Frage von Destriker0815, 41

Ritzen-Wie kann man Helfen?

Guten Abend,

ich hätte mal eine Frage, und zwar habe ich vor ca. 3 Tagen erfahren das sich eine sehr gute Freundin von mir Ritzt bzw. wieder Ritzt, sie hat sich nämlich vor ca. nem Jahr schon mal geritzt und davor auch nur war sie dann in Therapie und hat zumindest meines Wissens damit aufgehört. Bis jetzt. Ich würde ihr gerne helfen und mache mir auch dermaßen sorge das ich in letzter Zeit kaum noch schlaf geschweige denn einen „Normalen“ Tag geregelt bekomme. Nur gibt es bei der ganzen Geschichte ein großes Problem denn wir wohnen ca. 512km entfernt und ich weiß halt nicht wie ich sie ablenken könnte oder ihr helfen könnte damit aufzuhören, grade wegen der Entfernung. Ich habe auch schon mal drüber nachgedacht ob ich vlt mal mit ihren Eltern drüber reden sollte nur habe ich 1. Ihre Nummer nicht und 2. Mal gehört das man das auf keinen Fall tun sollte weil es alles nur verschlimmern würde. Hat jemand eine Idee was ich machen kann? Ich bin am verzweifeln.

Danke schon mal im Voraus.

Antwort
von EinNarr, 27

Zuerst sind Rückfälle etwas relativ normales. Die Wenigsten gehen aus der Therapie und verfallen nie wieder in alte Verhaltensweisen zurück. Für einen Rückfall gibt es Auslöser, dass heißt eine Situation, in der sich die Person mit ihren Hilfsmitteln und Techniken aus der Therapie nicht mehr zu helfen weiß und wieder zurückgreift auf das dysfunktionale Verhalten - so ist es zumindest in vielen Fällen aber ich möchte es nicht verallgemeinern.

Abhängig von eurem Verhältnis könnt ihr ins Gespräch gehen und vielleicht ergründen, wie es zu der jetzigen Situation gekommen ist und was sich in der letzten Zeit verändert hat. Eventuell lassen sich über diesen Wege schon Ideen entwickeln, um die Richtung wieder zu ändern. Es gibt schlussendlich nie eine pauschale Lösung für dieses Problem, denn es hängt immer von den individuellen Lebensumständen ab, in der sich die Person gerade befindet. Wenn sie dir aber in einem Gespräch sagen kann, was bei ihr aktuell passiert ist, lässt sich sicher darauf aufbauend etwas finden.

Was sich allerdings pauschal sagen lässt ist, dass ein Therapieaufenthalt allein manchmal nicht genügt. Viele entscheiden sich dafür sich nach einer stationären Therapie noch ambulante Unterstützung zu suchen, um auch weiterhin einen kompetenten Gesprächspartner an ihrer Seite zu haben - insbesondere bei Rückfällen oder aufkommenden Krisensituationen ist es sehr hilfreich zu wissen, dass man sich an jemanden vom Fach wenden kann. Es wäre ihr also ein guter Rat, wenn sie diesen Schritt gehen würde, um dort auch weitere Schritte besprechen zu können.

Alles weitere, also abseits des Gesprächs und darauf aufbauenden Überlegungen, sowie der Hinweise ambulant weiter zu machen, ist dann abhängig von deiner Freundin selbst und auf welchem Wege ihr beide die Möglichkeit habt etwas zu tun.

Dem Internet sei Dank ist heute schon vieles Möglich. Ich schaue oftmals mit einer Freundin, die ebenfalls sehr weit weg lebt, Filme oder Serien zusammen. Wir telefonieren und sehen uns über Skype und lasse derweil gleichzeitig den entsprechenden Film laufen. Das sind kleinere Improvisationen und manchmal ist eben ein gewisser Einfallsreichtum gefragt, abhängig davon was man gerne machen würde. Wahlweise könntest du ihr auch ein Packet schicken, mit ein paar Aufmerksamkeiten drin und Dingen, über die sie sich freuen würde. Es muss nicht kostenspielig sein, hierbei geht es einfach nur um die Geste und ein Brief darin, mit ein paar lieben Worten, ist immer ein schönes Geschenk für die Stimmung. Vielleicht kommt dir anhand ihrer Hobbies oder Interesse noch andere entsprechende Idee, um ihr ab und an ein paar schöne Stunden zu bescheren.

Ihre Eltern nicht zu informieren halte ich erstmal für eine legitime Idee. In einem gewissen Maße muss sie selbst entscheiden, was sie wann nach außen trägt und zudem würde es euer Verhältnis nachhaltig schädigen - wenn sie sich betrogen fühlt, wirkt sich das eventuell auch ungemein schlecht auf ihre psychische Verfassung aus. Sie allerdings zu fragen, was sie von der Idee hält, sich an ihre Eltern zu wenden, ist völlig legitim. Abhängig davon wie gut sie sich mit ihren Eltern versteht, könnte das auch durchaus hilfreich sein, wenn diese über die aktuelle Situation bescheid wissen. Das informieren der Eltern ist dann aber erforderlich, wenn es zu konkreten Suizidankündigungen kommen sollte - ab diesem Punkt führt daran kein Weg mehr vorbei. Das ist wichtig.

Nun aber ein Punkt der besonders wichtig ist - achte auf dich selbst. Du scheinst mir jetzt schon stark emotional involviert zu sein, was auch aufgrund der Situation absolut nachvollziehbar ist. Dennoch ist es wichtig, dass du auch auf dich selbst achtest und dich nicht aufopferst für das Wohl deiner Freundin - im schlimmsten Fall nimmst du daran selbst noch Schaden und das ist alles aber nicht im Sinne des Erfinders. Überschreite also nicht deine persönlichen Grenzen auf Kosten deiner Gesundheit.

Ich wünsche dir und deiner Freundin alles Gute.

Liebe Grüße.

Kommentar von Destriker0815 ,

Also vorab vielen Dank für deine schnelle und kompetente Antwort.

Was das filme angucken bzw. kreative angeht haben wir früher auch immer Serien und Filme geguckt, zb the Walking dead war immer eine Serie die wir beide sehr aufmerksam verfolgt haben und immer gemeinsam geschaut hatten. Auch abends bzw. nachts haben wir den Skypecall weiter laufen lassen damit ich ihr das Gefühl nicht alleine zu sein geben konnte aber dies ist mit unserem momentanen Internet norm. Leider nichtmehr möglich was einerseits sehr schade ist weil die Zeit wirklich sehr schön war und sie in dieser Zeit meiner Meinung nach echt aufgeblüht ist und sich fast nicht mehr geritzt hatte.

Und an einen Brief oder derartiges hab ich bislang gar nicht gedacht weil uns das Internet wie du ja schon sagtest so viel Möglichkeiten liefert das ein Brief heutzutage schon unnötig scheint aber es dennoch was hat wo man weiß das dies nicht nur eine virtuelle Mitteilung ist sondern real ist.

Was das mit meiner eigenen Gesundheit angeht ist mir selbst auch bewusst das es ihr auf keinen Fall hilft wenn ich auch noch krank werde und sie damit ihren einzigen und letzten Ansprechpartner dem sie noch vertraut zumindest zeitweilig verliert auf keinen Fall hilft, nur ist es sehr schwierig seine Emotionen was das angeht im Griff zu halten weil mir das ganze schon ganz schön nahe geht.

Nochmal vielen Dank und noch einen schönen Abend und ebenfalls alles Gute.

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