Relative Armut (Politik und Wirtschaft)?

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6 Antworten

Hallo hskli,

entgegen aller hier abgegebenen Spekulationen, ist der Begriff sehr klar definiert. Und es geht überhaupt nicht um einen Gegensatz zwischen absoluter und relativer Armut, sondern darum, eine Vergleichbarkeit zwischen verschiedenen Ländern zu gewinnen.

Armut wird unterschiedlich definiert. Die WHO und die OECD definieren Personen die vom Median des Netto-Äquivalenzeinkommens weniger als 50 Prozent zur Verfügung haben, als arm. Da das Netto-Äquivalenzeinkommen in verschiedenen Ländern durchaus und messbar unterschiedlich - darüber muss man keineswegs herumspekulieren! - ist diese Angabe eine relative und damit wird relative Armut definiert.

"Absolute Armut" ist höchstens ein emotionaler Begriff!

Nur um die Unterschiede einmal klar zu machen - hier die Durchschnitts-Einkommen netto in PPP-$ (d.i. Kaufkraftbereinigt, s.u. https://de.wikipedia.org/wiki/Kaufkraftparit%C3%A4t), als Vergleichsgröße das Brutto-Einkommen in US-Dollar, sowie der Anteil der Bevölkerung unter der Armutsgrenze in %, beides für 2013 (nach Fischer Weltalmanach 2015 und Laenderdaten.de):

Deutschland: 44.540 PPP-$, 46.100 US-$, 15,5 %
Südafrika: 12.240 $, 7.190 US-$, 23,0 %
Zentralafrik. Republik: 600 $, 320 US-$, 62 %
Vereinigte Staaten von Amerika: 53.960 PPP-$, 53.670 US-$, 15,1 %
Bulgarien: 15.200 PPP-$, 7.030 US-$, 21,2 %
Norwegen: 66.520 PPP-$, 102.610 US-$, k.A.
VR China: 11.850 PPP-$, 6.560 US-$, 13,4 %

D.h. wer in Deutschland als arm gilt, verdient immer noch fast doppelt so viel, wie der Durchschnittsverdienst in Südafrika.

Gruß Friedemann

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Kommentar von rotreginak02
29.04.2016, 12:15

"Absolute Armut" ist höchstens ein emotionaler Begriff!

das ist Quatsch, denn auch "absolute Armut" ist eine statistische Methode zur Berechnung von Armut, allerdings ist hierbei die Bezugsgröße ein Warenkorb.

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Kommentar von Karl37
29.04.2016, 17:37

Der Begriff Durchschnittseinkommen ist nicht angebracht und verschönt die Situation. Besser wäre es vom Medianeinkommen und von den Perzentilen Einkommen zu sprechen.

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das Wort relativ ist immer auf eine Größe bezogen. Daher ist man natürlich in einem Staat wie der BRD auch als relativ Armer mit Hatz IV  immer noch viel reicher als jemand aus einem sogenannten "Armutsland". Was dieser relativ Arme in der BRD hat, ist wesentlich mehr als "arm" in zum Beispiel Südafrika Sinne von: Hunger leiden, keine Krankenversorgung, kein Recht auf Schule, keine Wasserversorgung, kein stabiles Haus etc.


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Kommentar von voayager
29.04.2016, 00:22

so viel ärmer sind die Menschen in Südafrika wieder auch nicht, als die hiesigen H-4-Empfänger, das redet man uns hier nur ein. Auch in Trikotstaaten sind ie armen Menschen nicht unbedingt schlecvhter gekleidet als hier ein Harz IV-Empfänger. Man muß bedenken, dass dort Vieles bedeutend billiger ist als hier, zudem so was wie ine Tauschbörse existiert, wo sich die Menschen bilige Teile jenseits eines Geschäftes besorgen usw.

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Relative Armut wird vom Statistischen Bundesamt dann angenommen, wenn jemand 60% oder weniger des Nettoäquivalenzeinkommens hat. 

Die Bundeszentrale für politische Bildung schreibt dazu:

"Die Armutsgefährdungsquote ist einer der wichtigsten Indikatoren in der europäischen Sozialberichterstattung. Sie gibt den Anteil der Menschen in der Bevölkerung an, die weniger als 60 % des mittleren Nettoäquivalenzeinkommens der Gesamtbevölkerung zur Verfügung haben. Der mittlere Wert oder der sogenannte »Median« markiert die Einkommensgrenze, die die Bevölkerung in eine untere und eine obere Hälfte teilt, und wird im Gegensatz zum Durchschnittswert durch Ausreißer nach oben oder unten nicht beeinflusst. "

Armutsgefährdung ist nichts anderes als relative Armut. Beim Mittleren Wert handelt es sich um dem Median, also nicht um den Mittelwert. Der Median ist der Wert, der eine Verteilung, hier die Einkommensverteilung in zwei Teile teilt.

Wenn also eine Gesellschaft aus Millionären besteht und 50% mindestens 2,5 Millionen Currency und mehr verdienen und 50% maximal 2,49 Mio, und weniger, dann gilt der als relativ arm, der 1,5 Millionen Currency verdient. 

Relative Armut hat mit Armut also nicht viel zu tun. Es ist ein Rechenkonstrukt, mit dem man Armut herbeirechnet, relative Armut genannt, um sie von wirklicher Armut, die nach der Definition der Weltbank dann vorliegt, wenn jemand mit wenger als 2 US-Dollar am Tag auskommen muss, zu unterscheiden.

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Der Begriff relative Armut ist mit Vorsicht zu genießen, denn er gaukelt vor, dass es eigentlich eine absolute Armut jenseits von Deutschland gibt, hier jedoch diese nicht vorherrscht. Ich halte das bedingt für ein Gerücht, hat es doch en Beigeschmack der Weißwäscherei gegenüber dem Elend hierzulande, also ein Art Euphemismus.

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Kommentar von rotreginak02
29.04.2016, 11:50

die Begriffe "relative Armut" und "absolute Armut" sind streng genommen statistische Methoden zur Berechnung der Armutsgrenze. Nicht mehr und nicht weniger. [wer das dann wie interpretiert oder politisch nutzt, ist etwas anders.]

Bei der Berechnung der "relativen Armut" ist die Bezugsgröße der Mittelwert des Einkommens der Bevölkerung. Hiervon nimmt man einen Prozentsatz (z.B. 50%),  wer dann unterhalb dieses Satzes liegt, gilt innerhalb dieser Bevölkerung als (relativ) arm. 

Bei der Methode zur Berechnung der "absoluten Armut" orientiert man sich an einem bestimmten Warenkorb, daraus werden die monatlichen Kosten berechnet. Wer dann weniger verdient, als die Kosten für den monatlichen Warenkorb sind, gilt als arm.

Wie sinnvoll oder irreführend und manipulierbar diese Methoden auf die tatsächlichen Lebensverhältnisse sind, sei dahin gestellt.

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Absolut arm bist du, wenn du nichts zu essen, kein zu Hause etc. hast, also ums Überleben kämpfen muss.

Relativ arm bist du, wenn du zwar nicht um das Überleben kämpfen musst, aber im Gegensatz zum Rest der Gesellschaft trotzdem arm bist.

Beispiel: viele Menschen in Afrika sind absolut arm. Hartz4 Empfänger in Deutschland sind relativ arm, sie verhungern nicht, aber sind deutlich ärmer als der Rest der Gesellschaft.

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Liebe(r) hskli,

„relativ“ ist meist ein Begriff, wenn Statistiker und/oder Politiker uns Sand in die Augen besser: Unser Gehirn verkleben wollen.

Aber jetzt zu Ihrer Frage. Durchweg wird beim Begriff „Armut“ eine sog. Armutsgrenze definiert. Und diese Armutsgrenze wird dann in Prozent vom z.B. Durchschnittseinkommen-der-Bevölkerung definiert.

Ein Beispiel:

Das Durchschnittseinkommen-der-Bevölkerung sollte sei: Euro 2.000,-- pro Monat.

Als Armutsgrenze hat die Politik ganz willkürlich 60 % dieses Durchschnittseinkommens definiert.

Dann ist jeder arm, der weniger als 60 % von 2.000,-- pro Monat hat. Also jeder ist arm der weniger als 1.200,-- pro Monat hat. Die Medien übernehmen dieses dann geradezu lustvoll und pusten es durch die Nachrichten.

Wenn nun in einem nächsten Jahr das Durchschnittseinkommen-der-Bevölkerung auf z.B. 3.000,-- pro Monat steigen sollte, dann bleibt bei der Armutsgrenze von 60 % selbstverständlich jeder unter 1.800,-- Einkommen weiterhin arm.

Sie sehen: solange eine Armutsgrenze „relativ“ zum Einkommen definiert wird solange bleiben alle unter dieser Grenze arm. Selbst wenn das reale Einkommen kräftig höher liegen sollte.

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