Frage von Bernhard1960, 34

Riestern trotz Pensionskasse?

Macht es Sinn einen Riestervertrag abzuschließen wenn man schon in eine Pensionskasse einzahlt?

Antwort
von dibafin, 4

Die Riester-Rente ist grundsätzlich geschaffen worden, um die Gruppe der Selbständigen zu motivieren, auch für die Rente aktiv zu sparen. Denn die meisten Selbständige sind gar nicht gesetzlich pflichtversichert. Dass die gesetzliche Rentenversicherung nicht ausreichend für den wohlverdienten Ruhestand ist, ist längst kein Geheimnis und die betriebliche Altersvorsorge stellt eine sehr gute Möglichkeit dar, ein Teil der Rentenlücke zu schließen. Deine Frage, ob Riester als weitere Zusatzversicherung gut ist, hängt von deiner steuerlichen Situation sowie persönlichen Ziele und Wünsche ab. So z.B. ob du noch Potential bei deiner Einkommensteuererklärung hast, Sonderausgaben abzuziehen. Deine Riester-Rente, genauso wie deine betriebliche-Altersversorgungsrente, wirst du auch voll versteuern müssen, dennoch zu einem niedrigeren persönlichen Steuersatz. Eine mögliche Alternative hierzu wäre eine private Altersvorsorge abzuschließen. Außer Aspekten zusätzlicher Flexibilität wie bei der Verwendung der Ersparnisse (Kapitalauszahlung oder Rente), ist nur die Hälfte der Erträge bei einer Kapitalauszahlung oder der Ertragsanteile aus der Rente zu versteuern. Dennoch unter den Bedingungen, dass du zumindest 62 Jahre alt bist und der Vertrag seit mindestens 12 Jahren abgeschlossen worden ist. Wenn du in 1960 geboren bist und heute eine private Rentenversicherungspolice abschließt, wärest du erst ab 68 Jahre steuerbegünstigt. Ob du bis dahin warten möchtest sei dahingestellt. Sonst ist der Ertragsanteil deiner Rente mit 25% Abgeltungsteuer zzgl. Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer zu versteuern und nicht der Ertrags- und Kapitalanteil lt. Einkommensteuerprogression wie im Fall der Riester-Rente. Es bleibt dir oder deinen Steuerberater zu modellieren, welche Alternative in deinem Fall die günstigste ist.

Antwort
von kevin1905, 21

Wenn die 1960 dein Geburtsjahr darstellen, bringt dir ein Neuabschluss herzlich wenig, die Zeit ist einfach zu kurz.

Die Frage ist nicht allgemeingültig zu beantworten.

Entscheidend ist.

  • Wie hoch sind deine Ansprüche an gesetzliche Rente und PK?
  • Wann willst du in Rente gehen?
  • Welches Geld möchtest du dann zur Verfügung haben?
  • Decken die Leistungen aus GRV und PK dieses?
  • Wie viel Vermögen oder Einkommen ist vorhanden um evtl. nochmal aktiv zu werden?
Kommentar von Bernhard1960 ,

Ich bin von 78. Ich frage mich halt ob eine Riesterrente zusätzlich sinnvoll ist da die Rentenbezüge ja dann später ab einer bestimmten Obergrenze auch besteuert werden. Würde ich z.b. als Rentner später Bezüge von sagen wir mal 2000 €( inkl. Pensionskasse) bekommen und zusätzlich 600 € an Riesterrente könnte es dann sein das ich dann von den 2600 € dadurch das ich die Grenze knacke 600€ an Steuern zahlen müsste? Wäre dem so dann würde es für mich keinen Sinn machen heute zu riestern. Da dann alles was ich an Ansprüchen erwirtschafte quasi wieder abgezogen würde.

Kommentar von kevin1905 ,

Ich frage mich halt ob eine Riesterrente zusätzlich sinnvoll ist da die Rentenbezüge ja dann später ab einer bestimmten Obergrenze auch besteuert werden.

Du hättest aus DRV und PK so viel dass du auf jeden Fall Steuern zahlen musst, mit oder ohne Riester. Zusätzliches Einkommen schiebt dich natürlich in die Progression nach oben, aber das ist ja kein Grund nicht mehr Einkommen zu haben.

Deine

  • komplette gesetzliche,
  • komplette Betriebsrente und
  • auch eine Riesterrente wären zu 100% dem steuerpflichtigen Einkommen zuzurechnen, da du erst nach 2039 erstmalig gesetzliche Altersrente beziehst.
  • Außer dem Grundfreibetrag gibt es keine weiteren Freiebträge.

Hieße also in deinem Beispiel für dich 2.600,- € Bruttorentenanspruch im Monat.

  • 2.600,- € x 12 = 31.200,- €
  • Davon ab Werbungskostenpauschale, bleiben: 31.098,- €
  • Davon ab Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung auf die gesetzliche Rente und PK: Bleiben 28.620,- €.
  • Davon runter Sonderausgabenpauschale blieben etwa 28.500,- € zu versteuerndes Einkommen.
  • Macht nach ESt-Grundtabelle 2016 eine Steuerschuld von 5.000,- € zzgl. Soli und ggf. KiSt.

Die Rechnung ist übrigens nicht akkurat, da du nicht zwischen DRV und PK differenziert hast. KV/PV Beiträge werden da nämlich anders erhoben.

Wäre dem so dann würde es für mich keinen Sinn machen heute zu riestern.

Steuern sollten niemals das entscheidende Kriterium einer Investition sein.

Dass die Beiträge zur Riesterrente zu 100% steuerlich absetzbar sind, hast du aber auch auf dem Schirm? Wenn du die Steuern auf der Leistungsseite einrechnest, musst du sie auch auf der Beitragsseite einkalkulieren.

Ob ein Riestervertrag für dich Sinn macht lässt sich hier nicht klären.

Entscheidend ist die Versorgungslücke und wie man diese schließt mit möglichst wenig Nettoaufwand.

Antwort
von auchmama, 27

Ich würde sagen ja!

Wenn man sich mehrere Vorsorgen leisten kann, dann sollte man die auch nutzen!

Lass Dich doch mal von einem Versicherungsmenschen Deines Vertrauens beraten.

Alles Gute

Antwort
von skatefreakM, 21

Riester lohnt sich meiner Meinung nach immer. Zum Beispiel mit einem Riester-Bausparvertrag kommt man trotz geringer Eigenleistung schneller zur Zuteilung und man hat steuerliche Vorteile. Meiner Meinung nach immer empfehlenswert!

LG

Kommentar von kevin1905 ,

Der Bausparvertrag hat aber weniger Rendite als ein Fondssparplan oder auch eine gute (fondsgebundene) Rentenversicherung.

Ferner lässt sich JEDER Riestervertrag wohnwirtschaftlich verwenden, nicht nur der Bausparriester.

Das Thema Wohnförderkonto ist aber bekannt? Steuern auf die fiktive Rente?

Kommentar von skatefreakM ,

Bei heutiger Rente sind die erhöhten Steuern in der Rente nicht mehr wirklich viel Geld. Aber nur mal angenommen er will einmal bauen, somit kann er einen Riester Bausparvertrag abschließen. Auch wenn er keine hohe Rendite erzielt sind die Staatlichen Förderungen trotzdem sehr gut um sich nebenbei noch etwas draufzahlen zu lassen. Wenn er Ihn dann in die Zuteilung kommt, bekommt (40% der Bausparsumme) er noch zusätzlich ein Zinsgünstiges Darlehen.

Kommentar von kevin1905 ,

Das alles geht auch ohne Bausparvertrag.

Wenn ich eine Riesterrentenversicherung oder einen Fondssparplan habe, kann ich auch zur Versicherung/Fondsgesellschaft sagen: "So Leute ich will jetzt bauen und das Geld dafür verwenden".

Günstig ist das dennoch nicht.

  • Zum einen gibt es die Bestimmungen zur förderschädlichen Verwendung. Er muss die Immobilie also selbst nutzen. Umziehen, verkaufen oder vermieten sind kategorisch keine Optionen (für mind. 10 Jahre).
  • Dann bleibt die Thematik des Wohnförderkontos. Im Rentenalter sind Steuern zu zahlen, als wäre aus dem Riestervertrag eine Rente geflossen (es wird eine 2% Wertentwicklung pro Jahr unterstellt).
  • Es fließt aber keine Rente, da der Riestervertrag ja wohnwirtschaftlich verwendet wurde.

Ein zinsgünstiges Darlehen bekommt er auch so, da wir zum einen eine Niedrigzinsphase haben zum anderen, wenn man von genannten DRV und PK werten sein aktuelles Einkommen extrapoliert, dürfte grundsätzlich auch kein Bonitätsproblem vorliegen.

Ferner ist das Darlehen einer Bausparkasse meist nicht hoch genug um den kompletten Bedarf an Fremdkapital zu decken.

Ich krieg Leute mit Einkommen > 2.000,- € Netto und schuldenfrei in Finanzierungen (ca. 90% FK bei fremgenutzen Objekten) mit Zinssätzen von 2,1 - 2,9% maximal.

Die Argumente der Bausparkassen sind etwas vorgeschoben. Das ist meine Meinung als Versicherungs- und Immobilienmakler

Kommentar von skatefreakM ,

"Ferner ist das Darlehen einer Bausparkasse meist nicht hoch genug um den kompletten Bedarf an Fremdkapital zu decken"

Die Bausparkassen richten sich natürlich nach dem einkommen und der finanziellen Lage der Kunden. Natürlich kann man auch "ganz einfach" ein VK (Vorfinanzierungskredit) oder ein ZK(Zwischenfinanzierungskredit) vergeben sofern er das Geld sofort will. Man könnte natürlich auch jederzeit einen Bausparvertrag mit 400.000,-€ machen, jedoch muss man 40 % der Bausparsumme erreichen um in die Zuteilung zu kommen. Das heißt in diesem Fall müsste der Kunde 160.000,-€ zusammensparen um in die Zuteilung kommen zu können (oder VK) somit hat er (nach Einhaltung der anderen Kriterien) das Recht auf ein Zinsgünstiges Darlehen in höhe von 240.000,-€ zur Verfügung. Und dieses Geld soll nicht ausreichen ?

Kommentar von kevin1905 ,

Man könnte natürlich auch jederzeit einen Bausparvertrag mit 400.000,-€ machen, jedoch muss man 40 % der Bausparsumme erreichen um in die Zuteilung zu kommen.

Eben genau das ist das Problem.

Aufgrund der Abschlusskosten beginnt der Spaß ja schon bei -4.000,- €. Und die Beiträge in einen Riestervertrag sind begrenzt auf 2.100,- € p.a. inkl. Zulage.

Heißt es braucht erstmal 2 Jahre, damit der Vertrag überhaupt in etwa bei 0 ist und die Miniguthabenverzinsung zum Tragen kommt.

Selbst mit den Zinsen bräuchte ich über 40 Jahre, damit der Vertrag zuteilungsreif ist.

Oder ich überspare ihn, dann ist er aber kein Riester mehr, zumindest nicht bei Beträgen die über die 2.100,- € hinaus gehen und ich hätte einen Nettosparaufwand von 500,- € oder mehr im Monat.

Zum einen gibt es nicht viele Menschen, die wirklich 500,- € im Monat anlegen können oder gar wollen zum anderen, wenn man dieses Geld hätte, macht man keinen Bausparvertrag sondern man holt sich 1 oder 2 fremgenutzte Objekte und vermietet die.

Reiche und erfolgreiche Menschen haben ihr Geld nicht in Bausparverträgen.

Ich war so frei mich mal kurz der Seite von Schwäbisch-Hall zu bedienen (mit Nichten will ich Werbung machen, aber hier hab ich tatsächliche Zahlen).

  • Bausparsumme 250.000,- € (mehr geht dort im Rechner nicht)
  • 100.000,- € müssen angespart werden (40%)
  • Sparzeit 15 Jahre (mehr ging nicht)
  • Bringt eine monatliche Sparrate von 537,- € brutto, die man aufwenden müsste um
  • 2,15% gebundener Sollzins (2,38% effektiver Jahreszins ab Zuteilgung) zu bekommen.

Ich mach meinen Job nicht erst seit gestern und das ist behindert.

Kommentar von skatefreakM ,

Ich gebe mich geschlagen :D Respekt an dich, nebenbei bei Riester Verträgen ist es Pflicht die Abschlussgebühr auf 5 Jahre verteilt abzubezahlen. Also nochmal schlechter als du es schon sagtest.

LG

Antwort
von kenibora, 24

Sinn oder Unsinn....niemand kennt Deine finanziellen Verhältnisse. Es gibt aber jede Menge an Beratungsstellen. Z.B. auch Deine Hausbank!

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