Frage von LyciaKarma, 138

Resozialisierung von traumatisiertem Pferd in den Offenstall?

Hallo,

wer mein Pferd und mich (aus Geschichten) kennt, der weiß, dass er durch seine vielen Besuche beim Händler und Dasein als Wanderpokal einen recht großen Schaden hat.

So lässt er sich beispielsweise von anderen nicht führen (selbst bei mir schwierig) und hat lange Zeit nach Menschen getreten, was er aber bis jetzt seit ca einem 3/4 Jahr nicht mehr getan hat.

Leider muss ich wieder den Stall wechseln - aktuell werden die Pferde absolut unzureichend eingezäunt, der Stall ist immer baufälliger usw.
Der Gipfel war, dass mein Pferd letztens eine 60l-Müsli-Tonne fast leergefressen hat, weil die Sattelkammer nicht richtig zu war.

Zum Glück ist nichts passiert, aber wer kann das vorher wissen..

Jedenfalls habe ich jetzt einen Offenstall gefunden -Box kommt nicht infrage- mit einer kleinen Gruppe mit ihm wären es 5 sehr liebe, sehr ruhige und äußerst verträgliche Pferde und es werden auch nicht mehr), bei dem er nicht viele fremde Personen um sich hätte und keiner ihn führen muss.

Die Stallbesi war am Telefon sehr nett und ich habe vorgeschlagen (wenn es nach dem persönlichen Gespräch noch passt), dass sie uns besuchen kommt und sich das Pferd "daheim" anschaut.

Sie kennt ihn von früher, er stand mit einer Vorbesitzerin bei ihr und musste nach 8 Wochen gehen, weil er auf Menschen losging.
Ich hab ihr ehrlich gesagt, dass ich für nichts garantieren kann, er das aber recht lange nicht mehr getan hat.

Sie möchte mir eine Chance geben.

Hat jemand mit solchen Pferden Erfahrungen? Ist eine "Resozialisierung" - mit Menschen, nicht mit Pferden in diesem Fall - möglich? Er ist ja nicht böse, er hat nur gelernt, dass Menschen böse sind.. Er hatte zb auch panische Angst vor Besen, Heugabeln, Gerten etc..

Ich würde mich freuen, wenn jemand erzählen mag, der auch etwas Ähnliches durch hat.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Isildur, 47

Hallo,

oh je, das klingt hefitg. Du hast ja mit seinen MAcken nicht hinter dem Berg gehalten. Es ist ja schon einmal gut, dass die Betreiber des Offenstalls sich deinem PFerd annehmen wollen. Das größter Problem was ich sehe ist, was machst du wenn es nicht klappt? Ich würde mir auf jeden Fall einen Notfallplan zurecht legen, denn ich denke das häufige Stallwechsel deinem nicht besondern gut tun werden... Was für mich ein Auschlusskriteriu wäre, wäre wenn Kinder alleine zu den PFerden gehen (bsp. weil sie ein Pferd da stehen habe). Da hätte ich viel zu viel Angst, dass mein Pferd denen einen vor den Kopf gibt. Meine Stute findet neue Menschen auch eher doof und manche Menschen findet sie generell doof. Sie macht nicht im entferntesten so einen Aufstand wie deiner - sie geht einfach. Ich sage den Leuten sie sollen ihre Anstellerei ignorieren und sich auch von der Dame nichts bieten lassen, was sie sich von einem anderen auch nicht bieten lassen würden. Wenn alles passt und PFerd und Stallbesi sich beschnuppert haben würde ich (mit Notfallplan) den WEchsel wagen

Kommentar von LyciaKarma ,

Danke für deine Antwort!

Zum Glück kann ich mit der aktuellen Stallbesi sprechen, so wie ich sie einschätze.  

Und dann auch wieder zurück, wenns sein müsste. Wollen tu ich das nicht, aber wenns wirklich nicht anders geht, wäre es wohl das Beste.  

Mit Kindern hat er übrigens kein Problem, die liebt er. 

Kommentar von Isildur ,

Danke für den Stern

Expertenantwort
von NanaHu, Community-Experte für Pferde, 30

Mach dir nicht zu große Sorgen, du und dein Pferd, ihr packt den Umzug schon.

Wenn die neue Stallgemeinschaft wirklich so ruhig und nett ist, wie von der Stallbesi angegeben, dann wird das schon. Ich denke mit entsprechend rücksichtigem Verhalten aller neuen Personen dem Pferd gegenüber lebt sich das Tier schnell ein und fühlt sich dort wohl und sicher.

Du solltest den Umzug wagen wenn alles passt. Im allergrößten Notfall kannst du ja immer noch wieder versuchen zu deinem aktuellen Stall zurück zu kehren. (Wenn dein Pferd so sensibel auf neue Umgebungen und Personen reagiert, hilft es ja ggf. wenn du fürs erste die neue Anlage in regelmäßigen Abständen mit dem Tier aufsuchst und es sich Schrittweise an die neue Umgebung und die neuen Personen gewöhnen kann.)

Drücke dir die Daumen dass alles gut geht. (Vertraue auf dein Pferd......das wird schon werden.)

Antwort
von hupsipu, 56

Ja, hier... Ich habe den Vorteil, dass ich die Trigger sehr genau benennen kann (Männer, Alkoholgeruch, ausgestreckte Hand von oben, alles was einen langen Stiel hat wie Besen etc). Daher fahre ich gut damit, neuen Personen klare "Verbote" zu geben, deutlich zu sagen was sonst passiert, und das ganze dann mit "kann nix dafür, hat schlimme Dinge erlebt" abzumildern.

Bisher war es meistens so, dass die Fehlertoleranz meines Ponys gegenüber denen, die füttern und den Stall machen, nach ca 8 Wochen besser wurde und nach ca 6 Monaten verlässlich groß war so dass beide Seiten ohne "Beäugen" miteinander umgehen konnten. Außerdem habe ich darauf geachtet, die ersten Tage bei den Begegnungen mit neuen Bezugspersonen mit dabei zu sein - mein Pony ist sehr auf mich eingeschossen und lässt sich daher ganz gut beruhigen wenn sie mich sieht.

Hmm, nur halb hilfreich, sorry...

Kommentar von LyciaKarma ,

Danke für deine Antwort. Sie kommt uns ja eh am aktuellen Stall besuchen, ich hoffe, dass wir dann schlauer sind..

Kommentar von hupsipu ,

Viel Glück! Aber die Rahmenbedingungen klingen ja gut und nach einem überschaubaren, verlässlichen Umfeld fürs Pferd, das dürfte helfen.

Antwort
von JaneDoe18, 25

Meiner ist zwar bei weitem nicht so schlimm, aber auch der hat Probleme gemacht. Wir haben im aktuellen Stall einen "Paddockservice". Sprich, der Stallbesitzer bringt alle Pferde morgens raus. (Ja, aktuell über Nacht Box, auf Nachfrage erkläre ich sehr gerne, warum.) und der hat einiges an Jahren Erfahrung mit Pferden, und ist auch nicht gerade schmächtig. Trotzdem ist meiner mit ihm spazieren gegangen. Beim angebunden sein ging er die Wände hoch, fremde lässt er ungern an seine Hufe, Männer haben gar keine Chance, da hatten wir zu Anfang mit steigen und gezieltem treten zu kämpfen.

Von deinen bisherigen Antworten auf diverse Fragen schätze ich dich als ruhige, selbstsicher Person mit genug Pferdeberstand ein, um die Hürde anzugehen.

Ich an deiner Stelle würde erstmal den Besuch der Stallbesitzerin auf mich zukommen lassen. Wenn die tatsächlich sagt, man kann über einen Einzug sprechen, würde ich mich mit beiden Stallbesitzern zusammensetzen, und versuchen einen "Mittelweg" zu finden. Sprich, du ziehst um, hast aber im schlimmsten Fall die Möglichkeit wieder zurück zu kommen.

Wenn die neue Stallgemeinschaft wirklich so nett ist, dann werden sie auch Verständnis haben, erkläre Ihnen nach Möglichkeit wie und warum dein Pferd in bestimmten Situationen reagiert, und dass er eben nicht einfach ist. Da müssen sie eben etwas mitspielen. Auch zur eigenen Sicherheit. 

Am Einzugstag ist im Idealfall nur die Stallbesitzerin da. Und du natürlich. Also 2 Leute die er "kennt." Die anderen Einsteller sollten ihren ersten Kontakt zu ihm in deinem Beisein machen, und ruhig irgendwas gut duftendes in der Tasche haben. Es muss nicht helfen, aber es kann. 

Wichtig sind wohl Ruhe und Geduld. Aber soweit warst du vermutlich auch schon. Vielleicht hilft meine Antwort ja trotzdem irgendwo.

Kommentar von LyciaKarma ,

Danke für deine Antwort!

Zum Glück kann ich mit der aktuellen Stallbesi sprechen, so wie ich sie einschätze.  

Und dann auch wieder zurück, wenns sein müsste. Wollen tu ich das nicht, aber wenns wirklich nicht anders geht, wäre es wohl das Beste.  

Mit Kindern hat er übrigens kein Problem, die liebt er. 

Antwort
von SunshineHorse, 52

Hey , erstmal schön dass du zum Wohle deines Pferdes den Stall wechselst , toll :D
Ja wir haben in einem der Offenställen bei uns auch so ein Pferd . Er war sehr aggressiv stieg in der nähe fremder Menschen , trat um sich herum und jagte die Menschen . Auch mich . Wir haben ihn langsam antrainiert . Zuerst hat die Besi ihn geholt und in die Halle gestellt , wo kein Mensch war , nur ein Kumpel aus dem Stall also Pferd . Danach kam meine RL rein mit einem Bündel Mörchen . Sie ging zum anderen Pferd , der andere damals so aggressive wurde abgemacht . Er kam zu meiner RL hin , beschnupperte sie und schließlich nahm er die Möhren . Dann ging sie . Am nächsten Tag dasselbe spiel . Am 3. Tag durfte sie ihn schon am Hals streicheln .
Mit Leckerlies klappt es immer ;D
Meinte Tante würde noch empfehlen , nicht zu häufig den Kontakt zu anderen Menschen überhäufen . Dass wird nicht gut .

Ansonsten kann ich dir ein Buch zu diesem Thema nur empfehlen !
Das schafft ihr !:)
Viel Glück

Kommentar von LyciaKarma ,

Hallo, 

danke für deine Antwort!


Ich habe mein Pferd jetzt 2 Jahre und es ist auch schon viel besser geworden.  

Das ist nicht mit Möhrchen getan und auch nicht mit Leckerli und Hals kraulen.  Vor allem nicht von heute auf morgen.




Meinte Tante würde noch empfehlen , nicht zu häufig den Kontakt zu anderen Menschen überhäufen .

Also das war mir jetzt auch klar.. 




Ansonsten kann ich dir ein Buch zu diesem Thema nur empfehlen !

Das ist jetzt echt nicht böse gemeint, aber das Buch würde mich mal interessieren, wenns dann klappt.   
Ich arbeite da schon seit 2 Jahren mit diversen Trainern am Pferd, die mir bis auf einen alle rieten, das Pferd zum Schlachter zu geben. 

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