Frage von pusteblumee1997, 61

Religiose Differenzen/ religiöser Zwang?

Hallo alle zusammen!

Ich hab mal eine andere Frage bzw möchte nach euren Meinungen fragen. Meine Eltern sind streng katholisch religiös und so wurde ich auch erzogen. Seit ich 15 bin (bin jetzt 19) habe ich angefangen immer mehr an den Ansichten der Kirche zu zweifeln. Mittlerweile würde ich mich schon fast als Atheistin bezeichnen bzw bin ich mir unsicher an was ich glauben soll. Ich glaube nun mal, dass wir einfach nicht wissen was nach dem Tod ist und keine Beweise für die Theorien der Religionen haben. Ich respektiere den Glauben anderer aber denke persönlich einfach, dass es früher Religion gab um den Menschen Hoffnung zu geben und es als Tradition weitergeführt wurde. Ich denke nun mal aber nicht, dass sich etwas ändert wenn man bettet oder in die Kirche geht.

Jetzt aber zum eigentlichen Teil meines Problems: meine Eltern wollen meine Ansichten nicht verstehen und schon gar nicht akzeptieren. Wir streiten uns ständig ganz besonders weil sie möchten, dass ich jeden Sonntag mit in die Kirche möchte. Ich gehe nur ganz ungerne mit, da ich zum einen nicht daran glaube, dass es etwas bringt aber hauptsächlich weil ich damit nur Zwang und Erpressung verbinde (ich habe früher zb kein Taschengeld bekommen wenn ich nicht mit bin). Meine Eltern sehen das als pubertierende Trotzreaktion, obwohl ich mich mittlerweile nach einem Jahr im Ausland und angefangenem Studium als ziemlich erwachsen und reif bezeichnen würde. Jeden Sonntag haben wir die Diskussion, wie undankbar ich sei und alles als selbstverständlich sehen würde (was nicht so ist, da ich mir bis jetzt im Leben vieles hart erarbeiten musste und einen langen Selbstfindungsweg hinter mir habe). Ich persönlich fühle mich einfach so viel freier und glücklicher ohne Religion, weshalb ich keinen Grund sehe wieso ich wieder gläubig werden sollte.

Das Ganze zielt nicht wirklich auf eine Frage, aber vielleicht hat jemand einen Rat für mich, ich würde einfach sehr gerne mein eigenes Leben leben und ein gutes Verhältnis zu meinen Eltern haben. Ich möchte auch niemanden angreifen, ich respektiere wie gesagt jede Religion und jeden Gläubigen, finde es aber nicht auf mich zu treffend:)

Viele Grüße und ein schönes Wochenende an alle!

Antwort
von vonGizycki, 15

rüß Dich pusteblumee1997!

Religiös sein und herkömmliche Religion unterscheiden sich. Du kannst sogar als Atheist religiös sein. Zur Einführung das hier. Das muss sein, weil damit auch die direkte Beantwortung Deiner Frage zu tun hat.

Es gibt keine allgemeingültige Definition von Religion. Es gibt nur eine, die dem
Begriff nahe kommt. Und zwar ist das die von Gustav Mensching, die ich
am Besten finde:

„Religion ist erlebnishafte Begegnung mit dem Heiligen und antwortendes Handeln des vom Heiligen bestimmten Menschen“.

Da wäre aber noch zu klären, was heilig bedeutet:

Wikipedia:

Heilig bezeichnet etwas Besonderes, Verehrungswürdiges und
stammt wortgeschichtlich von Heil ab, was sich abgeschwächt noch
in heil („ganz“) wiederfindet. Im allgemeinen Sprachgebrauch
ist heilig ein im Zusammenhang mit Religion gebrauchter Begriff mit der
zugedachten Bedeutung „einer Sphäre des Göttlichen, Vollkommenen oder
Absoluten angehörig“, ...

Heilig muss aber nicht unbedingt ein Gott oder irgendwelche Götter
sein, sondern kann auch das Leben selbst sein, mit all seiner Vielfalt
in der Welt und das Universum, welches als besonders verehrungswürdig
erlebt und angesehen werden kann.

Nur aber zurück zu Deiner Frage:

Wenn Du ein selbständiger denkender Mensch sein willst, dann musst Du Mut haben, Deinen eigenen Verstand zu gebrauchen. Du solltest Deinen Eltern sagen, dass Du, wenn Du Dich mit Obigem einverstanden erklären könntest, zwar auf diese Weise religiös wärest, aber eben Deinen eigenen freien religiösen Weg gehen musst.

Das wird sehr wahrscheinlich Probleme machen, aber es gibt nur diesen Ausweg, den der Philosoph Kant wunderbar formuliert hat:

Und der sagte:

"Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes  liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! (Übersetzt heißt das : Wage es weise zu sein) Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung."


Ausgang

Damit ist ein Verlassen, ein Ausbrechen gemeint, im Sinne von hinter sich lassen.

Wer aufgeklärt ist denkt selber und wagt es, dies auch gegen die
vorherrschende Strömung (Meinung, Ideologie) zu tun. Wer das nicht tut,
ist unmündig im Sinne einer Selbstverschuldung, weil er eben es nicht wagt, sich seines Verstandes zu bedienen.

Um richtig selbständig denken zu können bzw. dies zu lernen, muss man sich von geistigen bzw. psychologischen Zwängen befreien. Diese
Befreiung wirkt aber nur dann, wenn die Vernunft als Kontrollinstanz
eingesetzt wird.

Philosophisches Kopfkino - Was ist Aufklärung


http://www.3sat.de/mediathek/?display=1&mode=play&obj=29134

Selber denken und nicht anecken, das geht nicht!

Es ist fast unmöglich die Fackel der Wahrheit durch ein Gedränge zu tragen, ohne jemandem den Bart zu versengen.

Georg Christoph Lichtenberg

Herzlichen Gruß

Rüdiger

Antwort
von TUrabbIT, 22

Hallo
Ich bin Gläubiger Christ aber in einer freien evangelischen Gemeinde aufgewachsen, ich habe den Glauben als Freiheit erlebt und kennengelernt, und denke so sollte es sein.

Von Zwang in Glaubensfragen halte ich nichts, zum einen ich denke das bewirkt wie bei dir nur das Gegenteil von dem gewünschten und ist zum anderen falsch, denn Glaube sollte als freie Entscheidung getroffen und gelebt werden.
Ich respektiere deine Ansichten voll und habe kein Problem mit nicht oder anders Gläubigen.

Als Rat kann ich dir nur geben auszuziehen, falls noch nicht geschehen. Das beweist und führt zu Eigenständigkeit und kann auch das Verhältnis zu deinen Eltern entspannen. Nicht als Schritt gegen die Eltern sondern als Schritt in das Erwachsene Leben und die Selbstständigkeit.

Was den Glauben angeht:
Glauben sollte Freiheit sein und kann nicht durch Zwang entdeckt werden.
Wenn du von den Zwang durch die Eltern frei bist, leb dein Leben und wenn du möchtest schau mal unverbindlich in eine evangelische Freikirche oder eine andere katholische Kirche rein und schau wie es dir Leute dort Leben und erleben.

Wie auch immer es bei dir weiter geht:
Gott sei mit dir.

Antwort
von Monstrus87, 7

Das ist wirklich sehr schade. Aber du könntest paar klare Argumente auf den Tisch legen. Du respektierst die religiöse Einstellung deiner Eltern und dann haben sie auch deine freiheitsliebende Einstellung zu respektieren. Wenn sie das nicht tun, dann weißt du, wie wichtig du ihnen wirklich bist. Und ich fände es traurig, wenn ein Gott, der sich nie wirklich meldet und von dem man eh nie

auch nur einen Beweis seiner Existenz bekommt, meinen Eltern mehr wert wäre als ich. Dann hast nicht du dich von ihnen abgewandt, sondern sie sich von dir. Du bist nicht das Christenkind. Und wenn sie dich nur als solches lieben können, dann ist auch ihre elterliche Liebe von der Religion zerstört worden. Lies mal "Der Gotteswahn" von Richard Dawkins. Da steht ganz viel zu deinen Themen drin. Ist auch interessant geschrieben.

Antwort
von SturerEsel, 20

Du bist volljährig und kannst zu 100 % über dein Leben selbst bestimmen.

Warum ziehst du nicht von zu Hause aus? Finde einen Ausbildungs- oder Studienplatz und eine eigene Wohnung/WG. Nimm dein Leben in die eigene Hand.

Deine erzkatholischen Eltern werden nie deinen Atheismus akzeptieren, solange du unter dem gleichen Dach wohnst. Da ich annehme, dass sie dich lieben, werden sie dich auch irgendwann vermissen, wenn du nicht mehr da bist.

Zu Anfang wird es noch Streit geben. Das legt sich, wenn die Eltern eines Tages erkennen (müssen), dass du deinen eigenen Weg gehst.

Kommentar von pusteblumee1997 ,

Vielen Dank für deine Antwort! Ich habe bereits ein Jahr alleine im Ausland gewohnt und seit ich zurück bin habe ich einen Studienplatz in einer anderen Stadt und auch eine eigene Wohnung. Trotzdem finden sie immer wieder Wege, mir ein schlechtes Gewissen zu machen oder mich als Egoist darzustellen. Ich möchte natürlich auch nicht den Kontakt zu meiner Familie abbrechen

Kommentar von SturerEsel ,

Es sind also bereits alle Voraussetzungen gegeben und du hast dein eigenes Leben.

Ich fürchte, es wird dir nichts anderes übrig bleiben: Mach deinen Eltern unmissverständlich klar, dass du deren religiöse Ansichten nicht teilst.

Ihr habt euch bereits durch die ständige Streiterei entfremdet. Ich kann verstehen, dass du den Kontakt zu deinen Eltern nicht abbrechen möchtest, aber du kannst ihn stark reduzieren.

Du kannst z.B. alle vier Wochen zum Kaffee kommen. Einmal im Monat, 15 bis 17 Uhr. Schluss. Wenn dir dann immer noch Vorwürfe gemacht werden, dann eben alle 6 Monate.

Natürlich werden deine Eltern dich fragen, warum kommst du nicht mehr? Vertritt glasklar deine Meinung: "Ich bin nicht religiös und ich möchte mich nicht mehr mit euch darüber streiten. Wenn eure Vorwürfe aufhören, dann komme ich wieder öfter."

Deine Eltern werden anfangen, sich gegenseitig zu beeinflussen. Die Mutter wird mit deinem Vater sprechen und umgekehrt. Sie werden lernen, deine Ansichten zu respektieren.

Antwort
von Andrastor, 20

mein eigenes Leben leben und ein gutes Verhältnis zu meinen Eltern haben.

Das ist nicht immer miteinander vereinbar. Besonders wenn deine Eltern so eine vorsintflutliche Einstellung haben und du eher ein progressiver Mensch bist.

Ich würde dir raten sobald als möglich aus dem Elternhaus auszuziehen und auf eigenen Beinen zu stehen, falls du das nicht schon hast und solltest du schon ausgezogen sein, deinen Kontakt zu deinen Eltern langsam dezimieren.

Wenn deine Eltern begreifen dass du dein eigenes Leben hast und sie dich weder sooft sehen noch sooft mit dir sprechen wie früher, werden sie den Kontakt zu dir viel eher zu schätzen lernen.

Ganz nach dem Motto: "Du weißt erst was dir fehlt, wenn du es nicht mehr hast."

Antwort
von Zicke52, 12

Sage ihnen doch ein für allemal, dass das, was sie von dir verlangen, reine Heuchelei ist. Selbst wenn du in die Kirche gingst, ändert das ja nichts an deiner inneren Einstellung, und selbst Jesus sagt gemäß der Bibel, nur darauf käme es an. Glauben sie wirklich an einen Gott, der sich ein X für ein U vormachen lässt und nicht sieht, was du denkst? 

Und dann sage ihnen, dass du über das Thema nicht mehr sprechen möchtest, und tu das auch. Wenn das Thema aufkommt, wechsle das Thema oder, wenn sie sich nicht beirren lassen, verlasse den Raum/das Haus. Es hat keinen Zweck, immer wieder Themen anzuschneiden, die unweigerlich zu Streit führen und keinen weiterbringen.

Da du ja schon eine eigene Wohnung hast, noch dazu in einer anderen Stadt, verstehe ich sowieso nicht, warum das Thema so "heiss" ist. Verbringst du die kompletten Wochenenden bei deinen Eltern inklusive der Sonntags-Kirchgehzeiten? Vielleicht könntest du sie ja nur Samstags besuchen, oder Sonntag ab Mittag. Dann stellt sich die Frage nach dem in-die-Kirche-Mitgehen gar nicht. Wenn man nicht zusammenlebt, müsste es doch möglich sein, diesem Thema auszuweichen.

Antwort
von teafferman, 4

Es gab da mal so einen Menschen vor rund 2.000 Jahren. Der soll Jesus von Nazareth geheißen haben. Von diesem Menschen sind manche Überlieferungen erhalten. 

Es ergab sich also, dass Er gefragt wurde, Was Eltern von ihren Kindern fordern und erwarten dürfen. 

Frage Deine Eltern, wie die Antwort lautet. Sie steht in der Bibel. 

Kennen sie die Antwort nicht, dann mögen sie erklären, warum sie überhaupt jeden Sonntag in dieses Haus gehen. Vielleicht ist es ja ihre Ersatz-Kneipe?

Zu harte Worte? Sie stammen nicht von mir. Solche Worte sollen von einem gewissen Jesus Christus stammen. 

Ok. Dass Du religionsmündig bist, ist Dir eh klar? Deine Eltern haben Dir diesbezüglich keine Vorschriften zu machen. 

Ich würde mir einfach angewöhnen, vor ihnen aus dem Haus zu gehen. Womöglich triffst Du Dich mit Gleichaltrigen. Oder gehst Dein Kopf lüften. Oder beides .

Eine Diskussion funktioniert übrigens nicht, wenn sie einseitig geführt wird. Gibst Du also keine Antwort, reagierst überhaupt nicht, läuft sie sich auf eine Art gewiss tot. 

Vor allen Dingen: 

Gebe in die Suchmaske des Browsers ein 

grundgesetz

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Drucke weiter die UN-Kinderrechtscharta aus und hänge sie an Deine Zimmertür. Sie hat Verfassungscharakter. Umrahme sie mit den Worten

Gebt dem Staat, Was des Staates ist, Eurem Vater im Himmel, Was Sein ist. 


Antwort
von nowka20, 4

du bist dabei, dir ein gesundes selbstbewußtsein zu entwickeln.

dabei sollten deine eltern dir nicht reireden und du nicht in ihren glauben

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