Frage von sagittarius91, 125

Reitanfänger zuerst Bodenarbeit?

Ich bin der Ansicht, jeder Reitanfänger sollte sich zunächst mit den Grundlagen rund ums Pferd vertraut machen. Dazu gehört für mich auch die Bodenarbeit. Reitschüler sollten die Bewegungen des Pferdes zunächst vom Boden kennenlernen und dafür das Longieren lernen. Es wäre gut, wenn viele Reitbetriebe dies beherzigen würden. Was schadet es dem Reiter, sich erst nach einem Jahr aufs Pferd zu schwingen. Stallarbeit, Boxenmisten gehört genauso dazu. Das steigert auch das Verantwortungsgefühl und dämpft die beschränkende Begeisterung, die allein dem Reiten gilt. Reiten ist nicht alles. Was meint ihr?

Expertenantwort
von friesennarr, Community-Experte für Pferde, 83

Als ich mit Pferden angefangen habe gab es noch Pferdekunde in den Reitställen. Wenn du diesen Kurs nicht abgeschlossen hattest, dann durfte man am Anfängerkurs gar nicht erst teilnehmen.

Dann kam ein Theoriekurs der 6 Stunden lang war und dann hatten wir 4 Longestunden. Erst jetzt wurde entschieden in welche Reitschulgruppe man kam. Es gab 1 und 2 - in der 1 waren die, die schon gute Balance hatten und vorwissen - ind er 2 waren die die noch Balance lernen mussten und eben ganz neu waren.

Bei uns wurde man auch noch vom Pferd gezogen, wenn man nicht gut mit ihm umgegangen ist.

Vor jeder Reitstunden mußte man dem Reitlehrer erzählen, wie man sein Pferd fertig gemacht hat und alle geschlossenen Riemen zeigen und auch das der Sattel richtig liegt, vorher durfte man nicht aufsteigen.

Ich finde reiten ist sogar der kleinste Teil in der Pferdehaltung.


Kommentar von ponyfliege ,

stroh im schweif: 5 mark in die kasse. dasselbe bei schmutzigen hufen. ;-))

Kommentar von Viowow ,

bei uns gibts bei dreckigen pferden zumindest noch eine runde kuchen für alle;)

Kommentar von sagittarius91 ,

Das sehe ich genauso und bin erleichtert, dass ich mit dieser Ansicht nicht allein dastehe. Hatte sie schon als engstirnig anzweifeln wollen.

Antwort
von glofaxa, 36

Das sehe ich auch so . In meinem Reitstall wurde ich auch gleich aufs Pferd gesetzt und da wusste ich null Komma null.
Einmal war ein feriencamp und die Teilnehmer durften Bodenarbeit machen, da War ich ganz neidisch, sonst wird das nie angeboten.
Ich hätte vielleicht nicht gesagt 1 Jahr vorher, man sollte halt Bescheid wissen über Bodenarbeit, Longieren etc und wenn man möchte kann man dann ja zwischen den regulären Stunden wieder eine Einheit legen.
Also ich bin absolut dafür :D

Antwort
von fremdgebinde, 87

Ich bin ganz deiner Meinung.
Wenn ich professionell klettern möchte, muss ich auch erstmal mit dem Gurt und der Technik vertraut werden und kann auch nicht sofort an die Wand gehen und runterfallen.
Ist bei jeder Sache so, erst Theorie, dann Praxis. Deshalb geht man ja auch zur Schule und der Uni; um für die späterere Praxis (den Beruf) zu lernen.

Expertenantwort
von ponyfliege, Community-Experte für Pferde, 56

ich bin ein freund des parallelen lernens.

erst ein bisschen theorie: biomechanik, bewegungsablauf etc.

dann sitz- und gleichgewichtsübungen.

deine oben dargestellte meinung (meiner ansicht nach eine chatfrage) wäre vergleichbar damit, als müsse jeder der auto fahren lernen möchte vorher ein auto komplett auseinander und wieder zusammen bauen können, sämtliche elektronischen messungen vornehmen und sämtliche reparaturen ausführen können.

sowas verlangt man von einem werkstattmeister oder von jemandem, der fahrzeuge auf verkehrssicherheit prüft.

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jemand, der ganz normal reiten lernen möchte sollte das tun. einfach so. ohne vorkenntnisse.

ein bisschen physik, mathe, biomechanik und verhaltensbiologie sind sicher wünschenswert weil hilfreich.

ich finde, wer reiten lernt, sollte erklären können, wie ein wärmetauscher im kühlschrank funktioniert. weil wer das erklären kann, kommt nicht auf die idee, sein pferd im winter zu scheren und einzudecken.

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das, was du da oben zum besten gibst, ist meiner ansicht nach VöLLIG ABSURD.

ich kann leider zur zeit keine fragen melden. sonst hätte ich es getan. weil du nämlich keine frage gestellt, sondern lediglich deine meinung bekundet hast. der fragesatz unten dran ändert daran auch nichts.

Kommentar von ponyfliege ,

ach ja - und reiten ist natürlich nicht alles. aufs reiten kann man auch gut verzichten.

auf den rest nicht. aber das wirst du niemand beibringen können, der nicht von daheim so erzogen wurde.

Antwort
von berdDbrot, 43

Eine bekannte von mir hat eine Reitschule. Die  jüngsten fangen da mit 6 Jahren an, und ein 6 Jähriges Kind versteht noch nicht alles, für die ist ein Pferd zum Knuddeln und reiten da. 

Box misten naja, zwingen kann man die Kinder nicht und auch wenn sie es machen ist das mit dem richtigen Misten so eine Sache. (In der Ferien Freizeit wird das immer gemacht) Aber da holen die Kinder entweder zu viel Stroh raus, und machen zu viel rein oder sie nehmen zu wenig raus und machen zu wenig rein) Und wie es richtig geht verstehen sie das dann auf an hieb nicht.

Das 2 problem ist hier die Einsicht, viele wollen das gar nicht zu zahlen für ein Jahr, nur führen, box misten, Longieren und Bodenarbeit nicht. Die zahlen nur wenn sie was "lernen". lernen sehen sie nur das reiten, nicht das drum herum. Außerdem lernt man auch viel währenddessen. 

Antwort
von dap123, 89

Grundlagen rund ums Pferd ja, stimme ich dir zu. Allerdings altersgerecht. Du kannst kein 6jähriges Kind zum Stalldienst verdonnern, nur weil es einmal die Woche zum Voltigieren kommt.

Bodenarbeit, Misten usw. gehört für mich nicht dazu. Putzen / Satteln / Pflege gehört für mich unbedingt dazu. Alles andere wäre an der Praxis vorbei und man würde in diesen Ställen keinen Reiternachwuchs mehr sehen.

Kommentar von friesennarr ,

Das ist für mich genau die falsche Denkweise.

Bei einem Tier gehört immer alles dazu, nicht nur die Fellpflege, das Satteln und das Reiten. Für mich gehört auch auf die Koppel bringen - von der Koppel holen, das Misten, die Fütterung und einfach alles mit dazu.

Wenn die Kinder das nicht mit lernen wollen, dann gehören sie auch noch nicht in den Unterricht.

Kommentar von sagittarius91 ,

Du sprichst mir aus der Seele!

Kommentar von dap123 ,

Ich gehe davon aus, dass ihr - bevor ihr angefangen habt den Computer zu benutzen - ihn auch in seine Einzelteile zerlegt und wieder zusammengebaut habt? Eurer Argumentation nach wäre das nur folgerichtig.

Kommentar von friesennarr ,

Das ist ein sehr schlechter vergleich.

Aber ich habe bei den Pferden erst mal gemistet und geputzt für viele Jahre, bevor ich reiten durfte.

Und stell dir vor, ich wurde nicht bezahlt dafür. Man half auch bei der Heuernte, der Getreideernte, verstaute Ballen unterm Dach und tränkte und fütterte und und und.

Und ja, ich konnte theoretisch ein Pferd auseinandernehmen und wieder zusammenbauen und ich wusste was vorne rein kommt, was vorne nicht rein kommen darf, was ein Pferd brauch, wie es lebt und noch ganz viel mehr, laaaaange bevor ich reiten gelernt habe.

Witzigerweise konne ich auch Mopeds und Radios auseinander nehmen und wieder zusammenbauen und als Computer auf den Markt kamen habe ich auch den PC selbst zusammengebaut.

Kommentar von dap123 ,

Bin jetzt etwas verwundert über den finanziellen Aspekt, der neu hinzugekommen ist - spricht also doch für eine Chatfrage und daran möchte ich mich ab jetzt nicht weiter beteiligen.

Nur soviel: Ich hab es anders gelernt und würde meinen Reitschülern auch eher die o.a. Variante des parallelen Lernens empfehlen. Aber: Viele Wege führen nach Rom und ob eine Lernmethode gut oder schlecht ist, das beurteilen im besten Fall nicht die Anhänger der anderen Methoden.

Antwort
von Viowow, 47

sehe ich genauso.

das problem ist das thema angebot-nachfrage.
welche eltern bezahlen dafür geld, das ihre kinder "dreckarbeit" machen?
richtig, fast keine.
die kids sollen nach 3 reitstunden am besten schon aufs turnier.
wenn das pony nicht macht was es soll, bekommen die ganz kleinen schon ne gerte und sporen, mit der ansage "sich durchzusetzen"...

Kommentar von Urlewas ,

Immer diese Extreme!

Ich denke, wenn jemand sich langsam mit Bodenarbeit ans Pferd herantastet - gute Sache. 

Wenn ein Kind einen Kurs auf dem Ponyhof macht, und auch ein paar Pferdeäpfel aufschaufelt - auch gut.

Aber wenn zum Beispiel eine Reiterin ihren Lebenspartner dafür begeistern möchte, an ihrem Hobby teilzuhaben, wird ihr das kaum gelingen, wenn sie  ihm erst mal die Mistgabel in die Hand drückt.

Und die Späteinsteigerin, die mit Arthrose im Fuß ihren Jugendtraum noch wahrmachen  und mit 60 aufs Pferd möchte, wird auch keine Chance haben, wenn sie erst Stunde um Stunde mit dem Pferd im roudpen herum laufen soll.

Wir  haben keine Milität mehr - wieso sollten wir jetzt die Menschen bei ihrem Hobby in Schablonen pressen...?

Kommentar von friesennarr ,

Im Grunde stimme ich dir zu.

Aber, wir haben es hier mit einem lebenden Tier zu tun, und da muß die Schablone halt schon erst mal passen.

Es gibt auch noch den Unterschied, ist das Hobby das "reiten" oder ist das Hobby "das Pferd".

Bodenarbeit, so wie die Fragerin sich das vorstellt ist für einen pferdeunkundigen Menschen vollkommen unmöglich.

Antwort
von MiasPferdewelt, 7

Auf unserem Reiterhof wird es meistens parallel gemacht, also 1 Stunde Bodenarbeit, 1 Stunde Theorie und dann 1 Stunde Reiten, und so weiter.

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