Frage von JoSchweizer, 112

Respekt vor Terroropfern?

Wenn irgendwo ein Terroranschlag geschieht und Menschen verletzen sich/sterben dabei - legt ihr dann so etwas wie eine Gedenkminute o.ä. ein? Macht ihr quasi "für euch selbst" etwas?

Ich finde, viele gehen ein wenig unsensibel mit diesem Thema um und es geht ständig um "man darf keine Angst haben" oder "überall auf der Welt sterben täglich Menschen". Ich bitte daher, bei den Antworten auf diese Frage beim Thema zu bleiben.

Antwort
von testwiegehtdas, 16

Ich persönlich mache das nicht oder nur, wenn es dort wo ich bin alle machen. Ich erinnere mich an eine Schweigeminute als ich in der Grundschule war, ich weiß aber nicht mehr warum sie war. Da war ich natürlich auch ruhig und habe mitgemacht, aber von mir aus mache ich sowas nicht.

Ich denke so eine Schweigeminute bringt mir persönlich nichts, manche machen das gerne um in sich zu gehen und die Gedanken zu sammeln, aber ich mache sowas anders.

Ich weine auch nicht oder würde irgendwo Blumen hin bringen, wenn ich keines der Opfer kenne.

Wäre jemand mir bekanntes unter den Opfern, dann würde ich vermutlich anders handeln, egal ob nahe stehende Person oder entfernt über viele Ecken bekannt... Doch so ist es für mich einfach eine Tragödie von vielen auf der Welt. Für mich persönlich ist ein Terroranschlag nicht groß schlimmer als eine Familientragödie wo ein Elternteil seine Kinder und dann sich tötet. Es sterben einfach nur mehr Menschen auf ein mal.  

Ich mache mir auch Gedanken wenn ich weiß, dass eine gute Bekannte zu den Feierlichkeiten in Nizza wollte (sie hat dort lange mit ihrer Mutter gelebt und ist erst vor wenigen Jahren zu ihrem Vater nach Deutschland gekommen). Aber ich weiß sie war nicht da, weil es beruflich nicht ging...

So ist ein Terroranschlag in Frankreich auch nicht dramatischer als einer im Irak oder wo auch immer.

Ich trauere mich um Fremde, nicht in einer Form in der ich eben für Bekannte trauern würde. Wir wurden früh so erzogen, dass Menschen eben sterben, dass war in meiner Familie nie ein Tabu-Thema. Ich kann nicht nachvollziehen warum Menschen andere mutwillig töten, aber es ändert nichts an meinem Leben.

Zumal so eine Gedenk-Minute nichts ändert. Die Opfer sind trotzdem tot, ihre Familien und Bekannten trauern, es macht sie nicht wieder lebendig. Ich würde keine Witze darüber machen, das wäre pietätlos, erst recht wenn es erst kurz her ist, aber ansonsten gibt es aktuell mit meinem Leben keine Berührungspunkte.

Ich ziehe meine Lehre eher daraus, dass ich mir wieder bewusst mache wie schnell das Leben vorbei sein kann.

Der Cousin von einem guten Bekannten ist mit 13 Jahren vom Kantstein gestolpert und hat sich das Genick gebrochen. Oder an unserer Schule hat ein betrunkener Autofahrer mehrere an der Ampel wartende Kinder tot gefahren, weil er von der Straße abgekommen und gegen die Ampel gefahren ist. Das finde ich ebenso tragisch wie ein 13 Jähriger der bei einem Terroranschlag stirbt. Einfach weil dieses junge Leben viel zu früh beendet war.  

Leider nutzen manche Menschen solch Gedenkmomente um sich in den Mittelpunkt zu stellen um dort persönliche Vorteile raus zu ziehen.

Also kurz zusammengefasst: Ich halte keine Gedenkminuten von mir aus ab. Ich halte auch mein Auto nicht an wenn ich im Radio höre, dass gerade sowas ist. Aber ich gedenke selber kurz den Toten, versuche dann aber mein Leben weiter zu leben.

Mal so als kleiner Denkanstoß: mir wurde mal die Frage gestellt ob ich gerne wissen würde, wann ich sterbe (und/oder warum ich sterbe). Im ersten Moment dachte ich "ja, das wäre gut zu wissen". Mittlerweile denke ich aber, dass ich es nicht wissen möchte, weil es mein Leben zu sehr beeinflussen würde. Wäre es nun Krebs mit 30 Jahren, dann würde ich versuchen mein Leben radikal zu ändern, mich nur gesund zu ernähren und total auf alles was ich gerne esse zu verzichten. Aber warum? Denn es steht ja schon fest, dass ich trotzdem sterbe. Das einzige interessante wäre der Punkt mit Verwandten oder Freunden letzte Unstimmigkeiten zu klären, denn selbst wenn ich heute total sauer wäre, würde ich nie wollen, dass die sich ihr restliches Leben deswegen Vorwürfe machen z.B. weil unsere letzte Unterhaltung ein Streit war.

Ich hatte mir den Vorsatz genommen bei einer Verabschiedung so zu sein, als könnte es der letzte sein, denn man weiß ja nie... Aber genau das ist es geblieben, nur ein guter Vorsatz unter vielen...

Antwort
von Malavatica, 28

Diese man-darf-keine-Angst-haben Haltung finde ich manchmal schon ignorant. Etwas Vorsicht ist nie verkehrt. Werden sich die Eltern der Schüler aus Berlin bestimmt auch wünschen, die ihre Kinder verloren haben. 

Mir tun die Opfer auch leid. Aber eine Schweigeminute lege ich nicht ein. Ich würde aber mitmachen, wenn sie an einer Straßenkreuzung gerade stattfinden würde. Anteilnahme muss jedem selbst überlassen werden. 

Blumen niederlegen ist eine Geste der Anteilnahme. 

Antwort
von FSD21, 20

Es macht mich viel mehr wütend, dass ein Mensch sich das Recht nimmt über andere Leben zu besimmen, und erstrecht grundlos welche zu nehmen!

Respekt empfinde ich für Leute, die sich Angreifern entgegenstellen und so Leben retten. Würde nicht jeder feige um sein Leben rennen hätte man gute Chancen einen Angreifer zu stoppen und so größeres Übel zu verhindern (ist natürlich leicht zu sagen / gilt nicht für Bombenanschläge)

Jedoch hat jeder Mensch der ungewollt sterben musste meine Trauer verdient.

Jeder Terrorist, der auch nur einen Menschen tötet hat meiner Meinung nach seine Existenzberechtigung verspielt. Das unsere Regierungen Terrororganisationen und gerade dem IS so wenig beachtung schenkt ist traurig, aber leider ist die Wirtschaft noch immer wichtiger als das Volk.Gerade der IS ist kein Problem: Wäre es von den Regierungen gewollt, könnte man diese Organisation binnen weniger Tage zerschlagen!

Das Problem waren nie Terrororganisationen die Anschläge verüben, sondern es sind diejenigen, die es zulassen (wenn nicht fördern)!

Antwort
von atzef, 4

Mit welchem Recht maßt du dir an, darüber zu urteilen, wie "sensibel" oder nicht andere Menschen mit diesem Thema umgehen?

Möchtest du dich etwa dafür als Kriterium aufspielen und an deiner "Sensibilität" andere Menschen auf- oder abwerten...?

Antwort
von Thelostboy342, 17

Klar ist man irgendwie bei den Opfern... Jeder kann sich vorstellen, abends im Zug zu sitzen und einfach so von einem Wahnsinnigen eine Axt in den Hals gerammt zu bekommen.

In den Begriffen IS-Flagge, Allahu Ackbar, Flüchtling & Afghane einen Zusammenhang zu erkennen, ist natürlich wieder Populismus.

Antwort
von voayager, 4

Eine Gedenkminute erübrigt sich, schon weil damit niemanden geholfen ist. Auch isses so, dass weltweit stets und immer zu fürchterliche Dinge geschehen, so dass man dann eigentlich rund um die Uhr beschäftigt wäre zu gedenken.


Antwort
von frischling15, 31

Meine Gefühle sind so privat , dass sie keine breite Öffentlichkeit benötigen !

Antwort
von fitnessAnonym8, 11

Tja, in Deutschland gab es nun die erste Bluttat des IS. Ganz frisch eben in den Nachrichten, gestern passiert und die IS hat sich nun dazu bekannt.
In Würzburg ist ein Mann mit einer Axt auf 21 Menschen losgegangen.

Einfach nur abartig, diese Welt...
Und zu deiner Frage, so etwas tue ich zwar nicht aber ich denke viel darüber nach, vor allem bei dem letzten Anschlag in Nizza, in denen unter den Toten so viele Kinder waren.
Wieso können die Terroristen nicht ihre religiösen oder politischen Diskrepanzen mit den Verantwortlichen führen?!
Das ist alles nicht besser, aber unschuldige Kinder zu ermorden, die noch gar keine religiösen oder politischen Ansätze haben,..das grenzt alles an einfach nur barbarischem und primitiv, dummen Handeln. Diese Menschen vergleiche ich ebenso, wie Neonazis, deren Überzeugung ist einfach nur primitiv und zurück geblieben!

Also Fazit: Ich lege zwar keine Gedenkminute ein, aber ich denke viel darüber und über die zukünftigen Ereignisse nach, die sicherlich bald in verstärkter Form ebenfalls in Deutschland passieren werden.

Gruß

Antwort
von Beantworter1112, 5

Nein, wenn in Afrika Menschen an Hungernot sterben, trauert doch auch keiner..
Also trauer ich lieber erst gar nicht, als für irgendwelche einzelnen Gruppen/Bevölkerungsgruppen.
Aber klar, es betrifft mich schon hart... es macht mich auch wütend, wenn Leute meinen aus Dummheit andere zu zerballern und zerbomben..

Antwort
von xxxFriendlyxxx, 53

Nein, ich lege keine Gedenkminute ein und ich weine deshalb auch nicht. Was würde es denn bringen ? Nichts.

Vor allem kenne ich diese Leute gar nicht und deshalb kann ich da auch nicht so wirklich mitfühlen. Klar, ich verstehe es, dass es für die Angehörigen schrecklich ist, aber ich als Außenstehender kann da nicht mitfühlen. Ich finde sowieso diese ganzen Anteilnahmen oft Schwachsinn. Einer macht es vor, und alle machen es nach. Das kann man auf Twitter immer sehr gut beobachten. Anteilnahme ist gut, aber sollte auch nicht übermäßig übertrieben werden. Ich hoffe du weißt was ich meine.

Kommentar von JoSchweizer ,

Ich kann dich verstehen, dass es bei dir nicht dieses Gefühl der Nähe und des Mitleidens erzeugt. Bzgl. der Anteilnahmen meinte ich aber auch eher "stille" Anteilnahme, also nicht öffentlich bei Twitter, Facebook o.ä. 

Kommentar von xxxFriendlyxxx ,

Nein, auch keine stille Anteilnahme. Ich schau mir zwar alle Einzelheiten und Bilder von den Opfern an, aber ich weine deshalb trotzdem nicht. Ich finde einfach, wenn man stille Anteilnahme zeigt, sollte man es bei allen schlimmen Geschehnissen tun und nicht nur bei Anschlägen in Europa. Jeden Tag passieren schlimme Dinge, überall auf der Welt. Würde ich Anteilnahme zeigen, müsste ich das den ganzen Tag und das schafft glaub ich niemand, weil man auch andere Dinge zu tun hat und das Leben trotzdem weitergeht.

Antwort
von OtakuLissy, 24

Ich finde die Leute tun mir sehr leid. Ich kenne sie zwar nicht aber ihr müsst euch vorstellen was passieren würde wenn es jemand aus eurer Familie geschehen würde.      Das mit der Schweigeminute, es ist wahr das es nichts bringt aber es zeigt das du mit trauerst. 

Immer denken alle: Ach ist doch egal ich kenn die eh nicht. Oder: Hauptsache es passiert nicht bei uns. Einmal wird es vielleicht passieren und dann ist es nicht mehr egal. Also ich würde unendlich trauern wenn jemand aus meiner Familie etwas passieren würde. Jeder hat seine Meinung und das ist meine. 

LG: Lissy ^^

Antwort
von Violetta1, 5

Die einen sehen es so, die anderen so.

Ich hau mir jetzt nicht mit nem Stein auf den Kopf, aber mitfühlen tue ich schon. Weil einfach klar ist,e s ist so willkürlich, wo das passiert.

Letztens bei Brüssel war das letzte,w as ich von einem FB-Freund hörte, dass er jetzt nen Taxi nimmt und zum Flughafen fährt, sich schon freut, abends wieder bei der Familie zu sein.

Wir wünschten, wer online war, noch ne gute Reise..

Und dann gings mit den Nachrichten los..

Wir kennen uns in dieser Seite fast alle nicht, wir haben aber ein sehr inniges Verhältnis.. und es war schrecklich, nicht zu wissen, was nun war.

Als schließlich kam "ich bin wieder im Hotel und in Sicherheit" habe ich vor Erleichterung geheult.

Und nicht nur ich.

Als es beim WTC abging,w ar meine Cousine nur durch Zufall nicht in einem der Floieger,d a sie den Flug verpasst hatte.

Man kann sagen, na, ist ja alles gut.

Oder eben: so haarscharf.. und andere hatten nicht das Glück.

Es wird einem klar wieviel Glück manchmal einfach dazugehört.. und wie leicht man selber oder jemand,d en man mag.. liebt.. hätte betroffen sein können.

Deshalb macht mir so w as schon was.

Und trotzdem/ gleichzeitig sage ich , davon darf man sich nicht einschüchtern lassen.

Das hat für mich aber nichts mit Ignoranz oder Disrespect zu tun sondern mit "für Euch, ihr hättet das nicht gewollt".

Ich spiele ja auch noch mit Kindern und mach mich gerne für sie zum Affen obwohl der von mir sehr geliebte kleine Sohn einer Freundin gruseligst an Krebs starb.

Antwort
von SoVain123, 40

Ich finde um ehrlich zu sein das komplette System traurig. 
Ich sitze mit einer kalten Cola im Englischen Garten und auf der anderen Seite von der Welt verdursten Kinder.
Das ganze Thema kommt jetzt nur so hoch, weil das alles hier in der nähe passiert.
Ich denke häufiger an die Opfer von Terror, aber ändern kann ich ja sowieso nichts.
Also genieße ich meine Zeit bis ich dann irgendwann dran bin :/

Antwort
von Wernerbirkwald, 24

Ich würde Stunden damit verbringen,wenn es nur  ein bischen hilfreich wäre.

Es ist mir aber zu albern,mich der Illusion hinzugeben,mit dieser Schweigeminute hätte ich etwas sinnvolles getan.

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