Frage von barfussjim, 146

Russisch-amerikanische Freundschaft unter Donald Trump?

Politiker rechtspopulistischer Parteien (Front National, Ukip, NPD etc.) betonen gerne ihr freundschaftliches Verhältnis gegenüber Russland und Putin. Wie sieht es aber mit Donald Trump aus? Auch er hat sich ja bereits (ganz im Gegensatz zu Obama) positiv und wohlwollend gegenüber Putin geäußert ("I would get along very well with Vladimir Putin")

Werden unter seiner möglichen Präsidentschaft die Differenzen zwischen den USA und Russland beigelegt? Wird vielleicht bald eine neue Freundschaft zwischen beiden Länder begründet?

Expertenantwort
von PeVau, Community-Experte für Politik, 78

Deine Frage geht von mehreren grundlegenden Irrtümern aus.

Beziehungen zwischen Staaten werden von ihren Interessen und den Interessen der Machteliten bestimmt und nicht durch mögliche Männerfreundschaften. Hier bist du der Propagandamathode der Personalisierung aufgesessen. Momentan bestimmen außenpolitisch die Falken um Cheney den US-Kurs und Obama, der durch Drohnen mordende Friedensnobelpreisträger, hat dem nicht nur nichts entgegenzusetzen, er macht auch noch mit.

Inwiefern Trumps Äußerungen ernst gemeint sind oder nur Wahlkampfgeschwätz sind, um sich außenpolitisch zu profilieren, bleibt abzuwarten. Es könnte durchaus sein, dass das ein Versuchsballon ist, um zu testen, inwieweit der US-Wähler einen Entspannungskurs mittragen würde. Dass auch Teile der US-Eliten an einer Entspannung interessiert sind, ist auch nicht neu. Seine Vorstellung, es würde schon reichen, mit Putin persönlich ganz gut klar zu kommen, zeugt jedenfalls nicht von besonderer Kompetenz.

Die derzeitigen Spannungen resultieren aus unterschiedlichen Interessen, die man in ihrer Essenz so beschreiben könnte:

Russland, wieder erstarkt, ist nicht gewillt, sich der US-amerikanischen Hegemonie unterzuordnen und seine Interessen gegenüber denen der USA zurückzustellen. Russland geht es um eine multipolare Welt und findet dabei Unterstützung nicht nur bei China.

Das steht im krassen Gegensatz zur USA, die ihren Anspruch auf Vorherrschaft in der Welt im Mai und im Oktober des letzten Jahres in den Reden von Obama in West Point und Brisbane deutlich machten. Die Ausweitung der NATO bis an Russlands Grenzen ist eines der MIttel dazu und hat die russische Gegenreaktion bewirkt.

Mit der Nennung der rechtspopulistischen Bewegungen in Europa, die sich für normale Beziehungen zu Russland aussprechen, bist du einer zweiten Propagandamasche auf den Leim gegangen. Diese Bewegungen sprechen sich für normale Beziehungen aus, weil es zu ihrem teilweise völkischen Nationalismus gehört, sich von den USA zu emanzipieren. Völkischer Nationalismus hin oder her, Emanzipation von den USA ist nichts Schlechtes und es wird auch dadurch nicht schlecht, wenn es die falschen Leute aus den vielleicht falschen Gründen fordern.

Dazu gehört auch, die spezifischen nationalen Interessen der europäischen Staaten wahrzunehmen, zu denen gute Beziehungen zu Russland gehören. Denn Europa hat durch die nicht ganz freiwillige transatlantische Treue, die eigenen Interessen hinter die der USA gestellt und das zum eigenen Schaden.

Dadurch, dass rechte Bewegungen auf ihren Demonstrationen auch Russlandfahnen schwenken, wird aus Russland keine faschistische Diktatur, auch wenn dieser Schluss in deiner Fragestellung impliziert werden soll.

Eine Freundschaft zwischen den USA und Russland wird es erst geben, wenn die USA ihrem globalen Hegemonieanspruch abschwört. Das wird sich wohl kaum ein US-Präsident in den nächsten Jahren leisten können. Das schließt aber auch nicht aus, dass in Anerkennung der sich vollziehenden ökonomischen und militärischen Machtverschiebungen - die USA haben den Zenit ihrer Macht überschritten -, man nicht trotzdem vernünftig zusammenarbeiten könnte.

Antwort
von ThomasAral, 74

nein,

und die rechtspopulisten sagen das nur weils genug rechte russisstämmig gibt, welche die wählen.  in der realität hat man jedoch in der ukraine erlebt was putin von rechtspopulistischen regierungen hält -----   das sind faschisten sagt er   (und deswegen hat er ihnen auch die krim genommen, weil man denen nicht trauen kann)

Kommentar von barfussjim ,

Donald Trump, Marine Le Pen, Nigel Farrange, Gerd Wilders etc. sind ganz bestimmt nicht russischstämmig. Dennoch ist Putin ihr Vorbild.

Kommentar von PeVau ,

Ich denke nicht, dass Putin ihr Vorbild ist. Er steht aber für nationale Selbstbestimmung, was im Verständnis der die EU ablehnenden Rechtspopulisten etwas Positives ist. Dass die nationale Selbstbestimmung Russlands, die unter Jelzin weitgehend verloren ging und unter Putin wieder zurückgewonnen wurde, nichts mit völkischem Nationalismus zu tun hat, stört sie dabei nicht.

Russland setzt sicher wieder verstärkt auf staatlichen Patriotismus, doch wer diesen Vielvölkerstaat kennt, weiß, dass alles völkische den Zusammenhalt dort gefährden würde. Deshalb sind auch die Vorwürfe gegen die russische Regierung und gegen Putin in diese Richtung absurd.

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