit bestimmen sie zu nächst über moralische Werte in der Gesellschaft. Wenn nun ein Neonazi Satire machen würde, könnte der sagen - "Was denn, meine Darstellungen von Eugenik auf der Bühne sind ja nur Satire und sollen zum Nachdenken anregen."....

Kommentar von Lmorg ,

Ich denke, manchmal muss man eben auch an den gesunden Menschenverstand appellieren. Es ist einfach nicht grundsätzlich immer möglich, alles über ein- und denselben Kamm zu scheren.

Ich persönlich finde auch diese Extrem-Beispiele bzw -Vergleiche furchtbar. Es macht irgendwie den Eindruck, als gäbe es zwischen schwarz und weiß nichts anderes.

Binnen der letzten Jahre ist mir außerdem aufgefallen, dass es immer mehr Menschen zu geben scheint (so macht es auf mich jedenfalls den Eindruck, ergibt sich aus Gesprächen und Kommentaren), die ihre Aufmerksamkeit auf derlei banale Dinge richten und dabei jedes Wort auf die Goldwaage legen. Andererseits, wenn es wirklich mal um wichtige Themen geht, die zum kritischen Nachdenken anregen müssen, da die Konsequenzen der getätigten Äußerungen (bestes Beispiel: Zitate von Politikern) weitreichende Folgen nach sich ziehen, die eine große Masse an Menschen betrifft, heißt es wiederrum "man muss nicht alles wörtlich nehmen".

Naja, ich bleibe bei meiner Aussage, dass der Einzelne (der ein wichtiger Teil der Gesellschaft ist) selbst entscheiden kann und sollte, wo seine moralischen Grenzen liegen. Tut er das nicht, gibt er die Verantwortung und Kontrolle über sein Denken in die Hände anderer - in dem Fall in die Hände der Komödianten.

Antwort
von Franzmann0815, 9

Man muss eben für sich selbst entscheiden, wo der Spaß aufhört und der Ernst beginnt

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